Dienstag, 23. August 2016

Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK / WCC): Multiple religiöse Identitäten

Current Dialogue Magazine

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  a platform for
  debate to those within
  the ecumenical
  movement who want
  to build bridges
  across religious divides and to their
  partners of different faiths.
  The journal contains articles on inter-religious dialogue, news about
  inter-religious events and related WCC consultation reports.
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  Issue 57 of Current Dialogue explores 

     the phenomenon of “multiple religious belonging,”   

  in which people participate or identify with the practices and beliefs of morethan one religious tradition. Articles address the theme from diverse

  perspectives as they attempt to engage with the theological, pastoral
  and missiological challenges that the phenomenon poses to churches.

Inhaltsverzeichnis


Dienstag, 16. August 2016

Kurz vorgestellt: Streit um das Kopftuch

Kopftuchdebatten in Europa. Konflikte um Zugehörigkeit in nationalen Narrativen.

Bielefeld: Transcript 2016, 296 S.

--- ISBN 978-3-8376-3271-2 ---

Verlagsinformation:

Kopftuch und Identität: Wie sprechen muslimische Frauen in nationalen Debatten für sich und welcher Widerhall begegnet ihnen?
Anna C. Korteweg und Gökce Yurdakul analysieren Prozesse der In- und Exklusion anhand »nationaler Narrative« sowie öffentlicher Zugehörigkeitsdiskurse zu geographischen Gemeinschaften in Frankreich, der Türkei, den Niederlanden und Deutschland.
Den Fokus legen sie hierbei auf die medialen 

und politischen Diskussionen zu Kopftuch, Niqab und Burka,
die zwischen Ablehnung, Toleranz und Aushandlung changieren.
Die Aussagen muslimischer Frauen zeigen dabei,
wie anhand der Kopftuchdebatten die Bedeutung
nationaler Zugehörigkeit überdacht, bekräftigt
und potenziell neu artikuliert werden kann.
Mit einem Vorwort von Naika Foroutan.




 
Anna C. Korteweg ist Professorin für Soziologie an der Universität Toronto. Sie publiziert zu Gender, Rassismus sowie Fragen der Integration von Zugewanderten in Nordamerika und Westeuropa.

Gökce Yurdakul ist Georg-Simmel-Professorin für Diversity and Social Conflict am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Zudem ist sie Co-Leiterin der Abteilung »Wissenschaftliche Grundfragen zu Integration und Migration« am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung.


Montag, 15. August 2016

Bibel und Koran gegenübergestellt - ein wichtiger Titel zum interreligiösen Lernen (von 2005)








Wimmer, Stefan Jakob / Leimgruber, Stephan: Von Adam bis Muhammad. Bibel und Koran im Vergleich.  Mit einem Geleitwort von Isa Güzel (Deutscher Katecheten-Verein, Hg.):
Stuttgart: Verlag Katholisches Bibelwerk [2005], 2. Aufl. 2007, 256 S., Anhang mit Register 

--- ISBN 3-460-33175-5 ---


Inhaltsverzeichnis
 1.  Einleitung
 2.  Inhalt
     2.1.  Interkultureller Dialog
             und interreligiöses Lernen
     2.3.  Wie sollen wir
              die beiden Heiligen Schriften
              verstehen? --- Auslegungsfragen ---
     2.4.  Textaufbau und Textausgaben
     2.5.   Urgeschichten
     2.6.   Abraham, Ismael und Jakob
     2.7.   "Die schönste der Geschichten": Josef
     2.8.   Mose und der Dekalog
     2.9.   Die Könige
     2.10.  Weitere Propheten und Gestalten in Koran und Bibel
     2.11.  Wer ist doch dieser? - Jesus Christus in der Bibel und im Koran
     2.12.  Muhammad in der Bibel?
3.  Persönliche Einschätzung


 1. Einleitung

Das Buch „Von Adam bis Muhammad – Bibel und Koran im Vergleich“ von den katholischen Theologen Stefan Jakob Wimmer und Stephan Leimgruber stellt den interkulturellen Dialog und das interreligiöse Lernen sehr stark in den Vordergrund. Das Buch erschien im Jahr 2005 und ist nunmehr in der 2. Auflage 2007 erhältlich. Die Autoren erwähnen schon im Vorwort die Absicht des Buches, welches sich als „Arbeitsinstrument“ für eine vergleichende Lektüre von Bibel und Koran versteht. Es ist auch für den Gebrauch in der Schule und in der Erwachsenenbildung geeignet. Angesprochen werden sollen sowohl Muslime, als auch Christen. Gerade in unserer heutigen multikulturellen Gesellschaft ist ein Zusammenleben durch den Dialog sehr entscheidend, um Missverständnisse, Unwissenheit und Gewalt vorzubeugen. Das Buch ist in 12 Kapitel und einem Anhang (Kap. 13) unterteilt. Jedes Kapitel endet mit einer kurzen Zusammenfassung.
Zu Beginn geht es um die Begriffe interkultureller Dialog und interreligiöses Lernen sowie deren Methoden und Ziele. Dann wird auf das Verhältnis zu den heiligen Schriften des Koran und der Bibel sowie ihre Bedeutung für Muslime und Christen eingegangen. Im dritten Kapitel geht es um das Verständnis der heiligen Schriften, also auch um ihre sachgemäße Auslegung. Im vierten Kapitel werden Textaufbau und Textaufgaben beider Werke beschrieben. Darauf aufbauend, werden im fünften Kapitel konkrete Textbeispiele biblischer Verse und einzelner Suren im Koran synoptisch dargestellt. Am Anfang stehen Urgeschichte, Schöpfung und Sündenfall, dann folgen im sechsten Kapitel die Geschichten Abrahams, Ismaels und Isaaks und nicht zuletzt wird die Josefgeschichte im siebten Kapitel einer ausführlicheren Betrachtung unterzogen. Im achten Kapitel werden Mose und der Dekalog behandelt. Die Geschichten Sauls, Davids und Salomos werden im neunten Kapitel erzählt. Die Propheten und andere Gestalten in Koran und Bibel kommen im zehnten Kapitel zur Sprache. Das elfte Kapitel erzählt die Jesusgeschichte und zeigt die Rolle Jesu in Bibel und Koran auf. Mit der Frage „Muhammad in der Bibel?“ beschäftigt sich das zwölfte Kapitel. Der Anhang in Kapitel 13 ist sehr ausführlich mit weiteren Literaturangaben, Medien und Registern bestückt.

2. Inhalt

2.1      Interkultureller Dialog und interreligiöses Lernen

Von besonderer Bedeutung ist zunächst die Beschreibung der fünf Schritte interreligiösen Lernens, nämlich
·        religiöse Zeugnisse zu beobachten und wahrzunehmen,
·        sie unter Berücksichtigung sprach- und kulturwissenschaftlicher Erkenntnisse angemessen zu deuten,
·        Menschen anderer Religionen zu begegnen und mit ihnen in einen Dialog einzutreten
·        und eine gewisse Fremdheit gegenüber neuen Ansichten zu respektieren,
·        um schließlich durch stetiges Interesse relevante Informationen für das eigene Leben und die eigene Religion zu gewinnen (S. 17-19).

2.2      Umgang mit der Schrift

Der Koran wurde ursprünglich den Menschen mündlich vorgetragen. Hierzu gibt es Berichte, in denen die Zuhörer in Tränen ausbrechen, in Ekstase verfallen oder sich bekehren. Der Koran spricht in Wunderzeichen Gottes, die dem menschlichen Sprachvermögen eigentlich überlegen sind (S. 22). Gottes Wort drückt sich im Koran aus (Inlibration = Buchwerdung), was bei Muslimen einen besonderen Umgang mit dem Buch zur Folge hat. Im Monat Ramadan wird der Herkunft des Buches gedacht (S. 23). Die Koranverse besonderes kunstvoll vorzutragen, ist sehr angesehen und wird als ein richtiger Zugang zu den Texten befürwortet. Das Wort „Koran“ kommt aus dem Arabischen und bedeutet ursprünglich „Lesung“, „Rezitation“. Dies geht zurück auf das erste Wort, welches Muhammad von Gott offenbart wurde: „Lies“ oder „rezitiere“. Damit steht das ausgesprochene Wort vor dem geschriebenen Wort. In diesem Zusammenhang wird auch deutlich, warum den Muslimen der Koran in der Originalsprache „arabisch“ so wichtig ist (S. 24). Weiter wird nach allgemeinem islamischem Verständnis im Koran eine Rechtsleitung für alle Bereiche des Daseins, inklusive ihrer Auslegung und Interpretation, gesehen. Die Sunna aus dem 9. Jh. umfasst mehrere Äußerungen und Verhaltensweisen des Propheten Muhammad. Hier treten erstmals die fünf Säulen des Islams – Bekenntnis, Gebet, Fasten, soziale Verpflichtungen und Pilgerfahrt – auf. Zudem gibt es im Islam unterschiedlichste Rechtschulen mit ihren Lehrmeinungen, die sich auch widersprechen können (S. 25-27). Die Scharia („Grundgesetz“), ist von der göttlichen Offenbarung abgeleitet. Ihre Auslegung ist jedoch dynamisch und lässt sich in einer sich ständig wandelnden Welt auch ändern. Der Koran ist Gottes Wort und wurde durch Muhammed als Vermittler den Menschen überliefert (S. 32). Die Bibel hingegen ist ein historisches und literarisches Werk sowie für die Christen ein heiliges Buch, welches Erzählungen und Begegnungen mit Gott enthält und auch für die heutige Situation der Menschen ausgelegt werden muss. Zudem hat die Bibel einen sehr viel längeren Entstehungsprozess hinter sich als der Koran. In der Bibel spiegelt sich die Offenbarung Gottes in Geschichten von Menschen wider. Gottes Wort wird somit durch Menschen ausgesprochen. Jesu Leben wird als das Zentrum dieser Offenbarung verstanden (S. 34). Für die Wissenschaft der Theologie ist die Bibel die maßgebende Grundlage. Doch auch im individuellen Glauben begleitet die Bibel durch einzelne Verse viele Menschen in ihrem Alltag. Die Bibel ist auch wichtig für die Gemeinschaft in der Kirche, wie z.B. für den Ablauf im Gottesdienst. Auch die Fest- und Feiertage im Kirchenjahr finden ihren Ursprung in der Bibel. Die Schriften, Koran und Bibel, sollten im Religionsunterricht behandelt werden, um Schülern diese näher zu bringen, auch mit Blick auf ihre kulturelle Bedeutung (S. 36 ff).

2.3      Wie sollen wir die beiden Heilige Schriften verstehen?                                                            - Auslegungsfragen - 

Nach der islamischen Überlieferung wurde der Koran durch den Erzengel Gabriel an Muhammad offenbart und – in der Tradition bleibend – später weiter rezitiert. Doch nach dem Tod Muhammads wurden die Worte von verschiedenen Leuten aufgeschrieben, gesammelt und später zu einem Buch zusammengefügt. Trotz der Zusammenstellung bleibt aus Sicht der Muslime dadurch Gottes Wort bestehen. Abweichende Lesearten werden jedoch auch akzeptiert. Zwar gibt es verschiedene Kommentierungen, um den Koran auszulegen, die grundlegende Meinung ist jedoch, dass „der Koran für sich spricht“. Jeder Einzelne muss für sich persönlich entscheiden, wie er die gelesene Stelle auslegt. Die arabische Sprache wird als die ideale Sprache der Offenbarung Gottes angesehen. Übersetzungen in andere Sprachen sind sehr schwer anzufertigen, weil in der arabischen Sprache Vokale ausgelassen werden und Wortbedeutungen schwanken. Somit sind häufig verschiedene Deutungen einzelner Begriffe möglich. Eine wichtige Hilfe sind daher historische Manuskripte, wie z.B. die diejenigen in der Genisa von Sanaa im Jemen, welche Aufschluss über die ursprüngliche Bedeutung der Texte geben können (S. 40-54).
Die Bibel ist Gottes Wort, welches aber durch des Menschen Wort vermittelt wird. Es gibt keine fortlaufende Offenbarung wie an Muhammad. Es gab mündliche Überlieferungen und später auch Verschriftlichungen, die sich sukzessive zu einem Buch entwickelten. Historische Umstände spielten bei der Entstehung der Texte und bei ihrer Überlieferung eine wichtige Rolle. Der Entstehungsprozess der Bibel dauerte vom 8 Jh. v. Chr. bis ins 2 Jh. n. Chr. über einen Zeitraum von ca. 1000 Jahren. Auch die biblischen Ursprachen (hebräisch, aramäisch und griechisch) sind für die genauen Wortbedeutungen wichtig. Als weitere Hilfe für die Exegese können die Texte aus Qumran sowie erste Bibelübersetzungen (Septuaginta, Targumim, Peschitta, Vulgata) herangezogen werden. Insbesondere die historisch-kritische Methode ist für die Auslegung der Bibel von Bedeutung.
Zu erwähnen sind außerdem befreiungstheologische, feministische und tiefen-psychologische Auslegungen sowie andere neue Interpretationen (S. 46-53).

2.4      Textaufbau und Textausgaben

Der Koran besteht aus 114 Suren und 6236 Versen. Die Bibel ist je nach Konfession in 66 (ev.) oder 73 Bücher (kath.) gegliedert. Die Suren des Korans unterscheiden sich in ihrem Entstehungsort, also entweder Mekka oder Medina. Die Sprache der Bibel im Alten Testament ist ursprünglich hebräisch und aramäisch, wobei das Neue Testament in griechischer Sprache verfasst wurde.
Die Sprache des Korans ist arabisch. Seine Verschriftlichung und Übersetzung in die verschiedenen Muttersprachen der Menschen ist nach einiger Zeit der mündlichen Überlieferung erforderlich geworden. Im christlichen Glauben gibt es hingegen viele unterschiedliche Übersetzungen. So werden in der Evangelischen Kirche bevorzugt die Lutherübersetzung, aber auch die sog. Zürcher Bibel und moderne Übersetzungen verwendet, wohingegen die Katholische Kirche vornehmlich mit der Einheitsübersetzung arbeitet.
Muslime wollen Gottes Wort rezitieren und so heraushören, was Gottes Wille ist.
Die Christen lesen die Bibel und interpretieren die Textstellen verstärkt auf ihre heutige Lage (S. 55-88).

2.5      Urgeschichten

Schon bei der Urgeschichte stellen sich erste Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.
In beiden Werken wird die Schöpfung vom Schöpfer als gut betrachtet. Hierbei lassen sich auch strukturelle Gemeinsamkeiten bei der Erschaffung des Menschen als Mann und Frau feststellen (S. 91f). Ähnlich ist auch die besondere Rolle des Menschen innerhalb der Schöpfung.
Auch der Sündenfall wird sowohl in der Bibel als auch im Koran dargestellt, wobei ein wesentlicher Unterschied darin besteht, dass der Koran keine „Erbsünde“ kennt (S. 93f).
Ebenfalls wird bei Noah der Regenbogen als Bundeszeichen nicht erwähnt (S. 99 ff).

2.6      Abraham, Ismael und Isaak

Die Geschichte der Erzväter wird in beiden Werken erzählt. Sie ist geprägt vom Vertrauen auf Gott und seinen Segensverheißungen für die nächsten Generationen. Als initiales Ereignis dieser Gott-Mensch-Beziehung wird der Bund zwischen Gott und dem Stammvater Abraham dargestellt. Im Koran wird jedoch erstmals die besondere Rolle Ismaels als Stammvater Muhammads eingeführt (S. 110-123).

2.7      „Die schönste der Geschichten“: Josef

Die Josefsgeschichte spielt in beiden Werken eine wichtige Rolle. Im Vordergrund steht das bewegte Leben von Josef, welches er mit Gottes Hilfe bewältigt. Gleichzeitig wird der barmherzige Gott dargestellt, der Schuld und Leid vergibt, so wie Josef seinen Brüdern (S. 124-140). Im Koran ist außerdem das Glaubensbekenntnis (S.130) von Josef im Gefängnis sehr wichtig.

2.8      Mose und der Dekalog

Mose gilt in allen Werken als Mittelsmann und Diener Gottes (S. 143 ff). Der Dekalog zeigt deutlich Gottes Willen, welcher weltweit gültig ist. Die Offenbarung Gottes gegenüber Mose im brennenden Busch wird in der Bibel und im Koran geschildert. Mose wird besonders im Islam als Vorbote Muhammads angesehen. Vergleicht man die zehn Gebote im Judentum, Islam und Christentum steht fest, dass das jede der drei Weltreligionen monotheistisch ausgerichtet ist. Die Grundwerte der Gebote (4 bis 10) werden im Islam, im Judentum und Christentum vertreten (S. 155).

2.9      Die Könige

Im Alten Testament werden die Könige als politische Herrscher anerkannt, die dem Volk Heil bringen, aber auch menschlich mit all ihren Schwächen und ihrem Versagen dargestellt werden, wie z.B. König David. Der Koran hingegen sieht die Könige als Propheten, welche unter keinen Umständen versagen können, hoch angesehen und rechtschaffend unter dem Volk sind (S.161-175).

2.10  Weitere Propheten und Gestalten in Koran und Bibel

In Koran und Bibel werden teils gleiche, teils verschiedene prophetische Gestalten aufgeführt. Im Koran treten die Propheten für alle Völker auf. Beide Werke kennen jedoch die Engel als Boten Gottes. Neben den Engeln kennt der Koran auch „Mittelwesen“, die „Dschinn“. Auch über den Satan als Widersacher Gottes wird in ähnlichem Maße berichtet, wenngleich der Koran hier ausführlicher erzählt. Muhammad stellt den letzten islamischen Propheten dar. In der christlichen Auslegung nehmen die Propheten immer wieder auf Jesus Christus (z.B. Jesaja) Bezug. Beide Werke kennen Maria als die Mutter Jesu und ihre jungfräuliche Geburt (S. 176-196).

2.11. Wer ist doch dieser? - Jesus Christus in der Bibel und im Koran? – Jesus Christus in der Bibel und im Koran

Die Bibel stellt Jesus in den Mittelpunkt ihrer Verkündigung. Sein Evangelium bildet die Grundlage für Christentum und Kirche. Für die Christen ist Jesus, Gottes Sohn. Er gilt als Erlöser und Retter durch seine Auferstehung (S. 199ff).
Der Koran sieht in Jesus einen Propheten, Gesandten und Heiler (= einen vorbildlichen Muslim), welcher als Sohn der Jungfrau Maria geboren wird. Marias biblischer Mann Josef wird nicht erwähnt (S. 202).
Eine hohe Bedeutung wird im Koran der Verkündigung des Evangeliums durch Jesus zugeschrieben. Bemerkenswert ist hier, dass sowohl die Tora, als auch das Evangelium als Offenbarungsschriften anerkannt werden. Die „endgültige“ Offenbarung wird aus Sicht des Korans jedoch erst dem Propheten Muhammad als „Siegel“ oder „Inbegriff der Propheten“ zuteil (S. 203). Doch im Koran wird erwähnt, dass Jesus die Tora bestätigt und gleichzeitig einen anderen Gesandten verkündigt, der noch kommt.
Die Kreuzigung Jesu, wie sie in der Bibel erzählt wird, findet im Koran nicht statt. So heißt es in Sure 4:158 „Gott hat ihn zu sich erhoben“. Abhängig von der Auslegung bedeutet dies entweder, dass Jesus direkt von Gott erhoben wurde oder nach seinem Tod am Ende der Zeit auferstehen wird. Jedenfalls wird die besondere „rettende“ Bedeutung des Kreuzes durch den Islam abgelehnt (S. 212).
Aus dem Verständnis des Korans, welcher in Jesus einen Propheten sieht, sowie zahlreichen Textnachweisen geht hervor, dass auch die Göttlichkeit Jesu und seine Rolle als Gottes Sohn im Rahmen der Dreifaltigkeit abgelehnt wird.

2.12  Muhammad in der Bibel?

Die biblischen Hinweise auf den kommenden „Retter“ werden von den Muslimen auf Muhammad gedeutet. So werden die aus christlicher Sicht einschlägigen Prophezeiungen des Jesaja (Jesaja 9,1-6) auf Muhammad gedeutet. Selbst die neutestamentlichen Ankündigung Jesu, dass nach ihm ein Gesandter kommt (S. 217, gemeint ist hier eigentlich der „Tröster“ oder Heilige Geist), wird entsprechend interpretiert.
Das hebräische Wort "misra" (zu deutsch "Herrschaft") lässt sich durch Ableitungen als „mit einem Zeichen versehen“ übersetzen. So gilt Muhammads Muttermal zwischen den Schulterblättern als besonderes Zeichen und als Prophetenmandat. Muhammad hat, wie auch seine Vorgänger, das Mittel des Kampfes für die Religion benutzt, im Gegensatz zu Jesus. Auch wird der Name Muhammads als „der Gepriesene“ übersetzt. Weiter wird behauptet, dass sich dieser Name im griechischen Urtext der Evangelien finden lässt. Die Christen hingegen verstehen diese Texte als Hinweise auf Jesus Christus.

3.  Persönliche Einschätzung


Aus meiner Sicht ist die Struktur des Buches sehr gelungen. Systematisch werden alle wichtigen Themen erwähnt und sprachlich gut dargestellt. Methodisch zielgerichtet ist hier besonders die synoptische Darstellung einzelner Themen in Bibel und Koran, welche den unmittelbaren Vergleich beider Werke ermöglicht; Besonderheiten werden herausgestellt. Anschauliche Abbildungen tragen zu einem besseren Verständnis bei. Ich habe durch das Buch einen guten Überblick über viele Gemeinsamkeiten und wichtige Unterschiede zwischen Bibel und Koran und somit auch zwischen beiden Weltreligionen gewonnen. Die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels und die didaktischen Hinweise für die Schule sind sehr hilfreich. Das Buch eignet sich für Lehrer/innen in der Schule und in der Erwachsenenbildung und nicht zuletzt für alle Interessierten am christlich-islamischen Dialog.

 Im Rahmen des Seminars „Vielfalt des Islam“
an der
  TU Dortmund im Wintersemester 2013/2014,
vorgelegt von Lara Hering


   Rz-Koran-Synopse-TU-DO, Lara Hering, 19.01.2014, bearb. 15.08.2016    

Mittwoch, 10. August 2016

Olivier Roy - Zeitanalysen in der Begegnung mit dem Orient (aktualisiert)

Der Politikwissenschaftler Olivier Roy (geb. 1949) gehört zu den herausragenden Persönlichkeiten im Bereich politisch-religiöser Forschungen und Analysen.
Er war lange Zeit Forschungsdiektor am Centre National de Recherches Scientifiques (CNRS) und Professor sowohl für die École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS)  als auch für das Institut d'Études Politiques de Paris (IEP). Alle Einrichtungen haben ihren Sitz in Paris. Inzwischen arbeitet Roy am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz. Seine Beobachtungen, Analysen und Schlussfolgerungen betreffen in besonderer Weise den gegenwärtigen Islam mit seinen regionalen Ausprägungen und die damit zusammenhängenden politischen Strömungen und Tendenzen der Globalisierung.