Sonntag, 27. Oktober 2013

PANORAMA - ein interkulturelles, interreligiöses und internationales Jahrbuch für Erziehung und Ethik


Obwohl nur einem kleineren Kreis bekannt und seit 1989 existierend, hat PANORAMA von Anfang an eine internationale Reichweite. Darum ist auch ein großer Teil der Beiträge in Englisch abgefasst. Beeindruckend ist die Liste der Mitarbeitenden, die seitdem für diese Jahrbuch-Zeitschrift geschrieben haben. 

Drei Herausgeber zeichnen verantwortlich: 
  • Prof. Dr.Dr.Dr.Lit. Manfred Kwiran (zugleich Hauptredakteur),Theologische Fakultät der Universität Bern
Im Beirat des Jahrbuchs wirken bekannte Erziehungswissenschaftler, Theologen, Ethiker und Religionspädagogen aus Europa, den USA, Australien und Südafrika mit.
Der Untertitel von "Panorama" gibt dann sehr deutlich die Zielrichtung an: 

Intercultural of Interdisciplinary Ethical
and Religions Studies for Responsibel Research.

Diesem Anspruch wird auch der neueste Band Nr. 25 (2013, 204 S.) gerecht.

In einem 1. Teil: New Items and Publications schreiben die Autoren über aktuelle Themen und neue Bücher - neben dem Herausgeber Joyce Miller (Universität Warwick, UK), Peter Schreiner (Comenius-Institut Münster), Gopal Kripalini (Braunschweig), Johannes Lähnemann (Universität Erlangen-Nürnberg), Reinhold Mokrosch (Universität Osnabrück), Jos Schnurer (Universität Hildesheim), Stefan Silber (Universität Osnabrück) und Hermann Strutz (Gütersloh).

Im 2. Teil: Short Essays and Reports spricht Kari Flornes (Universität Bergen, Norwegen) über die Einübung demokratischen Verhaltens in der Erziehung. Reijo E. Heinonen (Universität Joensuu, Finnland) betont die spirituelle Bedeutung und ethische Herausforderung im Blick auf das Wasser und Johan Valstar (Pädagogische Hochschule, Windesheim, NL) hebt die Wichtigkeit der Kindertheologie und der Elementarisierung hervor. Der Herausgeber Manfred Kwiran legt Wert darauf, dass die Genozide in Geschichte und Gegenwart sowie die Menschenrechte bewusst-bleiben. Johannes L. van der Walt (Nord-West-Universität Südafrika) schließlich untersucht die Strukturen von Religion und Erziehung in seinem Land angesichts staatlicher Vorgaben und religiöser Intentionen.

Der 3. Teil: Major Research Essays beinhaltet Überlegungen zu religiöser Toleranz als Akzeptanz  mit Empathie von Reinhard Kirste (Interreligiöse Arbeitsstelle, INTR°A / TU Dortmund), gefolgt von einem Beitrag über die Zwiespältigkeit der Euthanasiedebatte zwischen Fluch und Segen, abwägend bedacht durch den interkulturellen Philosophen Gopal Kripalini (Braunschweig). Der Miterherausgeber Siebren Miedema unterzieht die religiöse Erziehung insgesamt einer Revision im Horizont von "Kultur" und "Tradition". Reinhold Mokrosch (Universität Osnabrück) setzt gegenüber auch kirchlich offiziellen Defiziten des Islamverständnisses eine sachgemäße Interpretation von Djihad, Gewalt und Frieden im Islam. Lars Naesland (Universität Stockholm) fordert in der Erziehung ein intensives Frageverhalten ein. Schließlich plädiert Hein Retter (TU Braunschweig) für mehr Pragmatismus im theologisch-pädagogischen Diskurs der Gegenwart.

PANORAMA lädt nachdrücklich dazu ein, über den deutschen religionspädagogischen und theologischen Tellerrand zu blicken, wichtige Entwicklungen der religiösen Erziehung weltweit wahrzunehmen und sowohl in die eigene Forschung wie in die Praxis von Kindergarten, Schule, Universität und Religionsgemeinschaft einzubeziehen. 


Dienstag, 15. Oktober 2013

Perspektiven religiöser Bildung in einem zusammenwachsenden Europa



Peter Schreiner: Religion im Kontext einer Europäisierung von Bildung. Eine Rekonstruktion europäischer Diskurse und Entwicklungen aus protestantischer Perspektive.
Religious Diversity and Education in Europe
,
Vol. 22. Münster u.a.: Waxmann 2012, 402 S.      
(zugleich Dissertation Universitäten Erlangen-Nürnberg        
und Vrije Universiteit Amsterdam 2012)
--- ISBN 978-3-8309-2801-0 ---
Rezension von Prof. Dr. Martin Schreiner (Universität Hildesheim),
zuerst erschienen in:

Theo-Web. Zeitschrift für Religionspädagogik 12 (2013), H.1, 187-279

im Rahmen einer umfassenden Sammelrezension:

Von „Globalisierte Religion“ über „Empathische Bibeldidaktik“ bis zum „Kompendium der frühchristlichen Wundererzählungen“– Beachtenswerte Neuerscheinungen für die religionspädagogische Handbibliothek.
Die jeweiligen Schwerpunkte der hier ausgewählten Besprechung sind redaktionell durch Fettschreibung hervorgehoben!
Die Gesamtbesprechung kann eingesehen werden unter:      
http://www.theo-web.de/zeitschrift/ausgabe-2013-01/15.pdf

Der Rezensent betont insgesamt die Wichtigkeit dieser vorgelegten Situationsanalyse und beginnt mit der klar konturierten Zielrichtung, die Peter Schreiner in seiner Einleitung formuliert und damit zugleich den europäischen Bildungshorizont unter religiöser Fokussierung anspricht:
„>In der Studie wird die Bedeutung von Religion im Kontext einer Europäisierung von Bildung untersucht. Ein Ausgangspunkt ist dabei, dass europäische Prozesse in vielfältiger Weise auf nationale Bildungs- und Ausbildungssysteme einwirken (Europäisierung von Bildung) und dass die europäischen Institutionen, der Europarat und die Europäische Union, zentrale Akteure in der Veranlassung und der Entwicklung dieser Prozesse sind. Ihre Positionen und ihre inhaltlichen Konzepte materialisieren sich dabei in zahlreichen politischen Dokumenten, die bislang im Rahmen der Forschung noch nicht hinreichend beachtet und untersucht wurden. Es werden für die Studie solche Dokumente herangezogen, in denen sich ein Zusammenhang von  Religion und Bildung vermuten lässt. Unter Verwendung eines hypothesengenerierenden qualitativen methodischen  Verfahrens werden die ausgewählten Dokumente analysiert. Ergebnisse der Analyse werden, orientiert an den zentralen Kategorien ‚Religion‘ und ‚Bildung‘, zusammenfassend dargestellt und von einer protestantischen Perspektive aus diskutiert. Die Studie wird mit einem Resümee und mit Anregungen zur Weiterentwicklung der Forschung sowie für Bildungspolitik und eine weitergehende Europäisierung evangelischer Bildungsverantwortung abgeschlossen< (11).
Für die Untersuchung von möglichen Beziehungen zwischen Religion im Kontext einer Europäisierung von Bildung sind für den Verfasser folgende Fragen leitend: >Inwieweit wird Religion im Kontext einer Europäisierung von Bildung thematisiert? Welche Konzepte, Vorstellungen, Bilder und Stereotypen von Bildung und Religion finden sich im Rahmen einer Europäisierung von Bildung? Das Ziel (TheoWeb S. 194) der Studie besteht in der Rekonstruktion von Konzepten von Religion und Bildung anhand ausgewählter Dokumente des Europarates und der Europäischen Union. Es soll analysiert werden, ob und mit welcher Zielsetzung Religion im Rahmen einer Europäisierung von Bildung thematisiert wird. Es wird danach gefragt, welche Merkmale die verwendeten Konzepte von Bildung und Religion aufweisen und welchen Stellenwert ihnen  beigemessen wird. Ergebnisse der  Inhaltsanalyse werden von einer protestantischen Perspektive her diskutiert. Anregungspotenzial wird erwartet für eine bildungspolitische Verortung der Evangelischen Kirche in Deutschland, anderer nationaler Kirchen wie auch für die Zusammenschlüsse christlicher Kirchen in Europa, deren Beitrag im Rahmen europäischer Diskurse zu Religion und Bildung gefordert ist< (21).
Die Untersuchung ist wie folgt aufgebaut: >In Kapitel zwei werden theoretische Grundlegungen formuliert, die einen Zusammenhang von Europa, Bildung und Religion herstellen. Dazu werden zunächst wesentliche Bestimmungsfelder für die Beziehung von Bildung und europäischer Integration rekonstruiert (2.1) Die Geschichte der europäischen Integration wird zusammenfassend dargestellt mit einem besonderen Fokus auf der schrittweisen Bedeutungszunahme von Bildung im Rahmen der Entwicklung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaften zur heutigen werteorientierten Europäischen Union. Als Ergebnis der Sichtung vorliegender Darstellungen werden drei Phasen unterschieden:
(1) Vorgeschichte und beginnende Kooperation im  Bildungsbereich    
(2) Neue Rechtsgrundlage mit dem Vertrag von Maastricht (ab 1993) 
(3) Integration von allgemeiner und beruflicher Bildung in eine übergreifende politische und ökonomische  Strategie (ab der 2000 verabschiedeten Lissabon-Strategie).
Religion hat sich zu einer Dimension und zugleich zu einer Herausforderung im Rahmen des Diskurses um gemeinsame Werte in Europa entwickelt. Dies begründet sich in einem erneuerten öffentlichen Interesse an Religion und sich dadurch verändernden Wahrnehmungen auch im Rahmen der europäischen politischen Institutionen (vgl. Kap. 2.2). Im wissenschaftlichen Diskurs sind vermeintliche Sicherheiten im Umgang mit Religion fraglich geworden, und es haben sich neue Forschungsperspektiven entwickelt. Kapitel drei stellt Methode und Prozess der Durchführung vor. Das zentrale Kapitel vier enthält die Analysen und Rekonstruktionen der ausgewählten Dokumente des Europarates und der Europäischen Union und einen Exkurs zu einigen ausgewählten Dokumenten europäischer kirchlicher Zusammenschlüsse, die sich auf konkrete Entwicklungen der europäischen Integration beziehen lassen. Die Ergebnisse der Analyse werden anschließend in Kapitel fünf zusammenfassend anhand der zentralen Kategorien Religion und Bildung im Spannungsfeld nationaler und europäischer Kontexte sowie den auf der  Grundlage der Untersuchung entwickelten Subkategorien diskutiert (Kapitel 5.1). Dazu wird eine protestantischen Perspektive als Spiegel und Reflexionsbrille verwendet (Kapitel 5.2), einerseits aufgrund des Erkenntnisinteresses des Autors, zum anderen aufgrund der Einsicht, dass sich Religion nicht abstrakt manifestiert, sondern in Form bestimmter historisch entwickelter Konfessionen und kontextueller Perspektiven darstellt, die zu benennen sind, wenn es um eine nachvollziehbare, valide Analyse geht. Abschließend wird ein Resümee gezogen, die Studie forschungsmethodisch reflektiert und Anregungen sowohl für die Weiterentwicklung der Forschung als auch für Bildungspolitik und die Europäisierung evangelischer Bildungsverantwortung gegeben (Kapitel 5.3)< (21f).

Spannend liest sich unter anderem auch die Zusammenfassung der Ergebnisse:
>Ein erstes Ergebnis ist der Unterschied, wie die Beziehungen von Religion und Bildung in den Dokumenten des Europarates und der Europäischen Union überhaupt thematisiert werden. Während diese Beziehungen in den Europaratsdokumenten  explizit (TheoWeb195) thematisiert und diskutiert werden, findet sich dieser Zusammenhang in Dokumenten der Europäischen Union nur in indirekter Weise. Religion: In den Dokumenten des Europarates lassen sich analytisch drei Perspektiven von Religion unterscheiden:
Religion als Privatsache, Religion in kollektiver und organisierter Form und Religion als kulturelles Faktum. In diachronischer Perspektive lässt sich analytisch nachweisen, dass Religion als Privatsache eine durchgängig in den Dokumenten verwendete und etablierte Perspektive darstellt; es kommt hinzu, dass die organisierte Religion im Laufe der letzten Jahre zunehmend positiv wahrgenommen wird. Grundlage dieser Aussage ist ein Vergleich vorliegender Konzepte in Dokumenten, die zwischen 1993 und 2011 entstanden sind. Die Übereinkunft, Religion zumindest als kulturelles Faktum zu betrachten, findet sich als Minimalkonsens in aktuellen Dokumenten des Europarates. Religion: In den Dokumenten der Europäischen Union lässt sich kein explizites Konzept von Religion finden, die EU respektiert jedoch den rechtlichen Status der Kirchen und Religionsgemeinschaften und die bestehenden Beziehungen von Staat und Kirche in den Mitgliedstaaten. Die EU organisiert auch einen regelmäßigen Dialog mit den Kirchen und  Religionsgemeinschaften. Bildung: Im Rahmen des Europarates wird Bildung hoch gewichtet und positiv als ‚Problemlösung‘ verstanden. Allerdings lässt sich in den analysierten Dokumenten keine weitergehende, differenzierte Auseinandersetzung mit dem Konzept Bildung finden. Im Kontext der EU wird Bildung zunehmend europäisiert, ihr wird eine spezifische Rolle und Funktion zugesprochen im Blick auf Wirtschafts- und Wachstumsinteressen. Lebenslanges Lernen wurde als übergreifendes Prinzip für die Entwicklung der EU zu einer zukunftsfähigen Wissensgesellschaft etabliert, das zugleich zum Bewusstseins einer europäischen Bürgerschaft beitragen soll, die auf Verständigung, dem Respekt für Menschenrechte und Demokratie ebenso beruht wie auf der Förderung von Toleranz und Respekt für andere Völker und Kulturen. Religion und religiöse Bildung: Ein expliziter Zusammenhang von Bildung und Religion wird in den  Dokumenten des Europarates thematisiert. Dabei wird die Position eines ‚teaching about religions‘ präferiert, die in der Vermittlung von Wissen den Zweck religiöser Bildung erfüllt sieht. Die Vielfalt bestehender Konzepte eines Religionsunterrichts in den Schulen Europas und damit verbundene Erfahrungen werden nicht aufgenommen und diskutiert. Bildung und Religion werden im Rahmen der EU nicht explizit thematisiert, allerdings spielt der Zusammenhang eine Rolle im intensiver werdenden Dialog mit Kirchen und Religionsgemeinschaften. Zusammenfassend lassen sich im europäischen Kontext zwei Tendenzen in der Beurteilung von Religion erkennen. Zum einen werden die Religionsgemeinschaften zunehmend zu wertvollen Partnern der Politik bei der Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, sofern sie sich an vorgegebene Rahmenbedingungen halten. Zum anderen wird das Geflecht zwischen Religion, Demokratie und Gesellschaft als facettenreich charakterisiert. Das zeigt eine knappe Auflistung der Ausdifferenzierungen in der europäischen Semantik, die im Rahmen der Analyse aufgewiesen werden konnten: Religion schwindet, nimmt jedoch gesellschaftlich an Bedeutung zu; Religion ist Privatsache, aber eine öffentlich bedeutsame Angelegenheit; Religion ist ein kulturelles Faktum, aber für Gläubige bedeutet Religion weitaus mehr< (340f).
Die Diskussion der Ergebnisse erfolgt im Rahmen dieser Studie aus einer protestantischen Perspektive und kann in drei Punkten zusammengefasst werden:
>1.  Aus einer protestantischen Perspektive kann der Position einer Privatisierung von Religion und einer Marginalisierung von  Religion in der Öffentlichkeit nicht zugestimmt werden. Die Forderung geht vielmehr in Richtung einer stärker differenzierten Wahrnehmung (TheoWeb S. 196) von Religion, die Raum und Möglichkeiten zulässt für  Kirchen und religiöse Gemeinschaften wie auch für gemeinsame  Projekte und Aktionen zwischen Staat und den Religionsgemeinschaften. Auf diese Weise kann auch einer Instrumentalisierung der Religionsgemeinschaften für politische Interessen vorgebeugt werden.     
2. Aus einer protestantischen Perspektive bedeutet Bildung mehr als die Förderung von Arbeitsmarktfähigkeit, Flexibilität und Mobilität. Orientiert an Maßen des Menschlichen wird ein ganzheitliches, multidimensionales Verständnis von Bildung vertreten, das sich komplementär versteht  gegenüber einem  Bildungsverständnis, das  Fähigkeiten und Wissen zu Arbeitsmarktfähigkeit ins Zentrum stellt.
3.  Schließlich lässt sich aus protestantischer Perspektive fordern, dass die Beziehung zwischen Religion und  Bildung nicht auf einen Wissensaspekt, auf ein ‚teaching about religion‘ beschränkt wird. Die Vermittlung von Wissen sollte ergänzt werden durch die Beschäftigung mit anderen Aspekten von Religion, um ein Konzept einer religiösen Kompetenz zu fördern, das sich nicht auf die Vermittlung von Information und Wissen beschränkt, sondern ebenso Fähigkeiten, Einstellungen und  volitionale  Elemente umfasst, um mit der eigenen  Religion wie  mit der Religion des  anderen in vielfältiger Weise umgehen zu können< (342).
Abschließend leitet der Autor vier Perspektiven ab:
>1.  Für den Bereich der Forschung lässt sich festhalten, dass europäische Entwicklungen im Bereich Religion und Bildung aktiver wahrgenommen werden sollten. Die von der EU geförderte Programmatik im Dreieck von Forschung – Innovation – Bildung wird in den einzelnen Disziplinen und interdisziplinär noch wenig aufgenommen. Allerdings bedarf es auch geeigneter europäischer Projektlinien, um Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu ermöglichen und zu unterstützen.     
2.  Das Konzept einer vertikalen und horizontalen Europäisierung sollte als Forschungsperspektive und analytisches Werkzeug, als leitendes Paradigma im interdisziplinären Diskurs, weiterentwickelt werden, u.a. in Relation zu anderen Prozessen der Globalisierung und zu Ansätzen einer kosmopolitischen Orientierung.
3.  Der Dialog zwischen den Kirchen und Religionsgemeinschaften und den europäischen Institutionen sollte intensiviert werden. Ziel wäre dabei, zu einer zunehmenden Differenzierung im Religionsverständnis beizutragen und gemeinsame Herausforderungen zu identifizieren, die gemeinsam bearbeitet werden können.
4.  Die Position des Protestantismus zu Bildung und Gesellschaft, aber auch zum Verhältnis von Religion und Öffentlichkeit und zur Funktion von Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Zivilgesellschaft, sollte aktiver in den europäischen Diskurs eingebracht werden. Dazu kann eine intensivere Zusammenarbeit im Rahmen der KEK und der GEKE im Blick auf ihre Bildungsinitiativen beitragen< (343).“


Martin Schreiner
Rz-Schreiner-Europa, 15.10.13

Sonntag, 6. Oktober 2013

Im Überschneidungsfeld von Theologie und Literatur: Die Bachl-Lectures



Gregor Maria Hoff / Ulrich Winkler (Hg.): Poesie der Theologie.
Versuchsanordnungen zwischen Literatur und Theologie:

Bachl-Lectures 2007-2011

Salzburger Theologische Studien Bd. 45. Innsbruck-Wien: Tyrolia 2012, 179 S.
--- ISBN 978-3-7022-3192-7 ---

Kurzrezension: hier

Ausführliche Beschreibung
Der katholische Dogmatiker und Ökumeniker Gottfried Bachl (geb. 1932 in Linz) gehört zu den weniger bekannten, aber doch wichtigen Theologen im deutschsprachigen Raum, weil er praktische Erfahrung und wissenschaftliche Theologie in vielfältiger Weise miteinander verbindet. So hat er sich nicht nur mit seinen theologiegeschichtlichen Veröffentlichungen einen Namen gemacht, sondern auch mit seinem engen Bezug zur Literatur. Dies drückt sich sowohl in seinem ihm eigenen poetischen Stil wie in den Intentionen aus, dogmatische Positionen zu hinterfragen und neu zu beziehen.

1997 wurde Bachl mit dem Sexauer Gemeindepreis für Theologie ausgezeichnet und ihm damit die große Gemeindenähe seiner Theologie bestätigt. Bachl gehört übrigens auch dem PEN-Club an. Die Salzburger Universität hat es nun unternommen, die Mehrzahl der sog. Bachl-Lectures zum 80. Geburtstag von Gottfried Bachl zu dokumentieren. Herausgekommen ist ein Kaleidoskop zwischen Theologie, Liturgie und Poesie. Damit wird zugleich ein Signal gesetzt, dass der religiöse Bereich ständige Veränderungen braucht, um durch unterschiedliche Sichtweisen, auch bewusste Irritationen, Glauben heute überzeugend zu leben.
Um Gottfried Bachl gewissermaßen theologisch und biografisch näher kennen zu lernen, zeichnet der Salzburger Dogmatiker Alois Halbmayr ein Lebensporträt des 80jährigen. Er legt die Schwerpunkte auf dessen Kindheit und Jugend im Nationalsozialismus, um von dort aus seine geistigen Grenzverschiebungen anzusprechen: „So galt Bachls theologisches Interesse nicht nur den großen, ausgetretenen Pfaden der kirchlichen Tradition, sondern mit gleicher Aufmerksamkeit auch den abgelegenen Wegen …“ (S. 13). Das führt zur Konzentration auf die Gottesfrage, den Umgang mit den oft genug befremdlichen Jesus, und zugleich die Auseinandersetzung in kritischer Zeitgenossenschaft. Das Interview, vom Salzburger Dogmatiker und Mitherausgeber Ulrich Winkler geführt, macht in einer Art aktualisierenden Fortsetzung nicht nur die Lebensstationen Bachls zwischen Oberösterreich, Rom und Salzburg deutlich, sondern auch die zeitkritischen Impulse, die seine Theologie bestimmen. Denn „es [ist] wohl an der Zeit , dieser Mündigkeit (sc. in der Bildung) auch im religiösen Bereich zu entsprechen. Die längste Zeit war der Klerus auch im religiösen Bereich der Dominator des Bildungswesens. Dass diese Zeit vorbei ist, begrüße ich“ (S. 29).
Die zuerst präsentierte Vorlesung des Tübinger Germanisten und katholischen Theologen Karl-Josef Kuschel aus dem Jahr 2007 bezieht sich auf Krankheit, genauer auf den Krebs als Metapher: „… wenn Krebsausbruch und Sterbensbeginn zusammenfallen, dann schlägt die Stunde der Literatur“ (S. 35). Das verdeutlicht Kuschel an Leo Tolstois Geschichte „Der Tod des Iwan Iljitsch“, an der Krankengschichte „Die Betrogene“ von Thomas Mann, an Alexander Solschenizyns „Die Krebsstation“ und Philip Roths „Das sterbende Tier“. Während hier noch die Erzähler „außen vor“ bleiben, stellt Kuschel dann beispielhaft Autoren vor, die zugleich Patienten sind: Fritz Zorn, Maxie Wander und Peter Noll. Letztlich zeigen sie alle, um es mit Blaise Pascal zu sagen „Elend und Größe des Menschen“ (S. 55). Wie Poesie und Liturgie im Sinne ästhetischer Wahrnehmung zusammenhängen, beschreibt der Theologe und Didaktiker Alex Stock und verdeutlicht dies recht ungewöhnlich an Ernst Jandls hosi, am Sanctus der Messe und am Ave Maria. Es geht um Musikalität der Sprache, ihren Rhythmus und ihren Klang, die manchmal unter Modernisierungsversuchen der Liturgie leiden. Auf anderem Wege nähert sich der Augsburger Religionspädagoge Georg Langenhorst dem Thema: Wie gehen Schriftsteller/innen des 20. Jahrhunderts mit der Frage nach Gott um? Wie kommt „Gott“ bei ihnen vor? Die herangezogenen Beispiele zeigen eine Veränderung an. Wurde in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts eher verdeckt oder von Gott als Vergessenem geredet, so entwickelte sich eine neue Unbefangenheit in der 2. Jahrhunderthälfte, aber dennoch in einer gewissen ambivalenten Distanziertheit. Das zeigt Langenhorst besonders eindrücklich an Michael Krüger (geb. 1943), Hans Magnus Enzensberger (geb. 1929) und an dem islamisch aufgewachsenen Exiliraner SAID (geb. 1947). In einem Beitrag über Existenz und Transzendenz beim Schreiben experimentiert der Schriftsteller Markus Orths (Karlsruhe) mit den Begriffen (Selbst-)Offenbarung, Imagination und Kommunikation in der Auseinandersetzung mit dem wirklichen Leben. Denn in literarischen Texten wird das Sagbare hin zum Unsagbaren überstiegen (S. 105). Die Münchener Literaturwissenschaftlerin Barbara Vincken stellt in ihrem Vortrag die christliche Maria der Anti-Maria Félicité in Gustave Flauberts „Coeur simple“, entgegen. Neben einer kritischen Auseinandersetzung mit der Religion, in der sich der christliche Gott als eine Metamorphose der heidnischen Götter entpuppt (S.117), findet in dieser Erzählung – erotisch aufgeladen – eine Erhöhung zum Tode als verzerrte Spiegelung der marianischen Verkündigungsszene statt. Der Bildungsverantwortliche im Bistum Limburg, Eckard Nordhofen, spricht einen anderen Aspekt an: Er setzt sich in kühner Interpretation mit der Rolle der Schrift im Monotheismus auseinander: Der Mensch als Wesen, das mit Zeichen agiert, setzt diese mit Mund und Hand konkret um. All dies wird schließlich in der Schrift fixiert und in der Kunst „abgebildet“. In Abgrenzung vom Polytheismus werden in der Bibel schließlich Götzenbilder der Lächerlichkeit preisgegeben (S. 131). Dies setzt sich im Neuen Testament ungewöhnlich fort: Am Sinai wird das Goldene Kalb zermahlen und in der Geschichte der Ehebrecherin löst der in den Sand schreibende Jesus die festen Zeichen auf (S. 134ff). Es entsteht insgesamt ein Richtungswechsel von Gott im Text (der Gebote) zu Gott im Fleisch (im Menschen Jesus). Die Praktische Theologin Susanne Heine (Wien) zeigt in ihren Gottes-Transformationen die Auswanderung des christlichen Glaubens aus der christlichen Tradition in die Dichtkunst und in die Malerei, und zwar an Robert Musil, Friedrich Schlegel und René Margritte. Zum Schluss gibt der österreichische Theatermann und Schriftsteller Rudolf Habringer – von Kafka geprägt – Einblicke von eine herbeiphantasierte Schreibwerkstatt als „Einkaufsquelle“ . Von dem dort Mitgebrachten erhofft er sich, schöpferische Schreibimpulse zu erhalten und so auf neue Weise zu kommunizieren.
Dieses Buch erinnert daran, wie notwendig das Gespräch zwischen Theologe und Literatur ist und unbedingt bleiben muss. Theologie lebt von der Sprache, darum braucht sie die Literatur. Dorothee Sölle hätte sicher – wie immer eigenständig – mit eingestimmt.

Reinhard Kirste 


Rz-Hoff-Winkler_Poesie, 06.10.13

Dienstag, 1. Oktober 2013

Buch des Monats Oktober 2013: Islamische Seelsorge in der multikurellen Gesellschaft



Bülent Ucar / Martina Blasberg-Kuhnke, (Hg.):
Islamische Seelsorge zwischen Herkunft und Zukunft.
Von der theologischen Grundlegung zur Praxis in Deutschland.
Reihe Osnabrücker Islamstudien Band 12.
Frankfurt/M. u.a.: Peter Lang
2013, 192 S.
--- ISBN 978-3-631-64063-0 geb. – ISBN 978-3-653-02533-0 (eBook) 

Ausführliche Beschreibung

Die Universität Osnabrück hat mit ihrem Zentrum für Islamstudien seit 2008 einen wesentlichen Beitrag für die Etablierung der islamischen Theologie und der mit ihr verbundenen Religionspädagogik geleistet. Bülent Ucar als Direktor des Instituts für Islamische Theologie und das Team des Instituts haben beachtliche Fortschritte im Blick auf den islamischen Religionsunterricht erzielt. Denn ihre theologischen Forschungsarbeiten stehen im Kontext der universitären Nachbardisziplinen, besonders der christlichen Theologie. Als Zwischenergebnisse dieser Arbeit sind inzwischen 15 Bände der Reihe „Osnabrücker Islamstudien“ erschienen (s.u.). Im hier vorliegenden 12. Band verweisen bereits die Herausgeber, der islamische Theologe  Bülent Ucar und die katholischen Religionspädagogin Martina Blasberg-Kuhnke, auf die fast selbstverständliche Kooperation zwischen islamischer und christlicher Theologie auf der Schwelle von Theorie und Praxis in der Seelsorge.


Verstärkt durch die Migrationssituation ist in Europa und gerade auch in Deutschland nämlich der Islam besonders herausgefordert. Insofern wird neben bereits existierenden interreligiösen Seelsorgekonzepten in diesem Band ein systematisierender Weg eines neuen Verständnisses beschritten.

Im 1. Teil: Grundlagen und Entwicklung der Seelsorge (S. 13–82) beschreibt der Mainzer Religionswissenschaftler Mustafa Cimşit mit seinem Orientierungsbeitrag einen doppelten Zugang im Sinne einer auf Koran und Hadithen theologisch begründeten Seelsorge. Sie soll sich auch praktisch auswirken. Sie soll zugleich als ein Teil interkultureller menschlicher Zuwendung verstanden werden kann. Diese Begriffsbestimmung bildet gewissermaßen den Zugang, den die Herausgeber so angezeigt haben: „Wenn es sich bei der Seelsorge um eine religiös motivierte und fundierte Hilfestellung handelt, existiert diese nicht nur von Anfang an im Islam, nein sie ist darüber hinaus von grundlegender Bedeutung für die Religiosität im islamischen Verständnis“ (S. 9).

Mit Koran-Zitaten begründend, zeigt der Mediziner und Consulting-Spezialist Abdul Nasser Al-Masri, wie sich Seelsorge zusammen mit den drei monotheistischen Religionen gerade im Krankenhaus und im Gefängnis zum Wohle der dort auf kürzere oder längere Zeit Lebenden auswirken kann. Die Religionswissenschaftlerin Misbah Arshad bedenkt die seelsorgerlichen Konsequenzen, wenn Schulderfahrungen im differenzierten islamischen Sündenverständnis bearbeitet werden müssen und Vergebung möglich wird.

Nun hat der Begriff „Seelsorge“ seine Wurzeln ursprünglich in einem christlichen Diakonie- und Heilsverständnis, das sich auf die seelischen Verletzungen und die menschlich barmherzige Zuwendung Gottes bezieht. Das erläutern systematisierend und geschichtlich darstellend besonders der katholische Religionspädagoge Norbert Mette (Dortmund) und die Pastoraltheologin Stephanie Klein (Luzern) in konfessionsökumenischer Gemeinsamkeit (S. 61–70 und S. 71–82).

Von den gesellschaftlichen Notwendigkeiten her ist besonders in und für Krankenhäuser, Gefängnisse, Altersheime und in Notfällen seelsorgerliche Betreuung vor Ort (aber auch am Telefon) gefragt. In den letzten Jahren wurde immer deutlicher, dass angesichts einer multikulturellen Gesellschaft Seelsorge sich nicht christlich beschränken kann, sondern vielmehr für die Angehörigen anderer Religionen zunehmend wichtiger wird, auch wenn „Seelsorge“ (scheinbar/anscheinend) in den Nachbarreligionen des Christentums bisher eine geringere Rolle spielte.


  • Vgl. Helmut Weiß / Karl Federschmidt / Klaus Temme (Hg.):
    Handbuch Interreligiöse Seelsorge. Neukirchen-Vluyn 2010.
    Rezension: hier

  • Georg Wenz / Talat Kamran (Hg.):
    Seelsorge und Islam in Deutschland. Herausforderungen, Entwicklungen und Chancen. Speyer 2012


Bei den Seelsorgekonzepten im 2. Teil (S. 85–121) werden drei Aspekte in den Mittelpunkt gestellt:

1. Theoretische Konzepte im Islam beschreibt der Sozialwissenschaftler Ali Seyyar (Universität Sakarya, Westtürkei): Sie beziehen sich auf den hohen Wert menschlichen Lebens, die Verantwortung für die Schöpfung und die Ermutigung zum Guten, als menschliche Antwort auf Gottes Barmherzigkeit.

2. Seelsorgekonzepte im Spannungsfeld: Hier geht es um Trost, Zuspruch und Begleitung von Menschen sowohl im Unglück als auch bei freudigen Ereignissen. Diese schwanken zwischen religiösen Traditionen und modernen Veränderungen, wie Isabelle Noth (Universität Bern) ausführt.

3. Angesichts der Herausforderungen der Moderne und gesellschaftlicher Umbrüche ist religiöse Seelsorge Grenzen überschreitend. Sie wird mit Hilfe einer zu erarbeitenden Theologie der Religionen interreligiös vertieft. Seelsorge wird sich dabei jedoch immer umfassend auf das Erfahrungsfeld der jeweiligen Religion stützen. Es muss im konkreten begleitenden Handeln deutlich werden, was mit Seelsorge als „spiritual care“ jeweils gemeint ist. Darauf legt der Ev. Pfarrer Klaus Temme von der „Society for Intercultural Pastoral Care and Counselling (SIPCC) besonderen Wert.

Die Erfahrungsberichte im 3. Teil (S. 125–190) nehmen Themen auf, die durch die Migration, Konflikte einer multireligiösen Gesellschaft und durch Notsituationen wie Unfälle und Katastrophen immer wieder entstehen. Der Frankfurter Migrantenberater Hüseyin Kurt weist auf die zunehmenden Zahlen von Menschen hin, die in der fremden „Heimat“ alt geworden sind und professionelle Hilfe brauchen, weil teilweise die traditionellen Familienbindungen nicht mehr greifen. Hier gilt es sprachliche, historische und familiär-konservative Barrieren abzubauen und eine theologisch-islamisch verantwortete Altenseelsorge zu etablieren. Ähnliches gilt für die Gefängnisseelsorge, die besonderen rechtlichen Voraussetzungen im Strafvollzug unterliegt. Darauf macht der islamische Theologe Ahmet Özdemir aufmerksam und zeigt gemeinsame Möglichkeiten und Begleitung auf, die die drei Abrahamsreligionen von ihren Glaubensgrundlagen her bieten. Am Beispiel von Ausbildungskursen in islamischer Krankenhausseelsorge und erlebten Situationen in der Region Landau (Pfalz)-Mannheim erläutert der ev. Pfarrer Georg Wenz Rahmenbedingungen und Möglichkeiten gelingender Seelsorge, die oft im Spannungsfeld von Familie und persönlichen sowie kulturellen Hemmungen steht. Schließlich sind angesichts von Leben gefährdenden Situationen oder durch Todesfälle Leib und Seele gleichermaßen bedroht, wie  Ludger Pietruschka aus Nordhorn im Zusammenhang der kirchlichen Leitlinien ausführt. Hier muss eine psychosoziale Notfallversorgung in enger Zusammenarbeit mit allen an Notfällen beteiligten Menschen und Gruppen empathische Begleitung bieten.    
Die abschließende Zusammenfassung bietet der Bonner Praktische Theologe Eberhard Hauschildt, der angesichts der anthropologischen Konstellationen (S. 174) einer multikulturellen Gesellschaft die interreligiöse Seelsorge als Basis eines glaubwürdigen und helfenden menschlichen Zusammenlebens sieht. Religionen haben hier Zentrales beizutragen, um „gestörte Lebensgewissheit“ – aus welchen Gründen auch immer – auf neu zu gewinnende Lebensqualität hin zu bearbeiten (S. 177).

Dieses Buch mit seinen unterschiedlichen seelsorgerlichen Zugängen aus weitgehend islamischer Perspektive zeigt überzeugend die Notwendigkeit auf, dass Religionen angesichts alltäglicher und lebensbedrohlicher sowie tödlicher Lebenserfahrungen Grund legen müssen, um Menschen konkret Halt und Trost zu geben. Besonders zu würdigen ist, dass islamische Seelsorge offensichtlich von Anfang an in ein interreligiös offenes Seelsorgekonzept eingebunden ist. Damit werden wichtige gemeinsame Schritte aufgezeigt. Sie gehen über die jeweiligen religiösen Besonderheiten der einzelnen Religion hinaus. Das gemeinsame Handeln aller Verantwortlichen in der Ausbildung und vor Ort muss als entscheidende Voraussetzung glaubwürdiger und weiterhelfender Seelsorge verstanden werden. Muslimische und christliche Seelsorger plädieren gleichermaßen dafür, denn schließlich geht es um betroffene Menschen mit ihren Nöten, Ängsten, Verzweiflung und Schmerzen.

Reinhard Kirste

Rz-Ucar-Seelsorge, 30.09.13

Die Reihe für Osnabrücker Islamstudien (Verlagsinformation)

Die Herausgeber Bülent Ucar / Rauf Ceylan bieten mit diesen Büchern „differenzierte und profunde Ausblicke auf historische und aktuelle Fragen zum komplexen Themenbereich Islam. Die Bände dieser Reihe zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sowohl Muslime als auch Nichtmuslime zu Wort kommen und somit neue Anstöße für einen wissenschaftlichen, interreligiösen und interkulturellen Austausch geben. In Zeiten einer sich noch in der Entwicklung befindenden Islamischen Theologie in Deutschland sind die Publikationen der Reihe somit besonders relevant und aufschlussreich, da die unterschiedlichen Ausgangspunkte und Schwerpunktsetzungen der Islamischen Studien dargestellt werden. Darüber hinaus präsentieren die Beiträge der Reihe facettenreiche, kontrovers-kritische Analysen historischer und aktueller Fragen bezüglich der Integration des Islam in die Gesellschaften „des Westens“. Dabei werden diffizile Fragen des Miteinanders keinesfalls umgangen – im Gegenteil. Thematisiert werden auch (inner)islamische Perspektiven, die von fortschrittlicher und selbstkritischer Reflexion zeugen. So behandeln die Aufsätze aktuelle Fragen wie z.B. solche nach der Gestaltung eines islamischen Religions- und Lebensverständnisses in der Diaspora, der Interpretation der Scharia und dem Verhältnis des Islam zur Demokratie westlicher Prägung. Es kommen in der „Reihe für Osnabrücker Islamstudien“ nicht nur renommierte Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zur Sprache, sondern auch Imame, Lehrkräfte des Islam und aktive Verbandsmitglieder. Auch werden wichtige Dissertationen zur Islamischen Theologie bzw. zu den islamischen Wissenschaften veröffentlicht.“

Homepage der Herausgeber: www.islamische-religionspaedagogik.uni-osnabrueck.de