Dienstag, 15. September 2015

Die Reise von Leonard Swidler --- zum Glauben und zum Dialog der Religionen

River Adams: There must Be You.
Leonard Swidler’sJourney to Faith and Dialogue.
Benton, Searcy, AR (USA): Resource Publications (Wipf und Stock Publishers) 2014, 304 S.



We live in the era of dialogue, an era Leonard Swidler helped birth. The son of a Jewish Ukrainian immigrant and an Irish Catholic, he set out as a boy to become an intellectual and a saint. There Must Be YOU explores how and why this aspiring Norbertine priest emerged to become the Professor Swidler of today at Temple University: a teacher, a reformer of the church, a preeminent feminist, and one of the fathers of interreligious dialogue. He argues passionately that dialogue is a matter of more than peacemaking, but of living an authentically human life. Len's journey begins at the start of the Great Depression, and represents the very turmoil and growth of American modernity: our search for faith, our struggle with diversity, and our fight for social justice.
Written by Len's colleague and friend, River Adams, this book offers education, inspiration, and challenge through the remarkable stories of Len's life, conversations with him, and excursions into world history that made him who he is. We turn the last page having laughed with Len and argued with him, and having dialogued more deeply with our own lives.



''River Adams has written a beautiful and thought-provoking intellectual and spiritual portrait of my dear former colleague, Leonard Swidler, whose efforts to become 'an intellectual and a saint' have affected the world of scholarship and quest for peace in enormous yet humbling ways. This wonderful narrative unfolds with the poetic and ambiguous force of grace as Adams offers insights into Swidler's precious world of dialogue, which, for him, has all the relational force of Buber's understanding of what it means to transform others into the infinite and infinitesimal you.''
-- Lewis R. Gordon, author of Existence in Black

     ''This creative, well-written, and unique biography is a spiritual gift to our times, a teaching tool, and an introduction to one of the great thinkers of the day. It is Len Swidler's biography, but it is also a cultural history of the era, and a call to all of us to revisit our religious-intellectual roots. There can be no greater or more necessary intellectual challenge than that in this mercurial time.''
-- Joan Chittister, author of Following the Path


     ''This is a stimulating biography of a leading Catholic theologian and teacher who has influenced global religious thought on interfaith dialogue. . . . Swidler's intellectual journey has been a continuous development in conversation with other leading Catholic intellectuals of the last half century, and thus we also are introduced to these leading figures and their thoughts, through Leonard Swidler's life. This is a page-turner that inspirers the reader to read on to complete the journey.''
-- Rosemary Radford Ruether, author of Sexism and God Talk

     ''Leonard Swidler has been a fixture of American religious, Catholic, and intellectual life for almost fifty years since his founding of the Journal of Ecumenical Studies. Swidler ranks dialogue among the supreme values of this world; his brilliant formulation of its rules amount to an implicit religious anthropology. This splendid book uniquely folds 'live' conversation with Len into the narrative of past events to create a personal dialogue. The book is moving and irresistible.''
-- Roger Haight, author of Spirituality Seeking Theology



 About the Author: River Adams grew up a classically trained pianist in Soviet Russia, came to America as a Jewish refugee, and became a Christian by way of conversion. She is an alumna of Harvard Divinity School and a former Assistant Professor of Catholic Studies at Rosemont College. She writes on biblical themes and on themes of peace and justice, and she runs a blog on faith and theology www.OnMountHoreb.com

 
Dialogue Institute/Journal of Ecumenical Studies: www.jesdialogue.org Tel: 215-204-7525

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Montag, 7. September 2015

Wieder im Blickfeld: Tee-Zeremonie und Zen-Buddhismus



1. Der Geist des Tees

Sen Soshitsu XV.: Der Geist des Tees. Mit Kommentaren von Naya Sôtan und Fotografien von Inoue Takao.
Berlin: Theseus 2004, 136 S., Abb.
Deutsche Übersetzung der englischen Ausgabe:
The Spirit of Tea. Kyoto: Tankosha Publ. 2002

In diesem Buch gibt es zuerst eine kurze Geschichte der Teezeremonie im Zusammenhang des Zen-Buddhismus. Dann werden die LeserInnen auf die Problematik des Verstehens dieser Übung für Nicht-Japaner eingestimmt und mit allen Sinnen in das Ritual hineingenommen.
Wer einmal eine japanische Teezeremonie miterlebt hat, wird dieses Gefühl der Zeitveränderung hautnah gespürt haben. Die Zeit wird zwar nicht angehalten, aber ihr Pulsschlag verlangsamt sich. Allein schon das Arrangement am Platz der Teezubereitung lässt eine Ent-Spannung der ganz anderen Art aufkommen. Die Geräte des Aufheizens, des Abfüllens, das Arrangement der einzelnen Teeschälchen ... Hier wird der Tee selbst zum Weg einer inneren Bereitung, die mit dem Trinken ihren Abschluss findet.
Eine Tee-Zeremonie ist nicht dazu da, sich satt zu trinken, sondern sich einzustimmen in eine Welt, die jenseits des Alltags liegt. Die Riten und langsamen in strenger Reihenfolge durchgeführten Gesten zeigen an: Der Zeit wird Zeit gegeben!

  • Die einzelnen Elemente der Tee-Zeremonie
  • Das Ambiente: Teeraum, Bildnische, Blumen, Garten
  • Zubereitung mit Schöpfkelle und Bogen
  • Nachdenken über die Qualität des Tees
  • Teegeräte: Teelöffel, Teeschalen, Feuer
  • Aufeinander Einstimmen von Gastgeber und Gästen
  • Das Anrühren und Eingießen des Tees
  • Teezeremonie und Kaiseki-Mahl
  • Die Bedeutung der Süßigkeiten
Man merkt dem Autor an, wie Präzision des Rituals die Intensität des Verstehens steigert. Hinzu kommen die einfühlsamen Farbfotografien. So ist ein wahrhaft un-gewöhnlich schönes Buch entstanden.

Auch wer noch nie eine Tee-Zeremonie miterlebt hat, wird hier an Wege der Meditation herangeführt, die es erlauben, die Welt mit achtsamer gewordenen Augen anders zu sehen. Die wiederholten Tee-Übungen verändern die Gemeinschaft der Teilnehmenden.
Wer dann, wie der Rezensent nach einer Tee-Zeremonie, in eine abendlich belebte Stadt zurückkommt, hebt nicht etwa ab, sondern nimmt bewusst wahr, was um ihn herum geschieht. Und doch werden Blicke und Schritte nicht mehr getrieben von dem, was man alles noch hätte unternehmen können oder was man vielleicht versäumt hat. Ein Gefühl achtsamer Dankbarkeit bleibt. Um aus dem Buch zu zitieren: "Der Geist des Tees übersteigt unsere nationalen und intellektuellen Unterschiede und verbindet Menschen weltweit. Auch in Zukunft wird er diese umfassende Bedeutung haben" (S. 131).
2. Der Zusammenhang mit dem Zen-Buddhismus
Zen ist in besonderer Weise die Sammlung des Geistes. Der ursprünglich aus China kommende Zen-Buddhismus (= Chan-Buddhismus) legt darauf großen Wert. Die sog. Realität wird als Illusion entlarvt. Der Erkentnisweg dorthin führt über den Alltag. In der Meditation im Zazen lässt sich der Einzelne bewusst darauf ein und erfährt durch das tägliche Handeln, wie sich der Geist "klärt" - bis hin zur Erleuchtung, dem Satori.
In diesem Zusammenhang sind auch die hier
ausgewählten Buchtitel zu verstehen.
  • Horst Hammitzsch: Zen in der Kunst des Teeweges.
    München u.a.: Scherz für O.W. Barth 1988, 6. Aufl., 127 S., u.ö.
  • Zen in der Kunst des Lernens
    (Freiburg/Br.: Bauer 1993 u.ö.)
  • Zen in der Kunst des Dichtens
    (O.W. Barth 1986 u.ö.)
  • Zen in der Kunst des Schreibens. Zen in the Art of Writing
    (Basel: Sphinx 1987)
  • Zen in der Kunst das Schwert zu führen (O.W. Barth 1988, 3. Aufl. u.ö.) 
  • Zen in der Kunst in der Kunst des Malens
    (O.W. Barth 1985 u.ö.)
  • Zen in der Kunst des BlumenWeges (O.W. Barth 1987, 3. Aufl., u.ö.)
  • Ikebana-Bücher
  • Weiteres zur japanischen Tuschmalerei und zu Shodo (Kalligrafie).

Eugen Herrigel (1884-1955), anerkannter Zen-Meister, hat mit seinem berühmten Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens (1953 / O.W. Barth 1979, 19. Aufl. u.ö.)  zu Recht auf den Zen-Weg als inneren Wander- und Pilger-Weg hingewiesen. In seinem Nachlass finden sich dazu umfassende Hinweise:
Eugen Herrigel: Der Zen-Weg. Zen ist ewige Wanderung. Aufzeichnungen aus dem Nachlass
in Verbindung mit Gusty L. Herrig
el
Hg.: Hermann Tausend.

München u.a.: Scherz für O.W. Barth
1990, 11. Aufl., 132 S.
Herrigel gehörte der Urasenke-Schule in der 15. Generation an, zu dieser zählt übrigens auch das EKO-Haus in Düsseldorf. In diesem Japan-Zentrum spielt der Tee-Weg eine wichtige Rolle.

 Reinhard Kirste 
Rz-Tee+Zen, neu bearb. 07.09.2015 

Weltreligionen erklärt - Material nicht nur für die Sekundarstufe II

WELTRELIGIONEN.  RELIGION – ETHIK – PHILOSOPHIE
Arbeitsbücher Sekundarstufe II
Berlin: bsv Patmos 2011, jeweils 144 S., Abb., Glossar

Der Verlag Oldenbourg/bsv (mit Patmos) als Teil der Cornelsen-Schulverlage sieht die Behandlung der Weltreligionen angesichts von Globalisierung und rasanter gesellschaftlicher Entwicklungen als dringende Notwendigkeit an, umfassende Kenntnisse und vertiefte Einsichten auch in der Schule zu erwerben.

Mit Werner Trutwin hat der Verlag dazu einen kompetenten Didaktiker gewonnen, der sich seit Jahrzehnten als (katholischer) Christ, Theologie und Religionspädagoge für einen sachkompetenten, auf Dialog und kritischer Auseinandersetzung gegründeten Religionsunterreicht eingesetzt hat. (vgl. z.B. die Schulbücher für katholische  Religionslehre Sekundarstufe I. Düsseldorf: Patmos 2000–2004 und das als Longseller thematisch aufgebaute und in vielen Heften erschienene „Theologische Forum“ [seit 1970, ebenfalls bei Patmos].
Von Anfang an kam neben den christlichen Themen und ethischen Fragestellungen die Darstellung der Weltreligionen in den Blick – mit den entsprechenden Unterrichtsmaterialien.    
In der Würdigung des Patmos-Verlages zum Lebenswerk von Werner Trutwin wird sein facettenreiches Engagement sehr schön deutlich.

Der bisherigen Reihe „Die Weltreligionen“ (Patmos-Verlag 1998/1999) folgt nun eine unter dem Signet „bsv/Patmos“ die völlig neubearbeitete „Serie“ von fünf wichtigen
Weltreligionen – für die Sekundarstufe II:
--- Islam, Judentum, Hinduismus, Buddhismus (2011), jeweils 192 S.
--- Christentum (2012), 192 S.
 


Das mehrfach überarbeitete Sachbuch und nicht auf die Schule zugeschnittene Werk:  
Werner Trutwin: Die Weltreligionen. Wege zum Licht. Düsseldorf: Patmos 1996, 464 S., Abb.,
Sonderausgabe 2002: "Die Weltreligionen" [Albatros], ebenfalls im Patmos-Verlag, zuerst 1976 erschienen unter dem Titel "Licht vom Licht. Religionen in unserer Welt" (s. Bild), kann man fast als eine Art (unterstützendes) Grundwerk für die hier angezeigten Arbeitsbücher bezeichnen.

Die neue Serie wird vermutlich wie die ältere Reihe überwiegend dem Religionsunterricht beider Konfessionen dienen. Es sei angemerkt, dass ihr religiöser Schwerpunkt den Einsatz nicht nur im Ethik-Unterricht, sondern auch in Philosophie, Geschichte, Geografie und sogar im Kunstunterricht nahelegt.

Zur Gliederung:
Nach Anregungen für die unterrichtliche Arbeit folgen sog. Annäherungen, das heißt Besonderheiten der jeweiligen Religion – gerade im Blick auf ihr Selbstverständnis. Dann geht es weiter in die Geschichte, die heiligen Schriften werden vorgestellt, Gottesbilder bzw. das Transzendenzverständnis kommt zur Sprache, anthropologische Präzisierungen, Ethik und Moral, Bräuche, Riten, und Feste. Es werden immer Glaubensschwerpunkte besonders herausgestellt. An wichtigen Persönlichkeiten in Vergangenheit und Gegenwart kommen wirkungsgeschichtliche Weichenstellungen ins und religiöse Veränderungen innerhalb der Religion ins Blickfeld. Die Verbindungen zu den kulturellen Vorgegebenheiten und Korrelationen im Blick auf Geografie, Architektur, Kunst, Poesie usw. zeigen die vielen Gesichter der jeweiligen Religion. Mystische Dimensionen und politische Realisierungen, gegenwärtige Probleme und die Begegnung mit anderen Religionen finden schließlich im Heft auch noch Platz.
Trotz dieser eingängigen Grundstruktur geht Trutwin auch christlich-vorurteilsbedingten Vereinfachungen aus dem Wege und eröffnet – verbunden mit zusätzlichen Hinweisen und Arbeitsaufgaben – einen eigenständigen und differenzierten Zugang zu der behandelten Religion. Er verfällt dabei auch nicht einer religionskundlichen „Objektivität“, sondern übt eine von Sympathie für die anderen Religionen getragene Darstellung.

Weltreligionen: Judentum
--- ISBN 978-3-7627-0432-4 ---

Trutwin verweist gleich am Anfang darauf, dass das Judentum nicht nur in seiner Sonderstellung zum Christentum eine herausragende und prägende Rolle spiele. Zugleich ist das Judentum die älteste lebende Religion neben dem Hinduismus. So muss also das Judesein besonders geklärt werden und die wechselvolle Geschichte wenigstens in Umrissen nachgezeichnet werden. Die „Schriften der Heiligkeit“, das Gottes-Tetragramm JHWH, der Schöpfungsgedanke und das Ethos werden immer auch unter den vergangenen und gegenwärtigen Bedingungen angesprochen.
Nach Alltag und Festen, Strukturierung des jüdischen Jahres, wird das Messias-Problem gerade in Abgrenzung und Gemeinsamkeit mit dem Christentum behandelt. Dass wichtige jüdische Persönlichkeiten den Schülern näher gebracht werden, macht die Vielfältigkeit jüdischer Intellektueller konkret: Philo von Alexandrien, Maimonides, Baruch Spinoza, Moses Mendelssohn, Martin Buber, Walter Benjamin, Hannah Arendt, Emmanuel Lévinas. Die vielen Gesichter des Judentums kommen nicht nur in Architektur und Kunst, sondern auch in jüdischer Typik zwischen Rabbinen, Mystikern, Chassidim, Orthodoxen und Reformern zur Sprache.
Im Folgenden bezieht sich Trutwin auf den Juden Jesus und die Trennung von Juden und Christen. Dann kommt das heutige Israel und Palästina sowie jüdisches Leben in Deutschland zur Sprache. Angesichts von Antisemitismus und Schoa ist dies ein hoffnungsvoller, aber zugleich belasteter „Trialog“ von Juden, Christen und Muslimen, bespielhaft dokumentiert an Jerusalem.


Weltreligionen: Islam
ISBN 978-3-7627-0420-1

Dieses Unterrichtsmaterial wird sicher die größte Aufmerksamkeit in den Schulen finden, weil der Islam für die Menschen in Deutschland die nächste Religion neben dem traditionellen Christentum und dem Judentum ist. Es ist auch diejenige Religion, die mit den meisten Vorurteilen zu kämpfen hat. Trutwin sagt sehr klar, dass die mit dem Islam verbundenen bedrohlichen Elemente nicht ignoriert werden sollten. Das Bild des Islam lässt sich von daher nicht sinnvoll zeichnen: Der Islam ist eine „Religion, … die über viele positive Ressourcen verfügt, die für eine gute Zukunft der Menschheit nützlich sind“ (S. 4). Von dieser Einstellung her konstruiert der Autor nun einen Islamkurs, dem einige wichtige Daten vorangestellt werden, um von daher den Blick auf die Geschichte von Abraham bis in die Gegenwart zu zeichnen. Im Sinne der Intentionen versäumt es der Autor nicht, auf den Islam in seiner vielfältigen Schönheit in Kunst, Literatur und Architektur zu verweisen.
Die Basis des Heftes bilden die Ausführungen über den Propheten Mohammed, den Koran als Gottes Wort und den islamischen Glauben an den einen Gott. Von daher werden das Menschenbild im Islam und die ethischen Ableitungen (eben auch die 5 Säulen) thematisiert. Bei der Besprechung der „Scharia“ (S. 96ff) hätte man gewünscht, dass dies weniger als „Recht des Islam“, sondern mehr als Rechtsrahmen dargestellt worden wäre. Sehr schön ist dann die Auswahl wichtiger engagierter dialogoffener Persönlichkeiten von Mohammed Iqbal bis Fatima Mernissi.
Zu guter Letzt fächert Trutwin die Begegnung mit dem Islam „trialogisch“ auf und macht damit die inhaltliche Nähe und zugleich Problematik der theologischen und religionspolitischen Auseinandersetzung mit dem Islam deutlich.
Schon beim Blick auf die Geschichte fiel die Pluralität des Islam auf, die im Kapitel „Vielfalt statt Einheit“ deutlich durch die Darstellung der Sunniten, Schiiten, Alewiten, Wahabiten und des Sufismus ausdifferenziert wird. Die Aktualität fordert hier vermutlich bald eine Ergänzung durch die Bewegung der Salafiyya. Damit ist die Basis in der Spannung des heutigen Islamismus und der Rolle des Islam in der europäischen und deutschen Politik gegeben.
Im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund zum Thema "Vielfalt des Islam" (WiSe 2013/2014) entstand eine ausführliche Besprechung des Islam-Arbeitsheftes.

Weltreligionen: Hinduismus
ISBN 978-3-7627-0434-8

Beim Hinduismus betont Trutwin zum einen den religiösen Pluralismus der indischen Religionen und die Bedeutung der heiligen Schriften mit ihrer zum Teil ausgefeilten Philosophie eine wesentliche Rolle. Zum andern geht es natürlich um die (reinkarnatorischen) Erlösungswege hin zur Befreiung (Moksha). Die Vielfalt der Götter wird sorgfältig auf die Grundstrukturen vom frühen Indra bis zu den wirkmächtigen „Haupt“göttinnen zurückgeführt. Natürlich kommt auch der göttlichen Dreigestalt die nötige Beachtung zu.

In der Folge wird die den Alltag durchdringende Spiritualität angesprochen: Heilige Kuh, Tantrismus, moralische Lebensordnung, Dharma-Struktur der Kasten. Aus der lebendigen Spiritualität erwuchsen und erwachsen Reformversuche bis hin zu eigenen Religionen: Buddhismus, Jainismus und Sikhismus.
Es sei auch erwähnt, dass Trutwin große indische Reform-Denker unter bestimmten Gesichtspunkten darstellt: Shankara als Lehrer der Einheit, Ranamuja als dualistischen Philosophen, Tagore als Dichter in neuer Zeit, Ramakrishna als Mystiker der Gottesliebe, Vivekananda als religiöser Reformator, Gandhi als Politiker der Gewaltlosigkeit.

Angesichts des dialogischen Ansatzes der Weltreligionen-Hefte setzt sich der Theologe am Schluss auch mit den Schwierigkeiten und Chancen interreligiöser Begegnung auseinander, und zwar sowohl im Blick auf den Islam in der indischen Geschichte und in der Gegenwart, auf das Christentum und auf die Möglichkeiten hin zu einem Religionen übergreifenden Weltethos.

Weltreligionen: Buddhismus
ISBN 978-3-7627-0435-5

Neben den Anregungen für die Arbeit erlaubt der „erste Blick“ einen Zugang, über den sich die Grundlagen und weiteren Besonderheiten des Buddhismus in seiner Vielfalt aufschlüsseln lassen. Diese nicht-theistische Glaubenstradition gilt als die erste „universale Religion“. In klarer Aufgliederung werden zuerst die buddhistischen Anfänge im Sinne eines Reform-Hinduismus auf dem indischen Subkontinent dargestellt. Es folgen das Leben des historischen Buddha mit den legendarischen Überhöhungen. Trutwin zeigt in der buddhistischen Lehre, dem Dharma, sowohl die literarisch-typischen Elemente wie die inhaltlichen Fundamente. Er elementarisiert dies auf die 4 Edlen Wahrheiten und den achtfachen Pfad, das Ich-Verständnis, die Anhaftungsproblematik, den Weg zum Verlöschen, zum Nirwana, ohne dass dazu eine personale Gottes- oder Göttervorstellung notwendig ist.
Die Ausformung der Lehre in der Theravada- und Mahayana-Richtung (kleines und großes Fahrzeug) verbindet er mit dem von Zen und dem Amida-Buddhismus. Das Diamantfahrzeug, die Vajrajana-Ausprägung, zeigt sich im tibetischen Buddhismus. Sie werden die Unterschiedlichkeit buddhistischer Entwicklungen und Rituale deutlich. Es entwickelt sich auch eine Spiritualität der Frömmigkeitspraxis in Festritualen, Kontemplation und ethisch-praktischer, Gewaltlosigkeit.
Dass die Wanderung des Buddhismus nach Westen diesen nicht nur selbst verändert hat, sondern auch eine große Herausforderung für die westliche Moderne geworden ist, zeigt sich nicht nur an Veränderungen der Frömmigkeitspraxis in den asiatischen Ländern, sondern in der Begegnung und Auseinandersetzung mit (post-)kolonialen Einflüssen und zunehmender Globalisierung. So werden buddhistische gewaltlose Aktionen und soziales Engagement mehr und mehr kennzeichnend. Dies wird an einigen Beispielen wie Ambedkar in Indien und Aung San Suu Kyi in Burma verdeutlicht.    
Dass es auch im Westen einen „Buddhismus light“ gibt, unterscheidet sich dann allerdings wesentlich von den asiatischen Aufbrüchen.
Der interreligiöse Aspekt des vorgestellten Heftes kommt ähnlich wie in den anderen Heften dadurch zum Ausdruck, dass neben dem Vergleich von Buddha und Jesus die unterschiedlichen Lebensziele thematisiert werden. Sie lassen allerdings die Frage offen, ob man als Christ zugleich Buddhist sein kann.


Weltreligionen: Christentum
ISBN 978-3-7627-0433-1 --- Rezension hier ---

ZWISCHENBILANZ

Didaktischer Gewinn: Werner Trutwin ist es aus seiner christlichen Sicht heraus gelungen – unabhängig von der Konfession oder Religion – den SchülerInnen einführendes und vertiefendes Material zu wichtigen großen Religionen vorzulegen. Dies tut der ehemalige Lehrer ohne vorurteilsbehaftete Einführungen. Die Schüler haben so die Chance, mit diesem Material selbständig zu arbeiten. Die klare Struktur ermöglicht es, sich leicht zurecht zu finden. Die Glossare erlauben ein schnelles Nachschlagen wichtiger und oft fremder Begrifflichkeit. Dies gilt übrigens nicht nur für die asiatischen Religionen, sondern auch für die drei monotheistischen Glaubenstraditionen, wohlgemerkt auch für das Christentum; denn auch hier kann man von einer allgemeinen Grundbildung aller SchülerInnen nicht mehr ausgehen. Die dem Text schon beigegebenen Erläuterungen helfen, Sachverhalte umfassender zu verstehen. Das reiche Bildmaterial hat keineswegs illustrierenden Charakter, sondern ist Teil des Lernprozesses. Dieser stützt sich nicht nur auf Texte und Bilder, sondern auf die unmittelbar damit zusammenhängenden didaktischen Hinweise und Aufgabenstellungen.

Kontinutät der Lernwege im Blick auf andere Religionen: Diese ansprechend aufgemachte Reihe ist – wie schon erwähnt – eine Fortsetzung der im Patmos-Verlag 1998/1999 herausgekommenen Unterrichtsmaterialien. Werner Trutwin hat im Prinzip die damalige Grundstruktur beibehalten, hat jedoch Präzisierungen, neuere Forschungsergebnisse eingearbeitet und Aktualisierungen vorgenommen. Die „alte“ Reihe muss deshalb keineswegs ad acta gelegt werden, sondern kann als Hintergrundmaterial herangezogen werden. Dabei lohnt sich an manchen Stellen, besonders im Islam und im Christentum ein Vergleich der Fassungen. Dieser macht deutlich, dass unsere Kenntnis von den Weltreligionen immer wieder einer Revision bedarf. Es geht darum, mit empathischer Sichtweise auf die anderen Erlösungswege zuzugehen.
Hinzu kommt natürlich, dass alle religiösen Traditionen derzeit große Veränderungen durchmachen sowohl was den Umgang mit den Inhalten, der Interpretation der Glaubensgrundlagen als auch den Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen betrifft. Diese haben für die dargestellten Religionen im Westen oft eine andere Bedeutung als in den Herkunftsländern. Eine Printausgabe schreibt immer einen bestimmten Zeitpunkt fest. Man wird gespannt sein dürfen, wann Neuauflagen die aktuellen religiösen und politischen Veränderungen aufnehmen. Eine kompetente Basis-Arbeit zum Religionen-Lernen in der Sekundarstufe II ist hiermit jedoch gelegt.
                                                                                                                   Reinhard Kirste

Die Vorgängerausgabe:

Werner Trutwin:
Die Weltreligionen.


Arbeitsbücher
für die Sekundarstufe II.
Religion – Philosophie – Ethik: 

JUDENTUM, CHRISTENTUM,
HINDUISMUS, BUDDHISMUS, ISLAM

Düsseldorf: Patmos 1998/1999 
mit weiteren Auflagen in den folgenden Jahren.