Freitag, 5. Februar 2016

Friedensfähigkeit und Gewaltpotential in den Religionen - Bücher zum Thema (aktualisiert)

Für die hier vorgestellten Bücher liegen
ausführliche BESPRECHUNGEN vor - Bitte anklicken!

Bei einigen z.Zt. nicht erreichbaren Links,
Mail an : interrel@-online.de

Link wird dann wieder freigeschaltet.

Vgl. auch das Seminar:
Theorie und Praxis der Religionen bei Krieg und Frieden




GENSICHEN, Hans-Werner: Weltreligionen und Weltfriede. Göttingen 1985

KÄSSMANN, Margot / WECKER, Konstantin (Hg.): Entrüstet Euch !
Warum Pazifismus für uns das Gebot der Stunde bleibt.
Texte zum Frieden. Gütersloh 2015


KÜNG, Hans. Wozu Weltethos? Freiburg/Br. 2006

KUSCHEL, Karl-Josef: Im Ringen um den WAHREN RING. Lessings "Nathan der Weise" - eine Herausforderung der Religionen. Ostfildern 2011 

Hamideh MOHAGHEGHI / Klaus von STOSCH (Hg.):
Gewalt in den Heiligen Schriften von islam und Christentum.
Paderborn 2014

RAMAKRISHNA: Leben und Gleichnis. Bern u.a. 1979

SACKS, Jonathan: Not in God's Name. Confronting Religious Violence.New York a.o.: Penguin Random House 2015, 320 pp.
--- Verlagshinweis mit Leseprobe: hier
--- Erläuterung: hier
--- Rezension von Michael Blume (Scilogs, 04.02.2016)


SCHRAMM, Michael: Der unterhaltsame Gott. Theologie im populären Film (2011)

SEIDENSTICKER, Tilman (Hg.): Zeitgenössische islamische Positionen
zu Koexistenz und Gewalt (2011) 


SLOTERDIJK, Peter: Gottes Eifer. Vom Kampf der drei Monotheismen (2007)




Montag, 1. Februar 2016

Buch des Monats Februar 2016: Reisewege in den Buddhismus



Hermann-Josef Frisch: Die Welt des Buddhismus.
Von Indien bis Japan.

Darmstadt: Theiss (WBG) 2016, 208 S., Abb., Karten
--- ISBN 978-3-8062-3277-6 ---               
Elektronisch: eBook (PDF): 978-3-8062-0047-8
--- eBook (epub): 978-3-8062-0048-5 ---

Vor uns liegt ein religiöses Reisebuch der besonderen Art. Denn der Autor, Pfarrer und Lehrbeauftragter an der Universität Bonn, zeigt Zugangsmöglichkeiten zur Vielfalt des Buddhismus über wichtige Orte an, die vom Buddhismus geprägt wurden und werden. Seine „Reiseroute“ ist dabei von den Hauptrichtungen dieser asiatischen Religion und Lebensphilosophie geprägt: Theravada
(= Lehre der Ältesten bzw. Hinayana (= Kleines Fahrzeug oder südlicher Buddhismus), Mahayana (= Großes Fahrzeug oder nördlicher Buddhismus) sowie Vajrayana (= Diamantfahrzeug bzw. „tibetischer“ Buddhismus).
Die Texte werden im Sinne dieses Reiseführers nicht nur durch entsprechende Fotos illustriert, sondern optisch vertieft. So wird ein weitergehendes Verständnis der kulturell-religiösen Zusammenhänge in den unterschiedlichen Regionen und Ländern ermöglicht.

Das hier anzuzeigende Buch ist also bewusst keine inhaltliche Ergänzung der buddhistischen Lehren und seiner Entwicklungsgeschichte vom historischen Buddha bis zu seinen späteren Interpreten und pluralistischen Veränderungen. Dennoch bezieht sich der Autor natürlich immer wieder direkt oder indirekt auf allgemein anerkannte Forschungsergebnisse für begleitende sachgerechte und leicht lesbare Erläuterungen. Ein Auswahl-Literaturverzeichnis am Schluss wäre hier hilfreich gewesen.

Was die praktische Benutzung dieses schönen Buches betrifft, lohnt es sich, immer wieder auf das ausführliche Inhaltsverzeichnis und die Ortsangaben auf den vorangestellten Karten zurückzugreifen. Dadurch dass die Hauptrichtungen des Buddhismus nicht nur dort, sondern auch in den Textüberschriften in einer bestimmten Farbe gestaltet sind, wissen die Lesenden sehr schön, welchen „Buddhismustyp“ sie gerade vor sich haben. Es bietet sich die Möglichkeit, die eigenen geografischen Schwerpunkte herauszusuchen und dann dort genauer nachzulesen. Die Bildunterschriften beschränken sich auf das Nötigste, so dass man immer wieder zum Begleittext geleitet wird. Dieser bietet historische, legendarische und architektonische Zusammenhänge. Angesichts der zur Sprache und zum Bilde kommenden Vielfalt sind die beigefügten farblich unterlegten „Info-Kästen“ für jeweilige Traditionen bzw. Orte hilfreich. In ihrer Beschreibung wirken sie manchmal holzschnittartig und ersetzen nicht die recherchierende Vertiefung.

Frisch möchte insgesamt neben einer Topografie des Buddhismus Ein-Blicke in die regionale Vielfalt buddhistisch geprägter Länder geben. Die Fülle buddhistischer Orte in Asien erlaubt allerdings nur, die wichtigsten vorzustellen. Das sind für den Autor jene, „die den Geist des frühen und/oder des heutigen Buddhismus atmen“. In solcher Begegnung verspricht er sich nicht nur Respekt und Toleranz gegenüber anderen religiösen Traditionen, sondern auch einen Fortschritt in der interreligiösen Begegnung zwischen West und Ost (S. 10).

Als Einstieg zeichnet der Autor das Leben des historischen Buddha, Siddharta Gautama oder Shakyamuni, in Nordindien nach – von seinem Heimatort Kapilavastu über die Erleuchtung/das Erwachen in Bodhgaya bis hin zum Eingang in das endgültige Nirvana in Kushinagara (S. 9–29). 


Im ersten Länderdurchgang stehen die Theravada-Länder (S. 30–95): Indien und Pakistan, Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand und Laos. Afghanistan – mit vielen buddhistischen Zeugnissen – ist wahrscheinlich nicht dabei, weil hier ein einigermaßen ungefährliches Reisen seit Jahrzehnten nicht mehr möglich ist. Man denke z.B. an die Zerstörung der berühmten Buddha-Statuen in Bamyan im Jahre 2001.    
(
Vgl. Buddhismus heute Nr. 33/(2001: http://www.buddhismus-heute.de/archive.issue__33.position__17.de.html)


Die Länder des Mahayana (S. 96–161) folgen mit Kambodscha (nur Angkor), Indonesien (nur Borobudur), Vietnam und schließlich China. Das Land der Mitte erhält zu Recht die ausführlichste Beschreibung – beginnend von den Anfängen an der Seidenstraße bis hin zur 108 m hohen Buddha-Statue an der Südspitze Chinas. Die dortige Vielfalt aber erfährt im Blick auf die Vajrayana-Traditionen auf S. 178–185 ihre Ergänzung. Tibet und die Mongolei folgen im letzten Abschnitt. Ein weiteres Kapitel ist der reichen buddhistischen Kultur Süd-Koreas gewidmet. Der Blick nach Korea ist deshalb wichtig, weil es in der breiten Öffentlichkeit mit seiner buddhistischen Vergangenheit und Gegenwart meist nicht so in den Fokus tritt. Der Blick wird besonders auf die typischen Buddha-Monumentalstatuen gelenkt.

Was Nord-Korea betrifft, wird man wohl nicht sagen können, dass es dort weder buddhistische noch andere kulturell bedeutsame Orte gibt (s.S. 137). Man denke an die Koguryo-Grabstätten (zwischen 277 v. Chr. und 688 n. Chr.) sowie an das berühmte (nicht mehr „aktive“) buddhistische Pohyon-Kloster aus dem 11. Jh. n. Chr.
(vgl. http://www.goruma.de/Laender/Asien/Nordkorea/Sehenswuerdigkeiten/ - abgerufen 29.01.16).  
 
Einen guten Einblick bietet dann der religiöse Japanteil zwischen Zen-Garten und dem monumentalen Kamakura-Buddha. Zugleich zeigen sich in der japanisch-buddhistischen Praxis Einflüsse Chinas und vorbuddhistischer Traditionen wie des Shintoismus. 
Im Schlussteil des Buches stellt Frisch die Regionen des Vajrayana-Buddhismus (S. 162–207) dar, wie sie sich mit ihrer differenzierten Kloster-Vielfalt in den Himalaya-Gebieten – Tibet, Nepal, Ladakh (Indien), Bhutan – sowie im Karakorum bzw. der (übrigen) Mongolei entwickelt haben
 
Cover-Rückseite:
Tempel in der Bagan-Ebene (Myanmar)
Bilanz: 
Der Autor ermöglicht mit der aufgearbeiteten Präsentation und den verdeutlichenden Fotos dank vieler Reise-Erfahrungen recht wichtige Einsichten in die phänomenale Vielfalt buddhistischer Welten Asiens.
Nicht nur für eine sachgerechte Vorbereitung in eine Reise nach Süd(Ost)Asien oder in den Fernen Osten, sondern auch für die eigene (inter-)religiöse Vergegenwärtigung ist dieses Buch im Grunde ein unverzichtbarer Helfer. So wird hier zugleich eine geradezu überwäl-tigende   Kulturen-Begegnung mit Asien eingeleitet, die zu einer größeren Dialogoffenheit zwischen den östlichen und westlichen Religionen anregt.


          Reinhard Kirste  

 
Rz-Frisch-Buddhismus, 31.01.16