Samstag, 29. Oktober 2016

Ethische Verantwortung für die Zukunft der einen Welt

Ernst Ulrich von Weizsäcker / Daisaku Ikeda: Was sind wir uns wert?
Gespräche über Energie und Nachhaltigkeit
Aus dem Englischen übersetzt von Judith Elze und Katrin Harlaß
Freiburg u.a.: Herder 2016, 184 S. ---- ISBN: 978-3-451-34964-5 ---

Ernst Ulrich von Weizsäcker (geb. 1939) hat sich sowohl als Naturwissenschaftler wie als Politiker einen Namen gemacht. Neben vielen Wissenschaftseinrichtungen, denen er vorstand bzw. noch vorsteht, ist er seit 2012 auch Co-Präsident des Club of Rome. Sein philosophischer Gesprächspartner in diesem Buch ist Daisaku Ikeda (geb. 1928), Präsident der buddhistischen Laienorganisation Soka Gakkai, die ihren Ursprung in Japan hat. Er erhielt für sein Engagement im Blick auf Menschenwürde und Menschenrechte 1983 den Friedenspreis der Vereinten Nationen. 

Weiteres zu Soka Gakkai: hier

Diese beiden weltweit engagierten Persönlichkeiten haben acht ausführliche Gespräche über die Weltverantwortung in ihren unterschiedlichen ökologischen, wirtschaftlichen und friedenspolitischen Dimensionen geführt. Diese in manchem visionär wirkende Gesprächsreihe erschien zuerst im japanischen Literaturmagazin Ushio zwischen Dezember 2011 und Mai 2014 und auch in der japanischen Ausgabe des Journal of Oriental Studies.

Um es vorweg zu sagen: Die Geschichte von Deutschland und Japan besonders im 20. Jahrhundert zeigt viele Berührungspunkte – allerdings nicht nur angenehmer Art, was Kriege und Katastrophen betrifft. Man denke nur an die faschistische „Achse“ Berlin Tokio während im 2. Weltkrieg, die Entwicklung und den Abwurf der ersten Atombomben über Hiroshima und Nagasaki sowie die Erdbeben und Reaktorunfälle in Japan bis in die jüngste Gegenwart. Solche Erfahrungen nötigen über regionale und nationale Sichtweisen hinauszukommen und die Welt als eine Welt für alle Menschen wahrzunehmen. Wie schon der Reformpädagoge und Gründer von Soka Gakkai Makiguchi Tsunesaburo (1871 - 1944) einforderte, gehören Erziehung und Bildung zu den Kernaufgaben für die Verbesserung der Weltzustände im Sinne einer umfassenden Friedenspädagogik (vgl. S. 21).
Das erfordert nicht nur international sorgfältige analytische Arbeit sondern auch eine ethische Verantwortung, wie sie ebenso Hans Küng in seinem „Projekt Weltethos“ zum Ausdruck gebracht hat.

Die beiden Autoren – gewissermaßen gleichzeitig Wissenschaftler, Philosophen und Zukunftsforscher – diskutierten dieses weite Themenfeld in mehreren „Anläufen“:
1. Im Gespräch Hoffnung und Gesundung geht um die Erkenntnis und Konsequenzen aus den Grenzen des Wachstums angesichts eines ethisch hemmungslosen Kapitalismus.
2. Der Abschnitt Eine Welt ohne Krieg bezieht sich erinnernd auf das Anti-Atomwaffen-Manifest Göttinger Kernwaffenforscher 1957. Das Gespräch bedenkt aber auch die Konsequenzen aus dem Fall der Berliner Mauer 1989, das Ende des Kalten Krieges und japanische Abrüstungsinitiativen.
3. Beim dritten Gesprächsthema Grünes Wachstum geht es um Energie und Klima, das Weizsäcker unter den Titel Faktor Vier: Doppelter Wohlstand - halbierter Naturverbrauch anspricht und als Faktor Fünf zukunftsorientiert analysiert: Nachhaltiges Wachstum und Ressourcenschonung, besonders auch durch Reformen von unten. Angesprochen wird dabei die Planung von DESERTEC, nämlich den Energiebedarf Europas über Solarstrom aus der Sahara abzudecken.
4. Entscheidend sind jedoch geänderte Verhaltensweisen: Genügsamkeit widerspricht keineswegs einem erfüllten Leben. Einfach ist nicht ärmlich! Allerdings ist es unumgänglich, ethische Verantwortung zu praktizieren, und zwar mit dem Verzicht auf ungebremsten Konsum und ausbeuterisches Wachstum um einer gesunden Umwelt willen.
5. In die langfristige Perspektive haben sich seit langem schon verantwortliche Gruppierungen eingeschaltet wie der Club of Rome, der 1972 schon die „Grenzen des Wachstums“ einforderte. Daraus entwickelte sich die Orientierung für ein „nachhaltiges Wachstum“.
Man denke etwa an die UNO-Konferenz zurnachhaltigen Entwicklung in Rio de Janeiro 2012
6. Das immer wieder durchklingende Thema ist ein notwendiges Umweltbewusstsein, das sich global entwickeln muss. Es fängt oft mit kleinen Schritten an vielen Orten an – gerade auch in den Schulen. Umwelterziehung ist darum das Gebot der Stunde im Sinne eines neuen Zeitalters der Aufklärung. Ökonomie und Ökologie müssen in eine umweltbewusste harmonische Balance gebracht werden.
7. Hier schließt sich fast nahtlos das nächste Gespräch an: Soziale und ökologische Gerechtigkeit, das im sog. TLC-Faktor gipfelt: Tender Loving Care = liebevolle Fürsorge (S. 116f). Das bedeutet Rückkehr zum menschlichen Maß und Beendigung des „Marktfundamentalismus“ (S. 122ff) hin zu toleranten und versöhnlichen Gesellschaften und Staaten. Nur so können alle die Grundrechte des Lebens wahrnehmen: Ausreichende Nahrung und sauberes Wasser, Arbeit und Wohnung. Bhutan mit seinem Indikator „Bruttonationalglück“ tritt hier besonders in den Fokus. Hier kommen die im 3. Gespräch schon erwähnten Faktoren Vier und Fünf ins Spiel.
8. Für unsere nachhaltige Zukunft bedeutet dies die Klimaveränderungen nicht nur ernst nehmen, sondern an sinnvollen Verbesserungen arbeiten. Dazu gehört als erstes eine Haltung der Genügsamkeit, die die Gier nach Ressourcen ausbremst, Energien sorgsam einsetzt und Ressourcen wiederverwertet, denn in dieser Welt ist für alle genug da, allerdings nicht für jedermanns Gier (Gandhi, vgl. S. 161).
Zur Bedeutung von Religion        
Noch stärker als Weizsäcker bezieht sich Ikeda immer wieder auf die religiöse Motivation seines Handelns. Das wird z.B. mit einem Buddha-Zitat deutlich, in dem Mitgefühl und Umweltbewusstsein zusammenklingen (S. 95). Der Gedanke des Philosophen Nichiren Daishonin (1222–1282) zu umfassender Gerechtigkeit gewinnt erstaunliche Aktualität: „Die lebenden Wesen und ihre Umgebung sind nicht zwei Dinge, und ein Mensch und das Land, das er bewohnt, sind nicht zwei Dinge“ (S. 117). 
Zum Schluss fasst der japanische Philosoph darum die Hoffnung auf eine glückvolle und friedliche Welt so zusammen: „Ich bin überzeugt, dass es zu den Kernaufgaben und -verantwortlichkeiten von Religion gehört, Perspektiven anzubieten, die uns in den Herausforderungen des Zeitenwandels eine verlässliche Richtschnur und feste Stütze sein können“ (S. 162). Diese Aufforderung, die Frieden stiftenden Kräfte der Religionen intensiver in politische Zusammenhänge einzubringen, müsste im Blick für die Zukunft noch viel deutlicher werden.
Reinhard Kirste
Vgl. das in mancher Hinsicht thematisch verwandte Buch:
·        Michael Gorbatschow / Daisaku Ikeda: Triumph der moralischen Revolution. 
Freiburg u.a.: Herder 2015, 266 S., Personenregister
Verlagsankündigung mit Leseprobe: hier


  Rz-Ikeda-Weizsäcker-Zukunft, 29.10.16   

Donnerstag, 27. Oktober 2016

LETTRE international - Kulturdiskurse und religiöse Herausforderungen

Die deutsche Ausgabe von LETTRE ist gewissermaßen der deutsche Ableger der 1984 in Paris gegründeten Kulturzeitschrift "Lettre Internationale", die vierteljährlich erscheint. Seit 1988 existiert die deutsche Ausgabe von  LETTRE mit überwiegend neuen Beiträgen und sorgsam ausgewählten Fotos. Einige Artiklel werden aus anderen Sprachen und Kulturzeitschriften übersetzt.  Die Herausgeber bezeichnen ihre Publikation als "Europas Kulturzeitung".
In der thematischen Zusammenstellung erinnert LETTRE in manchem an die stärker laizistisch französische Kulturzeitschrift "Revue des Deux Mondes", die zweimonatlich erscheint. 
In den bisher herausgegebenen 114 Nummern von LETTRE (in dem noch immer gewöhnungsbedürftigen Format) kommen neben philosophisch, politisch und künstlerisch orientierten Essays immer wieder Religionen übergreifende Themen zur Sprache.
Religiosität zeigt sich bei der Lektüre in vielen Facetten. Insgesamt geht es um intellektuellen Austausch. Damit ist keine feste Linie vorgegeben, sondern Auseinandersetzung im positiven Sinne wirkt als durchgehende Intention.
Als Beispiele mögen einige wenige Beiträge aus zwei Ausgaben des Jahres 2016 dienen: 
 
Nummer 112 (Frühjahr 2016), 146 S.


  • Priya Basil (Schriftstellerin, geb. 1977 in London): Woher kommst Du?
    Sie vertieft den Gedanken geistiger und kultureller Herkunft und gegenwärtiger Identität.
  • Georg Brunold (Schweizer Journalist,
    geb. 1953):
    Die islamische Spaltung.
    Sunna-Schia-Fronten und der arabisch-iranische Machtkampf

    Die Erkenntnisse als Auslandskorrespondent der NZZ  prägen offensichtlich seinen Beitrag, in dem er aufschlussreich auf die vielen Spannungsebenen der sunnitisch-schiitischen (Theologie-)Geschichte bis in die politisch-gesellschaftlichen Umsetzungen eingeht. Allerdings wäre wichtig gewesen zu erwähnen, dass die Ibaditen im Oman für sich die Bezeichnung "Charidschiten" ( = Die Ausgetretenen) ablehnen. Sie sehen sich weder der Sunna noch der Schia zugehörig.
  • Marco d'Eramo (italienischer Physiker und Soziologe, geb 1947): Erdogans Regime. das türkische Erfolgsmodell und die Versuchung des Faschismus.
    Er beschreibt die politischen Veränderungen hin zu einer religiös-konservativ-rechtsextremen Gesellschaftsstruktur im Kontext mittelöstlicher Konflikte.

Nummer 114 (Herbst 2016), 146 S.
  • Gespräch  - Frank M. Raddatz (Publizist und Dramaturg, geb. 1956) und Johan Simons (Tänzer, Schauspieler, Regisseur, bis 2017 Leiter der Ruhrtriennale, geb. 1946 in den Niederlanden):
    Das Sisyphosspiel. Die Durchblutung des Textes und das Offene der Inszenierung.
    Hier erlebt der Schauspieler gewissermaßen Sisyphos zwischen Probe und Aufführung an sich selbst. Welche Tiefendimension erreicht wird, formuliert Simons u.a. so: "Ich kann mein Leben lang über eine einzige Zeile von Aischylos nachdenken, weil sie mich berührt ... Er spricht etwas in mir an, ohne dass ich ihn gleich verstehe."
  • Gespräch - Jean-Luc Nancy (bedeutender französischer Philosoph, geb. 1940) und Sergio Benvenuto (italienischer Psychoanalytiker und Philosoph, geb. 1948):
    Das Heilige, die Religion. verlangen nach Unendlichkeit - Monotheismen, Riten, Weisheitslehren.
    Blaise Pascal scheint diesen Diskurs mitzusteuern, vielleicht auch der nicht erwähnte Rudolf Otto ("Das Heilige"). Zugleich kommen die unterschiedlichen "Zweige" der Monotheismen mit ihren Extremen zur Sprache: Judentum zwischen Ritual und Philosophie, Christentum zwischen Kirchlichkeit und der eigenen Dekonstruktion, Islam zwischen Absolutheit des Sinns für das Göttliche und Spannung zwischen Philosophie und (rituellem und sozialem) Recht. Das bedeutet praktisch einen signifikanten Unterschied zwischen Praktiken und Glaubensüberzeugungen (S. 106).
  • Henning Christoph (Ethnologe, Fotograf und Journalist, geb. 1944)  und Thomas Knöfel (Arzt, Verleger, Autor, geb. 1858):
    Voodoo in Benin. Die Afrikanische Pistole, der Juju-Man und die untoten Toten.
    Das Gespräch vermittelt lebendige Einblicke in synkretistische Kulte zwischen Magie, Umgang mit Verstorbenen, den Ahnen  Geisterscheinungen, Schadensabwehr und Opferproblematik nicht nur in Benin und macht neugierig auf das Soul of Africa Museum in Essen. 
  • Nedim Gürsel (türkischer Essayist und Reiseschriftsteller, lehrt u.a. an der Sorbonne in Paris, geb. 1951): Das Bild des Propheten.
    Der Bote Allahs im Spiegel christlich-mittelalterlichen Denkens.
    Mit einem Schwerpunkt auf die Islam-Einstellung des Johannes von Damaskus (um 650 - 754) beleuchtet der Autor, wie sich das Bild Mohammeds im Abendland zusehends verschlechtert bis hin zum "falschen Propheten" und "Sohn der Finsternis". Das mittelalterlich-christliche Bild von Muslimen schwankt dabei zwischen Ketzerei und Heidentum. Diese Kampfapologetik hat sich trotz mancher Mäßigungen bis in die Gegenwart erhalten. Dieses falsche Bild des Propheten wurde erst nach und nach im 18. Jahrhundert korrigiert.
Schon dieser  relativ kleine Ausschnitt aus der  Vielfalt der LETTRE-Beiträge zeigt, wie lohnend es ist, sich hier weiter einzulassen. Damit geht die Zeitschrift auch gegen heutige Modetrends: Eine schnelle Lektüre allerdings dürfte nämlich bei diesen Essays einigermaßen unmöglich sein. Vertiefte eigenständige Erkenntnis ist aber ein nicht zu unterschätzendes Ergebnis.

Montag, 24. Oktober 2016

Abraham/Ibrahim - Bibel und Koran für Kinder erzählt

Die niederländische Stichting Trialoog fördert durch ihre interreligiöse pädagogische Arbeit das gegenseitige Verstehen von Menschen unterschiedlicher Glaubensweisen.
Sie erhielt darum auch den

INTR°A-Projektpreis 2016 für Komplementarität der Religionen.  Die von der Stiftung herausgegebenen Bücher sind überwiegend in niederländisch geschrieben, z.T auch in Englisch erschienen, um den dialogischen Aktionsradius dadurch zu erweitern. Einige Materialien werden darum inzwischen sogar in den USA und in Ghana eingesetzt.
Ein besonders schönes Beispiel dafür ist das Buch:
Abraham and Ibrahim.
Bible und the Qur'an Told to children.

Author: Francien van Overbeeke-Rippen
 --- Study Guide by Kenneth and Margaret Thomas ---

Amersfoort (NL) 2006, 161 pp.

In kindgerechter Weise gelingt es den Autoren, wichtige Abschnitte aus Bibel und Koran nachzuerzählen:

Schöpfung, Noah, Abraham, Jakob, Mose, Richter und Könige, Jesus und Mohammed.
Der gesamte Text kann auch als PDF-Datei kostenlos heruntergeladen werden.
Download: hier


Besonders zu wünschen wäre natürlich eine deutsche Übersetzung dieser theoretisch fundierten und unterrichtspraktisch ausgerichteten Ausgabe.

Weitere Veröffentlichungen
  • Francien van Overbeeke-Rippen / Rut Rozenoom / Karen Ghonem (eds.):
    Woord zoekt Woord [Wort sucht Wort]. Joden, Christenen en Moslims in Gespreek over Teksten en Tradities. Deventer (NL): Ankh-Hermes 2010, 262 pp.
    --- Beispielseite: hier  
  • Francien van Overbeeke-Rippen: Over en weer [ = Hin und Her]. 25 vragen van christenen en moslims. Hooglanderveen (NL): Drukkerij van Beek 2013, 2. Aufl., 80 pp., illustr.
  • Francien van Overbeeke-Rippen: Ibrahiem en Abraham. Koran en Bijbel verteld voor kinderen. Hooglanderveen (NL): Drukkerij van Beek 2014, 184 pp., Arbeitsblätter

Kurz vorgestellt: Urban Prayers --- Glaube und UnGlaube in der Stadt

Björn Bicker / Andrea Huber:
Was glaubt ihr denn. U
rban Prayers

München: Kunstmann 2016, 272 S. ----- Fotos von  Andrea Huber
--- ISBN 978-3-95614-094-5 ---

Was glaubt ihr denn


Verlagsinformation
Es spricht der Chor der gläubigen Bürger. 
Doch kaum fängt einer an zu reden, da fällt ihm der andere schon ins Wort. 
Der Chor findet keine gemeinsame Sprache und doch ist es ein Chor, 
der ein Gegenüber kennt: die 
Ungläubigen. Globalisierung, Migration und der gleichzeitige Verlust religiöser Bindungen
haben aus unseren Städten Orte der Vielfalt gemacht, religiöse Megacities. 
Aber was glauben die Menschen? Glauben sie, dass ihr Glaube Privatsache ist? 
Glauben die Menschen, dass ihr Glaube politisch ist? 
Glauben sie an die Freiheit der Andersdenkenden, an eine bessere Welt? 
Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt? 
Welche Erwartungen haben die Gläubigen an Demokratie und Rechtsstaat?
Es erzählen die gläubigen und ungläubigen Bürger der Städte – der Bruder, 
der Sozialarbeiter, der DHL-Bote, die Lehrerin, die Journalistin. 
Sie erzählen Leilas Geschichte. Doch kaum endet die Erzählung des einen, 
beginnt die der anderen. Das soziale Leben findet eine gemeinsame Sprache – 
es geht um renitente Jugendliche, um soziales Engagement, um Einwanderung, 
um Heimat, um falsche und echte Bilder und den Traum vom wahren Leben. 
Was glauben die Menschen politisch? Lassen sie den anderen ihre Freiheit? 
Arbeiten sie für eine bessere Welt? 
Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt? 
Aus einer langen Recherche im religiösen Leben unserer Städte
 ist ein Text entstanden, der für die vielen Stimmen der Wirklichkeit
einen analytischen wie poetischen Resonanzraum schafft.

Präsentation im Rahmen der Ruhrtriennale 2016 (Dialog-Journal): hier

Autorenporträt

Foto zu Björn Bicker
Björn Bicker wurde 1972 geboren und studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in Tübingen und Wien. Danach arbeitete er am Wiener Burgtheater. Von 2001 bis 2009 war er als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen engagiert. Seit 2009 arbeitet er als freier Autor, Künstler...
  • PRESSE
  • PRESSEMATERIAL
  • VERANSTALTUNGEN
  • LESERSTIMMEN
  • LESETIPPS
  •  

"Mich hat interessiert, was für ein Verhältnis haben gläubige Menschen, egal welcher Religion, zu ihrer Stadt, zu dieser Demokratie, zu diesem Gemeinwesen."
Björn Bicker

"Bicker hat einen fabelhaften Text geschrieben, hat dafür Gläubige aller möglichen Konfessionen befragt. Heraus kam ein dichtes Konglomerat, das Handke ebenso ebenbürtig ist wie Jelinek."
Süddeutsche Zeitung

Sonntag, 23. Oktober 2016

Kurz vorgestellt: Götter und Wesenheiten des Windes bei den Mayas

Dioses y seres del viento entre los antiguos mayasDioses y seres del viento entre
los antiguos mayas

Autor: Martha Ilia Nájera Coronado
ISBN: 978-607-02-6376-7
Año / Erscheinungsjahr: 2015
Centro: Centro de Estudios Mayas 
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Verlagsankündigung

La pregunta inicial que se plantea en este libro
es la posible existencia de dioses
y seres sobrenaturales vinculados con el viento
en la cultura maya prehispánica.
Si bien en otras regiones mesoamericanas
es clara la presencia de divinidades asociadas
con este fenómeno meteorológico, como es el caso
de Ehécatl en el centro de México, resulta extraño
que no hubiera en las diversas comunidades que
habitaron el área maya una deidad que lograra
dicha relevancia.
De esta manera, en este libro, la autora explora
diversos dioses que tuvieron entre sus atributos
precisamente al aire en movimiento.
Para ello, primero expone algunas de las
características que, conforme a fuentes
de otras regiones mesoamericanas, podrían
distinguir a un dios del viento,
y con esta herramienta metodológica que parte
del análisis comparativo, presenta una revisión
e interpretación de diversos dioses y animales
que, desde su perspectiva, estarían relacionados
con los distintos vientos.
Así, el libro constituye una contribución original para
la comprensión de diversos aspectos de la religión maya. 

Dienstag, 18. Oktober 2016

Der Mystiker Ibn ’Arabî – Reisen im Horizont Gottes (aktualisiert)



Claude Addas: Ibn ’Arabî et le voyage sans retour. (= Ibn ‘Arabî und die Reise ohne Wiederkehr)
Paris: Seuil [1996] = Sagesses no. 114, 2015. 139 pp., chronologie.


Muhyî d-Dîn Ibn ʿArabî, gehört zu den beeindruckend intellektuellen Sufi-Persönlichkeiten des Mittelalters. Nicht umsonst wird er Shaykh al-Akbar, der Große Scheich (Meister) genannt. Dieses Buch der Orientalismus-Spezialistin Claude Abbas erschien bereits 1996 und wurde als Taschenbuch Ende 2015 neu aufgelegt. Es ist mehr als eine biografische Zusammenstellung zu Ibn ‘Arabî. Der Autorin gelingt es, neben den äußeren Lebensetappen die innere-mystische Reise auf diesem Weg zu verdeutlichen. Höhepunkt ist sicher die „Nachtreise“ bzw. Himmelsreise wie sie auch der Prophet  Mohammad erlebte – mit den Wegstationen von Askese und Gebet. Wegbegleiter sind ihm dabei auch die mystischen Meister Andalusiens. Von Ibn ‘Arabî – Poet, Mystiker, Schriftsteller und Philosoph – sind mehr als 350 Titel überliefert !
Vgl. ausführlich zu Leben und Werken die
"Stanford Encyclopedia of Philosophy"
Résumé français, cf. ci-dessous

Die Orientalistin Claude Addas hatte 1989 eine ausführliche Biografie veröffentlicht: Ibn ‘Arabî ou la quête du Soufre Rouge (Paris: Gallimard – Ibn ‘Arabî oder die Suche nach dem roten Schwefel. „Roter Schwefel“ = Symbol für „verborgener Schatz“, wahre Bedeutung der Scharia, der göttlichen Wegleitungen). Das Buch ist durch sorgfältige Recherche der Originalquellen faktisch „das“ Standardwerk zu Ibn ‘Arabî. Die 1996 und nun 2015 als Taschenbuch erschienene Reise ohne Wiederkehr bezieht sich natürlich auf die dortigen Forschungsergebnisse. So entsteht also keine Kurzfassung der ausführlichen Biografie von 1989, sondern durch eine bewusst spirituelle Schwerpunktsetzung etwas Neues, ein Buch, das außerdem ansprechend zu lesen ist.

Natürlich bezieht die Autorin in ihre Beschreibung die politischen und militärischen Konflikte mit ein, welche die damalige islamische Welt innerhalb und in der Auseinandersetzung mit den christlichen Herrschern Europas prägten. Hier einige Daten zum Lebensweg des „Großen Scheichs“:
Murcia, Puente de los Peligros
= Brücke der Gefahren
(aus: Wikipedia.es)
1165 Geburt und erste Zeit in Murcia und Sevilla
1193 Reise nach Tunis
1194 Zurück in Sevilla
1195 /1196 Reisen nach Fes (bis 1198)
         und nochmalige Rückkehr auf die Iberische Halbinsel
1200 Endgültiger Abschied von Andalusien,
         Weiterreise nach Marokko
                1202-1205 Reisen nach Alexandria, Kairo
und dann weiter nach Mekka (bis 1204).         
Beginn von: Al-Futūḥāt al-Makkiyya 
       
("Die mekkanischen Erleuchtungen”, Endredaktion: 1238)
1205 Weiterreise nach Bagdad
         und anschließend wieder zurück nach Ägypten
1207 Erneute Reise nach Mekka, danach auch Aufenthalte in Konya
1216   Längere Zeit in Anatolien, auch in Konya
1223–1240 Letzte Lebensphase in Damaskus
Die Brisanz der religiösen und spirituellen Einstellung macht bereits Kap. 1 mit der Überschrift deutlich: Soll man Ibn ‘Arabî verbrennen? Denn der Meister gehört zu den großen und wirklich unabhängigen Persönlichkeiten, die extrem polarisiert haben. Den Wahabiten und ähnlich gelagerten Fundamentalisten ist er bis heute ein Dorn im Auge. Annemarie Schimmel hat sein „System“ wahdat al-wujud auf den Punkt gebracht: „So ist wahdat al-wujud nicht einfach >Einheit des Seins<, sondern auch die Einheit der Existentialisierung und eine Perzeption dieses Aktes; so wird es manchmal fast synonym mit shuhud, >Kontemplation<, >Schau<, >Zeugnis< … Alles erhält sein wujud, seine <Existenz>, dadurch, dass es von Gott >gefunden<, d.h. >erkannt< wird, und >>nur jene Seite die sich Gott zuwendet, ist real; der Rest ist reines Nichtsein<< … Gott ist jenseits aller Qualitäten“ (Mystische Dimensionen des Islam, S. 379f). Darum zeichnet die Autorin alle Etappen seines Lebens durchweg unter spirituellen Gesichtspunkten nach und bezieht dabei die größeren in jener Zeit entstandenen Schriften mit ein. Das kommt z.T. bereits durch die einzelnen Kapitelüberschriften zum Ausdruck.
Das Kap. 2 „Das Gebet des Prinzen“ ist u.a. bezogen auf eine Episode in der Moschee von Córdoba, durch die der junge Ibn ‘Arabî eine erste Erleuchtung erfährt. Der aus einer angesehenen militärischen Familie stammende junge Mann wird darüber hinaus auch durch die Begegnung mit dem berühmten Philosophen Averroës (1126 –1198) geprägt.     
Die politischen Umbrüche und Konflikte lassen den Suchenden noch mehr zu Gott fliehen (Kap. 3).
Er geht innerlich und äußerlich den Spuren der Propheten nach, erlebt sie in einer Vision in unmittelbarer Nachfolge als Jünger von Mohammed und Jesus.
In Kap. 4 „Die Herren des Weges“ sieht man Ibn ‘Arabî konsequent den Weg eines Sufis in Selbsterkenntnis-Suche, Askese und Gottesanbetung (tasawwuf) gehen. Die wenig bekannten Mystiker Andalusiens gehören gewissermaßen zu seinem Weggeleit.Intensiviert wird dies alles durch Mohammed, Siegel der Propheten (Kap. 5). 
Durch die visionären Begegnungen in seiner Nachfolge wird er selbst zum Siegel der Heiligen und entwickelt damit ein weitergehendes Konzept des „Heiligen“  ('ayn al-thâbita).
Hier wird auch die Grenze zwischen Exoterik und Esoterik, Außen und Innenwelt, fließend, besonders, wenn es etwa in Kap. 6 heißt: Wenn das verschwindet, was niemals gewesen ist“, die imaginäre Welt und die höchste Vision. Der Weg Ibn ‘Arabîs beinhaltet gewissermaßen eine „Distanz zweier (Welten-)Bögen“, die sich doch sehr nahe kommen (Kap. 7): Auf Grund von erheblichen und kriegsbedingten politischen Veränderungen auf der Iberischen Halbinsel verlässt Ibn ‘Arabî Andalusien wiederum. In Fes findet er einen Rückzugsort. Dort vollendet er im Frühjahr 1198 sein „Buch der Nachtreise“ (Kitâb al-isrâ), ein Weg jenseits der Erfahrungswelt.
Es sind die Reisen des reinen Gottes-Dieners, die in den „mekkanischen Erleuchtungen(Kap. 8), ihren mystischen Dreh- und Angelpunkt finden, von dem her die spirituelle Intensität des Meisters verständlich wird. Ist doch seine eigene Nacht- oder Himmelsreise durchaus der Miraj des Propheten Mohammed ähnlich.
Was in der Weite und Höhe des Himmels erlebt wird, spiegelt sich in der Seele wieder: „Hier bin ich Herr, alles ist Dein“ (S. 77f). Die Glaubwürdigkeit und Authentizität dieser „mekkanischen Erleuchtungen“ realisieren sich darum nicht in der Überheblichkeit von Wissenden, sondern in einem von bescheidener Zurückhaltung und von Armut bestimmten Lebensstil. Dieser braucht auch nicht die Anerkennung der „weltlichen“ Öffentlichkeit, vielmehr macht das mystische Leben zugleich frei und offen für die wahre Erkenntnis der Wirklichkeit – kontemplativ und visionär.
Kap. 9 ist dann der mehr philosophische Grund, von dem her Ibn ‘Arabî seine meditativen und poetischen Texte schreibt, nämlich die Einheit des Seins. Gott mit seinen unwandelbaren Entitäten (Seinsqualitäten) will nur das, von dem er weiß, dass es sein muss. „Er [Gott] hört nicht auf zu sein, und du hörst nicht auf, nicht zu sein“ (S. 91). Das heißt, unser Sein ist kein selbständiges Sein, sondern ist zeitlich bedingt und bleibt damit immer abhängig von Gott. Fehlt Gott, ist das menschliche Sein schon „genichtet“. Darum ist es auch logisch: Wo ihr euch auch immer hinwendet, da ist Gottes Angesicht“ (Kap. 10). Hier fließt Göttliches in Menschliches ein. Das ist heiliges Sich-Ergießen (effusion sainte, S. 95). Betrachtet man dazu das Bild von Ibn ‘Arabîs Kosmogonie (vgl. das Cover des Buches), so zeigt sich hier der Versuch, seine himmlische Nachtreise optisch zu skizzieren und damit die umfassende Gottesfülle zu bestätigen. Das sind wahrhaft „mekkanische Erleuchtungen“. Sie zeigen eine intensive Gottesnähe und erinnern in vielem an Meister Eckhart. So wirken Ibn ‘Arabîs erleuchtende Erfahrungen zugleich als Grenzen überschreitende Wegweisung. Sie sind poetisch beeindruckend formuliert im Turjuman al-Ashwâq ( = „Der Ausleger der brennenden Wünsche“, abgeschlossen 1214):
„Jetzt können alte Bilder und Formen
Platz in meinem Herzen finden,
denn mein Herz wurde eine Weide für die Gazellen,
ein Kloster für die Mönche,
ein Tempel für die Götter (aus "Götzen" möglich),
eine Kaaba des Tawaf (= Umkreisung der Ka'ba),
eine Tafel der Tora
und ein Buch des Korans.
Ich gehöre der Religion der Liebe
und wandele mit festen Schritten auf ihrer Karawanenstraße,
denn Liebe ist mein Bekenntnis und mein Glaube."
Eigene Übersetzung aus der französischen Ausgabe: L’interprète des désirs (aaO S. 117f)
Inzwischen gibt es auch eine neue deutsche Ausgabe - Übersetzung von Stefan Weidner:
Der Übersetzer der Sehnsüchte. Salzburg: Jung und Jung 2016, 180 S.

Claude Addas betont in Kap. 11 „Die zwei Horizonte: Bei aller öffentlichen und publikumswirksamen Verehrung, die der Große Scheich im Orient genießt, bleibt dieser letztlich doch dem Sufitum des Okzidents verhaftet – „an der Brust der mystischen Gemeinschaft Andalusiens und des Maghreb“ (S. 109). Das bedeutet darum immer wieder den Rückzug aus den Macht-Zentren weg hin zur Kommunität der Sufis mit ihren Gebeten, dhikrs und esoterischen Erfahrungen. Ähnliches gilt auch für die spirituellen Erben des Großen Scheichs, die im 13. und 14. Jahrhundert zwischen Andalusien und Indien lebten.
Welchen „Nutzen“ haben nun seine niedergeschriebenen Erfahrungen den Späteren insgesamt gebracht? Im Kap. 12 mit dem Überschrift-Zitat: „Profitiert von meiner Existenz!“ formuliert Claude Addas die Quintessenz von Ibn ‘Arabîs Lebensstil (S. 122). Das [göttliche] Gesetz ist essentielle Realität (und konstituiert alle spirituellen Stadien bis hin zu höchsten Heiligkeit (so in den mekkanischen Erleuchtungen, Futûhât al makkiyya). Daraus folgt im Sinne einer Orthopraxie: „Barmherzigkeit gegenüber den anderen, unerbittliche Strenge gegen sich selbst: das sind per definitionem die beiden Pole der akbarschen Ethik (= Ethik von Ibn ‘Arabî) ... Das ist eine Botschaft universeller Barmherzigkeit, nämlich das Siegel der Mohammed-Heiligkeit als Berufung zur Weitergabe an die Menschen“ (S. 126).
Bilanz
Vor uns liegt eine relative knappe und doch inhaltlich erstaunlich reiche Einführung in die Hauptthemen des Denkens und Lebens von Ibn ‘Arabî. Claude Addas verbindet ihre Darstellung mit gezielt ausgewählten Zitaten. So werden neben den mystischen auch die größeren historischen Zusammenhänge unmittelbar deutlich. Dieses Buch ist nun keineswegs nur etwas für Spezialisten des Sufismus oder des Mittelalters, sondern für jede/n, der/die mystische Kraft kennen lernen will, welche die Grenzen religiöser Traditionen überschreitet. Hier hat sich ein Standardwerk etabliert. Gerade in Bezug auf den interreligiösen Dialog ist es wichtig, über die beeindruckende christliche Mystik in Europa hinauszublicken, bis hin zum Sufismus in Persien und Indien. Ibn ‘Arabîs Nachfolger haben diese mehrfachen Grenzüberschreitungen schon gespürt. Das gilt selbst für seine erbitterten Gegner (S. 128): Man denke an den von Islamisten und Salafisten herangezogenen Ibn Taymiya (1263–1328), oder auch an den soziologisch staatspolitischen Denker Ibn Khaldun (1332–1382). Berühmte Orientalisten wie Louis Massignon (1883–1962) oder Henry Corbin (1903–1978) äußern sich begeistert über ihn (S. 127f). Der algerische Freiheitskämpfer und Mystiker Abd el-Kader (1808–1883) sieht in ihm das islamische Erbe geheiligt und „gesiegelt“ (S. 129, vgl. S. 94).
Die wirkungsgeschichtliche Kraft dieses großen Meisters, des Großen Scheichs, reicht bis in unsere Zeit. Er ist zugleich ein mittelalterlicher Leuchtturm für die Versöhnung der Religionen. Er hat bereits vor über 800 Jahren den Weg zu interreligiöser Humanität im Horizont des göttlichen Geheimnisses gebahnt. Seine Vergegenwärtigung durch Claude Addas müsste bald in deutscher Übersetzung verfügbar sein.

Résumé français (traduction provisoire)
En face de nous se trouve une introduction concise qui est implantée étonnamment d’une manière riche pour les thèmes principaux de la pensée et de la vie d'Ibn 'Arabî. Claude Addas relie sa représentation avec des citations soigneusement sélectionnées. Par cela la mystique et les contextes historiques plus grands s’éclaircissent immédiatement. Ce livre est qualifié en aucune façon pour les spécialistes du soufisme ou du Moyen-Age, mais pour chacun/chacune, qui voudrait connaître la vertu mystique, qui dépasse les frontières des traditions religieuses. Ici, un ouvrage de référence s’établit. Concernant le dialogue interreligieux, il est important de regarder au-delà de la mystique chrétienne impressionnante en Europe, aussi vers le soufisme en Perse et l'Inde. Les successeurs d'Ibn 'Arabi ont déjà senti ces transgressions multiples – de même pour ses adversaires farouches (voir. p. 128). On peut penser à Ibn Taymiya (de 1263 à 1328) invoqué par les islamistes et salafistes, ou au penseur sociologique d’état Ibn Khaldoun (de 1332 à 1382). Des orientalistes célèbres comme Louis Massignon (1883-1962) ou Henry Corbin (1903-1978) parlent avec enthousiasme de lui (p 127f). Le combattant algérien de la liberté, le mystique Abd el-Kader (1808-1883) voit en lui l'héritage islamique consacré et «scellé» (p.129, voir p. 94). Le pouvoir historique du Shaykh al-Akbar, du Plus Grand Maître, s’étend jusqu’à notre temps. Il est également un phare médiéval pour la réconciliation des religions. Il y a plus de 800 ans, qu’il a tracé le chemin de l'humanité interreligieux dans l'horizon du mystère divin. Il faudrait, que la présentification d’Ibn Arabî par Claude Addas soit bientôt disponible dans une traduction allemande.
Reinhard Kirste
Rz-Addas-Arabi, 26.01.16

Der "Große Diwan" des Îbn Ârabi - 
herausgegeben und übersetzt von:
Omari Hammami / Patricia Mons (dir.): Le Grand Diwan.
Paris: Albin Michel 2016, 320 pp.
EXTRAIT / LESEPROBE

De l’œuvre poétique d’Ibn ‘Arabî, seul est connu en français son superbe Interprète des désirs, que « le plus grand des maîtres » commenta lui-même. On ignore souvent qu’il a en outre composé deux immenses recueils poétiques ou Dîwâns, pourtant très célèbres dans le monde arabe. C’est du premier d’entre eux, le « Grand Dîwân », que sont extraits les quarante-cinq poèmes traduits et commentés dans ce volume. Poèmes mystiques où se mêlent images cosmiques et descriptions charnelles, où Dieu et l’homme se rapprochent jusqu’à parfois échanger leurs rôles, ils nous initient à une vision du monde par-delà les voiles des conventions sociales et religieuses.
Omar Hammami et Patricia Mons, poètes arabisants, nous donnent les clés de lecture de ces textes envoûtants qui méritent pleinement leur place aux côtés des autres œuvres du grand maître de la mystique andalouse.




Weitere Texte von Ibn ‘Arabî – kleine Auswahl:
--- Le livre de l’extinction dans la contemplation.
    
Kitâbu-l-Fanâ’i fî-l-Mushâhada.
  
 Traduit de l’arabe, présenté et annoté par Michel Vâlsan. 
    
Paris: Les Editions de l’Oeuvre 1984, 57 pp., index
--- Ibn ‘Arabî: Die Weisheit der Propheten. Fusus al-Hikâm
     Graz: ADEVA 1986, 2. Aufl., 179 S.
--- Les Soufis d’Andalousie. Rûh al-quds et ad-Durrat al-fâkhira. Traduit de l’arabe et présenté
     par R.W.J. Austin. Version fran
çaise de Gérard Leconte. Paris: Sindbad 1988, 179 pp.
--- Les Illuminations de la Mecque. The Meccan Illuminations. Futûhât al-Makkiyya.
   
Textes choisis / Selected Texts. Sindbad 1989, 651 pp., index / glossaire
    Deutsch: Reise zum Herrn der Macht.
    Aus dem Englischen von Franz Langmayr und Wolfgang Herrmann.
    Zürich: Chalice 2007, 164 S.
--- L’interprète des désirs [ardents]. Turjumân al-Ashwâq.
     Présentation et traduction de Maurice Gloton.
     Paris.
Albin Michel 1996, 533 pp. Als Taschenbuch neu aufgelegt 2012, 688 pp.
--- Miguel Asín Palacios: El Islam cristianizado.
    
Estudio del “sufismo” a través de las obras de Abenarabi de Murcia.
    
Madrid: Hyperion 1990, 3e édition,  543 pp., indices, glosario
--- Französische Ausgabe: L’Islam christianisé. Étude sur le soufisme d’Ibn ’Arabî de Murcie.
    Traduit de l’Espagnol par Bernard Dubant. Paris: Guy Trédaniel 1982, 380 pp.
--- Urwolke und Welt. Mystische Texte des Größten Meisters. Aus dem Arabischen übersetzt und hg. von Alma Giese.
     München: C.H. Beck 2002, 352 S., Glossar, Wörterverzeichnis Arabisch – Deutsch

Einige Bücher/Texte über ihn
--- Annemarie Schimmel: Mystische Dimensionen des Islam. Die Geschichte des Sufismus.
     Köln: Diederichs 1985, S. 374–387
--- Claude Addas: Ibn ‘Arabi ou la quête du Soufre Rouge. Paris: Gallimard 1989,407 pp., indices
--- Claude Addas: La maison muhammedienne. 
     Aperçus de la dévotion au Prophète en mystique musulmane. Collection Bibliothèque des Sciences humaines.
    
Paris: Gallimard 2015, 192 p.
--- Michel Chodkiewicz: An Ocean Without Shore. Ibn Arabi. The Book, and the Law.
    Translated from the French by David Streight.
    Albany: State University of New York Press 1993, 184 pp., indices
--- William C. Chittick: Ibn al’Arabi’s Metaphysics of Imagination.
     The Sufi Path of Knowledge
    Albany: State University of New York Press 1989, 478 pp., indices
--- William C. Chittick: Ibn al’Arabi and the Problem of Religious Diversity.
    Albany: State University of New York Press 1994, 208 pp., indices
--- William C. Chittick: The Self-Disclosure of God. Principles of Ibn al’Arabi’s Cosmology.
     Albany: State University of New York Press 1994, XL, 483 pp., indices
--- Toshihiko Izutsu: Sufismo y taoísmo.
     Estudio comparative de conceptos filosóficos clave.
     Volumen I: Ibn ’Arabi. Traducción de Anne-Hélène Suárez Girard.

     Madrid: Siruela 2004, 2. Aufl., 339 pp.
--- Pierre Lory: Le symbolisme des lettres et du langage chez Ibn ‘Arabî.           
     Connaissance des Religions, No. 60 (octobre-décembre 1999), p. 92–99

--- Wolfgang Neumann: Der Mensch und sein Doppelgänger. Alter-Ego-Vorstellungen in Mesoamerika
     und im Sufismus des Ibn 'Arabi. Arbeiten aus dem Seminar für Völkerkunde
     der Johann-Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt/M., B. 11. Wiesbaden: Franz Steiner 1981, 252 S.
--- Fatemeh Rahmati: Der Mensch als Spiegelbild Gottes in der Mystik ‘Ibn Arabis.           
    Studies in Oriental Religions, Vol 55. Wiesbaden: Harrassowitz 2007, 153 S.
--- Pierre Lory: Le symbolisme des lettres et du langage chez Ibn ‘Arabî.

--- Weitere Infos von der Ibn-Arabi-Society: http://www.ibnarabisociety.org/works.html

--- Im Blick auf Rezeption und Auseinandersetzung vgl.:
     Ayman Shihadeh:
  Doubts on Avicenna.
Leiden: Brill 2015 --- Verlagsinformation: hier

Rz-Addas-Arabi, 26.01.16