Dienstag, 28. März 2017

Dialog-Empfehlung: Begegnung von Bibel und Koran

  Karl-Josef Kuschel

  Die Bibel im Koran

  Grundlagen für das interreligiöse Gespräch


  Ostfildern: Patmos 2017, 672 S.

  ISBN: 978-3-8436-0726-1

 Verlagsinformation:
 Eine wissenschaftliche und persönliche Summe: 
  fasst in diesem Band seine zwei Jahrzehnte währenden Studien zum 
  Thema Bibel und Koran zusammen: neu bearbeitet
und vor allem um 
  die Erträge der neuesten Forschungen zum Koranverständnis 
  erweitert. 
Gründliches Basiswissen ist Voraussetzung für eine Kultur 
  des Austausches zwischen Juden, Christen und Muslimen, die auf 
  wechselseitigem Respekt gründet und Vertrauen wachsen lässt. 
  Zu  diesem Ziel, vom konfrontativen hin zu einem vernetzten Denken 
  zu  finden, ist das Buch des engagierten Gelehrten selbst ein wichtiger   Beitrag. 

Aus dem Inhalt: 
»Wir Kinder Abrahams« / Wie den Koran im Gegenüber zur Bibel verstehen? / Adam: Gottes Risiko Mensch / Mose – der »ewige Konflikt«: Gottesmacht gegen Menschenmacht / Maria und Jesus: Gottes Zeichen für alle Welt / Was Muslime und Christen eint und trennt


Ausführliche Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis: hier

Titel zum Thema von Karl-Josef Kuschel
- bereits in den "Ein-Sichten" besprochen:



Die Römischen Götter und das Christentum (aktualisiert)



Badisches Landesmuseum (Hg.): Imperium der Götter: Isis – Mithras – Christus.
Kulte und Religionen im Römischen Reich

Darmstadt: Konrad Theiss 2013, 480 S. über 580 Abb., 4 Karten.
--- ISBN 978-3-8062-2871-7
Begleitband zur
Ausstellung im Badischen Landesmuseum Karlsruhe--- 16.11.2013–18.05.2014 ---
Link: 
http://www.landesmuseum.de/website/Deutsch/
Sonderausstellungen/Aktuell/Imperium_der_Goetter.htm
Kurzrezension: hier

Ausführliche Besprechung
Mit dieser Ausstellung im Schloss Karlsruhe ist es dem Badischen Landesmuseum Karlsruhe besonders schön gelungen, die sich gegenseitig beeinflussende Göttervielfalt im Römischen Reich (Schwerpunkt: 3. nachchristliches Jahrhundert) zu veranschaulichen. Die didaktische Zusammenstellung der Exponate aus bedeutenden Museen Europas, aber auch aus deutschen Fundorten, zeigen eine multireligiöse Vielfalt ungeahnten Ausmaßes. Der Gang durch die Ausstellung und den aufwändig gestalteten Begleitband wird deshalb so spannend, weil in der Entwicklung des Christentums im Römischen Imperium göttliche Grundmuster in den wachsenden christlichen Glauben einfließen. Es sind Bilder und Symbole, die das Christentum bis heute geprägt haben. Deshalb verbinden sich in den Mysterienkulten und den Erlösungsvorstellungen im Kontext von Isis, Mithras und Christus grundlegende faszinierende Menschheitserfahrungen.
Dem Bassin des Mittelmeeres entsteigt gerade nach der Zeitenwende eine Götterwelt, ein Pantheon, das in vielen Variationen im gesamten lateinisch sprechenden Europa und auch im römischen Deutschland seinen Niederschlag und eine große Zahl Anhänger findet. Dass schließlich das Christentum den Sieg gegenüber den anderen Göttern davon trägt, hat sicher nicht nur mit der politischen Konstellation seit Kaiser Konstantin zu tun, sondern auch mit der Faszination der aus dem Osten eingewanderten Religionen. Ihre vieldeutigen Mythologien, Initiationsriten geheimer und okkulter Art, ihre Opfer- und Essensrituale, überhaupt ihre Kultpraktiken, lockten die Menschen an – praktizierter Glaube angesichts des mysterium tremendum et fascinans (Rudolf Otto).   
Neben den Museumsfachleuten mit ihrem Direktor Harald Siebenmorgen haben viele kompetente Religionswissenschaftler, Kirchenhistoriker, Archäologen und Experten römischer Kulturgeschichte an  der Ausstellung und dem ansprechenden Begleitband mitgewirkt, so z.B. Jan Assmann, Christoph Auffarth, Philippe Borgeaud, Walter Burkert, Richard Gordon, Christoph Markschies und Christian Witschel. Ihnen ist es zu danken, dass neben den über 340 Exponaten die Zusammenhänge differenziert entwicklungsgeschichtlich dargestellt werden. So lässt sich gut zusammendenken, welche Gestalten und Erlösungstypen in Isis, Mithras und Christus sichtbar werden. Das geschieht in fünf Themenkreisen:
1.  Kultentwicklungen im Römischen Reich
Religiöses Denken und sakrales Handeln ist im Alten Rom polytheistisch geprägt, aber die Transformationen angesichts des riesigen Kulturraums „Römisches Imperium“ zeigen die große Flexibilität im religiösen Kontext. Die aus dem Osten kommenden Erlösungskulte mit ihren Mysterien (unter Einbeziehung Griechenlands) spielen dabei eine immer größere Rolle. Sie werden übrigens durch Augustus so geschickt eingebunden, dass sie für den Kaiserkult quasi instrumentalisiert werden und die kaiserliche Macht stärken. Durch religiöse Kommunikation lassen sich politische Entscheidungen gezielt vorantreiben. Unter Einbeziehung von Franz Cumonts (1868–1947) Forschungsarbeiten bedenken die Autoren dieses Abschnittes auch Sichtweisen Roms auf den „Orient“.
2.  Der Einfluss der machtvollen Göttinnen: „Die Große Mutter“ (Magna Mater / Kybele) und Isis
Mit den machtvollen orientalischen Mutterkulten kommt eine wichtige und entscheidende Komponente für die weitere religiöse Entwicklung im Römischen Reich zum Tragen. Die keineswegs liebliche „ Mutter der Götter“ von Anatolien über Griechenland bis Rom beeinflusst den gesamten Mittelmeerraum und sogar noch Britannien. Die Archäologie hat eine Fülle von Heiligtümern nachgewiesen. Natürlich gab es kulturelle Anpassungen und Entschärfungen wie die Typik der Göttin Kybele/Artemis/Diana zeigt. Aber es fehlte schon damals nicht an Kritik an den teilweise orgiastischen (Opfer-)Riten des Mutterkultes und angesichts des jugendlichen Attis, des Geliebten der Kybele. Das antike Ostia ist ein besonders herausragendes Beispiel dieses Kultes.             
Aus dem Iran wandert Mithras mit dem Stieropfer ein, und sein Kult entwickelt sich zu einer der volkstümlichsten religiösen Bewegungen. Von Ägypten „mischt“ sich Isis in die Göttinnen-Herrschaft ein. In ihren vielfältigen Erscheinungsformen steigt sie schließlich zur Göttin aller Völker im Römischen Imperium auf.

Isis,
Museum Capitolinum
(Wikipedia)
Ihre moralischen und asketischen Forderungen, nehmen ihre Adepten gern im täglichen Kult auf sich, weil sie so wahre Freiheit erlangen. Auch Isis hat einen Gefährten, ursprünglich Osiris, nun Serapis – der Gott, der aus dem Geist des Stiers geboren wird. Dieser Stier spielt schon in bisherigen Traditionen eine wichtige Rolle.

3.  Der Opfergedanke im Mithraskult und bei Jupiter Dolichenus
Mithras tötet den Stier (Louvre Lens)
Der Mithraskult gewann mit seinem (Stier-)Opfergedanken nicht nur unter den Soldaten der römischen Legionen von Ost bis West eine herausragende Bedeutung, sondern inkulturierte sich auch in das variantenreiche römische Götterpantheon, wie der Kult um Jupiter Dolichenus zeigt. Dass Mithras auch noch mit diesem höchst populären römischen Göttereine Verbindung einging, sei hier nur am Rande erwähnt (vgl. S. 267-293). Das in der Ausstellung nachgebaute Mithräum von S. Maria Capua Vetere lässt etwas vom göttlichen Geheimnis und seiner Erlösungs-Faszination erahnen, Hier führten „Mystagogen“ mit unterschiedlichen Weihegraden ein und ermöglichen die spirituelle Teilnahme: (Stier)-Opfer und Kultmahl mit dem Sonnengott „Sol“. Aber auch die Wundertaten des Mithras werden gebührend gewürdigt. Angesichts dieses so populären Kultes hat die Wissenschaft über Herkunft, Entstehung und theologischer Bedeutung unterschiedliche Theorien entwickelt. Vielleicht zeigen diese Differenzen jedoch zugleich, dass dieser Kult nie eine einheitliche dogmatische Linie hatte.
So konnten auch Elemente des Mithraskultes, besonders im Blick auf das Heilige Mahl, im Christentum ebenfalls zentrale Bedeutung gewinnen. Allerdings setzte sich der christliche Kult gegen Mithras mit aller Schärfe zur Wehr – und letztlich mit Erfolg.
4.  Das monotheistische Judentum
und das sich ausbreitende Christentum in der römischen Antike
Ein besonderer Blick muss in diesem Zusammenhang auf das Judentum geworfen werden, weil im Römischen Reich von Anfang an ein Monotheismus im Gegenüber zur Göttervielfalt mit all ihren Wandlungen steht. Immerhin vermutet man in diesem Weltreich zur Zeitenwende 5-6 Millionen Juden, was etwa 10% der Gesamtbevölkerung ausmacht (S. 310). Die Kriege der römischen Kaiser gegen die jüdischen Aufstände, besonders die Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. durch Titus, werden zu Eckpunkten jüdischen Geschichtsverständnisses. Dieses muss sich zugleich gegen das aufkommende Christentum abgrenzen und umgekehrt. Immerhin entwickelten die Kaiser in der Regel einen modus vivendi; und besonders im Osten blühte jüdisches Leben, wie die Funde im Zusammenhang mit der Synagoge im multireligiösen Dura Europos am Euphrat (heutiges Syrien) zeigen.
Das Christentum begann im Römischen Reich in der Spannung von Abgrenzung und teilweiser Integration. Der Siegeszug erst im 4. Jahrhundert brachte nach kurzer religiöser Kultfreiheit im Imperium Romanum schließlich allen „heidnischen“ Kulten ein (teilweise grausames) Ende. Einzelne pagane Restaurationsversuche sind eher als letztes Aufflackern der alten Religionen zu werten. Besonders aufregend war der epochale Einschnitt im Jahre 392, als in Alexandria, dem Hauptkulturort des Gottes Serapis, die ihm geweihte Tempelanlage einem christlichen Mob zum Opfer fiel (S. 367ff). Schließlich war Serapis Reichsgott: in ihm verschmolzen der Apis-Stier (der sterbend in Osiris aufersteht), der Gott Osiris mit Isis und dem Horusknaben sowie schließlich Zeus-Jupiter im Gegenüber zum Todesgott Hades bzw. Pluto. Christus tritt gewissermaßen gegen Apis, Osiris und Serapis an und nimmt deren Plätze gewaltsam ein. Bei aller Abwehr des „Heidnischen“ lassen sich dennoch im Erlösungsverständnis des populären Götterimperiums – mit der Großen Mutter bzw. Isis, dann Mithras, Jupiter und Serapis – Konvergenzen zu zentralen christlichen Glaubensinhalten aufweisen. Und Maria als „Mutter Gottes“ hat bis in die Ikonografie hinein Züge der Isis übernommen. Dies wird allerdings in der Ausstellung nicht thematisiert.
Isis
mit dem Horusknaben,
vermutlich "Spätes Reich"
 
Auch wenn die Dinge im Einzelnen sehr differenziert liegen: Christentum und Mithraskult zeigen auch eine große Nähe zueinander. Nicht umsonst steht im Vorwort des Buches der berühmte Satz des Religionshistorikers Ernest Renan wie ein Motto (S. 5): 
"Wenn das Christentum aufgrund zufälliger Ereignisse in seiner Ausbreitung gehemmt worden wäre, wäre die westliche Welt mithrasgläubig geworden.“ 

Wie man es auch wendet: Das Christentum erwuchs letztlich aus dem religiösen Pluralismus Roms, und zwar durch Transformationen und synkretistische Verschmelzungen, die sich bis in die Architektur hinein aufzeigen lassen. Weil auch die Katakomben als christliche Zufluchtsorte in ihrer märtyrerhaft-legendarischen Überhöhung und die Wandlung der Christusbilder von den Autoren untersucht werden, eröffnet sich ein teilweise ungewohnter Blick auf die sich wandelnden theologischen Bildkonzepte von der (unterirdischen) Friedhofskirche bis zur sakralen Säulenbasilika. 
So kann man im Katalog und natürlich noch deutlicher beim Gang durch die Ausstellung der Christenbewegung „nachgehen“, wie sie von bescheidenen Anfängen in den gesamten Mittelmeerraum vordringt und über die römische Reichskirche schließlich Weltreligion wird.
Domitilla-Katakombe Rom: Christus als Lehrer
(Artothek "Eule der Minerva)

5.  Die Wirkungen „orientalischer“ Kulte
vom Mittelalter über die Renaissance bis in die Moderne
Bei so vielen verbindenden religiösen Elementen, die das Römische Imperium aus sich entließ, führen die Autoren und Ausstellungsmacher noch einige wirkungsgeschichtliche Besonderheiten vor, in denen das griechisch-römische Erbe weiterlebt. Da findet sich Mithras in einen mittelalterlichen Kardinalspalast in Rom, Isis war in Pompeji zu Hause, wie man schon bei Ausgrabungen in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts entdeckte. Isis und Osiris begegnen schließlich neu auflebend in der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Dass die ägyptischen Mysterien bereits im 18. Jahrhundert geradezu Mode wurden, hat keineswegs nur mit Mozarts Zauberflöte zu tun. Katakomben, Märtyrer, Christenverfolgungen bewegen Dichter und bildende Künstler bis heute. Hier wird z.T. das Bild einer Urkirche lebendig, die es so sicher nicht gab, die sich aber nicht als politisch einflussreiche Reichskirche, sondern als Kirche aus dem Geist der Armut verstehen will.
Bilanz
Den Planern und Arrangeuren der Ausstellung sowie den kompetenten und didaktisch engagierten wissenschaftlichen AutorInnen des Begleitbandes gelingt es, die religiöse Vielfalt im Römischen Reich mit dem Aufbrechen neuer sich durchsetzender Kulte darzustellen. Sie zeigen, wie auf solch religiös-pluralem Boden schließlich das Christentum Durchsetzungskraft und weltgeschichtliche Oberhand gewann. Mit diesem umfassenden Begleitband zur Ausstellung bleibt für alle religiös und geschichtlich Interessierten auch nach dem Ende der Karlsruher Ausstellung ein übersichtlicher und bleibend lohnender Fundus zurück. Er ermöglicht allen mehr oder weniger Gläubigen die eigene Religionsgeschichte besser zu verstehen. Wir wären heute in Europa religiös, theologisch und geistesgeschichtlich nicht diejenigen, die wir geworden sind, wenn es das politische Römische Imperium mit seinem Imperium der Götter nicht gegeben hätte.  

Dieser Titel wurde von der Interreligiösen Bibliothek zum Buch des Monats April 2014 ausgewählt.
Reinhard Kirste

Ergänzende Anregungen
für den Unterricht  in "Planet Wissen": 
Woran glauben die Römer?

Ergänzende Literatur zu MITHRAS (Mithra)

  • Zur Bedeutung des Stiers ind er Mythologie rund um das Mittelmeer 
  • Paul de Breuil: Les Dieux de l'ancien Iran aux saints du bouddhisme, du christianisme et de l'islam
    Paris: Dervy 1989, 
    p. 51-64
  • Manfred Clauss: Mithras. Kult und Mysterien.
    München: C.H. Beck 1990, 215 S., Abb., Register
  • D. Jason Cooper: Mithras. Mysteries and Initiation Rediscovered.
    York Beach (Maine, USA): Samuel Weiser 1996, 177 pp., index
  • Franz Cumont: Die Mysterien des Mithra.
    Ein Beitrag zur Religionsgeschichte der römischen Kaiserzeit.

    Autorisierte deutsche Ausgabe von Georg Gehrich.
    Darmstadt: WBG 1981, 5. Aufl., 248 S., Register
  • Richard C. Foltz: Spirituality in the Land of the Noble.
    How Iran Shaped the World's Religions.
    Oxford: One World 2004, p. 32-33
  • Albert de Jong: Traditions of the Magi.
    Zoroastrianism in Greek & Latin Literature.
    ---
    Religions in the Graeco-Roman World, Vol 133. --- Leiden a.o.: Brill 1997, p 284-301
  • Rheinisches Landesmuseum Bonn (Hg.): Von den Göttern zu Gott.
    Frühes Christentum im Rheinland. Ausstellungskatalog.

    Tübingen / Berlin: Wasmuth 144 S., Abb.
  • Harald Strohm: Mithra oder: Warum >Gott Vertrag<
    beim Aufgang der Sonne in Wehmut  zurückblickte.

    Paderborn: Fink 2008, 380 S., Namenregister
  • Démètre Théraios (dir.): Zarathoustra et renouveau chrétien de l'Europe.
    Hommage à Paul de Breuil.

    Paris: Guy Trédaniel  1996, S. 151-172 (Jean Haudry)

 Rz-Imperium-Götter, 31.03.14, bearb. 18.01.16


Freitag, 24. März 2017

Zur Erinnerung 1417-2017: 600 Jahre Klaus von Flüe - Mystiker der besonderen Art (aktualisiert)

Pirmin Meier: Ich Bruder Klaus von Flüe. Biografie.
Zürich: Union 2014, 560 S. --- ISBN 978-3-293-00478 ---
- zuerst erschienen 1997 und 2000  mit dem Untertitel: Eine Geschichte aus der inneren Schweiz --- im Verlag Ammann, Zürich

Cover
Verlagsinformation


"Niklaus von Flüe, bekannt geworden unter dem Namen Bruder Klaus (1417–1487), ist der meistgerühmte, meistverehrte, untergründig aber auch der umstrittenste Eremit im Alpenraum. In der Schweiz wird er – schon zu Lebzeiten – als Nationalheiliger verehrt. Als Fünfzigjähriger verließ der Bauer, Ratsherr und Kriegsmann seine Frau und seine zehn Kinder, um als Pilger an heilige Stätten zu ziehen. Eine Vision in Liestal (Baselland) veranlasst ihn zur Umkehr, um fortan als Einsiedler zu leben. Schon sehr bald wurde die Einsiedelei zu einem heiligen Ort, die Menschen suchten bei dem sonderlichen Eremiten Rat und Gebetshilfe.
Pirmin Meier vermittelt dem Leser ein Lebens- und Zeitbild aus dem Alpenraum und die Geschichte eines Menschen, dessen große Visionen europaweit ausstrahlten."

Mehr zu Leben und Wirkung von Bruder Klaus: hier



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Cover der Ausgabe von 1997
Erzählung auf dem hinteren Umschlag

Pressestimmen
  • »Ein Kunstwerk der literarischen Biografie.«  -- Andreas Tunger-Zanetti, Der Bund
  • »So hat bisher noch keiner das Leben des Niklaus von Flüe in Bezug gesetzt zur Zeitgeschichte, zu Gebeten und Meditationen, zur Volks- und Medizinkunde.
    Das Buch ist ein Ereignis.«  -- Josef Rennhard, Beobachter
  • »Eine moderne Biografie, die Fachleute wie Leser erfreut.« 
    --Elisabeth Endres, Süddeutsche Zeitung
  • »Pirmin Meier schildert nicht bloss den Lebensweg des Eremiten vom Ranft. Dieser wird auf schlechterdings einmalige Art ins Zeitgeschehen von damals integriert. Daraus entsteht eine Schweizer Geschichte des 15. Jahrhunderts von ganz besonderem Gehalt.« -- Schweizerzeit, Flaach
Radbild
Gebet mit dem Radbild

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Dienstag, 21. März 2017

Kurz vorgestellt: Islamische Geschichte besser verstehen

Autoren: Monika und Udo Tworuschka 
Berlin: Metzler 2017, 176 S., Abb.
ISBN 978-3-476-04348-1
  • Verlagsinformation
  • Kompakter Überblick über die Geschichte des Islam
    von den Anfängen bis zur Gegenwart
    • Erläuterung der historischen und kulturellen
      Zusammenhänge und Hintergründe
    • Mit Infokästen zu wichtigen Personen und Werken
Dieser reich illustrierte Band berichtet über die Entstehung des Islam und seine Geschichte bis ins 21. Jahrhundert. Die zusammenhängende Darstellung von religiösen Strömungen, prägenden Persönlichkeiten und Dynastien sowie die Tatsache, dass das Buch auch kulturelle und gesellschaftliche Faktoren wie das islamische Recht, die islamische Philosophie und Mystik berücksichtigt, ermöglicht es, den Islam differenzierter zu verstehen.

Streit um das Kopftuch - Einblicke in eine unendliche Geschichte (aktualisiert)

Kopftuchdebatten in Europa. Konflikte um Zugehörigkeit in nationalen Narrativen.

Bielefeld: Transcript 2016, 296 S.--- ISBN 978-3-8376-3271-2 --


Zur Orientierung: Verschleierungsformen
(N 24, abgerufen 21.03.2017)


Eine unvermeidliche Polemik ?



Freitag, 17. März 2017

Die chassidischen Erzählungen des Rabbi von Kotzk

Les Récits hassidiques du Rabbi de Kotzk
Traducteur : Nathan Weinstock
Paris: Albin Michel 2017, 176 pp. 
EAN /ISBN 13 : 9782226326799Extrait / Textprobe mit Inhaltsverzeichnis 
Mehr über den Kotzker Rebbe, den Rabbi von Kotzk (bei Lublin): hier

Verlagsinformation:
Menahem Mendel de Kotzk (1787-1859) est l’une des figures les plus marquantes et les plus iconoclastes du hassidisme, célèbre mouvement mystique et populaire du judaïsme d’Europe orientale. Maître spirituel exigeant, qui met la Vérité au centre de tout, le Rabbi de Kotzk refuse le rôle de « gourou » et invite ses disciples à la lucidité interne, qui seule mène à Dieu.Le Rabbi a brûlé ses rares écrits avant sa mort ; les récits réunis ici sont le principal témoignage de son enseignement. Une plongée joyeuse dans cette culture yiddish disparue, à l’attrait universel.
Les Récits hassidiques du Rabbi de Kotzk - Cover image

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Sonntag, 12. März 2017

TÄUSCHUNGEN - LIST und LEBENSKUNST: Strategien des Überlebens in den Kulturen (aktualisiert)

Strategien  der Täuschung gibt es in allen Kulturen, obwohl sich die religiösen Traditionen offensichtlich gegen persönliches und politisches Lügen und Betrügen mit aller Deutlichkeit wehren. Bei genauerer Hinsicht auf diese durchaus interkulturellen Phänomene der sog. List fällt jedoch auf, dass Differenzierung not tut, denn augenscheinlich werden hier nicht nur Durchsetzungsstrategien, sondern Überlebensmöglichkeiten angesichts von Bedrohung thematisiert. So wird hier eine etwas ungewöhnliche Variante und teilweise ein Gegenpol zum friedlichen Miteinander im "WELTETHOS " sichtbar.

1.  Chinesisches Denken zwischen List und Weisheit 

Darauf hat besonders der Schweizer Jurist und Sinologe HARRO VON SENGER (geb. 1944) aufmerksam gemacht, der mit seinen Büchern über den Sinn der CHINESISCHEN STRATEGEME die darin entghaltende systematisierte Lebenskunst herausarbeitet. Auf dem angegebenen Link finden sich auch die 7 Ziele des Autors, die hier verkürzt zitiert sind:

  1. "Aufklärung über eine bisher im Abendland nur ungenügend bekannte Seite chinesischer Zivilisation und Mentalität ...
  2. Anregung zu interdisziplinärer Listforschung ...
  3. Hilfestellung bei der Überwindung europäischer Listenblindheit in Bezug auf die Listerkennung: Westliche Menschen sollten ihre Wahrnehmung dahingehend schulen, dass sie fähig werden, unterschiedliche Techniken der List zu   durchschauen, sei es als unmittelbares potentielles Listopfer, sei es als Beobachter(innen) ... und wenn möglich, den durch Überlistung angerichteten Schadenseintritt zu verhindern, und zwar durch  das Erlernen und Umsetzen der chinesischen Strategemkunde.
  4. Hilfestellung bei der Überwindung europäischer Listenblindheit in Bezug auf die Listanwendung: Westliche Menschen sollten lernen, ... ethisch und rechtlich verantwortungsvoll ... – und nicht, ... ohne jeden Sinn und Verstand aus dem Bauch heraus – unterschiedliche Techniken der List anzuwenden.
  5. Die Einbettung der chinesischen Listweisheit in einen größeren Gesamtzusammenhang, jenen der „Supraplanung (谋略moulüe)“...
  6. Die „Moulüe“ genannte chinesische Kunst der Planung wird gestützt auf ihre älteste Quelle, nämlich Meister Suns Kriegskanon, erhellt, indem dieses Werk erstmals aus der Sicht von „Moulüe“ und nicht bloss unter dem Blickwinkel der vergleichsweise kurzatmigen westlichen Strategiekunde in eine westliche Sprache übersetzt wird.
  7. Menschen in unseren Breiten soll die „Moulüe“ genannte chinesische Kunst der Planung für deren moralisch und juristisch einwandfreien Gebrauch, sei es im Verkehr mit Chinesen, sei es im eigenen Kulturbereich, nahe gebracht werden."


2.   Arabische Welt: Die Mittel und Methoden,
um die (eigenen) Ziele zu erreichen

 
Zu dem so ausgefeilten chinesischen Denken in Strategemen gibt es auch arabische Varianten. Im 14. Jahrhundert entstand das Werk eines anonymen Autors: Das Buch der Täuschungen. Die politische Strategie der Araber". Dies ist etwa 100 Jahre (!) vor dem berühmten "Il Principe" (1513) des NICCOLÒ MACCHIAVELLI.
Der aus einer christlichen Familie stammende syrisch/französische Übersetzer und Religions-wissenschaftler RENÉ Rizqallah KHAWAM (1917-2004) hat mit der Herausgabe dieses Werks im Jahre 1976 nicht nur historische Einblicke gegeben, sondern einen ausgesprochen aktuellen Beitrag geleistet: Westliche Diplomaten, Industrielle und Militärberater ahnen teilweise bis heute nicht, dass ihre Strategien dem Orient schon lange bekannt sind. Zugleich ist es wichtig zu wissen, wie differenziert, kompliziert und natürlich auch polemisch oft auf allen Seiten mit den dahinter stehenden arabischen Begriffen (besonders: Taqiyya = Lüge, Täuschung, Verheimlichung) umgegangen wird.

Le Livre des Ruses. La stratégie politiques des Arabes. Traduction intégrale sur les manuscrits originaux.
Paris: Phébus / Libretto 1976, 2002, 447 S.  --- ISBN  2-85940-000-1 ---


Man muss sich Folgendes klarmachen: Die arabischen Wörter, die in den europäischen Sprachen schnell mit List und Täuschung wiedergegeben werden, meinen mehr notwendige und für den Menschen sinnvolle und erträgliche Möglichkeiten sowie Ziele zur Organisation von Arbeit und Erhaltung von Lebensenergie. Das wird in diesem Buch an Geschichten deutlich gemacht, die "Weisheit" oft in ungewöhnlicher Art zeigen. Gott gebraucht ja keine Listen, sondern fragt sich, was für seine Schöpfung, seine Menschen gut ist. Und Gott benutzt viele Methoden, um dem Menschen solche Einsicht zu ermöglichen. Dies tun auch die Engel, allerdings auch die Dschinnen, dies zeigen die Propheten, die Kalifen, die Könige und Sultane, die Wesire, Gouvernuere, Adminsitartoren, Richter, Berater (!) und schließlich auch fromme und asketische Menschen mit oft ungewöhnlichen und sicher manchmal grenzwertigen Methoden.

3.  Europa:  Geheimhaltung, List und Lebenskunst

Aber selbst in Europa haben List und Täuschung nicht nur eine negative Seite, sondern spiegeln auch pfiffige Lebenskunst, Witz und geschickte Arbeitsorganisation sowie kreative Überwindung von Lebenssschwierigkeiten wieder.


Marc Schweska (Hg.): Das Kompendium der Geheimhaltung und Täuschung, der Lüge und des Betrugs, des Verrats und der Verstellungskunst. 
Berlin:  Die Andere Bibliothek, Bd. 354, 2014, 450 S.
--- ISBN 9783847703549 ---


Verlagsankündigung
Es gibt fünf Arten von Spionen: der ortsansässige Spion, der innere Spion, der Gegenspion, der tote Spion und der lebendige Spion. Wenn alle diese fünf Arten von Spionen in Aktion treten, weiß niemand um ihre Wege – dies nennt man organisatorisches Genie.« (Sunzi, ca. 500 v. Chr.)
Nur dunkel scheint das Thema der Täuschung. Wer täuscht, der handelt im Geheimen und unmoralisch, der verstört mit Lüge, Verrat und Betrug seine Opfer. Die Erkenntnis, getäuscht worden zu sein, kann das Vertrauen in die Welt aufs Schwerste erschüttern. Heiter wird die Täuschung aber in der Verstellungskunst, in den Erzählungen von der Listigkeit, die kraftvoll und klug die verwickelten Lebensschwierigkeiten mit Täuschungen elegant und mit Witz überwindet.
Dieses Kompendium versammelt klassische und weniger berühmte und bekannte Texte, die Täuschung zumeist in ihrer drastischen Dimension behandeln. Die Texte stammen aus der griechischen und römischen Antike: Homer, Hesiod, Heraklit, Sophokles, Platon und Aristoteles gehören dazu wie Seneca, Plutarch, Tacitus und Lucian und viele andere. Augustinus oder Dante, Boccaccio und Machiavelli fehlen natürlich genauso wenig wie Erasmus von Rotterdam, Montaigne, Baltasar Gracian oder Pascal; dazu die Reflexionen der Moralistik. Kant und Schopenhauer oder Nietzsche sind vertreten, ebenso natürlich die legendären »Trickster«-Figuren wie Odysseus, Sisyphos und Till Eulenspiegel. Nicht vergessen sind wichtige außereuropäische Texte wie Sunzis Schrift über Kriegskunst und das altindische Politik-Lehrbuch Arthasastra. Natürlich findet sich das Thema in der großen Literatur, bei Voltaire, Diderot , Goethe oder Schiller und in der gesamten klassischen und romantischen Literatur; Herman Melville oder Jorge Luis Borges gehören in unsere Sammlung, die Sentenzen und Aphorismen vieler Autoren – bis in die Gegenwart. Das dürfen Sie von einem Kompendium (wenn auch ohne Anspruch auf Vollzähligkeit, das wäre eine Täuschung) erwarten. Und: Nicht zuletzt gibt es Texte, die auch die gebildeten Freunde der Anderen Bibliothek noch überraschen können.