Donnerstag, 28. März 2019

Katajun Amirpur: Reformislam - den Islam weiterdenken

Katajun Amirpur: Reformislam
Der Kampf für Demokratie,
Freiheit und Frauenrechte

Monographie --- C.H. Beck'sche Reihe 6075
München: C.H. Beck 2018, 3. Aufl., 256 S.
---  ISBN 978-3-406-73688-
9 --- 

Die erste Auflage erschien unter dem Titel:

Den Islam neu denken. Der Dschihad für Demokratie, Freiheit und Frauenrechte.

München: C.H. Beck 2013, 256 S., Personenregister

Rezension: hier
Verlagsinformation: Es gibt ihn doch, den modernen Islam, der für die Gleichberechtigung der Geschlechter, Demokratie, Freiheit, religiöse Toleranz und die Menschenrechte eintritt und sich dabei auf den Koran beruft! Katajun Amirpur zeigt eindrucksvoll, dass der Islam heute vielfältiger und moderner ist, als es bärtige Islamisten und westliche Islamkritiker wahrhaben wollen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 
1  Auf dem Weg in die Moderne
    --- Die Tradition des Reformislams --- Säkularismus und Islamismus 
2  Islamische Reformer heute
    --- Post-Islamismus --- Islamischer Feminismus  --- Männer für Frauen
    --- 
Islam in und für Europa --- Kritik als Selbstkritik 
3  Nasr Hamid Abu Zaid: Wer ist hier der Ketzer?
    Ein geborener Sieger --- Afrika, Amerika, Asien --- Scheidung von der Heimat 
    --- Gottes Wort  --- Spricht Gott Arabisch? --- Das Verhängnis Politik    --- Das Private ist politisch, ist Wissenschaft 
4  Fazlur Rahman: Vom Koran zum Leben und wieder zum Koran
    --- Ein traditioneller Gelehrter  --- Der Niedergang der muslimischen Gesellschaften
    --- Die Diktattheorie --- Der Koran als ethischer Leitfaden
    --- 
Die Leute des Buches --- Rezeption und Kritik 
5  Amina Wadud: Mitten im Gender Dschihad
    --- Muslimin aus Überzeugung --- Warum Islam? --- Weiblich, muslimisch, schwarz
    --- Gender im Koran --- Was sagt uns der Koran heute? 
    --- Perspektiven des islamischen Feminismus 
6  Asma Barlas: Als wären nur Männer objektiv
   --- Eine eurozentrische Sicht des Islams --- Die patriarchalische Deutung des Korans 
   --- Islamischer Feminismus? --- Als Muslimin in den USA  --- Befreiungstheologie 
   --- Plädoyer für ein anderes Gottesbild --- Wird sich die beste Deutung durchsetzen? 
7  Abdolkarim Soroush: Mehr als Ideologie und Staat
    --- Ein Revolutionär im Namen des Islams --- Vom Hofideologen zum Dissidenten 
    --- Die Wandelbarkeit der religiösen Erkenntnis --- Eine religiös-demokratische Regierung
    --- Wider die Ideologisierung der Religion Wessen Koran?
8  Mohammad Mojtahed Shabestari: Der Prophet liest die Welt
    --- Die Tradition und der Bruch mit ihr  --- Als Geistlicher in Hamburg 
    --- Wahrheit und Methode in Iran --- Die Rezeption protestantischer Theologie 
    --- Politische Bewegungen im religiösen Gewand --- Eine prophetische Lesart der Welt 
    --- Der Koran als Erzählung 
Die Zukunft des Islams
Die Tradition des Islams
Dank --- Literatur --- Personenregister


Weitere Titel von Katajun Amirpur

28.03.2019

Montag, 25. März 2019

Buddhismus aktuell - Zugänge zum Verstehen einer reichhaltigen religiösen Tradition

Buddhismus aktuell
ist das vierteljährlich erscheinende Magazin der
Deutschen Buddhistischen Union e.V.
- Buddhistische Religionsgemeinschaft. 

Es handelt sich um die Nachfolgezeitschrift der Lotusblätter, deren erste Ausgabe 1987 herauskam. 2004 erhielt die Zeitschrift den Namen Buddhismus aktuell. Die einzelnen Ausgaben zeigen, wie vielfältig sich buddhistisches Leben in Deutschland entwickelt. Gleichzeitig erhalten die Lesenden vertiefte Einblicke in die verschiedenen Traditionen des Buddhismus und lernen
wichtige buddhistische Persönlichkeiten kennen.
Bericht von Sylvia Wetzel nach 30 Jahren (2017): hier


Buddhismus aktuell Nr. 2 (2019): Freundschaft
Übersicht, Inhalt und Leseproben: hier


Buddhismus aktuell Nr. 1 (2019): Wachsen
Übersicht, Inhalt und Leseproben: hier



Bisherige Nummern
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Freitag, 22. März 2019

Ara Norenzayan: Big Gods --- Religion - Ursprünge und gesellschaftliche Entwicklungen


Ara Norenzayan:Big GodsHow Religion Transformed
Cooperation and Conflict
Große Götter.
Wie Religion in menschlichen Gesellschaften
Kooperation und Konflikt transformierte.

Princeton University Press [2013]
 2015, 264 pp.


--- ISBN 978-0691169743 ---


Verlagsinformation
How did human societies scale up
from tight-knit groups of hunter-gatherers to the large,

anonymous, cooperative societies of today —
even though anonymity is the enemy of cooperation?
How did organized religions with
'"Big Gods"—the great monotheistic and polytheistic faiths—
spread to colonize most minds in the world? In Big Gods,
Ara Norenzayan makes the surprising argument that these fundamental puzzles
about the origins of civilization answer each other.

Sincere faith in watchful Big Gods unleashed unprecedented cooperation
 within ever-expanding groups, yet at the same time
it introduced a new source of potential conflict between competing groups.
And in some parts of the world, societies with atheist majorities—
some of the most cooperative and prosperous in the world —
have climbed religion's ladder, and then kicked it away.

Big Gods answers fundamental questions about the origins
and spread of world religions and helps us understand the rise
of cooperative societies without belief in gods.
Ara Norenzayan is professor of psychology at the University of British Columbia.
His work has been featured on the BBC and CNN, and in the 
New York Times Magazine.

Donnerstag, 21. März 2019

Amin Maalouf: Schiffbruch der Zivilisationen?


Amin Maalouf: 
Le naufrage des civilisations

Der Schiffbruch der Zivilisationen
essai 
Paris: Grasset 2019, 336 pp. 

--- ISBN  9782246852179 ---

Amin Maalouf (geb. 25.02.1949) stammt aus dem Libanon. Er emigrierte zu Beginn des 
libanesischen Bürgerkrieges 1976 über Zypern nach Paris,
wo er seitdem lebt und als Journalist
sowie als Schriftsteller arbeitet.
Seine Reisen führte ihn nicht nur
in die arabische Welt, sondern auch in andere Regionen.
Insgesamt liegt der Schwerpunkt seines Schaffens auf den Beziehungen
zwischen Orient und Okzident.
Er gilt darum als ein herausragender Sachkennner der geopolitischen Veränderungen  und der Einschätzung von Konflikten. Amin Maalouf war Chefredakteur der Wochenzeitschrift 

An Nahar International
 sowie des Wochenmagazins Jeune Afrique.
Wäh
rend des Vietnamkrieges und der Islamischen Revolution war er als Kriegsberichterstatter unterwegs. 
Als Buchautor hat er Romane und Essays veröffentlicht, die weltweit großen Anklang finden. Seine Werke sind in etwa 25 Sprachen übersetzt worden. Sein erstes größeres Werk 
Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber (1983) wurde zum Standardwerk.
Im August 2000 gab es die Uraufführung der Oper L'amour de loin der finnischen Komponistin Kija Saariaho bei den Salzburger Festspielen.
Das Libretto schrieb Maalouf
.
Sein neuestes Buch thematisiert die gegenwärtigen Konflikte mit ihren weltweiten Folgen.

Verlagsinformation 
Amin Maalouf
bei der "Comédie du livre de Montpellier",
am 23. Mai 2009 (wikipedia.fr)
Die Analysen von Amin Maalouf
sollten unbedingt beachtet werden:
Seine Intuitionen setzt er
in Vorhersagen um.
Damit weist er frühzeitig auf
Entwicklungen hin, ehe diese
einem größeren Publikum vor Augen treten.
Er sah bereits vor zwanzig Jahren
den Aufstieg mörderischer Phänomene,
und vor zehn Jahren, wie die Deregulierung
der Welt beängstigend zunahm.
Er ist heute überzeugt,
dass wir uns kurz vor
einem weltweiten Schiffbruch befinden,
der alle Bereiche der Zivilisation betrifft.

Obwohl Amerika die einzige Supermacht bleibt,
verliert es jegliche moralische Glaubwürdigkeit.
Ein gemeinsames Europa,
das sowohl seinen Völkern
als auch dem Rest der Menschheit
das bedeutendste und beruhigendste
Projekt der Humanität unserer Zeit anbot, droht sich aufzulösen.
Die arabisch-muslimische Welt ist in eine tiefe Krise verwickelt,
die ihre Menschen in Verzweiflung stürzt und
katastrophale Auswirkungen auf den gesamten Planeten hat.
Große "aufstrebende" oder "wiedergeborene" Nationen wie China,
Indien oder Russland verschlechtern
das Klima auf der Weltbühne, auf der jeder für sich und das Gesetz des Stärksten herrschen.
Ein neues Wettrüsten scheint unvermeidlich.
Ganz zu schweigen von den ernsten Bedrohungen (Klima, Umwelt, Gesundheit),
die den Planeten belasten und denen wir nur durch eine globale Solidarität begegnen können,
aber diese fehlt. 

Seit mehr als einem halben Jahrhundert beobachtet der Autor
auf vielen Reisen die Welt.
So war er am Ende des Vietnamkrieges in Saigon
und sah unmittelbar das Aufkommen der Islamischen Republik in Teheran.

In diesem kraftvoll und umfassend geschriebenen Buch
erlebt man Amin Maalouf als engagierten Zuschauer,
aber auch als analytischen Denker. Er mischt Erzählungen und Reflexionen und
erzählt von einigen Großereignissen, die er als einer der wenigen Augenzeugen miterlebte.
Danach prüft er als Historiker die eigene Erfahrung, um uns zu erklären,
welche aufeinander folgenden Verschiebungen die Menschheit erlebt hat.
Die Bilanz ist ernüchternd:
Man kann nur wünschen, dass sich seine Ahnungen nicht bewahrheiten - und der Schiffbruch ausbleibt. 

Informations de l'éditeur
Il faut prêter attention aux analyses d’Amin Maalouf: ses intuitions se révèlent  des prédictions, tant il semble avoir la prescience des grands sujets avant qu’ils n’affleurent à la conscience universelle. Il s’inquiétait il y a vingt ans de la montée des Identités meurtrières  ; il y a dix ans du Dérèglement du monde. Il est aujourd’hui convaincu que nous arrivons au seuil d’un naufrage global, qui affecte toutes les aires de civilisation.
L’Amérique, bien qu’elle demeure l’unique superpuissance, est en train de perdre toute crédibilité morale. L’Europe, qui offrait à ses peuples comme au reste de l’humanité le projet le plus ambitieux et le plus réconfortant de notre époque, est en train de se disloquer. Le monde arabo-musulman est enfoncé dans une crise profonde qui plonge ses populations dans le désespoir, et qui a des répercussions calamiteuses sur l’ensemble de la planète. De grandes nations «  émergentes  » ou «  renaissantes  », telles la Chine, l’Inde ou la Russie, font irruption sur la scène mondiale dans une atmosphère délétère où règne le chacun-pour-soi et la loi du plus fort. Une nouvelle course aux armements paraît inéluctable. Sans compter les graves menaces (climat, environnement, santé) qui pèsent sur la planète et auxquelles on ne pourrait faire face que par une solidarité globale qui nous fait précisément défaut. Depuis plus d’un demi-siècle, l’auteur observe le monde, et le parcourt. Il était à Saigon à la fin de la guerre du Vietnam, à Téhéran lors de l’avènement de la République islamique. Dans ce livre puissant et ample, il fait œuvre à la fois de spectateur engagé et de penseur, mêlant récits et réflexions, racontant parfois des événements majeurs dont il s’est trouvé être l’un des rares témoins oculaires, puis s’élevant en historien au-dessus de sa propre expérience afin de nous expliquer par quelles dérives successives l’humanité est passée pour se retrouver ainsi au seuil du naufrage.

Weitere Titel von Amin Maalouf

--- Rezensionsnotizen einiger seiner Bücher bei "Perlentaucher"
--
- Les identités meurtrières. Le Livre de poche, 2001
     [Grasset & Fasquelle, 1998], 125 pp.
     Rezension in: La Plume Francophone, 11.02.2007

--- Le dérèglement du monde. Essai. Paris: Grasset 2009
    Rezension in Agora Vox, 23.04.2009

--- Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber.
    Aus dem Französischen von Sigrid Kester.
    München: Diederichs 1996, 300 S., Personenregister
    Rezension in "Der Humanist" (abgerufen, 25.03.2015)

--- Les jardins de lumière. Roman. Paris: Lattes 1991, 341 pp.
    Rezension in "Grain de sel", 04.01.2006



Dienstag, 19. März 2019

Bilderverehrung, Bilderstreit und Bilderverbot (aktualisiert)

Friedhelm Hartenstein / Michael Moxter:
Hermeneutik des Bilderverbots.       
Exegetische und systematisch-theologische Annäherungen.
Forum Theologische Literaturzeitung, 26     
Leipzig: EVA 2016, 357 S., Abb.
-- ISBN 978-3-374-03060-6 --


Angesichts strikter Bilderverbote im Judentum und Im Islam sind die christlichen Zugänge zum Bild von Anfang an vielfältiger. Besonders spannend wird es jedoch, wenn sich die Frage nach dem Bild angesichts des Heiligen und Göttlichen stellt. Der vorliegende Band ist aus der Zusammenarbeit eines Alttestamentlers und eines Systematikers an der Universität Hamburg entstanden. Der Exeget und Religionsgeschichtler Friedhelm Hartenstein (seit 2010 an der Universität München) und der Dogmatiker Michael Moxter „dialogisieren“ gewissermaßen die vielfältigen Facetten der Bildthematik im Kontext von Judentum und Christentum. Vergegenwärtigung Gottes und des Göttlichen im Bild und  in der Kult-Symbolik sind schwierige Annäherungsversuche an das Transzendente.


Die grundlegende Spannung zwischen Bilderverehrung und Bilderverbot muss die Variationsbreite der Thematik  im Alten Orient berücksichtigen. So beginnt das Buch auch mit den Fragen zum Kult um (anthropomorphe) Götterbilder und Symbole des Alten Orients. 
Unter Bezug auf den Dekalog spielt Hartenstein diese Ikonografie-Geschichte an der jüdischen Bilderkritik durch, besonders seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. 
Er verfolgt exegetisch-hermeneutische Konsequenzen an ausgewählten Texten sowohl der hebräischen Bibel wie des Neuen Testaments und kann damit auch den (langwierigen) Weg vom Henotheismus zu einem strengen Monotheismus verdeutlichen. Der Systematiker Moxter dagegen geht von Bildern der Macht und bildlichen Herrschafts-Präsentationen aus, um den Sinn des Bilderverbots an der Verborgenheit Gottes zu betonen. Er verfolgt bilderkritische Tendenzen bis in gegenwärtige philosophische Theorien.


Beide Autoren weiten immer wieder den Blick auf das kulturelle Umfeld. Hartenstein zieht dazu viele Belege aus den Quellen des Alten Orients und dem alten Israel heran. Moxter versucht die komplexen Zusammenhänge von Bildverständnis und Bildkritik unter Einbeziehung veränderter politischer und geistesgeschichtlicher Umstände aufzuhellen. Der Systematiker verfolgt dabei eine Linie, die bei der Kritik der Vorsokratiker beginnt und bis hin zur Auseinandersetzung mit der Kritischen Theorie der Gegenwart führt. Wichtige Markierungspunkte zu einem umfassenden Verständnis sind dabei die moderate Haltung Luthers zu den Bildern und Kants Verständnis des Bilderverbots. Schließlich kommt es bei Theodor Adorno und Max Horkheimer zu einem Bilderverbot, das jüdische Perspektiven gegenüber dem Christentum aufnimmt: „Das Bilderverbot ist insofern ein wesentliches Paradigma, unter dem die Gehalte der Religion philosophisch rekonstruiert werden können. Hermeneutisch bemerkenswert ist, dass das Bilderverbot in dieser Perspektive wesentlich als Verbot eines Rückfalls, einer Regression, rezipiert wird. Die Regression zu den falschen Göttern, die ein Heil nur vorgaukeln und damit der Stabilisierung von Entfremdung zuarbeiten, erscheint als das, was unbedingt vermieden werden muss“ (Moxter, S. 308). Hier zeigt sich ein erstaunlicher Brückenschlag in die Religionsgeschichte des sich entwickelnden monotheistischen Gottesbegriffs, und zwar einerseits im Sinne einer kontrastreichen Korrelation und zum anderen im Sinne einer „bilderkritischen Bildlichkeit“. Diese sollte sowohl für die Hebräische Bibel wie für das Neue Testament gelten: „Auch in der Perspektive einer Theologie der einen, zweiteiligen christlichen Bibel … muss auf die komplexen Relationen zwischen Bilderverbot, Bildlosigkeit und Gottebenbildlichkeit geachtet werden. Auch vor diesem Hintergrund zeichnet sich eine kritische Theologie des (lebendigen) Bildes ab. Sie wird durch eine Hermeneutik des Bilderverbots ermöglicht und begleitet“ (S. 181f).
Nach Abschaffung der vielen polytheistischen Bilder ägyptischer, griechischer und römischer Götter bleibt im Christentum als Staatsreligion seit dem 4. Jahrhundert ein (Macht-)Bild erhalten - das des Christus Pantokrator (S. 190f). Man bedenke: Eine sich zuspitzende Bilderkritik im Sinne eines Verbots bedeutet auch immer die Zurückweisung machtvoller Zugriffe. Davon zeugt im Mittelalter besonders die  sog. Negativen Theologie mit ihrer Nähe zum Neuplatonismus. Darauf hat besonders Emmanuel Levinas hingewiesen (S. 236). Nun kommt allerdings im christlichen Kult neben der Bildkritik auch eine kreative Bildvergegenwärtigung  ins Spiel, und zwar sakramental durch die Präsenz Christi im Abendmahl.
Moxter bringt es auf den Punkt: „Es wundert daher nicht, dass theologische Begründungen des Ikonoklasmus darauf insistierten, allein Brot und Wein könnten als wahres Bild Christi gelten, nicht aber Ikonen“  … (S. 284).

Aktueller Ausblick: Kunst, Philosophie, Kulturwissenschaft und Theologie sind angesichts gerade säkularer Ikonen und einer unübersehbaren Bilderflut herausgefordert, den Umgang mit dem Bild neu zu durchdenken. Von daher bekommt sowohl das jüdische wie das islamische Bilderverbot ein neues Gewicht. Es zeigt nämlich an, dass offensichtlich auch in der Vergegenwärtigung der Bilder Machtzuschreibungen liegen. „Die virtuose ikonische Inszenierung, z.B. von Bildzerstörungen in Syrien und im Irak durch den sog. „Islamischen Staat“ zeigt ja auf ihre Weise, dass die mediale Bildermacht (…) einen Nerv unserer eigenen, in rasantem Wandel begriffenen Bilderkultur trifft“ (S. 350). Dies alles nötigt zu archäologischen und religionsgeschichtlichen Rückfragen, zum einen im Blick auf das Alte Israel. Der Zusammenhang von Monotheismus und Bilderverbot ist im Dekalog gewissermaßen gegründet. Aber nicht die Unsichtbarkeit Gottes ist das Hauptthema, sondern das Festhalten an seiner „Verborgenheit, auch im Zusammenhang der Offenbarung“ (S. 355).   

Insgesamt sind die Bilder Transformationsversuche, die in der christlichen (Kunst-)Geschichte im Zusammenhang der Christologie entstehen. Sie brachten „Ausschläge“ zwischen facettenreicher Affirmation der Bildlichkeit und gewaltsamen Bildersturm mit sich. Die Autoren erinnern an die Bedeutung der Ikonenverehrung im Byzantinischen Bilderstreit des 8. und 9. Jahrhunderts und an die Auseinandersetzungen innerhalb der Reformation. So wird eine heutige Hermeneutik des Bilderverbots wichtig, um die rechte Unterscheidung bei der Bild-Begegnung mit dem Nicht-Aussagbaren, dem Geheimnisvollen und Faszinierenden  zu ermöglichen. Denn die Bilderflut der heutigen Medien macht ihren eigenen problematischen Umgang mit „dem Bild“ deutlich.  und fordert zu einer erneuerten Kunstlehre des Verstehens heraus (Schleiermacher).
Von daher ist es zu begrüßen, dass die beiden Autoren bei ihrer „archäologischen Spurensuche“ die perspektivische Vielfalt des Umgangs mit den Bildern bis hin zu gegenwärtigen Konsequenzen bedacht haben. Ob es dabei zu einer “Hermeneutik des Bilderverbots“ oder eher zu einer Hermeneutik als erneuerter Kunstlehre des Verstehens im Sinne Schleiermachers kommen sollte, mag vorläufig offen bleiben.

Ergänzende Hinweise
Reinhard Kirste 

Rz-Hartenstein-Bilderverbot, 31.08.16, bearb. 19.03.2019 
 

Sonntag, 17. März 2019

E. Koskenniemi: Der Einfluss der griechischen Philosophie und Kultur auf Philo und Josephus

Erkki Koskenniemi:
Greek Writers and Philosophers in Philo and Josephus. A Study of Their Secular Education and Educational Ideals

Studies in Philo of Alexandria, Band: 9

Publisher's Information
In Greek Writers and Philosophers in Philo and Josephus Erkki Koskenniemi investigates how two Jewish writers, Philo and Josephus, quoted, mentioned and referred to Greek writers and philosophers. He asks what this tells us about their Greek education, their contacts with Classical culture in general, and about the societies in which Philo and Josephus lived. Although Philo in Alexandria and Josephus in Jerusalem both had the possibility to acquire a thorough knowledge of Greek language and culture, they show very different attitudes. Philo, who was probably admitted to the gymnasium, often and enthusiastically refers to Greek poets and philosophers. 
Josephus on the other hand rarely quotes from their works, giving evidence of a more traditionalistic tendencies among Jewish nobility in Jerusalem.

Der Autor:
Erkki Koskenniemi, PhD. (1992) Åbo Akademi University, is Adjunct Professor
in Biblical studies at the University of Helsinki, University of Eastern Finland
and Åbo Akademi University. His publications include 

--- The Old Testament Miracle-Workers in Early Judaism (Mohr, 2005)
--- Apollonios von Tyana in der neutestamentlichen Exegese (Mohr, 1994).