Dienstag, 1. August 2017

Zur Wirkungsgeschichte des Zisterzienser-Ordens (aktualisiert)

Neu:
LVR-Landesmuseum Bonn (Hg.): Die Zisterzienser: Das Europa der Klöster.
Darmstadt: Theiss (WBG) 2017, Abb., Glossar -
--- Rezension: hier (Buch des Monats August 2017)


Klosterkirche Pontigny (Burgund)

Immo Eberl: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens.
Stuttgart: Thorbecke 2002, 616 S. ---- Neuauflage 2007: hier
In der europäischen Kulturentwicklung ist der Zisterzienser-Orden ein Phänomen. Er breitete sich als klösterliche Reformbewegung im 12. Jahrhundert geradezu rasant in ganz Europa aus. Sein entscheidender Promotor ist Bernhard von Clairvaux (ca. 1090 - 1153). Ein Blick in die deutschen Landschaften - besonders östlich der Weser - markiert eindrucksvoll, wie sich aus einer oft menschenfeindlichen Natur durch  Landkultivierung und Architektur Zivilisation entwickelte und gleichzeitig prägend wirkte. Dazu trug auch in erheblichem Maß der weibliche Zweig des Ordens bei.
Vor uns liegt nun eine Gesamtdarstellung der Ordensgeschichte; die nicht bei der Frühzeit stehen bleibt, sondern die Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart auszieht. Es ist eine ausgesprochen sorgfältig recherchierte und umfassend aufgebaute Arbeit, der man allerdings noch ein ausführliches Register gewünscht hätte, um die verschiedenen Aspekte der Ordensgeschichte und Klöster auch über "Quereinstiege" leichter zu finden als in dem nur grobe Überblicke gewährenden Inhaltsverzeichnis. Dies schiene mir umso wichtiger, als die Geschichte des Zisterzienserordens auch über Europa hinaus bedacht wird. Ich hätte mir auch gewünscht, dass die Ordensgeschichte im nord- und ostdeutschen Raum sowie in Osteuropa und Skandinavien noch mehr zur Sprache gekommen wäre. Vielleicht geschieht das jedoch durch die weitere Arbeit des Autors.
Zisterzienserkirche Pontigny - bewusst ohne Turm
Der Rezensent war übrigens mehrere Jahre Pfarrer in Hildesheim, zu dessen Gemeinde das ehemalige Zisterzienserkloster Marienrode gehörte.
Seit 1988 hat sich dort ein Benediktinerinnen-Konvent angesiedelt, der die alte klösterliche Tradition wieder aufgenommen hat.
Der  Autor des Bandes ist Immo Eberl, Leiter des Stadtarchivs Ellwangen/Jagst und apl. Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Tübingen, kein Ordensmitglied !
Sein Gesamtkonzept geht von den Anfängen in Frankreich und der Schlüsselrolle des Bernhard von Clairvaux Er zeigt die sich langsam aufbauenden Favoritenrolle, die der Orden bei Fürsten, Grafen und Wirtschaftsleuten bis hin zum Vatikan gewann. Dabei kommen jedoch die Beschreibungen von Spiritualität, Architektur, Kunst, Wissenschaft und Liturgie im Orden keineswegs zu kurz, ja nehmen das Hauptgewicht im vorliegenden Buch ein.
Spannend ist, wie die ersten Entwicklungsphasen bis zum Ende des 13. Jahrhunderts durch andere Tendenzen bereits im Spätmittelalter und in der Reformationszeit abgelöst werden, wie aber auch innere Streitigkeiten der verschiedenen Observanzen und das sich ändernde Weltbild durch Barock, Aufklärung und Säkularisation. Es kommt schließlich zum Niedergang des Ordens und zu seiner teilweisen Auslöschung. Dem folgt erst am Ende des 19. Jahrhunderts ein langsamer Wiederaufstieg, in der die strenge Observanz (vgl. S. 499ff) letztlich die höhere Attraktivität hat, unabhängig davon, dass der Orden zu allen Zeiten gut mit den jeweils modernen Kommunikationsmitteln umzugehen wusste und weiß (Manuskriptverbreitung, Buchdruck, Internet). – Dieses Buch macht es deutlich: Der Zisterzienserorden wird auch in Zukunft zu den gesellschaftlichen Reformkräften gehören, wenn auch nicht mehr so plakativ wie im Mittelalter.

Die Rezension (Reinhard Kirste) des Buches von Immo Eberl erschien zuerst in: Reinhard Kirste / Paul Schwarzenau / Udo Tworuschka (Hg.): Wegmarken zur Transzendenz. Religionen im Gespräch, Bd. 8 (RIG 8). Balve: Zimmermann 2004, S. 458-459 


Altenberger Dom, Westfenster
Mehr zum Zisterzienerorden: hier 

  • Franz-Karl Freiherr von Linden:
    Die Zisterzienser in Europa. 

    Reise zu den schönsten Stätten mittelalterlicher Klosterkultur. 

    Stuttgart/Zürich: Belser 1997, 192 S., Abb
    Ehem. Abtei Royaumont
    zugleich Cover des Buches von F. LeRoux/H. Gaud

  • Jean-Francois LeRoux-Dhuys / Henri Gaud: Die Zisterzienser. Geschichte und Architektur.

    Aus dem Französischen. Potsdam: Ullmann 2013, 366 S., Abb.
  • Jens Rüffer: Die Zisterzienser und ihre Klöster. Leben und Bauen für Gott.  Darmstadt: Primus-Verlag
    2007, 208 S., Abb.

Zisterzienser-Literatur im Klosterladen Eberbach







Frankreich
Liste der Zisterzienserklöster in Frankreich (wikipedia.fr)
  • M.-Anselme Dimier / Jean Porcher: Die Kunst der Zisterzienser in Frankreich.
    Aus dem Französischen von Gisela Umenhof und Karl Kolb.
    Würzburg: Zodiaque-Echter 1968, 367 S., Glossar, Abb.

Pauline de PrévalUne saison au Thoronet. 
Carnets spirituels.
Paris: Seuil 2015, 208 S.
«Il est des lieux qui vous habitent à peine y avez-vous pénétré et  ne vous quittent plus qu’ils ne vous aient transfiguré.
» Ainsi, pour  Pauline de Préval, de l’abbaye cistercienne du Thoronet. À l’écoute  du cantique de pierre et de lumière qui continue de s’y élever, la  jeune femme médite tout ce que ce lieu et les mystiques qui l’ont  inspiré peuvent encore insuffler à notre temps, à quelles  interrogations, angoisses ou espérances  ils continuent de répondre ... «


Julie Roux (réd.): Les Cisterciens.
Vic-en-Bigorre: MSM 1998, 2005, 225 S., Abb.


L'aventure cistercienne débute en 1098, lorsque Robert de Molesme, Albéric et Etienne Harding, animés par la volonté d'un retour à la Règle de saint Benoît, fondent, en un lieu appelé Cistels, leur Novum Monasterium. Avec Bernard de Clairvaux, l'Ordre de Cîteaux multiplie ses fondations. Appréciés des pouvoirs religieux et politiques, grands organisateurs, ceux que l'on a appelés les moines blancs façonnent une théologie mystique originale, tout en ouvrant de nouvelles voies à l'art et à l'architecture. Aujourd'hui encore, les fils spirituels des fondateurs de l'Ordre, membres de la grande famille cistercienne, continuent à en écrire l'histoire.


Paris: Collège des Bernardins






 ----- ehemalige Universität

     der Zisterzienser in Paris

Le Collège des Bernardins


 

 

 


Le Collège des Bernardins (dir.):
Préface: André Vingt-Trois ---
hors série , numéro 370  (septembre 2008)


Reinhard Kirste

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