Freitag, 15. Dezember 2017

Franziskus von Assisi: Friedenswille und Islam-Begegnung (aktualisiert)

Franziskus versucht
Al-Kamil zu bekehren
Darstellung: 15 Jh
. (Wikipedia)
Franz von Assisi (1181/82 - 1226) hat nicht nur für ein glaubwürdiges christliches Leben, sondern auch für die interreligiöse Begegnung wichtige Impulse gegeben. Denn eine intensiv nachwirkende Begegnung mit dem Islam fand in der äußerst konfliktreichen Kreuzzugszeit statt, und zwar während des 5. Kreuzzugs 1219 mit
El-Kamil, dem Sultan von Ägypten. Statt des anfänglichen Missionierungsversuchs des hl. Franz setzt sich der friedliche Austausch durch. Der Arme aus Assisi, der "Poverello," entgrenzt" sein bisheriges Gottesverständnis. Entsetzt äußert er sich über die Brutalitäten der Kreuzfahrer.
Die Franziskaner haben diesen Impuls in der Gegenwart verstärkt fortgesetzt. Davon zeugt das Buch:
Adrian Holderegger / Mariano Delgado / Anton Rotzetter (Hg.): Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung. Stuttgart: Kohlhammer 2014, 295 S.,
Personenregister -
-- ISBN 978-3-17-023277-8 ---

Hier wird nicht nur eine Tagung aus dem Jahre 2012 an der Universität Freiburg (Schweiz) dokumentiert, sondern neben den verschiedenen Missions-Initiativen in der  weiteren Geschichte auch bewusste interreligiöse Begegnungen "auf Augenhöhe" vorgestellt, z.B. mit der schon 2005 gegründeten "Damietta Friedens-Initiative."


Die deutsche Franziskaner-Provinz hat auf ihrer Homepage
das genannte Buch kommentiert: hier 


Weitere wichtige Titel zum Thema: 

Ergänzende Literatur zur Wirkungsgeschichte:




Eine Anregung, das Leben des hl. Franz nachzuerzählen: 
BERTON, Georges / PLACE, François: Der mit den Vögeln sprach.  Eine Erzählung über Franz von Assisi.
Geschichten vom Himmel und der Erde. 

Lahr: Kaufmann / Stuttgart: Klett 1996, 40 S., Abb.



Ein weiteres beeindruckendes Kinderbuch, vorgestellt im PILGRIM-Newsletter Nr. 63 (November 2017):

                                            Cover


HUBERT GAISBAUER / BIRGITTA HEISKEL: 
FRANZ VON ASSISI. Das Leben des großen Heiligen erzählt
 und 
farbig illustriert für Kinder ab 5 Jahren 

Innsbruck-Wien: Tyrolia 2017, 26 S. --- www.tyrolia.at

Statt einer Rezension bringt der PILGRIM-Newsletter mit dem Einverständnis von
Hubert Gaisbauer ein leicht gekürztes Interview, das sich der Buchautor 

auf Facebook selbst gegeben hat:

--- Warum hast du eigentlich dieses Kinderbuch geschrieben? 

Weil mich der Verlag gefragt hat. Aus meiner Arbeit an dem Buch Ein Brief für die Welt war ich ja einigermaßen vertraut mit der Welt und den Ideen des Franz von Assisi und wenn ich ehrlich bin auch begeistert davon. Also konnte ich eigentlich nicht nein sagen, obwohl ich spürte, dass es eine
ziemliche Herausforderung sein wird.

--- Worin lag die Herausforderung? Ein Kinderbuch für Fünf- bis Siebenjährige noch dazu mit vielen Bildern hat doch eh nur wenig Text ...
Genau das ist die Herausforderung. Ich habe vier Fassungen geschrieben; die erste hatte ungefähr zehnmal soviel Text im Vergleich zur endgültigen Fassung. Das Kürzen und Straffen und Reduzieren von Inhalten, die man sehr gerne hat, tut ja ziemlich weh. Und meine Lektorinnen waren recht kompromisslos, gleichzeitig aber behutsam genug, sodass ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Die mir wichtigsten Sätze haben alle überlebt.

--- Verrätst du mir einen? 
Das werde ich sicher nicht tun. Es soll jede und jeder seine und ihre wichtigsten Sätze selber finden.

--- Gibt es nicht schon genug Franziskus-Bücher für Kinder? 
Ich glaube, nach den Bibeln für Kinder kommt gleich der Franz von Assisi. Ich wollte zählen, was
war mein erster Einwand, als mich der Verlag fragte. Es soll eins werden, wie es noch keines gibt!, war die Antwort.

--- Jetzt musst du mir aber verraten, worin sich dein Buch von dem breiten Angebot unterscheidet. 
Ich glaube, dass unser Buch vor allem auch durch die Zeichnungen von Birgitta Heiskel ein ganz anderes Franziskus-Buch geworden ist. Text und Bilder zeigen den inneren Weg des jungen Franziskus, was in seiner Seele vorgeht, wenn er sich für den Weg der Armut in der Nachfolge des Jesus von Nazareth entscheidet. Und zwar so, dass es Kinder verstehen können. Ich glaube, dass auch für Kinder spürbar wird, was man theologisch Umkehr nennen könnte. 
Ein Schwerpunkt des Buches liegt sicher in Wort und Bild auf der  "Option für die Armen", die ja auch Papst Franziskus zur Namenswahl bewogen hat.
Neben der Liebe zur Natur und Umwelt kommt
auch zum Ausdruck, dass 
Franz von Assisi - nach den bösen Erlebnissen in einem der unzähligen Städtekriege in Italien - ein Friedensaktivist war, 
der nicht nur Waffen und Gewalt strikte ablehnte, sondern auch Geld und Besitz, die immer miteinander verknüpft sind. 
Manche werden vielleicht bedauern, dass bekannte Geschichten wie die vom Wolf von Gubbio oder die Vogelpredigt nicht vorkommen. Wer aber gut schauen kann, wird bemerken, dass z.B. Vögel im ganzen Buch gegenwärtig sind. An die Stelle gewohnter Bilder treten neue, deren symbolische Aussagekraft man entdecken darf. So bekommen die mystischen Schlüsselerfahrungen im Leben des Franziskus eine unkonventionelle Deutung und damit eine neue Aussage auch für Erwachsene, die Kindern vielleicht vorlesen und mit ihnen über Text und Bilder sprechen. So kann man z.B. über die Bedeutung des wunderbaren Schreitvogels inmitten der Sonne oder der roten Mohnblumen an den wichtigsten Markierungen im Franziskusleben auch mit Kindern nachdenken. Daneben ganz unaufdringliche Bezüge zu unserer Gegenwart.

--- Du sagst, dass dir die notwendige inhaltliche Reduzierung im Text weh getan hat. Welche Beziehung hast du persönlich zu Franz von Assisi? 
Sein Leben, das detailreich und vielleicht nicht immer streng historisch von Thomas von Celano und anderen Biographen nachgezeichnet und von Giotto so wunderbar in Assisi und Florenz im europäischen Gedächtnis behalten wird, hat mich von Jugend an fasziniert. Weil es auch eine Form reinster Poesie ist. Neu erwacht ist meine Liebe zu ihm, als Kardinal Bergoglio Franziskus zu seinem Papstnamen wählte. 
Und als die neue Umwelt und Sozialenzyklika mit den Worten des Sonnengesangs benannt wurde: "Laudato si".



Interreligiöses Lernen mit Kinderbibeln und Kinderbüchern (aktualisiert)

Ein Kinderbuch von:
B. Baldi / M. Monari: 
 Rezension: hier
1.  KOMMENTIERENDE
     ÜBERBLICKE



2.  KINDERBIBELN 

Diana Klöpper /
      Kerstin Schiffner:
   Gütersloher Erzählbibel


Gütersloher Verlagshaus 2004, 400 S., Abb.
   
Rezension in "theoweb"

  • Der Klassiker:
    --- Irmgard Weth (Text) / 
    Kees de Kort (Bilder): 
    Neukirchener Kinder-Bibel --- Anhang: Einführung in die Bibel
    und ihre Geschichten.
    --- Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag
    1995, 9. Aufl., 320 S., Abb. --- mit Leseprobe

3.  KINDERBÜCHER
     - mehrere Religionen einbeziehend

4.  Koran-Nacherzählungen, islamische Kinderbücher
und Orientgeschichten:
hier

5. Die Reihe
"Geschichten vom Himmel und der Erde"
 
   
Die Cover aus der Die Reihe
 "Geschichten vom Himmel und der Erde

JUDENTUM UND CHRISTENTUM









ISLAM


HINDUISMUS



BUDDHISMUS


TRADITIONALE RELIGIONEN

cc

Diskussion um "das Heilige" (aktualisiert)



Wolfgang Gantke, Vladislav Serikov (Hg.):
Das Heilige als Problem der gegenwärtigen Religionswissenschaft

Frankfurt am Main u.a.: Peter Lang 2015. 143 S.
Reihe: Theion.
Studien zur Religionskultur - Studies in Religious Culture. Bd. XXX
Print: ISBN 978-3-631-65400-2  – E-Book: ISBN 978-3-653-04429-4

Kurzrezension: hier

Ausführliche Beschreibung
Beide Herausgeber arbeiten an der Universität Frankfurt/M.: Wolfgang Gantke als Religionswissenschaftler und Vladislav Serikov als (katholischer) Theologe und Koordinator des interdisziplinären und internationalen Promotionsprogramms (IPP-Religion im Dialog). Sie dokumentieren in diesem Buch zwei Tagungen zur Debatte um das Heilige, die im Jahr 2013 in Göttingen und Frankfurt stattfanden. Im Horizont dieses strittigen Begriffs versuchen die Beitragenden aus Religionswissenschaft, Philosophie, Pädagogik, Kulturwissenschaft und Theologie Schneisen des Verständnisses nicht nur für unterschiedlich denkende Religionswissenschaftler, sondern für alle Interessierten zu legen.

Orientierung ist nötig, weil „im Zeitalter nicht nur freundlicher Begegnungen der Religionen“ Beiträge zu größerer religiöser und weltanschaulicher Toleranz notwendig sind (S. 8). Um das umfassende Thema einigermaßen zu strukturieren, wird als Hauptintention formuliert: „Trotz des Wissens um die bleibenden Differenzen sollte es ein vorrangiges Ziel der Religionswissenschaft sein, einen aufklärerischen Beitrag zur Überwindung von religiösen Vorurteilen über das Fremde durch die Betonung des nach Otto ehrfurchtgebietenden und faszinierenden Heiligen als eines allen Religionen gemeinsamen, toleranzmöglichen Bezugspunktes zu leisten“ (S. 8). Dies geschieht in drei Schwerpunkten:
      I.        Die Auseinandersetzung mit Rudolf Otto
und seiner Erlebnistheorie des Heiligen

     II.        Die Möglichkeiten angewandter Religionswissenschaft
im Kontext kulturhistorischer, empirischer
 und religions-phänomenologischer Untersuchungen

    III.        Begründungen, Entwürfe und Absicherungen
von Theorien des Heiligen auf phänomenologischer Basis.

I.  Es leuchtet ein, dass Rudolf Otto im Blick auf seine Wirkungsgeschichte und aktuelle Relevanz genauer untersucht werden muss. Dem widmet sich Roderich Barth, Theologe an der Universität Gießen (S. 13–22). Er beginnt mit dem provokanten und irritierenden Zitat Ottos: „Wer das nicht kann, ist gebeten nicht weiter zu lesen“. Im Umfeld der damit zusammenhängenden (oft erregten) Debatte spitzt der Autor seine Ausführungen auf Ottos Lutherdeutung sowie auf „das Heilige“ zu. Dabei erscheint eine religionspsychologisch, religionsgeschichtlich und religionsphilosophisch geprägte Methodologie bei Otto, die sowohl eine Außenperspektive wie eine Binnenreflexion erlaubt. Marianne Schröter von der Universität Halle-Wittenberg befasst sich ausführlich mit dem Numinosen als einem religionstheologischen Zentralbegriff (S. 101–109). Dieses und nicht das Heilige ist das „basale Element des religiösen Erlebens und der religiösen Sphäre insgesamt“ (S. 109). Schließlich untersucht der Mitherausgeber Vladislav Serikov Ottos Bhagavad Gita-Deutung (S. 111–124). Im Gespräch zwischen Arjuna und Krishna zeigt er die Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Heiligen. Rudolf Ottos Interpretation in Annäherung an das „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ bei Schleiermacher erlaubt, den numinosen Gefühlen eine eigenen Bedeutung zuzumessen und sie explizit werden zu lassen.
II.  Wie Religionswissenschaft von einer sich objektiv gebenden Methodologie zu einer „angewandten wird, lässt sich an unterschiedlichen Vorverständnissen explizieren und exemplifizieren. Der Frankfurter Museumspädagoge Sven Lichtenecker (S. 41–65) macht dies am Tempel als Palast des Heiligen deutlich: Tempelarchitektur in kosmischer Geometrie umgesetzt am Ebenmaß des idealen menschlichen Körpers.
Der Autor führt dies beispielhaft an dem römischen Architekturtheoretiker Vitruv (1. Jh. v. Chr.) und an Leonardo da Vinci vor.     
Kann man „heilige Transzendenz“ überhaupt empirisch sichtbar machen? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Religionswissenschaftler Martin Mittwede von der Universität Frankfurt/M. (S. 67–74). Immerhin gibt es auch eine Transzendenz, die gleichzeitig in der empirischen Wirklichkeit gegenwärtig (immanent) ist (S. 72). Offensichtlich muss über die Realität des Bewusstseins neu nachgedacht werden. Dabei spielt offenbar der menschliche Körper eine Schlüsselrolle. Das führt die Religionswissenschaftlerin und Fotokünstlerin Natalia Diefenbach, ebenfalls von der Universität Frankfurt/M. weiter aus (S. 23–32): Körperlichkeit im Zusammenhang mit dem Heiligen hat u.a. narrativ-religiöse, religionspsychologische, religionshistorische und visuelle Kontexte. Das bedeutet die Ausrichtung auf eine vieldimensionale Wahrnehmbarkeit. Diese konkretisiert sich in den Geschichten der Götter und der Heiligen. Im Hinduismus, Buddhismus und Christentum hat sich dazu oft ein intensiver Reliquienkult entwickelt, weil man bestimmten Körperteilen der Verehrten besondere Kraft zuschrieb/zuschreibt. Der Gräberkult dürfte dann eine sekundäre Variante der Reliquienverehrung sein. (S. 32).
III.  Um Theorien des Heiligen auch phänomenologisch abzusichern, geht der Mitherausgeber Wolfgang Gantke auf die Krise des Naturalismus ein (S. 33–40). Das hat zu erheblichen Schwierigkeiten des Verstehens geführt: „Die nicht immer offen ausgesprochene naturalistische Unterstellung einer durchgängigen Berechenbarkeit und damit Beherrschbarkeit der Wirklichkeit hat … nur zu größerer Unberechenbarkeit und Unübersichtlichkeit geführt“ (S. 37). Darum gilt es im Sinne einer „pluralistisch orientierten Lebenshermeneutik“ die „Verabsolutierung endlicher Teilwahrheiten über das Unendliche“ zurückzuweisen (S. 40). 
Der Münsteraner interkulturelle Theologe und Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel sieht ähnlich wie Gantke naturalistische Erklärungsversuche von Religion für defizitär an. Weder eine Perspektive von außen noch eine Reduktion auf die immanent zugänglichen Bereiche von religiösen Phänomenen können das „Heilige“ zureichend erfassen. 
Darum ist eine religionsphänomenologisch übergreifende Erklärung von Religion nötig, die Schmidt-Leukel am Weiterführendsten bei John Hick erkennt. Dieser bezieht sich weniger auf das Heilige als vielmehr auf die transzendentale Wirklichkeit überhaupt. Es ist der Annäherungsversuch an die „fünfte Dimension, die Hick mit „The Real“ umschreibt. Wie von daher ein religiöses Denkmuster im Einzelnen aussieht, lässt sich letztlich nur durch Nachfrage bei den jeweiligen Menschen genauer eruieren.             
Einen anderen Zugangsweg beschreitet der Moskauer Religionswissenschaftler William Schmidt. Er arbeitet an der „Russian Presdiential Academy of National Economy and Public Administration (RANEPA). Der Autor favorisiert ein ontologisches Modell eines Weltbildes, das die Transzendenz mit einschließt
Der Mensch „als ein komplex organisiertes System“ ist hier ebenfalls eingebunden (S. 96). Das Sakrale – in der traditionellen Kultur tabuisiert – funktioniert in diesem Weltmodell dann als das Numinose (S. 97).Im Sinne einer genaueren Klärung ist es wichtig, hier noch einmal auf den Beitrag von Marianne Schröter über
„Das Numinose als Kategorie“ heranzuziehen (s.o.).
Weiterführend ist der Beitrag des Religionswissenschaftlers Edmund Weber von der Universität Frankfurt/M. Auf der Basis einer „pseudo-renaturierten Welt sakralisierter Kulturelemente“ (S. 127) erinnert er an das Heilige als „Urkraft des freigestellten Bewusstseins“ (S. 128). Mit Blick auf die Brennpunkte in der Geschichte der westlichen Kultur zeigt er, wie Reformation, Renaissance, Aufklärung und die Revolte des Liberalismus im 19. Jahrhundert „die religiöse Innenwelt des westlichen Menschen grundsätzlich umgestaltet“ haben (S. 130): Idee und Praxis der Religionsfreiheit sind aber keineswegs Hinderungsgründe, Existenzgestaltungen zu ermöglichen, die auf eine Identität bauen und eine Authentizität ermöglichen, in der das „Heilige“ – trotz gegenteiliger Behauptungen – menschlichen Zugriffen entzogen bleibt.
Schließlich bezieht sich der interkulturelle Philosoph Hamid Reza Yousefi (Universität Koblenz-Landau) auf
die vielen Namen des Heiligen (S. 133–141). In seiner Pluralität bildet dieses „stets eine spirituelle Brücke zwischen Religion und mystischer Erkenntnis“ (S. 139). Die Anhänger der Religionen werden aufgrund ihres besonderen „am Heiligen orientierten Weg“ (aaO), dem anderen in seinem religiösen Anderssein dies ebenfalls zubilligen (müssen). Weil die „echte“ Begegnung mit dem Heiligen die „menschliche Seele „veredelt“ und zu verantwortungsvoller Erziehung aufruft (S. 140), wird sich eine dialogische Lernkultur immer auf die Nächstenliebe als Grundlage von religiöser Toleranz berufen. So erinnert die Hoffnung auf die Frieden stiftende Kraft des Heiligen nicht nur an Rudolf Ottos tiefstes Anliegen (S. 141), sondern macht – wie die durchaus empathische Problematisierung dieses Begriffs im gesamten Buch – die Bedeutung des Heiligen für das gegenwärtige Existenz- und Kulturverständnis unmissverständlich deutlich.
Bilanz: Das Buch vermittelt wichtige Anstöße, um „das Heilige“ in verschiedenen Kontexten wahr-zunehmen und sich zu verdeutlichen: Objektivierbare Zugriffe auf Numinoses insgesamt führen offensichtlich in eine Sackgasse. Rudolf Ottos Position "des Heiligen" spielt für gegenwärtige Verstehens-Annäherungen darum eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Vgl. auch:
  • Hans Joas: Die Macht des Heiligen.- Eine Alternative zur Geschichte der Entzauberung.
    Berlin: Suhrkamp 2017, 527 S. - Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: hier
  • Thorsten Dietz / Harald Matern (Hg.): Rudolf Otto. Religion und Subjekt. 
    Christentum und Kultur, Bd. 12. Zürich: TVZ 2012, 264 S., Register
    Rezension: hier


Reinhard Kirste
Rz-Gantke-Das Heilige, 31.07.15

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Islamische, jüdische und christliche Philosophie des Mittelalters - Literaturauswahl: Rezensionen / Kommentare (aktualisiert)

Averroës-Statue Córdoba
(Wikipedia)
Die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch die Araber entwickelte sich zu einer kulturellen Hochblüte unter islamischer Herrschaft. Das kam nicht nur den islamisch-jüdisch-christlichen Beziehungen zugute, sondern auch der Philosophie. Die Wissenschaftler aller Religionen übersetzten nicht nur die wichtigen Werke der griechischen Antike, besonders Aristoteles, sondern führten auch deren Denkansätze eigenständig weiter.
Sie spielen für die Diskurse im christlichen Europa und der abendländischen Philosophie eine nicht zu unterschätzende Rolle, wie der Aufschwung der Universitäten in Italien mit Neapel und Bologna, Frankreich mit Paris und England mit Oxford  zeigen. 

Vgl. Liste der Universitätsgründungen: hier


Weitere Bezugspunkte:

Neben vielen wichtigen Persönlichkeiten ragen im Mittelmeerraum diese Philosophen heraus: 

Literaturauswahl zur mittelalterlichen Philosophie
 im Mittelmeerraum