Donnerstag, 3. Mai 2018

Auseinandersetzung und Dialog mit dem Islam im christlichen Mittelalter (aktualisiert)

Aus der Reihe: Herders Bibliothek
der Philosophie des Mittelalters (HBPh/MA)
Mit der schnellen Ausbreitung des Islam in christliche Herrschaftsgebiete seit dem 7. Jahrhundert haben sich neben der politischen und militärischen Auseinandersetzungen auch theologische Abwehrstrategien in Europa entwickelt. Diese laufen nach der arabischen Eroberung der Iberischen Halbinsel gewissermaßen zur "Hochform" auf. Die teilweise bösen Unterstellungen gegenüber Mohammed, dem Koran und dem Islam insgesamt sind dabei kaum mehr zu überbieten.
Dennoch zeigen christliche Theologen des Mittelalters, der Renaissance und der Reformation bei all ihrer Abneigung gegenüber dem Islam und dem Koran erstaunliche Sachkenntnis. Es gibt sogar ausgesprochen friedfertige Dialogversuche wie diejenigen von Gilbert Crispin,  Petrus Abaelardus, Ramon Llull und Nikolaus von Kues.  Selbst die schärfsten Polemiker sind zum Teil sogar der arabischen Sprache kundig und gehen den verschiedenen originalen Textvarianten in Koran und Hadithen nach. 

So entstanden bereits im Mittelalter eine Reihe von Koranübersetzungen (wie die bedeutende von Petrus Venerabilis) in lateinischer Sprache. 
Nicht zu unterschätzen sind dabei die Einflüsse jüdischer und islamischer Philosophen, die sich intensiv im Zusammenhang der Übersetzung griechischer Philosophien - besonders des Aristoteles - entwickelten.

  • Aspekte zum Islam in Europa (Dialog der Religionen)
  • Harmut Bobzin: Der Koran im Zeitalter der Reformation. Studien zur Frühgeschichte der Arabistik und Islamkunde in Europa. Beiruter Texte und Studien, Bd. 42. Beirut / Würzburg: Ergon 2008, S. 44–95 --- Rezension in ThLZ, Mai 1997
  • Siegfried Raeder (Hg.): Antworten auf den Islam. Texte christlicher Autoren vom 8. Jh. bis zur Gegenwart. Neukirchener Verlag 2006, 228 S., Register
Bedeutende philosophisch-theologische Annäherungsversuche hat eine Reihe scholastischer Theologen - auch in der Auseinandersetzung mit Averroes und Avicenna - geleistet
(Übersichten und Links):

(Fiktive) Religionsgespräche, Grundsätzliches
und Polemiken gegen die Muslime (die Sarazenen)

Ein interessantes und zugleich auch politisch relevantes Beispiel bietet der Text eines Diplomaten aus dem 16. Jahrhundert:
Petrus Martyr Anglerius (1457-1526)
: Legatio Babylonica.
Die Gesandtschaft nach Babylon.
Wiesbaden: Harrassowitz 2015 --- 
Rezension: hier.


Wie sehr auch die Reformation in diese Debatten eingebunden war, zeigt, dass Martin Luther (1483-1546) zum einen in dieser mittelalterlichen Theologen-Tradition steht und zum anderen die humanistische Forderung "Zurück zu den Quellen" ernst nimmt.
Er hat nämlich einen wichtigen apologetischen Text 1542 ins Deutsche übersetzt
(vgl. dazu Bobzin: Der Koran im Zeitalter der Reformation - s.o./aaO S. 95–156 -):

Ricoldus de Monte Crucis (um 1243 -1320):
Tractatus seu disputatio contra Saracenos et Alchoranum.

Edition – Übersetzung – Kommentar von Daniel Pachurka.

Corpus Islamo-Christianum Series Latina 9.
Wiesbaden: Harrassowitz 2016, XLIX, 198 S., Indices + Appendices

(zugleich Diss. Ruhr-Universität Bochum)
--- ISBN  978-3-447-10711-2 
--- Verlagsankündigung:
     https://www.harrassowitz-verlag.de/title_958.ahtml

--- Rezension: hier


CC



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