Montag, 5. Februar 2018

Beruf: Erzieher/Erzieherin - Herausforderungen und Chancen - arbeitspsychologische Perspektiven


Rudow, Bernd: Beruf Erzieherin / Erzieher –
mehr als Spielen und Basteln.
Arbeits- und organisationspsychologische Aspekte.

Münster & New York: Waxmann Verlag, 2017, 365 S., Illustr.
--- ISBN 978-3-8309-3703-6

Dieses Fach- und Lehrbuch stellt umfassend den Beruf der Erzieherin/des Erziehers aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht dar. Die Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungstätigkeit ist eine anspruchsvolle gesellschaftliche Aufgabe, die häufig mit Mehrfachbelastungen verbunden ist. Der Autor betrachtet auf Grundlage eigener empirischer Studien besonders die Arbeit der Erzieher/innen in Kita und Ganztagsschule. Dabei wird transparent, dass diese Arbeit komplex ist und demzufolge hohe Anforderungen stellt. Ein Grundproblem besteht darin, dass diese wertvolle Tätigkeit in der Gesellschaft noch zu wenig anerkannt wird.
Schwerpunkte im Buch sind die Analyse und Gestaltung von Arbeitsaufgaben, der Arbeitsorganisation, des Arbeitsplatzes und der Arbeitsumgebung sowie deren Auswirkungen auf Leistungsfähigkeit und Gesundheit. Hierbei gibt es wesentliche Ressourcen, die zum Beispiel die Arbeitszeit, die Raumgestaltung (Raum als „dritter Erzieher“), das Lärmproblem und die Teamarbeit betreffen. Weitere Potenziale dieser Arbeit liegen beim Management und der Führung in frühpädagogischen Einrichtungen, im Gesundheitsmanagement, im Arbeitsschutz und in der Aus- und Weiterbildung von Erzieherinnen und Erziehern.
Mit dem vorliegenden Buch, das zahlreiche Abbildungen, Tabellen, Info-Boxen und Zusammenfassungen an jedem Kapitelende enthält, wird erstmalig die Erziehungsarbeit vorwiegend aus arbeitspsychologischer Perspektive betrachtet. Es bildet somit eine notwendige Ergänzung zu erziehungswissenschaftlichen Studien. Das Buch leistet ebenso einen Beitrag zur Professionalisierung dieser Arbeitstätigkeit. Es eignet sich sowohl für die Ausbildung angehender als auch für die Fort- und Weiterbildung im Beruf arbeitender Erziehungspersonen. Auf Grund der innovativen Ansätze kann das lesenswerte Buch von Bernd Rudow jeder Lehrkraft und jedem Forschenden in der Frühpädagogik, aber auch den Erziehenden in der Praxis empfohlen werden. Es hat eine grundlegende Bedeutung für die Praxis und Forschung in diesem Beruf.
Prof. Dr. Bernd Rudow, Dipl.-Psychologe, war Hochschullehrer für Psychologie und Arbeitswissenschaften an den Universitäten Leipzig, Mannheim, Koblenz-Landau, Heidelberg und an der Hochschule Merseburg. Zur Zeit ist er Direktor des Instituts für Gesundheit & Organisation (IGO), Dozent an mehreren Hochschulen und Berater von Organisationen und Unternehmen. Er leitete mehrere Projekte zur Arbeit, Belastung und Gesundheit von Pädagogen.
Die Koalitionsvereinbarung 2018 zum Thema Forschung und Bildung macht das Buch aktuell relevant. So wird in die komplette Bildungskette investiert: Nicht nur in die Kitas, sondern auch zukünftig in Ganztagsschule, Ganztagsbetreuung, berufliche Bildung und Hochschule. Denn immer mehr Familien nehmen das Bildungsangebot der Kindertagesbetreuung in Anspruch und viele Kinder sind mehr Jahre im Kindergarten als danach in der Grundschule. Die Erwartungen an die inhaltliche Arbeit in der Kindertagesbetreuung sind hoch und der Bund müsste sich nachhaltig an der Finanzierung beteiligen.
Historisch relevant: Die Kirchen betreiben seit dem 19. Jahrhundert Kindertagesstätten als Teil ihres Bildungs- und Verkündigungsauftrags. Rechtlich gesehen zählen Kindertagesstätten zu den Einrichtungen der Jugendhilfe.  Die evangelische und die katholische Kirche zusammen sind Träger von etwa 50 Prozent aller Kindertagesstätten in Deutschland (29 Prozent katholisch, 21 Prozent evangelisch). In den rund 9 000 evangelischen Einrichtungen betreuen etwa 62 000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mehr als 540 000 Kinder. Die Trägerschaft ist unterschiedlich geregelt. Sie kann bei der Ortsgemeinde, aber auch bei diakonischen Einrichtungen oder kirchlichen Vereinen liegen. Die Kindertagesstätten sind grundsätzlich mischfinanziert. An der Finanzierung beteiligt sind auch die Eltern selbst durch Elternbeiträge, Länder/Kommunen und die Kirchen als Träger. Ausgesprochen ambivalent ist der Weg von der Wohlfahrt zum Wettbewerb. Denn auch die Diakonie ist dem wirtschaftlichen Wandel unterworfen.
Wer wissen will, wie es im Evangelischen Bereich weitergeht, liest am besten
Klaus Kohl: Christi Wesen am Markt.
Eine Studie zur Rede von der Diakonie als Wesens
- und Lebensäußerung der Kirche.
Arbeiten zur Pastoraltheologie, Liturgik und Hymnologie, Band 54. Göttingen: V & R  2007, 323 S.
--- ISBN 978-3-525-62402-9 ---
sowie die EKD-Seite:  https://www.kirchenfinanzen.de/diakonie/finanzierung/kindertagesstaetten.html

Prof. Dr. Eckhard Freyer, Bonn



Rz-Rudow-Erzieher, 05.02.2018

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