Freitag, 25. August 2023

Klima-Veränderungen und die globalen Folgen

Franz Mauelshagen:
Geschichte des Klimas.
Von der Steinzeit bis zur Gegenwart

München: C.H. Beck
2023
, 128 S., 12 Graphiken

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978-3-406-79148-2 ---


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Die riesigen Sommer-Waldbrände 2023 in Kanada werden vom Klimawandel befeuert. doch das Ausmaß der Beschleunigung hatte niemand erwartet:
D
ie Luft bis nach New York war im Mai-Juni 23 voll beißendem Gas, Ruß und toxischen Partikeln erfüllt. Bisher sind mehr als 350 Millionen Tonnen Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid buchstäblich in Luft aufgegangen - doppelt so viel wie im Rekordjahr 2014, und Österreich in 17 Jahren insgesamt emittiert. Die Klimakatastrophe nährt sich selbst an Kanadas Wäldern; und  der KImawandel wirkt als zusätzlicher Brandbeschleuniger!

Der Autor Franz Mauelshagen lehrt Geschichte an der Universität Bielefeld und ist ein international ausgewiesener Klimahistoriker. Die thematische Gewichtung wird bereits auf dem Buch-Cover angekündigt:
"Die Geschichte der Zivilisationen ist unauflöslich mit dem Klima auf unserer Erde und seinen Schwankungen verwoben. Das gilt nicht erst seit der Industrialisierung, seit also die Menschheit den Wandel des Klimas selbst beeinflusst. Schon der Erfolg agrarischer Gesellschaften hing von klimatischen Veränderungen ab und der Art und Weise, wie sich die Menschen daran anpassten. Auf dem neuesten Stand der Forschung schildert Franz Mauelshagen die großen Klimaschwankungen und ihre Bedeutung für den Gang der Geschichte, von der Steinzeit über das Römische Klimaoptimum, das «warme Mittelalter» und die Kleine Eiszeit zu Beginn der Neuzeit bis hin zur Globalen Erwärmung.“

Zum Inhalt

Die wesentlichen Themen werden in den folgenden Kapiteln dargestellt:
Kap. 1. Die Einleitung führt unmittelbar zum
Kap. 2  Klima und Landwirtschaft bis ins späte Holozän, S. 11ff.

Kap 3  beschreibt „ Zwei Jahrtausende bis zur Industrialisierung“, S. 28ff.
Allgemein handelte es sich eher um kühle und unstete Klimabedingungen vor allem in Europa im Zeitraum von 400–900. Starke Anzeichen für Dürren in asiatischen Steppengebieten scheinen eine Ursache für die Migration von den alsHunnen bezeichneten nomadischen Gruppen zu sein, die daraufhin in Richtung Westen gezogen.
Kap, 4. eruiert den „Einfluss der Landwirtschaft auf das Klima“ S. 62ff.

Kap. "Anthropogener Klimawandel“, S. 84ff, ist deshalb besonders lesenswert, weil dort sogar der Zusammenhang von Klimaveränderung, „Arabischem Frühling“ sowie der Aufstand gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad angesprochen wird, S. 91.
Bei der Veränderung der Blickrichtung in diesem Kapitel sehen dann die Lesenden, wie gravierend sich das Abschmelzen der Gletscher, nicht nur mit Folgen für die Meere auswirkt, S. 91f (vgl. dazu Abb. 10). Da werden kumulative CO2-Emissionen ausgewählter Länder sichtbar, und zwar USA und China; danach folgen Russland, Brasilien, Indonesien und Deutschland.

Kap. 6  Der „Schluss“ fasst die
se Erkenntnisse prägnant zusammen.
Die interessante Zeittafel S. 118 f.
sowie Erläuterungen zu den eigens erstellten Graphiken S. 120f. Sind eine weitere Bereicherung im Kontext der sorgfältig ausgewählten Literatur, S. 122 ff.

Als kompaktes Taschenbuch ist das Buch für viele Zielgruppen empfehlenswert, die sich mit dem Thema beschäftigen. Es sei daran erinnert, dass die wirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels neben anderen der britische Ökonom Nicholas Stern bereits 2006 im Stern-Report zusammenfasste. Auch gegen Leugner des wissenschaftlichen Konsenses zur globalen Erwärmung oder ihres antropogenen Ursprungs sind die Argumente von Mauelshagen ausgesprochen hilfreich. Denn wenn wir betrachten, wie wir Menschen unsere Umwelt ausbeuten, dann kann man nur zu dem Schluss kommen: Wir alle leben über unsere Verhältnisse - und wollen es nicht einmal merken.

Gewissermaßen als Nachtrag
  
noch einige wahrhaft beunruhigende Blicke im Horizont der Klimaveränderungen
mit den oft kaum vorhersehbaren Folgen des Wetters vor Ort:

1. Die prognostizierte Verschiebung der Klimazonen nach dem
  
Worst Case-Szenario“ des IPCC bis 2100?

2. Meteorologische Berechnungen und Klimamodelle


EXTREMWETTER DURCH KLIMAWANDEL -- Mehr Hitzewellen, Starkregen und Stürme  (24.03.2023), daraus zitiert:

"Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnet für die Zukunft mit mehr Stürmen, extremen Regenfällen und Hitzewellenaufgrund der Klimaerwärmung - also mehr extremen Wetterlagen. Zwar ist es schwierig, einen Zusammenhang zwischen einem einzelnen, per Definition extremen, Ereignis und dem Klima herzustellen. Aber die beobachtete Häufung solcher Ereignisse kann inzwischen als Indiz dafür gewertet werden, dass die Annahme vieler Klimaforscher stimmt: Extremwetter nimmt mit steigenden Temperaturen zu. 

Der statistische Nachweis ist zwar nicht ganz einfach, da kurze Beobachtungszeiträume, die natürliche Klima-Variabilität sowie die flächendeckende Erfassung kleinräumiger Ereignisse - zum Beispiel 
Starkregen oder Gewitter - schwierig sind. Aber seit einigen Jahren kommen Wissenschaftler dem Zusammenhang zwischen dem Extremwetter und dem Klimawandel mithilfe von verfeinerten Klimamodellen und schnelleren Computern immer öfter auf die Spur: Das 20. Jahrhundert brachte den Geowissenchaften einen Zustrom neuer Erkenntnisse, von denen auch die Paläoklimatologie profitierte, die nunmehr über eine zunehmend breitere und zuverlässigere Basis verfügte. Zu einem Meilenstein der Eiszeit- und Quartärforschung wurde das in den Jahren 1901 bis 1909 von Albrecht Penck und Eduard Brücknerherausgegebene dreibändige Standardwerk Die Alpen im EiszeitalterEin Pionier der Paläoklimatologie war der Meteorologeund Polarforscher Alfred Wegener (1880–1930), der als Begründer der erst in den 1960er Jahren rezipierten Kontinentalverschiebungstheorie auch als Geowissenschaftler postumeAnerkennung fand. Um seine These zu stützen, wonach die gegenwärtige Anordnung der Kontinente nur eine geologische Momentaufnahme darstellt, sammelte Wegener eine Vielzahl von „Klimazeugen“, die belegen sollten, dass die großen Landmassen in früheren geologischen Perioden fernab ihrer heutigen Position lagen und wahrscheinlich Teile des einstigen Urkontinents Pangaea waren. Unter anderem verwies er auf die unter warmzeitlichen Bedingungen entstandenen Kohlevorkommen in der Antarktis, auf die Fossilfunde subtropischer Baumarten auf Spitzbergen oder auf die Entdeckung, dass die Sahara im späten Ordoviziumzum Teil von Gletschern bedeckt war. Als Vater der modernen, systematisch betriebenen Paläoklimatologie gilt Martin Schwarzbach (1907–2003). Sein Lehrbuch Das Klima der Vorzeit(Erstauflage 1950) wurde über einen Zeitraum von vier Jahrzehnten immer wieder aktualisiert und überarbeitet. Als Vertreter des klassischen Aktualismus berücksichtigte Schwarzbach die vielfältigen neuen Ansätze der Paläoklimatologie und ihre rasche Entwicklung zu einer breit gefächerten interdisziplinären Wissenschaft jedoch nur am Rande.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts sind zunehmend paläoklimatologische Rekonstruktionen erstellt worden, die einen genaueren Aufschluss des Klima in der Zeit geben.[9] Die Untersuchung der Rolle von Klimaschwankungen in Zusammenhang mit dem Ende des römischen Reiches hat in den letzten Jahren einen Aufschwung genommen, wobei Arbeiten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich die geschichtswissenschaftlichen klar überwiegen.
Die in den letzten Jahrzehnten erzielten Fortschritte bei der radiometrischen Datierung führten zu einer erheblichen Zunahme der Messgenauigkeit und damit zu einer teilweisen Neubewertung geologischer, geophysikalischer und biologischer Ereignisse. Mithilfe moderner Datierungsmethoden wurde es möglich, Klimaschwankungen oder Massenaussterben zeitlich genauer einzugrenzen und zunehmend detaillierter zu rekonstruieren.
Dass das Klimaproblem in Zusammenhang mit menschlichen Handeln steht, wurden seit den 1970er Jahren auch sozialwissenschaftliche Aspekte des Klimawandelsuntersucht. Stephen Schneider wies 1983 darauf hin, dass die Basis des CO2-Problems (der steigenden Emissionen) ein sozialwissenschaftliches Thema sei. So hänge das Ausmaß zukünftiger CO2-Emissionen maßgeblich vom menschlichen Verhalten ab, und zwar u. a. in Bezug auf Bevölkerungszahl (Fortpflanzungsverhalten), Pro-Kopf-Konsum fossiler Energien oder Entwaldung und Wiederaufforstung. Im März 2023 erschien der Synthesebericht des sechsten Sachstandberichts des IPCC" (s.o.).

Prof. Dr. Eckhard Freyer, Bonn




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