Sonntag, 10. März 2013

Reisewege des kleinen Buddha



Claus Mikosch: Der kleine Buddha. Auf dem Weg zum Glück.
Freiburg u.a.: Herder 2013, 120 S.
--- ISBN 978-3-451-30643-3 ---
Kurzrezension: hier

Ausführliche Beschreibung 
Bisher war die Erzählung des in Südspanien lebenden Fotografen Claus Mikosch Der kleine Buddha nur auf Englisch (2010), Spanisch (2011) und auf Deutsch als Book-on-Demand (2011) erhältlich. Offensichtlich haben die internationalen positiven Reaktionen dazu geführt, dass dieses amüsante und zugleich nachdenklich machende Buch nun beim großen Herder-Verlag herausgekommen ist. Die Erzählung „Der kleine Buddha“ hat übrigens nichts mit dem Roman von Gordon McGill zu tun: Little Buddha (amerikanische Originalausgabe, deutsch bei Goldmann, TB 42527, 1994). Der Roman wurde als Film (1993, Großbritannien / Frankreich) des Regisseurs Bernardo Bertolucci sehr bekannt.

Auch wenn man es aufgrund des Titels vermuten könnte, dieses Buch ist eigentlich nicht für Kinder und Jugendliche gedacht. Oder vielleicht doch? Wir sehen den Kleinen Buddha unter dem Bodhi-Baum. Er liebt zwar das Alleinsein und die Meditation wie der „große“ Buddha, aber es fehlt ihm etwas Wesentliches: die Begegnung mit Menschen. Sein einziger Freund, ein hart arbeitender Bauer, hat auch nicht genug Zeit für ihn. Dennoch er gibt er ihm „diese Idee mit dem Urlaub“ (S. 11) macht sich der kleine Buddha zu einer „Welt-Reise“ auf, die ihn gewöhnlich Ungewöhnliches auf 10 Etappen erleben lässt und ihn endlich mit einer Karawane wieder heimwärts bringt (S. 116).
Ganz Unterschiedliches erlebt der kleine Buddha – in der großen Stadt, im großen Wald, in einem Schlossgarten, in einem Dorf, am Meer, in der Wüste, wo er fast umgekommen wäre, und in einer Oase. Es sind Begegnungen mit anderen Menschen, die zu Freundschaften werden. Immer wieder sind auch kleine Erzählungen in die Reise-Geschichte eingefügt. In ihren Varianten erinnern sie an Buddha-Gleichnisse oder an die Traditionen verschiedener Völker. In der Überschrift der einzelnen Kapitel als „Geheimnis“ angekündigt, gibt es am Schluss eine Art zukunftsorientierter Quintessenz, eine „Moral“:

  • Die mutige Witwe, die ihr Dorf verlässt, empfiehlt, Vergangenes abzustreifen.
  •  Der kluge Professor, der nicht schwimmen konnte, ist Mahnung zur Offenheit.
  • Der erfolglose Verkäufer, der durch das Schreiben eines Buches Erfolg hat, ist der Anstoß, mit Freude zu arbeiten.
  • Der Mann ohne Zeit, der als Reisender nirgendwo war, wird zum Kontrapunkt einer Haltung, die wagt, Träume zu realisieren
  • Die blinde Hexe ist in der Lage, das Verborgene ans Licht zu bringen, um die Wahrheit zu finden.
  • Der geduldige Gärtner: lebt die ruhige Achtsamkeit. Er nimmt sich Zeit und gewinnt im Warten Kraft.
  • Die glückliche Bäckerin ist eine Variante der Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral (1963 von Heinrich Böll). Es ist das Geheimnis, im Jetzt zu leben.
  • Der zweifelnde Krieger lenkt den Blick vom äußeren Kampf zur inneren Zielsetzung, zum Mut, sich durch eine andere Sichtweise zu verändern und zugleich an sich zu glauben.
  • Die alten Fischer wollen wirklich das Glück. Darum können sie in heiterer Gelassenheit glücklich träumend alt werden und so auf ihr Ende zugehen.  Die (wahrhaft) reiche Bäuerin zeigt mit ihrem bescheidenen Leben den Reichtum der Liebe auf, die es ermöglicht, anderen zu geben.
  • Ein mächtiger König nimmt den Spruch auf: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“. Anders gesagt, die Geschichte zeigt, wofür Verspätungen und Missgeschicke gut sind. Es gilt, Vertrauen in ein gutes Ende zu haben, ohne alles zu verstehen. Man fühlt sich unweigerlich an die Geschichte von Josef und Pharao in der Bibel erinnert.
  • Der traurige Clown – so das letzte Kapitel – hat als Fokus ein Gedicht, das der kleine Buddha von einem seiner Freunde bekommt. Dadurch wird der gerade etwas Melancholische mit einem wichtigen Geheimnis vertraut gemacht: „Gute Freunde sieht man immer wieder“ (S. 120).

„Der kleine Buddha“ ist letztlich eine Art Meditationsbuch für junge und ältere Erwachsene – für diejenigen die Kinder mit ihrer Neugierde geblieben sind. Das Kleine ist das wahrhaft Große, die Reise des kleinen Buddha eine große Reise ins Innerste des Selbst. So werden Erinnerungen wach, Träume gewinnen Gestalt, und immer wieder wird dem Nachsinnenden ein Lächeln entlockt. Nicht umsonst hat schon der eine und die andere die Erzählungen in die Nähe des Kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry gerückt.
Reinhard Kirste
Rz-Mikosch-Kl-Buddha, 07.03.13

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