Mittwoch, 18. März 2015

Die Azhar-Universität in der Begegnung mit dem Christentum



Hussein Hamdan: Der christlich-islamische Dialog
der Azhar-Universität.
Schriftenreihe der Georges Anawati-Stiftung, Nr. 13.
Freiburg u.a.: Herder 2014, 345 S.
Leicht überarbeitete Dissertation, Universität Tübingen 2013/14
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ISBN 978-3-451-33564-8 ---

Kurzbeschreibung: hier
 
Ausführliche Besprechung 
In den aktuellen Debatten um die Dialogfähigkeit und die sachgemäße Auseinandersetzung mit islamisch begründeter Gewalt kommt auch immer wieder die berühmte Al-Azhar-Universität Kairo in den Blick. Auch wenn es im Islam keine übergeordnete Lehrautorität gibt, so findet diese sunnitischen Einrichtung doch weltweit große Beachtung. Die vorliegende Arbeit macht nun deshalb besonders neugierig, weil die Haltung der Al-Azhar nicht nur auf andere Religionen, sondern auch im Zusammenhang des christlich-islamischen Dialogs Wertmaßstäbe setzt. Noch konkreter wird die Frage, welche Haltung die Al-Azhar selbst im christlich-islamischen Dialog eingenommen hat und noch einnimmt.


Hussein Hamdan (geb. 1979), Tübinger Islam- und Religionswissenschaftler und im interreligiösen Dialog engagiert, geht in seiner Dissertation den Dialogbemühungen der Azhar seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts nach und verfolgt die Debatten noch bis ins Jahr 2011. Nun scheint sich seine Bilanz weiterhin zu bestätigen, die er nach seiner Beschreibung von 80 Jahren Dialog-Geschichte der Azhar in vorsichtiger Hoffnung formuliert: „In den kommenden Jahren wird, was das internationale Ansehen der Azhar betrifft, viel davon abhängen, welche Rolle die Azhar im innerägyptischen Diskurs einnimmt … Die momentan zu beobachtenden Ansätze einer stärkeren Selbstreflexion geben Anlass zur Hoffnung, dass Al-Azhar auch künftig ein wichtiger islamischer Dialogpartner für die anderen monotheistischen Religionen bleibt“ (S. 329). 

Diesem Votum geht eine sorgsame Untersuchung voraus. Sie beginnt mit historischen und grundsätzlichen Erwägungen zur Beziehungsgeschichte von Christentum und Islam. Dann nimmt der Autor das islamische Verständnis des Christentums aus Koran und Sunna auf. So lässt sich die Haltung des Propheten Mohammed gegenüber Juden und Christen genauer ableiten. Der Schwerpunkt liegt auf der Person Jesu. Auf dieser Basis stellt Hamdan die Universitätszeitschrift der Azhar, die Magalla, dar – mit ihren Beiträgen hinsichtlich des Christentums. Sie ist seine wesentliche Quelle, ergänzt durch weitere Verlautbarungen der Azhar. Er sieht in der Typik der Texte folgende Kategorien: Jesusbild, Religionsvergleiche, Toleranz im Islam, Kommentierung historischer Ereignisse aus der Frühgeschichte des Islam, Verhalten gegenüber Nichtmuslimen aufgrund der islamischen (Pflicht-)vorgaben und schließlich Fatwas.

Im nächsten Abschnitt kommen die Gründung des World Congress of Faiths (WCF) in London 1936 und eine Folgekonferenz in Paris 1939 zur Sprache. Die Analyse der herangezogenen Reden ergibt auf der einen Seite eine gewisse Zurückhaltung der Azhar-Gelehrten. Sie hängt vermutlich auch damit zusammen, dass die Universität immer wieder versuchte, die (vermeintlichen) Fehleinschätzungen des Islam durch westliche Orientalisten zu korrigieren. Auf der andern Seite, aber wird die Toleranz gegenüber anderen Glaubensweisen betont. Der Autor hebt besonders die Debatte um die UNO-Menschenrechtserklärung von 1948 hervor. Der 1960 erschienene Azhar-„Appell an die Menschheit“ zeigt sich als eindeutige Würdigung dieser Erklärung, deren Tendenz sich schon im Islam des 14. Jahrhunderts nachweisen lässt (S. 138f).

Ein Herausforderungs- und Belastungsthema ist natürlich durchgehend das Verhältnis zu den Kopten. Hier spielen Äußerungen im Blick auf die Konfliktherde der Welt, aber auch die gemeinsame Bekämpfung von Atheismus und Kommunismus eine Rolle. Das betrifft Ägypten innenpolitisch, aber natürlich auch internationale Zusammenhänge angesichts der Fronten von Ost und West im Kalten Krieg. Hier kommt besonders der Vatikan ins Spiel, der ja durch das 2. Vatikanische Konzil und besonders durch die Erklärung „Nostra Aetate“ bisher ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. 
Dennoch: Obwohl die Azhar in den 70er Jahren Beziehungen zum Vatikan geknüpft hatte und sich an Konferenzen zum interreligiösen Dialog beteiligte, war sie aber „nicht immer einverstanden mit dem Ablauf und der Art und Weise, wie sich christliche Vertreter über den Propheten Muhammad oder zum Islam im allgemeinen äußerten“ (S. 151). In diesem Zusammenhang bedeutet das Dialogabkommens mit dem Vatikan und der Besuch von Johannes Paul II. in Kairo einen beachtlichen Fortschritt. Die verhängnisvolle Regensburger Vorlesung seines Nachfolgers, Papst Benedikt XVI. im September 2006 war darum ein herber Rückschlag, von dem sich das katholisch-islamische Gespräch mit Al-Azhar bis heute nicht erholt hat. Als eine Einladung von 38 Islamgelehrten vom Oktober 2006 an die christlichen „Oberhäupter“ herausging und ein Jahr später „A Common Word“ von 138 islamischen Persönlichkeiten, auch vom Großmufti von Ägypten, unterzeichnet wurde, war die Al-Azhar nicht dabei. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass die Universität sich als Wortführerin der islamischen Welt versteht und hier diese Rolle nicht spielen (konnte). Im Jahr 2011 kam es schließlich zur Aussetzung der Dialogbeziehungen mit dem Vatikan. Hintergrund war das Engagement des Papstes für die verfolgten Christen im Irak, während nach Meinung der Azhar die vergleichbare Bedrohung von Christen in Palästina vom Vatikan wegen Israel tabuisiert wurde. Sicher spielte zusätzlich auch die Benennung von bestimmten Persönlichkeiten für die gemeinsame Dialogkommission in diese Abkühlung der Beziehungen hinein.

Durch die thematische und quellenmäßige Begrenzung der vorliegenden Arbeit konnten natürlich nicht weitere Dialog-Aspekte berücksichtigt werden. Diese würden vermutlich eine eigene Untersuchung erfordern. Es sei darum auf eine Besonderheit in der Struktur des (leitenden) Großen Rats der Al-Azhar Universität hingewiesen, der vermutlich, ihren universal-islamischen Anspruch verstärkte: Der deutsch-iranische Islamwissenschaftler Abdoldjavad Falaturi war bewusst als Schiit in dieses Gremium berufen worden. Falaturi bemühte sich intensiv, im Rahmen der von ihm gegründeten Islamisch-Wissenschaftlichen Akademie Köln und als Leiter des Orientalischen Instituts der Universität zu Köln, den christlich-islamischen Dialog mit Al-Azhar auch in Deutschland voranzubringen. Es wäre spannend, Einblicke in die Religionspolitik der Azhar zu erhalten. Das konnte Hussein Hamdan nicht leisten, aber er hat dank der Quellenforschung und -bearbeitung vor Ort wichtige und zugleich schwierige Gesichtspunkte des christlich-islamischen Dialogs im Horizont der Al-Azhar verdienstvoll zur Sprache gebracht.

Reinhard Kirste

Rz-Hamdan-Azhar, 14.03.15 


Donnerstag, 12. März 2015

1. Grundbegriffe aus Christentum und Islam ----------------- 2. Handbuch Christentum und Islam in Deutschland ------ 3. Handbuch Christlich-Islamischer Dialog



Richard Heinzmann in Zusammenarbeit mit Peter Antes, Martin Thurner, Mualla Selçuk und Halis Albayrak (Hg.: im Auftrag der Eugen-Biser-Stiftung): 
Lexikon des Dialogs. Grundbegriffe aus Christentum und Islam. 
--- Band 1: Abendmahl – Kult
--- Band 2: Kultur – Zwölferschiiten.
Freiburg u.a.: Herder 2013, 851 S., Indices 

(türkische und englische Ausgaben in Vorbereitung).
 --- ISBN 978-3-451-30684-6 ---
Kurzbesprechung: hier

Ausführliche Beschreibung
Imgrunde hat fast jeder renommierte Fachverlag die Islam-Thematik aufgenommen und nicht selten auch ein Islam-Lexikon im Programm (gehabt). Oft jedoch waren es (christliche) Islamwissenschaftler, die die Herausgabe wesentlich steuerten. Auch der Herder-Verlag brachte schon 1991 ein dreibändiges Islam-Lexikon als Herder Spektrum 4036 heraus – mit Adel Theodor Khoury, Ludwig Hagemann und Peter Heine. Wenn es viele Angebote ähnlicher Richtung auf dem Markt gibt, fragt sich der Interessierte natürlich: Was zeichnet dieses neue Lexikon gegenüber anderen aus? Die Durchsicht zeigt ein Nachschlagewerk, das islamisches und christliches Verständnis des jeweiligen Grundbegriffs bzw. Namens gegenüberstellend beschreibt. Die Eugen-Biser-Stiftungin München und die Islamisch-Theologische Fakultät der Universität Ankara haben gemeinsam dieses Lexikon erarbeitet und zugleich die jeweilige Begrifflichkeit auch noch in türkischer Sprache erläutert. Mit über 100 Wissenschaftlern und über 300 Artikeln ist hier tatsächlich ein Mammutwerk entstanden, das es so bisher auf dem deutschsprachigen Markt nicht gibt.
Den Leitgedanken des Lexikons hat der Vorsitzende der Eugen-Biser-Stiftung, der christliche Philosoph Richard Heinzmann, klar auf den Punkt gebracht: „Es [das Lexikon] ist von dem Leitgedanken geprägt, Christen und Muslimen vertiefte Kenntnisse über die jeweils andere Religion zu vermitteln, ebenso allen an der Begegnung dieser Kulturen beteiligten Menschen Grundlagen für das Gespräch und damit für das friedliche Zusammenleben und das gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenwirken eine Voraussetzung zu bieten“ (S. 7). So kann Vertrauen entstehen, wenn angesichts sorgfältiger Überprüfung der Begrifflichkeit sich zum Teil hartnäckig haltende Vorurteile langsam aufzulösen beginnen.
Nun erhebt sich allerdings die Frage, ob dieses dialogisch ausgerichtete Begriffslexikon einen allgemeinen (Minimal-)Konsens im Christentum und Islam widerspiegelt, also konservative und liberalere Positionen vereint., Oder gibt es hier eine Art „Achtergewicht“? Schaut man zuerst die Liste der Autoren durch, so vermisst man Theologinnen bei den christlichen Beiträgen völlig, auf islamischer Seite lassen sich wenigstens vier Professorinnen entdecken. Man muss natürlich auch bedenken, dass die Beiträge der hier vertretenen islamischen Theologen logischerweise die türkische Provenienz widerspiegeln. Das muss kein Schade sein, auch wenn es hier nicht um ein deutsch-türkisches, sondern christlich-islamisches Werk geht.
Was die Auswahl der christlichen Autoren betrifft sind die verschiedenen Disziplinen von der Exegese über die Dogmatik bis zur Praktischen Theologie und die Religionswissenschaft in konfessioneller und interreligiöser Offenheit vertreten (wenn auch mit leicht katholischem Übergewicht). Auf der islamischen Seite dominieren natürlich Forscherinnen und Forscher aus dem Umfeld der als theologisch recht offen geltenden Theologischen Fakultät Ankara bzw. Wissenschaftler, die z.T. von der „Ankara-Schule“ geprägt sind und nun an anderen Universitäten der Türkei lehren. Man kann erahnen, dass aufgrund des dialogischen Bemühens manche Begriffe beim „Schliff“ durch die Diskussionen gewisse Kompromisse beinhalten und damit an Zuspitzung verloren haben. Auch gibt es natürlich nicht immer Entsprechungen in der anderen Religion, so dass eine Reihe von Begriffen nur für eine Religion erläutert werden (können). Es lohnt darum umso mehr, einige der „Reiz-Termini“ Religionen übergreifend genauer anzuschauen, z.B. die Artikel Dschihad, Frau, Märtyrer, Polygamie, Islamophobie, Krieg. Dazu gehören auch mehrere Beiträge zu den verschiedenen Rechtsbegrifflichkeiten, aber etwa auch Apostasie, Konversion, Menschenrechte und Religionsfreiheit. Auffällig ist, dass sich kein spezieller Artikel zur Gender-Problematik finden lässt und beispielsweise die Reconquista nur nebenher unter Antijudaismus und Antisemitismus behandelt wird. Weniger aufregend sind die unterschiedlichen religiösen Konnotationen derselben Wörter wie z.B. Dogmatik/Dogmen, Stiftung oder Opfer.
Es lässt sich eben nicht alles bei diesem 7 Jahre dauernden Mammut-Projekt dialogisch verorten. Es ist schon ein erstaunliches Phänomen, dass sich Wissenschaftler aus der christlichen und der islamischen Theologie einem intensiven Diskurs-Prozess aussetzten, so dass nun mit der Zustimmung aller Beteiligten wirklich ein gemeinsames Werk vorliegt. Darum muss im Blick auf die vielen theologischen Streitpunkte zwischen Christentum und Islam auch anerkennend festgehalten werden, wie viele Fortschritte schon in diesem Lexikon realisiert wurden. Das ist vielleicht am deutlichsten am islamischen Artikel zu Trinität erkennbar. Natürlich wären auch Artikel zu Inkarnation und Kreuz aus muslimischer Sicht ausgesprochen spannend geworden … 
Dieses Lexikon hat nun gar nicht den Anspruch für alle theologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Probleme im Horizont von Islam und Christentum Lösungswege zu bieten, aber es ist ein beeindruckender „Etappensieg“ kompetenter und nachhaltiger Verständigung. Spannend dürfte es werden, wenn sich eine Erweiterung dieses Projekts auf islamische Theologen der arabischen oder gar iranisch-schiitischen Welt abzeichnen würde. Da sind gewiss noch viele Steine beiseite zu räumen. Immerhin, die Herausgeber aus beiden Religionen können sich neben dem bewundernswerten dialogischen Erfolg eines solch immensen Grundlagenwerks zugutehalten, dass sich die Politik bei der Erstellung des Lexikons in keiner Weise eingemischt hat. 

Unabhängig davon, wie diese Grundlagenarbeit weitergehen wird, für Forscher/innen und Interessierte ist hier bereits eine wissenschaftlich definitorische Standortbestimmung zwischen Christentum und Islam erreicht worden, hinter die niemand mehr ehrlichen Gewissens zurück kann! Insofern sei den Förderern, Herausgebern, dem großen Autorenteam und auch dem Herder-Verlag ausdrücklich gedankt.
Reinhard Kirste 

ERGÄNZUNGEN UND FOKUSSIERUNG
AUF DEN CHRISTLICH-ISLAMISCHEN DIALOG


2. Handbuch Christentum und Islam in Deutschland.
Grundlagen, Erfahrungen und Perspektiven des Zusammenlebens 
Herausgeber: Mathias Rohe / Havva Engin / Mouhanad Khorchide /
Ömer Özsoy / Hansjörg Schmid.
Freiburg u.a.: Herder 2014, 2 Bände, 1300 S.
3.  Handbuch Christlich-Islamischer Dialog.
Grundlagen - Themen - Praxis - Akteure
Schriftenreihe der Georges-Anawati-Stiftung, Band 12.
Freiburg u.a.: Herder 2014, 496 S.
Herausgeber: Volker Meißner / Martin Affolderbach / Hamideh Mohagheghi / Andreas Renz

 Rz-Islam-Lexikon-Dialog, 16.11.13, aktualisiert 29.11.2014 und 08.03.2015

Dienstag, 3. März 2015

Frauen im Islam - Feministische Koranauslegungen? Asma Lamrabet und andere


Asma Lamrabet: Femmes et hommes dans le Coran:
quelle égalité?
Paris: Editions al-Bouraq 2012, 240 p. 

Eine wichtige Autorin im Blick auf die Genderproblematik im Islam ist Asma Lamrabet. Sie wurde in Rabat (Marokko) geboren und arbeitet als Medizinerin im l’Hôpital Avicennes von Rabat. Zwischen 1995 und 2003 war sie auch als Freiwillige in öffentlichen Krankenhäusern Spaniens und Lateinamerikas beschäftigt, besonders in Santiago de Chile und in Mexiko.  Seit mehreren Jahren widmet sie sich der Ungleichkeit von Frauen in islamischen Gesellschaften. Sie wirkt bei zahlreichen Konferenzen zu diesem Thema mit und hat auch eine Reihe wichtiger Bücher in diese Debatte eingebracht, zuletzt das hier angezeigte - auf deutsch etwa: Männer und Frauen im Koran - welche Gleichheit?.
Verlagsankündigung:
"L’islam est la religion qui opprime les femmes, et entrave inévitablement leur émancipation"… telle est l’image de l’islam aujourd’hui. Un stéréotype récurrent… Pourtant, ce n’est pas l’islam en tant que message spirituel qui opprime les femmes mais bien les différentes interprétations et dispositions juridiques entérinées depuis des siècles par des idéologies savantes, qui, faute d’avoir été réformées, ont fini par supplanter le texte sacré, et se transformer en des lois religieuses immuables. Ce livre invite à un exercice de réflexion sur l’éthique relationnelle entre hommes et femmes, telle qu’elle est conçue par les sources scripturaires de l’islam. Il se veut une tentative de "déchiffrage" et de "discernement" de certains concepts coraniques en faveur de l’égalité entre hommes et femmes.



Tout en se référant essentiellement à la dimension coranique, mais aussi à l’exemple prophétique, cette analyse ne perd jamais de vue l’ensemble des autres données sociopolitiques et culturelles en cours à ce moment de l’histoire. Il s’agit de revenir à l’essentiel du message spirituel de l’islam concernant les relations humaines, et de réfléchir sur les innombrables passages qui soulignent l’importance de la responsabilité partagée, du soutien mutuel, du respect convergent entre l’homme et la femme. Des valeurs, tellement simples, tellement belles, réitérées dans cette langue coranique profonde, mais que les cœurs n’ont pas retenues, et que des mentalités hermétiques ont évincé dans les recoins de l’histoire. Des valeurs humaines, réellement universelles, qui nous font cruellement défaut aujourd’hui dans notre quotidien chamboulé par les soubresauts d’une modernité confuse et en perte de repères.

Weitere Titel von Asma Lamrabet:


  • Femmes. Islam. Occident: chemins vers l'universel
    Casablanca: Editions La croisée des Chemins /  Paris: Séguier.
  • Le Coran et les femmes : une lecture de libération.Lyon: Editions Tawhid - 2007
  • Aïcha, Epouse du Prophète ou l’Islam au féminin. Lyon: Editions Tawhid
  • Musulmane tout simplement. Lyon: Editions Tawhid  2002
 
Weiterführende Materialien und Buchinformationen zu
Islam und Gender, islamischer Feminismus sowie  Frau im Islam

Die neue Koran-Hermeneutik der Frauen





Montag, 2. März 2015

Buch des Monats März 2015: Spirituelle Zusammenhänge von Gesundheit und Pflege im Krankenhaus



Walter Schaupp / Wolfgang Kröll  / Johann Platzer (Hg.):
Gesundheitssorge und Spiritualität im Krankenhaus.

Theologie im kulturellen Dialog, Band 26. Innsbruck-Wien: Tyrolia 2014, 196 S.
--- ISBN 978-3-7022-3290-0 ---


Ausführliche Beschreibung
Wie bereits die anderen Bände der Reihe so ist auch dieser Titel in Zusammenarbeit mit der Universität Graz entstanden, die auch als offizieller Herausgeber firmiert. Der Mitinitiator dieses Bandes, Walter Schaupp arbeitet an der Theologischen Fakultät als Moraltheologe schon lange über ethische Fragen im Zusammenhang der Medizin und einer Ethik der Lebensgestaltung. 2010 hat er mit Hans-Walter Ruckenbauer bereits einen Band zum Thema herausgebracht: Macht Religion gesund? Christliches Heilsangebot und Wellness-Kultur. Im neuen Band mit den anderen beiden Herausgebern kommt bereits das interdisziplinäre Interesse an diesem Thema zur Sprache. Johann Platzer lehrt sowohl am Institut für Moraltheologie als auch an der medizinischen Fakultät der Universität Graz, Wolfgang Kröll ist stellv. Abteilungsleiter der  Klinischen  Abteilung für Allgemeine Anästhesie  und Intensivmedizin der medizinischen Fakultät.

Im Vorwort betonen die drei Herausgeber die notwenige Begründung für diese Dokumentation, die eine Tagung aus dem Jahr 2013 über „Gesundheitssorge und Spiritualität im Krankenhaus“ zusammenfasst: „Zunehmend wird … sichtbar, dass Religiosität/Spiritualität nicht nur am Lebensende ein wichtiges Thema ist, sondern auch in bestimmten Krankheitssituationen davor. Eine weitere Herausforderung liegt darin, nicht nur die Bedeutung von Religiosität/Spiritualität in den Blick zu nehmen, sondern auch für Angehörige der Gesundheitsberufe“(S. 7). 
Thematisch kommen in den 10 Beiträgen der überwiegend im Rahmen der Grazer Universität Arbeitenden und Forschenden unterschiedliche Gesichtspunkte zur Sprache:

In seinem Einleitungsbeitrag verweist Walter Schaupp auf die „bleibende Präsenz des Religiösen in gewandelter Form“ (S. 14) trotz oder angesichts starker Säkularisierungstendenzen. Als Konsequenz bedeutet dies angesichts der Erfahrungen von Ohnmacht und Verlust, das Krankenhaus auch als Spiritualitätsort wahrzunehmen. Monika Glawischnig-Goschnik vom Universitätsklinikum exemplifiziert dies an einigen „Fallvignetten“: Es gilt zu sehen, dass Spirituelles und Leibliches gleichermaßen wesentlich sind. Spiritualität ist schließlich auch eine Ressource zur Bewältigung von Krankheit. Diese Überlegungen erweitert Eckhard Frick SJ, Professor für Spiritual Care an der Universität München. Der Begriff – ursprünglich synonym für die (kirchliche) Krankenhausseelsorge – beschreibt heute eine interdisziplinäre Querschnittsaufgabe, die sich als gemeinsame fachkompetente und therapeutische Sorge im Blick auf die spirituellen Bedürfnisse und Wünsche kranker Menschen versteht, und zwar eigenständig gegenüber dem medizinischen System mit dessen Diagnose-, und Therapieverfahren. Das gilt auch im Blick auf Pflege und Psychotherapie. Dazu muss die Kompetenz der helfenden Berufe gestärkt werden. Eine stichprobenartige Befragung von MitarbeiterInnen im Krankenhaus zeigte, dass Ärzte und Pflegekräfte im Intensivbereich neben ihren speziellen Aufgaben auch andere Haltungen und Praktiken bewusst einnehmen, und zwar im Sinn existentieller Fragen und religiöser (auch auf Transzendenz bezogener), humanistischer, und oft genug unkonventioneller spiritueller Zusammenhänge. Das hat erhebliche Rückwirkungen auf die so Agierenden im Horizont „ihrer“ Patienten. Diese von der Psychologin und Psychotherapeutin Ursula Viktoria Wisiak durchgeführte Mitarbeiterlnnenbefragung auf einer Intensivstation nötigt zu weiteren umfassenden Studien. 

Die Dermatologin Elisabeth Aberer hebt die menschliche Dimension besonders hervor, die die Erwartungen der PatientInnen wie die Wahrnehmungsweisen der Ärzte betreffen Die spirituelle Dimension in der Betreuung von Patienten und Patientinnen mit chronischen Hautkrankheiten lässt sich nicht auf religiöse oder konfessionelle Grenzen beschränken, vielmehr geht es um liebende Zuwendung ohne jegliche Vorbedingung. Dazu gehört eine spezifische Sensibilität, die aus Wahrnehmen und Zuhören besteht und den jeweiligen Glaubenshorizont vorsichtig erfragt und einbezieht. Hier bleibt für die Ausbildung in den medizinischen und pflegerischen Berufen noch viel zu tun. Eine extreme Herausforderung besteht für die MitarbeiterInnen im Bereich der Intensivmedizin, weil strukturelle, soziale und psychische Belastungen oft mit langfristigen Folgen verbunden sind. Darauf beziehen sich der Intensivmediziner Wolfgang Kröll und die Neuropsychologin Sabine Ritter und plädieren für weiterführende spirituelle Begleitung der MitarbeiterInnen.

Es folgt ein Gespräch des Psyhotherapeuten Rainer Kinast mit dem Moraltheologen Johann Platzer. Kinast ist zugleich Leiter des „Zentralbereichs Wertemanagement“ eines gemeinnützigen Krankenhausunternehmens. Hier kommt die Balance zur Sprache, die das Unternehmen Krankenhaus im Kontext und im Horizont christlicher Spiritualität beachten muss; denn Spiritualität kann nicht für die MitarbeiterInnen mit ihren unterschiedlichen religiösen und nicht-religiösen Hintergründen verpflichtend gemacht werden. Auch muss es im christlichen Krankenhaus darum gehen, den „wertschätzenden Dialog zwischen den Religionen zu … ermöglichen (S. 140). 

Der Neutestamentler Josef Pichler nimmt aus exegetischer Perspektive das antike Verständnis von Krankheit und die Wunder der Heilgötter zum Anlass, um die biblischen Wundererzählungen davon abzugrenzen. Denn die körperliche Heilung ist (bei Jesus) nicht das primäre. Auch führt der Glaube keineswegs automatisch zur Heilung, kann sie jedoch fördern (S. 162f), so dass jemand wieder auf(er)stehen kann. Dass Krankheit eben auch zum Tod führt und Gesundung nicht mehr möglich ist, macht die Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen so wichtig. Der katholische Krankenhauspfarrer Bernd Oberndorfer sieht in symbolischen Handlungen, besonders im Sakrament der Krankensalbung ein stärkendes Ritual in Unheils- oder Krisensituationen. Dies bestätigt in ähnlicher Weise für Gebete und Rituale auch der Ev. Krankenhauspfarrer Herwig Hohenberger. Es geht darum, auf der Grenze zwischen Leben und Tod Beruhigung und Tröstung zu finden. 

Die hier vorliegenden Beiträge sprechen die unterschiedlichen Facetten einer sich wandelnden Gesundheitssorge an - auch im Sinne von  Spiritual Care. Hier wird fortgeführt, was z.B. auch in Helmut Weiß / Karl Federschmidt / Klaus Temme (Hg.): Handbuch Interreligiöse Seelsorge (Neukirchen-Vluyn 2010) bedacht wurde. Die angesprochenen Lösungsmöglichkeiten erinnern überdeutlich, dass interkulturelle und interreligiös-spirituelle Zusammenhänge einen erheblichen Einfluss auf das „Klima“ eines Krankenhauses, aber auch auf die Heilungschancen von Patienten haben. Alle mit der Pflege und Therapie Beschäftigten sollten hier um der Patienten willen noch intensiver vorbereitet und geschult werden. Herausgeber und Autoren haben dazu kompetente Hilfestellung geleistet.

Reinhard Kirste

Rz-Schaupp-Krankenhaus, 28.02.15