Montag, 7. September 2015

Wieder im Blickfeld: Tee-Zeremonie und Zen-Buddhismus



1. Der Geist des Tees

Sen Soshitsu XV.: Der Geist des Tees. Mit Kommentaren von Naya Sôtan und Fotografien von Inoue Takao.
Berlin: Theseus 2004, 136 S., Abb.
Deutsche Übersetzung der englischen Ausgabe:
The Spirit of Tea. Kyoto: Tankosha Publ. 2002

In diesem Buch gibt es zuerst eine kurze Geschichte der Teezeremonie im Zusammenhang des Zen-Buddhismus. Dann werden die LeserInnen auf die Problematik des Verstehens dieser Übung für Nicht-Japaner eingestimmt und mit allen Sinnen in das Ritual hineingenommen.
Wer einmal eine japanische Teezeremonie miterlebt hat, wird dieses Gefühl der Zeitveränderung hautnah gespürt haben. Die Zeit wird zwar nicht angehalten, aber ihr Pulsschlag verlangsamt sich. Allein schon das Arrangement am Platz der Teezubereitung lässt eine Ent-Spannung der ganz anderen Art aufkommen. Die Geräte des Aufheizens, des Abfüllens, das Arrangement der einzelnen Teeschälchen ... Hier wird der Tee selbst zum Weg einer inneren Bereitung, die mit dem Trinken ihren Abschluss findet.
Eine Tee-Zeremonie ist nicht dazu da, sich satt zu trinken, sondern sich einzustimmen in eine Welt, die jenseits des Alltags liegt. Die Riten und langsamen in strenger Reihenfolge durchgeführten Gesten zeigen an: Der Zeit wird Zeit gegeben!

  • Die einzelnen Elemente der Tee-Zeremonie
  • Das Ambiente: Teeraum, Bildnische, Blumen, Garten
  • Zubereitung mit Schöpfkelle und Bogen
  • Nachdenken über die Qualität des Tees
  • Teegeräte: Teelöffel, Teeschalen, Feuer
  • Aufeinander Einstimmen von Gastgeber und Gästen
  • Das Anrühren und Eingießen des Tees
  • Teezeremonie und Kaiseki-Mahl
  • Die Bedeutung der Süßigkeiten
Man merkt dem Autor an, wie Präzision des Rituals die Intensität des Verstehens steigert. Hinzu kommen die einfühlsamen Farbfotografien. So ist ein wahrhaft un-gewöhnlich schönes Buch entstanden.

Auch wer noch nie eine Tee-Zeremonie miterlebt hat, wird hier an Wege der Meditation herangeführt, die es erlauben, die Welt mit achtsamer gewordenen Augen anders zu sehen. Die wiederholten Tee-Übungen verändern die Gemeinschaft der Teilnehmenden.
Wer dann, wie der Rezensent nach einer Tee-Zeremonie, in eine abendlich belebte Stadt zurückkommt, hebt nicht etwa ab, sondern nimmt bewusst wahr, was um ihn herum geschieht. Und doch werden Blicke und Schritte nicht mehr getrieben von dem, was man alles noch hätte unternehmen können oder was man vielleicht versäumt hat. Ein Gefühl achtsamer Dankbarkeit bleibt. Um aus dem Buch zu zitieren: "Der Geist des Tees übersteigt unsere nationalen und intellektuellen Unterschiede und verbindet Menschen weltweit. Auch in Zukunft wird er diese umfassende Bedeutung haben" (S. 131).
2. Der Zusammenhang mit dem Zen-Buddhismus
Zen ist in besonderer Weise die Sammlung des Geistes. Der ursprünglich aus China kommende Zen-Buddhismus (= Chan-Buddhismus) legt darauf großen Wert. Die sog. Realität wird als Illusion entlarvt. Der Erkentnisweg dorthin führt über den Alltag. In der Meditation im Zazen lässt sich der Einzelne bewusst darauf ein und erfährt durch das tägliche Handeln, wie sich der Geist "klärt" - bis hin zur Erleuchtung, dem Satori.
In diesem Zusammenhang sind auch die hier
ausgewählten Buchtitel zu verstehen.
  • Horst Hammitzsch: Zen in der Kunst des Teeweges.
    München u.a.: Scherz für O.W. Barth 1988, 6. Aufl., 127 S., u.ö.
  • Zen in der Kunst des Lernens
    (Freiburg/Br.: Bauer 1993 u.ö.)
  • Zen in der Kunst des Dichtens
    (O.W. Barth 1986 u.ö.)
  • Zen in der Kunst des Schreibens. Zen in the Art of Writing
    (Basel: Sphinx 1987)
  • Zen in der Kunst das Schwert zu führen (O.W. Barth 1988, 3. Aufl. u.ö.) 
  • Zen in der Kunst in der Kunst des Malens
    (O.W. Barth 1985 u.ö.)
  • Zen in der Kunst des BlumenWeges (O.W. Barth 1987, 3. Aufl., u.ö.)
  • Ikebana-Bücher
  • Weiteres zur japanischen Tuschmalerei und zu Shodo (Kalligrafie).

Eugen Herrigel (1884-1955), anerkannter Zen-Meister, hat mit seinem berühmten Buch Zen in der Kunst des Bogenschießens (1953 / O.W. Barth 1979, 19. Aufl. u.ö.)  zu Recht auf den Zen-Weg als inneren Wander- und Pilger-Weg hingewiesen. In seinem Nachlass finden sich dazu umfassende Hinweise:
Eugen Herrigel: Der Zen-Weg. Zen ist ewige Wanderung. Aufzeichnungen aus dem Nachlass
in Verbindung mit Gusty L. Herrig
el
Hg.: Hermann Tausend.

München u.a.: Scherz für O.W. Barth
1990, 11. Aufl., 132 S.
Herrigel gehörte der Urasenke-Schule in der 15. Generation an, zu dieser zählt übrigens auch das EKO-Haus in Düsseldorf. In diesem Japan-Zentrum spielt der Tee-Weg eine wichtige Rolle.

 Reinhard Kirste 
Rz-Tee+Zen, neu bearb. 07.09.2015 

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