Freitag, 7. April 2017

Vorankündigungen: Fethi Benslama und der (radikalisierte) Islam (aktualisiert)

Fethi Benslama wurde  am 31. August [1951 (?)]1961 in Tunis geboren. Er kam 1972 nach Frankreich und studierte dort Psychologie und Psychopathologie  an der Universität Paris VII und zugleich Anthropologie an der  École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS). Dort wurde er stark von dem Psychoanalytiker Georges Devereux beeinflusst. 

Nach dem Abschlus seiner Studien arbeitete er zwischen 1985 und 2000 als klinischer Psychologe und forschte über die Gesundheit von Migranten und ihren Bezug zur modernen Medizin. Inzwischen ist er Professor für Psychoanalyse an der Universität Diderot in Paris.                              
Er gilt als einer der wichtigsten französischsprachigen Forscher zu den Strömungen des Islamismus. Er ist Mitglied der tunesischen Akademie der Wissenschaften sowie Autor zahlreicher Bücher über Psychoanalyse und den Islam in seinen individuellen, historischen und gegenwärtig sozialen Ausprägungen. 
Benslamas "Psychoanalyse des Islam" ist inzwischen zu einem Standardwerk zum besseren Verstehen islamistischer Strömungen geworden. Von den Anfängen bis in die Gegenwart wird die Unterordnung der Politik unter die Religion zum Problem - und auch zur gesellschaftlichen Gefahr.
 La psychoanalyse à l'épreuve de l'islam. Paris: Flammarion 2013
--- Die Psychoanalyse als Prüfstand für den Islam --- 

Leseprobe und Inhaltsverzeichnis: hier

Anfang 2017 wird neben diesem Buch der wichtige Beitrag Benslamas
zum "surmusulman", zum "Übermuslim" bei Matthes & Seitz (Berlin) auf Deutsch erscheinen.
Die französische Ausgabe vom Frühjahr 2016 hatte bereits eine lebhafte Debatte zur Folge:
Un furieux désir de sacrifice. Le surmusulman. Paris: Seuil 2016, 151 pp
Verlagshinweis: hier
Rezension der deutschen Ausgabe "Der Übermuslim" 2017: hier
Ausführliche Besprechung in "Le Monde (11.05.2016):
 Die islamistische Radikalisierung ist mehr als ein sektiererisches Phänomen.


Vgl. den schon 1998 herausgegebenen Titel (als Taschenbuch 2004)
Fethi Benslama / Nadia Tazi (dir.): La virilité en islam
(= über männliche Dominanz im Islam).
La Tour d'Aigues: Édition de l'Aube 2004, 275 pp.  

 In einem anregenden Interview (Qantara.de 2006) erläutert Fethi Benslama, dass die  fundamentalistische Seite des Islam der Psychonalyse widerspricht. Die islamistische  Radikalisierung braucht darum ein dialogfähigres Gegenbild zu den Absolutheitsansprüchen des "Übermuslim".

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