Donnerstag, 27. Dezember 2018

Jesus als Verkünder des göttlichen Heils - bei Christen und Muslimen (aktualisiert)

Griechische Christus-Ikone, 16. Jh.
Byzantinisches Museum Athen (Ausschnitt)
Jesus ist im Islam als unmittelbarer Vorläufer von Mohammed als letztem Propheten von hoher Wertschätzung geprägt. Denn Jesus gehört zum Heilsweg der Muslime.  Das gibt dem christlich-islamischen Verhältnis eine besondere Bedeutung. Trotzdem lassen sich scheinbar koranische und christliche Jesusbilder nicht miteinander in Einklang bringen. Die Differenzen wurden durch die Polemiken um den wahren Glauben in der Geschichte noch weiter verschärft. Nur wenige christliche Theologen wie z.B. Ramon Llull und Nikolaus von Kues versuchten einen friedfertigen Zugang zur Nachbarreligion.
Vgl. Auseinandersetzung und Dialog mit dem Islam im christlichen Mittelalter: hier


Darum sind alle Versuche, die dogmatischen Gräben zu überbrücken, nicht zu unterschätzende Hoffnungszeichen.

1. Die mystische Tradition des Islam, der Sufismus 
Buchcover: Jesus wird von
zwei Engeln nach
Damaskus gebracht (16. Jh.)
Museum Türkischer und
Islamischer Kunst, Istanbul

  • Faouzi Skali / Eva de Vitray-Meyerovitch:
    Jésus dans la tradition soufie
    .
    Préface de Jean-Louis Girotto.
    Spiritualités vivantes 271. 

    Paris. Albin Michel [2004] 2013, 168 pp.
    --- ISBN 978-2-226-24658-5 ---
    Zu Jean-Louis Girotto, vgl. seinen Beitrag:
    Traces de soufisme en Europe occidentale
    (Dinul Qayyim-Blog, 28.05.2014)



    Islamische Fundamentalisten gehen davon aus, dass das Jesusbild der Christen pervertiert ist. Aber die Geschichte zeigt, dass selbst konservative Theologen Jesus einen zentralen Platz in der islamischen Spiritualität einräumen: Er wird als "Siegel der Heiligkeit" wahrgenommen, während Mohammed das "Siegel der Prophetie" ist. Für den Sufismus wird Jesus als spiritueller Meister und Seelenführer angesehen, denn Jesus lebte in einer besonders innigen Freundschaft und Nähe mit Gott. Faouzi Skali und Eva de Vitray Meyerovitch, zwei der wichtigsten französischsprachigen Spezialisten im Sufismus, spiegeln koranische Jesustexte an mystischen Aussagen von Rumi, al-Ghazali und Ibn Arabi. So entsteht ein Jesusbild, das sein Zentrum im Mysterium der göttlichen Liebe hat. 
    Dieser Beitrag ist insofern ungewöhnlich, weil dies die einzige Zusammenarbeit zwischen den beiden Autoren darstellt, dem muslimischen Anthropologen und Ethnologen Faouzi Skali (geb. 1953) und der später zum Islam konvertierten Islamwissenshaftlerin Eva de Vitray-Meyerovitch (1909-1999). Die erste Ausgabe dieses Gemeinschaftswerks erschien 1985. Hier liegt eine stark erweiterte Ausgabe vor.  In dieser werden noch Maria, die Mutter Jesu und Johannes der Täufer sowie seine Eltern untersucht. So treten noch die Bedeutsamkeit von Prophezeiung, Heiligkeit und Wunder in der spirituellen Tradition des Islam hervor. Die Nähe von Christentum und Islam findet damit einen schönen Ausdruck und lädt aktuell zu einem weiterführenden Dialog der beiden Monotheismen ein.

2. Neuansätze im christlich-islamischen Dialog


In den vergangen Jahrzehnten hat es durch christlich-islamische Begegnungen in der Theologie bisher so nicht gekannte durchaus ermutigende Ansätze gegeben.
Das beeindruckendste Beispiel haben jedoch zwei Theologen, der Muslim Mouhanad Khorchide (Münster) und der Christ Klaus von Stosch (Paderborn) geliefert. Nicht nur wird die Entwicklungsgeschichte des koranischen Jesusverständnisses nachverfolgt, sondern die Autoren haben auch den gesamten Text gemeinsam verantwortet, d.h. zum ersten Mal ein konsequent interreligiöser Beitrag zur Bedeutung Jesu: 



Es lohnt ergänzend auch ein Blick auf diejenigen Titel, in denen ebenfalls neben einer sachlichen Herangehensweise das Interesse für ein Religionen übergreifendes Jesusverständnis mehr oder minder stark zum Ausdruck kommt:

Jesus im Koran und in den islamischen Traditionen – Titel zum Thema (in Auswahl)
  • Mohammed und Jesus auf dem Weg zum Propheten Jesaja - eine Bildbetrachtung
  • A. Alem: Mohammad dans la Bible et Jésus dans le Coran. Paris: Éditions DAZ 1989, 347 pp.
  • Muhammad‚’Ata ur-Rahim / Ahmad Thomson: Jesus. Prophet of Islam.
    Elmhurst, NY: Tahrike Tardsile Qur’an [1977] 2003, 335 pp. revised editon
  • Zur Bedeutung des BARNABAS-EVANGELIUMS im christlich-islamsichen Dialog
  • Martin Bauschke: Der Sohn Marias. Jesus im Koran. Darmstadt: Lambert Schneider (WBG) 2013, 200 S.
    >>> Ausführliche Rezension: hier
  • Ahmed Deedat: Christus im Islam. Alexandria (Ägypten): Conveying Islamic Message Society o.J., 86 S.
  • Ahmed Deedat: Crucifixion ou cruci-fiction? Beyrouth, Liban: Éditions Baker 1992, 96 pp.
  • Michel Dousse: Marie, la musulmane. Paris. Albin Michel 2005, 268 pp.
  • Míkel de Epalza: Jesus zwischen Juden, Christen und Muslimen.
    Interreligiöses Zusammenleben auf der Iberischen Halbinsel (6.–17. Jahrhundert).
     Hg.: Reinhard Kirste. Frankfurt/M.: Lembeck 2002, 303 S.
    >>> Mehr zum Autor, ausführliche Rezension und das Buch als PDF-Datei
  • Mark A. Gabriel: Jésus et Mahomet. Profondes différences et surprenantes ressemblances.
    Rom
    anel-sur-Lausanne: Ourania 2007, 303 pp.
  • Kamel Hussein: La Cité inique. Récit philosophique.
    Traduction de l’arabe et introduction de Roger Arnaldez,
    préface de Jean Grosjean.
    Paris: Sindbad 1973, 159 pp.

    >>> Eine muslimische Erzählung zum Krafreitag -  Rezension: hier
  • Elsa Sophia von Kamphoevener: Islamische Christuslegenden. Fromme Legenden des Islams. Zürich: Arche 1963, 55 S.
  • Tarif Khalidi: Der muslimische Jesus. Aussprüche Jesu in der arabischen Literatur.Düsseldorf: Patmos 2001, 230 S.
             --- Englisches Original: The Muslim Jesus. Cambridge, Mass. (USA): Harvard University Press 2001
    --- Französische Übersetzung: Un musulman, nommé Jésus. Paris. Albin Michel 2003
  • Wolfgang Klausnitzer: Jesus und Muhammad. Ihr Leben, ihre Botschaft. Eine Gegenüberstellung. 
    Freiburg u.a.: Herder 2007, 215 S., Personenregister
  • Karl-Josef Kuschel: Weihnachten und der Koran. Düsseldorf: Patmos 2008, 158 S.
    >>> Rezension: hier
  •  Karl-Josef Kuschel: Juden, Christen und Muslime. Herkunft und Zukunft.
    Düsseldorf: Patmos 2007.
    Fünfter Teil: Maria und Jesus oder: Zeichen Gottes für die Welt, S. 462-534
  • Karl-Josef Kuschel: Die Bibel im Koran. Grundlagen für das interreligiöse Gespräch.
    Ostfildern: Patmos 2017, 672 S. 
    >>> Informationen: hier
  • OddbjØrn Leirvik: Images of Jesus Christ in Islam. Introduction, Survey of Research, Issues of Dialogue. Studia Missionalia Upsaliensia LXXVI. Uppsala: Swedish Institute of Missionary Research 1999, 269 pp., index of authors 
  • Christian Makarian: Le Choc Jésus Mahomet. Paris: J.C. Lattès 2008, 329 pp.
  • Sulaiman Mufassir: Jesus in the Qur’an.Indianapolis, Indiana (USA): American Trust Publications 1978, 4th printing, 13 pp.
  • William E. Phipps: Muhammad and Jesus. A Comparison of the Prophets and Their Teachings.
     
    New York: Continuum 1996, XI, 304 pp., index 
  • Günter Riße: „Gott ist Christus, der Sohn der Maria“. Eine Studies zum Christusbild im Koran. Begegnung.
    Kontextuell-dialogische Studien zur Theologie der Kulturen und Religionen, Bd. 2.  
    Bonn: Borengässer 1989, 275 S.
  • Neal Robinson: Christ in Islam and Christianity.
    Albany, NY. State Univ. New York Press 1991, X, 235 pp., index
     
  • Olaf H. Schumann: Der Christus der Muslime.
    Christologische Aspekte in der arabisch-islamischen Literatur.
    Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte, Bd. 12.
     Köln-Wien: Böhlau 1988, 2. Aufl., 294 S.
  • Faouzi Skali / Eva de Vitray-Meyerovitch: Jésus dans la tradition soufie.
    Spiritualités vivantes 271.

    Paris. Albin Michel [2004] 2013, 168 pp. (s.o.)
  • Klaus von Stosch / Mouhanad Khorchide (Hg.):
    Streit um Jesus – Muslimische und christliche Annäherungen.

    Beiträge zur Komparativen Theologie, Bd. 14. Paderborn: Schöningh 2016, 282 S.

    >>> Inhaltsverzeichnis und Leseprobe: hier
CC


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