Sonntag, 7. Oktober 2012

Spirituelle Oase im Shopping-Center Sihlcity, Zürich



Jakob Vetsch: Neunundneunzig Rastworte aus Sihlcity.
Edition Occidente.
        
München: Books Ex Oriente 2012, 132 S., Abb.
--- ISBN 978-3-9815153-2-9 ---


Kurzrezension: hier

Ausführliche Besprechung
Der seit 1999 existierende kleine Verlag „Books Ex Oriente“ in München hat im Jahre 2009 damit begonnen, Schriften und Werke zu Kultur, Religion und Philosophie des Orients herauszubringen. Axel Monte, der Verlagsleiter und zugleich Herausgeber vergaß dabei nicht, den Westen mit der „Edition Occidente“ in den Blick zu nehmen.
Eine kleine Besonderheit in diesem Rahmen ist das jüngst erschienene Bändchen, das einen spirituellen Einblick nach Sihlcity ermöglicht. Kaum eine/r außerhalb Zürichs wird viel über diesen Ort wissen, der auf einem Gelände der ehemaligen Papierfabrik Sihl als Shopping- und Wellness-Zentrum entstand --- Internet: http://sihlcity.ch/de/
Hier befindet sich neben dem alten Schornstein auch ein spiritueller Ort, ein Rastplatz für die hastende Seele, eine interreligiös offene Citykirche. In der Sprache des Business ist es ein Service-Center der besonderen Art, ganztägig geöffnet wie die Geschäfte mit ihrer Kommerz-Atmosphäre. Diese Oase wird von den christlichen Kirchen Zürichs getragen und bietet Möglichkeiten zum Ausspannen, zum Gespräch, zur Seelsorge und zur Stille. Sie wird gern von Nichtchristen (gerade auch Musliminnen) für die innere Einkehr und das Gebet wahrgenommen --- Internet:
http://www.sihlcity-kirche.ch/.
Der dort seit 2007 wirkende Pfarrer, der Autor dieses Bändchens, hat sich noch etwas Besonderes zum Lesen in der Kapelle einfallen lassen: Rastworte der Woche – ein Spruch und eine kurze aktualisierende Auslegung dazu.
Hier ein Beispiel mit einem Wort von Margret Mead (1901-1978), der berühmten amerikanischen Anthropologin: „Beten ist eine gute Sache. Es braucht keine technische Energie, es zehrt nicht an den Rohstoffen der Erde, es verschmutzt nicht Luft noch Wasser – gerade so wie das Singen, das Lieben und das Tanzen“. Dann wird die kleine Geschichte eines Mannes aus Neuguinea erzählt, der weder lesen noch schreiben konnte. Er verharrte nach dem Gottesdienst immer sehr lange auf dem Balken, der als Kniebank diente. Schließlich fragte ihn der Missionar, was er dort immer so lange täte. Die Antwort: „Ich halte meine Seele in die Sonne“ (S. 56). Darum geht es: Innehalten, sein Herz auf Gott  ausrichten …
Man kann sich diese Gedankensplitter mit nach Hause nehmen.
Sie sind als PDF-Datei auch im Internet abrufbar:
http://www.sihlcity-kirche.ch/index.php?option=com_content&task=view&id=12&Itemid=26
Was das Team um den Pfarrer Jakob Vetsch bewegt, kommt in einem Gespräch zum Vorschein, das der Herausgeber Axel Monte mit dem Pfarrer in der Spannbreite von Konsum, religiöser Pluralität und Spiritualität führte. Die Kirche war – so erzählt die Bibel – „schon immer an den Wegen und Märkten“ (S. 125). Deswegen stellt sich das kirchliche Angebot als „kleines, reales Modell des Friedens unter den Religionen“ im Sinne von Hans Küng vor (S. 126). Die Übungen und Riten der anderen Religionen können darum das eigene Leben spirituell bereichern im Sinne des Mottos der Sihlcity-Kirche: „Halt machen, Halt finden“.
Übrigens: das hier besprochene Buch wird in Sihlcity am 15.10.2012 vorgestellt.
Die aus der Fülle der Rastworte ausgewählten Texte zusammen mit einem Blick auf die Homepage der Sihlcity-Kirche signalisieren sehr deutlich: Hier ist ein besonderer spiritueller Ort im Getriebe von Kauf und Verkauf entstanden, ein kontemplativer Lernort der besonderen Art. Es lohnt sich, dort zu verweilen.
--- Weitere Informationen zum Verlag „Books Ex Oriente“:
    
http://www.books-ex-oriente.com/index.html          
--- Besprechung der Heftreihen "Ex Oriente" und "Ex Occidente":
     http://www.rpi-virtuell.net/workspace/24686AD5-936C-476D-9EA0-65E2968590C8/rezensionen/rz-monte.pdf
Reinhard Kirste
Rz-Vetsch-Sihlcity, 07.10.2012

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