Sonntag, 30. April 2017

Buch des Monats Mai 2017: Jüdische Jesus-Forschung als Herausforderung für die heutige Christologie

Walter Homolka: Jewish Jesus Research
and its Challenge to Christology Today
.     
Jewish and Christian Perspectives Series Vol 30

Leiden (NL): Brill 2016, XII, 180 pp., index
  • ISBN13-9789004331730 ---
  • E-ISBN: 97-89004331747 ---

Walter Homolka (geb. 1964) ist Rabbiner und Theologieprofessor für modernes jüdisches Denken und interreligiösen Dialog an der Universität Potsdam sowie Rektor des Abraham Geiger Kollegs. Er gehört seit vielen Jahren zu den Engagierten im interreligiösen Dialog generell und zum christlich-jüdischen Dialog im Besonderen.


       Das Verhältnis von Juden und Christen war Jahrhunderte lang
       extrem belastet.
       Die christliche Theologie hat dazu Wesentliches beigetragen.
       Das gilt gerade im Blick auf die (Heils-)Bedeutung Jesu und die
       Verurteilung der Juden als Gottesmörder.
Nun gibt es glücklicherweise auf der Ebene der historischen Jesusforschung inzwischen von christlichen und jüdischen Theologen das Interesse, die Quellen und die Authentizität des Jesus von Nazareth korrigierend zu bewerten.
Vergessen wir jedoch nicht, dass auch die christliche historisch-kritische Jesusforschung erhebliche Krisen und kirchliche Angriffe erlebte und sich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts eine gelassenere Darstellung durchsetzte. Die theologischen Ergebnisse sind in manchen Kirchengemeinden bis heute nicht angekommen. Denn eines ist der Wanderprediger Jesus von Nazareth und ein anderes der Christus des Glaubens, wie ihn die neutestamentlichen Schriften auf unterschiedliche Weise bezeugen. Exegese und religionswissenschaftliche Forschung mach[t]en es nun notwendig, sich intensiv mit den jüdischen Wurzeln Jesu zu beschäftigen.
Jüdische Wissenschaftlicher haben darüber hinaus mit dem Problem zu kämpfen, dass die Debatte in einem Kulturbereich geführt wird, der durch das Christentum und eine langwierige Ablehnung des Judentums geprägt worden ist. Von daher ist es genau genommen eine Chance, Jesus als Juden konsequent ins Blickfeld zu rücken.
Es verwundert nun nicht, dass die wissenschaftliche Bearbeitung des Jesus von Nazareth und seiner Wirkungsgeschichte seit der Aufklärung immer auch im Horizont des christlich-jüdischen Verhältnisses stattfindet. Die Diskurse finden jedoch nicht nur auf der theologischen Ebene protestantischer Dominanz, sondern auch als Herausforderung statt, bisherige christliche Sichtweisen zu korrigieren. Dafür steht eine eigenständige jüdisch-religionswissenschaftliche Forschung. Albert Schweitzer ist es zu danken, dass er schon Anfang des 20. Jahrhunderts christliche Hegemonial-Ansprüche bewusst relativierte. Das hebt Homolka positiv hervor. Erst in einer solchen „post-kolonialen“ Situation lässt sich jüdischerseits entspannter über die Bedeutung Jesu – übrigens nicht nur als historische Person – reden.
Walter Homolka gehört nun zu denjenigen, die die exegetischen Erkenntnisse zum Leben und Wirken Jesu hermeneutisch ausweiten. Dieser Reformrabbiner riskiert über die religionsgeschichtliche Einordnung Jesu hinaus eine Formulierung jüdischer Bedeutsamkeit gegenüber den zahlreichen christlichen Christologien. Die theologische Basis seines Verständnisses ist durch den Gedanken der Absage an Absolutheitsansprüche jeglicher Art geprägt. In diesem Diskurs hat ein christlicher Exklusivismus keine Chance mehr. Wer nämlich den Anspruch Jesu im Sinn einer Heilswahrheit allein für die christliche Seite reklamiert, hat sich im Grunde schon von einem Dialog auf gleich-wertiger Basis verabschiedet. Dann bleiben nur mehr oder minder freundliche Abgrenzungen und Polemik übrig. So ist auch die christliche Theologie herausgefordert, eine Christologie (weiter) zu entwickeln, die diese Dialogoffenheit gegenüber der jüdischen Seite als Vorverständnis einbezieht. Sie wird sich mehr oder minder auf religionspluralistische Positionen einlassen müssen.
Ein solch dialog-offenes Angebot ist Homolkas religionswissenschaftlicher und jüdisch-theologischer Umgang mit Jesus. Bei ihm spielt das etwa 30jährige Leben des Nazareners eine ebenso wichtige Rolle wie seine Welt verändernde Rolle nach seinem Tode.
Im 1. Teil rollt darum Homolka die Geschichte der Leben-Jesu-Forschung seit der Aufklärung noch einmal auf und ordnet die Wirkungen des historischen Jesus global ein. Rudolf Bultmann und Ernst Käsemann dürften die letzten Vertreter der deutsch-zentrierten Jesusforschung gewesen sein (S. 20). Eine Reihe von wichtigen Werken bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zieht der Autor als Belege kritisch heran. Neue hermeneutische Möglichkeiten haben die religiös orientierten Sichtweisen auf den historischen Jesus generell verändert.
Das zeigt Homolka im 2. Teil. Dort kommt er nach einem Gang durch die Geschichte jüdischer (meist polemischer) Auseinandersetzung mit Jesus seit der Antike ausführlich auf die Wissenschaft des Judentums“ seit der europäisch-jüdischen Aufklärung zu sprechen. Er hebt dabei heraus, dass der historische Jesus eindeutig jüdische Positionen vertritt und erst die christliche Theologie Neues (auch in Abgrenzung zum Judentum) einträgt. Dabei zeigen sich 3 Phasen der wissenschaftlichen Untersuchung: 1. in der Aufklärung seit Moses Mendelssohn (1729–1786, Saul Ascher (1767–1822), David Friedländer (1750–1834) u.a. (vgl. S. 42–49), 2. im 19./20. Jahrhundert, 3. in der Gegenwart.
In der 2. Phase versuchten christliche Theologen wie Adolf von Harnack (in Verbindung mit Luther und Schleiermacher) das Alte Testament zwar als wichtig, aber als „nicht-kanonisch“ abzuwerten. Sie leisteten damit indirekt oder direkt dem Antisemitismus Vorschub. M.a.W.: Die gesellschaftliche Situation des Judentums in Deutschland war für die Debatten von Juden und Christen wesentlich mitprägend.               
Die 3. Forschungsphase seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zeigt erstaunlicherweise, dass nach und nach der Messiasgedanke verstärkt aus seiner personalen Zuspitzung gelöst und gewissermaßen universal geweitet wird. Homolka selbst gehört hier zu den Vorreitern. Damit werden die Veränderungen in der (jüdischen) Messianologie zur neuen Herausforderung für christologische Messiasdeutungen.
Vgl. dazu Homolkas Beitrag: Vom Niedergang eines zentralen Deutemusters – Die Messiasvorstellung im neuzeitlichen Judentum. Zeitschrift für Religion und Geistesgeschichte (ZRG), Vol 68 (2016/1), 31–39
Im 3. Teil kommt der Verfasser als jüdischer Theologe auf die neueren und neuesten Forschungsarbeiten zur Wirkungsgeschichte Jesu zu sprechen, aber auch, wie sich Jesus in der jüdischen Literatur zeigt. Er stellt dazu die Fragen: Geht es um einen „Rückruf“, um eine „Reklamation“ oder eine „Rückführung“ Jesu ins Judentum? Vorarbeiten dazu leistete Homolka bereits in: Jesus von Nazareth im Spiegel der jüdischen Forschung:
http://www.hentrichhentrich.de/buch-jesus-von-nazareth-im-spiegel-juedischer-forschung.html 
(
Berlin: Hentrich und Hentrich 2009 – erweitert in: „Jesus Reclaimed“ (New York / Oxford [UK] Berghahn 2015): http://www.berghahnbooks.com/title/HomolkaJesus
Wichtige deutsch- und englischsprachige Theologen, Religionsphilosophen, Schriftsteller und Künstler kommen in diesem Kapitel mit ihrem Jesusbild direkt und indirekt zur Sprache. (S. 70ff u.ö.): Max Liebermann (1847–1935), Leo Baeck (1873–1956), Robert Eisler (1882–1949), Martin Buber (1878–1965), Max Brod (1884–1968), Emil Ludwig (1881–1946), Marc Chagall (1887–1985) Schalom Ben Chorin (1913–1999), Pinchas Lapide (1922–1997), David Flusser (1917–2000), Joel Carmichael (1915–2006), Michael Wyschogrod (1928–2015), Amy-Jill Levine (geb. 1956), Matthew Hoffmann (mit From Rebel to Rabbi, 2007), Mirjam Rajner, Abraham J. Heschel (1907–1972), Susannah Heschel (geb. 1956). Auf Franz Rosenzweig nimmt Homolka allerdings nicht Bezug.
Die Shoah muss als entscheidende Zäsur zwischen der älteren und neueren jüdischen Jesus-Forschung angesehen werden. Géza Vermès (1924–2013), ungarisch-jüdischer Herkunft, später katholischer Priester, steht dabei auf der Grenze im Blick auf die klassische Einordnung Jesu als Juden (S. 64ff). Neben der christlichen Rezeptionsgeschichte zu Jesus stehen trotz der erwähnten beeindruckenden Persönlichkeiten immer noch relativ wenige Wissenschaftler auf jüdischer Seite. Es macht auch einen gewissen Unterschied, ob es sich um deutschsprachige oder englischsprachige Theologen handelt.
In dialogischer Gegenüberstellung referiert Homolka noch die christlich-theologische Position von Donald A. Hagner „The Jewish Reclamation of Jesus“ (1984). So kommt insgesamt ein spannender Durchgang jüdischer Rezeptionsgeschichte zu Jesus zur Sprache. Ergänzend bringt die Archäologie bringt wichtige neue Kenntnisse zum historischen Jesus (S. 102–104).
Der 4. Teil: Jewish Quests and Christian Problems geht dann intensiv auf die jüdisch-christlichen Beziehungen in der Jesusforschung ein. Hatte die jüdische Forschung lange damit zu kämpfen, überhaupt von der neutestamentlichen (christlichen) Exegese und theologischen Systematik anerkannt zu werden, geht es inzwischen mehr um die durch die Ergebnisse, Thesen und Hypothesen entstandenen Herausforderungen. Zäsur und Schlüsselereignis zu Verständnisveränderungen bildet auch hier die Shoah.
Fast unbestrittene Voraussetzung ist, dass die Hebräische Bibel ( = Tenach), das Alte Testament, Teil des christlichen Glaubens ist. Homolka greift auf die Dominanz-Tendenzen des christlichen Westens, des „Christlichen Abendlandes“ zurück. Sie gehören auch in den Bereich des (theologischen) Kolonialismus. Die Ausgrenzungen und Judenpogrome in Europa zeigen vielmehr ein sog. christliches Abendland, das Toleranz erst in der kirchenkritischen Aufklärung sehr langsam zu lernen begann.
Als tragend für Juden und Christen scheint sich für den weiteren christlich-jüdischen Diskurs der Gedanke vom Bund Gottes zu entwickeln. Was Christen lernen mussten: Es ist der für Juden ungekündigte Bund, in den Christen erst eingeführt werden. Ein solches Konzept ist jedoch nur sinnvoll, wenn die Eigenständigkeit der jeweiligen Glaubenstradition festgehalten wird. „Dabru Emet“ (= Redet die Wahrheit), von 220 US-amerikanischen Rabbinern im Jahre 2000 verfasst, kann dafür eine klare Orientierung bieten, denn angesichts des gemeinsamen Gottes und gemeinsamer textlicher Glaubensgrundlagen und daraus folgender ethischer Werte lohnt es, den christlich-jüdischen Dialog trotz aller Differenzen voranzubringen. Daraus folgt dann, gemeinsam gegen (christlichen) Antijudaismus und für das Existenzrecht Israels einzustehen.

Spannend wird es besonders dort, wo zum ersten Mal jüdische Forscher auch daran gehen, die Anfänge des Christentums historisch-kritisch zu untersuchen und damit auch innerhalb des religionsgeschichtlichen Kontextes theologische Heilskonzepte in Frage zu stellen (S. 130). Die jüdisch-historische Jesusforschung ist damit mehr als nur die Frage nach der theologischen Wahrheit. Wir haben es hier mit einem soziopolitischen Problem zu tun, das dazu herausfordert, die christlich religiöse, kulturelle und politische Hegemonie zu überwinden „by establishing equality as the precondition of an honest dialogue“ (S. 137). Das ist nur möglich, wenn sich die Dialogpartner als gleichwertig respektieren. Auf der Ebene der Universitäten scheint diese Haltung langsam Platz zu greifen. Die christliche Heraushebung von Jesus als Messias kann allerdings nicht als Brücke gleichwertiger interreligiöser Begegnung dienen (S. 140). Die Erklärung Nostra Aetate des Vaticanum II, die Äußerungen von Papst Franziskus und die Positionen evangelischer Theologen wie Christoph Schwöbel, Christian Danz und Jan-Heiner Tück verstärken insgesamt einen Mut machenden dialogischen Klimawandel: Gemeinsame Glaubensgrundlage, historische Redlichkeit und gegenseitige Achtung sind dafür die Wegmarkierungen für ein besseres (Jesus-)Verständnis auf beiden Seiten.
Bilanz
Der reformfreudige Rabbiner Homolka nimmt die Leser/innen auf eine erstaunlich vielfältige und spannende Reise durch die jüdische Rezeptionsgeschichte zur Person Jesu mit. Mit präziser Sachkenntnis, aber ohne detaillierte Überfrachtungen, entsteht ein Panorama jüdisch-christlicher Wesenszusammenhänge. Gerade die offen bleibenden Differenzen machen einen weiteren Dialog nicht nur neugierig herausfordernd, sondern auch dringend. Jüdische und christliche Jesus-Positionen betrachtet Homolka sorgsam kritisch prüfend, „sine ira“, aber mit religionswissenschaftlichem Eifer. Seine Arbeit wirkt wie ein jüdisches Pendant zu Albert Schweitzers großartiger Darstellung „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“. Kurzum: Das vorliegende Buch hat die Tendenz zum Standardwerk ! Eine deutsche Übersetzung wäre darum sehr zu begrüßen.

Reinhard Kirste


Inhalt / Contents
Jewish Jesus Research and its Challenge to Christology Today

Editorial Statement – Preface
--- The Postcolonial Context of Jewish Interest in Historical Jesus

--- Jesus: Jewish Perceptions

1.  Historical Jesus Research: A Reception History
--- The Modern Quest of a Historical Jesus as a Quest for His Reception
--- The Development of Reception History as a Tool
--- Reception History: Global Dimensions
--- Reception History as a Secularization of the Interpretation of Scripture
--- Reception Theory in Relation to the Jewish Quest
--- Creating Space: The Emergence of New Hermeneutical and Methodological Paradigms

2.  The Jewish Jesus Quest and the Wissenschaft des Judentums
--- The Pre-Enlightenment Jewish Jesus
--- The Emergence of the Wissenschaft des Judentums
--- The Wissenschaft des Judentums and the Historical Jesus
--- The Wissenschaft des Judentums and the Concept of a Personal Messiah
--- The Legacy of the Wissenschaft des Judentums

3.  Reclaimed or Reclaiming? Recent Jewish Approaches to Jesus’s Wirkungsgeschichte
--- Jewish Jesus Research: Where to Draw the Line?
--- My Previous Contribution
--- Géza Vermès: Concluding the Classical Era of Jewish Jesus Research?
--- Diversity in the Reception History of the Jewish Jesus
--- The Jewish Jesus in Literature
--- Recent Jewish Approaches to Jesus
--- The Contribution of Archaeology to Historical Jesus Studies
4.  Jewish Quests and Christian Problems
--- The Jewish Quest of the Historical Jesus: In Search for Equality and Acceptance
--- The Historical Jesus: Challenges to Jewish-Christian Dialogue
--- The Myth of the Judeo-Christian West
--- Jesus the Jew: Implications for Future Christian Theology
--- Back to the Roots? The Value of Christian Hellenism
--- Jewish Jesus Research: Paving the Way for Common Ground
--- Conclusion: Implications and Future Perspectives
--- Bibliography – Index (sehr ausführlich !)  
Rz-Homolka-Jewish-Jesus, 30.04.17
CC

Europa im Orient - Der Orient in Europa (aktualisiert)

Der zuletzt (2006) erschienene Band der Reihe Religionen im Gespräch (RIG) hat angesichts der wesentlichen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Veränderungen im mittelöstlichen und fernöstlichen Raum sowie in der arabischen Welt nichts von seiner Aktualität verloren. Gefährliche Konfliktsituationen und beeindruckende Aufbrüche durch die Begegnung der verschiedenen Religionen und Kulturen liegen hier dicht beieinander.
Zugleich ist eine Jahrhunderte alte Orient-Faszination in Europa faktisch ungebrochen.

Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau,  Udo Tworuschka (Hg.):  
Europa im Orient - der Orient in Europa.

Religionen im Gespräch Bd 9 (RIG 9).
Balve: Zimmermann 2006, 528 S. --- ISBN 3-89053-106-7 ---
Inhaltsverzeichnis: hier 

"Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen" --- Europa üben ...



1.  Thematische Übersicht und Orientierungsbeispiel
         Globalista-Tour - zu europäischen muslimischen Identitäten
Pia Stumpf und Jan-Wilhelm Bauckloh genannt Lohmann
im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund, SoSe 2012
Der Herausgeber, Reinhard Kirste (geb. 1942) ist nicht nur evangelischer Theologe und Lehrbeauftragter der Technischen Universität Dortmund, sondern auch Koordinator der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) e.V. in Westfalen. Zusammen stellte er mit. Udo Tworuschka (geb. 1949), bis 2011 Professor für Religionswissenschaften an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Paul Schwarzenau (1923 – 2006), Professor der Technischen Universität Dortmund für Evangelische Theologie und ihre Didaktik, den Schriftenband „Europa im Orient – Der Orient in Europa“ zusammen.


Dieser Schriftenband, aus der Reihe „Religionen im Gespräch“, ist in vier Teilbereiche unterteilt. Der erste Hauptblock umfasst 21 Beiträge zum thematischen Scherpunkt „Orient und Orientalismus vom Mittelmeer bis nach Fernost“, die im jeweiligen Anschluss von einer Kurzzusammenfassung auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch begleitet werden. Aus diesem Block wird unten ein Essay von Fatma Sagir genauer beleuchtet. Der zweite Hauptblock umfasst 12 spezielle Dokumente oder Berichte. Im dritten Teil werden sechs grundsätzliche Beiträge zum interreligiösen Dialog angeführt.  Im vierten Teil werden 27 Rezensionen vorgestellt.
Im Anschluss finden sich weitere Informationen zu aktuellen Ereignissen aus den Jahren 2004 bis 2006, Informationen zum INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen und Informationen über die Autorinnen und Autoren der einzelnen Beiträge.
Orientierungsbeispiel:
Zu dem thematischen Schwerpunkt verfasste Fatma Sagir, Nachfahre muslimischer Migranten in Europa und seit 2005 Lektorin der türkischen Sprache an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, ein Essay mit dem Titel „Globalista Tour … zu europäischen-muslimischen Identitäten“.
In diesem Essay verbindet sie eine Reise als Erwachsene von Deutschland in die Türkei mit den Erlebnissen aus ihrer Kindheit auf exakt eben dieser Reise. In diese Reise, mit ihren vielseitigen Eindrücken, sind Informationen und Gedanken zum Thema Migration, europäisch-muslimischer Identität und allgemeine Überlegungen zum Thema Reisen verflochten. Dabei liegt der Hauptfokus auf der Identitätssuche und Identitätsfindung. Zuletzt wird Istanbul als „Schmelztiegel der Kulturen“ beschrieben und einen Blick auf die muslimische Jugend geworfen.
Stilistisch setzt Fatma Sagir in ihrer Reise dem „Aufbrechen“ ein „Ankommen“ gegenüber. Das Element des „Aufbrechens“ bezieht sich hierbei auf die Thematik von Migration und Reisen, während das „Ankommen“ die Diversität der Gesellschaft als Chance darstellt. Unter den Teilüberschriften „Crossing the bridge …“ und „Globalista Beats“ beschreibt sie die Landeseigenschaften und Landesphänomene mit der neuen jungen Generation der muslimischen Jugend.
Bbliografische Daten:


2.   Begegnung mit der islamischen Welt
                                                

Besprechung von Pfarrer Dr. Wolfgang Pfüller, Eisenach
Die 1990 begonnene, zweijährig erscheinende Reihe „Religionen im Gespräch" (RIG) war ein Markenzeichen der im Jahre 1989 gegründeten „Interreligiösen Arbeitsstelle e.V in Westfalen" (INTR°A). Mit Band 9 endet die Reihe. Keineswegs freilich enden damit die Aktivitäten der um den interreligiösen Dialog sehr verdienten „Interreligiösen Arbeitsstelle", wofür vor allem deren rühriger Koordinator Reinhard Kirste sorgt (vgl. nur unter www.interrel.de).
Der Band ist in vier Teile gegliedert. Auf die „thematischen Schwerpunkte" (hier: „Orient und Orientalismus vom Mittelmeer bis nach Fernost"), die den Großteil des Bandes ausmachen, folgen „Dokumente und Berichte", „Grundsätzliches zum interreligiösen Dialog" sowie „Rezensionen".
Ein Schwerpunkt ist die Begegnung und der Dialog mit der islamischen Welt. Darauf möchte ich mich konzentrieren. Er spielt zum Beispiel eine erhebliche Rolle bei dem von Kirste vorgestellten wichti­gen interreligiösen Projekt in Iserlohn/ Westfalen, das sich „West-östlicher Diwan" nennt und seit 1991 besteht. „Im Grunde hat mit diesem Diwan eine geistige Wanderung, eine interreligiöse Pilgerreise begonnen, von der zu hoffen steht, dass sie dem Zusammenleben von Menschen verschiedener Glaubensweisen und damit auch der deutschen Gesellschaft in unserer Region zugute kommt" (S. 343). Wichtig für den Dialog mit der islamischen Welt ist auch Kirstes Hinweis auf zwei Internet-Publikationen: www.qantara.de, ein Medium, „das in seiner Informationsbreite im Blick auf die arabische Welt, den Mittleren Osten mit der Türkei und dem gesamten Mahgreb für den deutschsprachigen Raum absolut einmalig sein dürfte" (S. 374), und www.babalmed.net, eine 2001 eingerichtete Webseite, „sozusagen die Mittelmeer-Kulturseite der Europäischen Union in Englisch und Französisch mit elektronischen Artikeln in verschiedenen anderen Sprachen" und als solche „gewissermaßen das Tor Europas zur Welt des Orients" (S. 375).
Bemerkenswert scheint mir auch der Beitrag des indischen Muslims Ashgar Ali Engineer zu sein, in dem er den Islam, besonders den Koran, für vereinbar mit der modernen Welt und ihren Forderungen nach Demokratie und Toleranz hält. Der Koran ermutige zu demokratischen Verhaltensweisen und Institutionen, und wenn man ihn sorgfältig studiere, werde man ihn erfrischend modern, liberal und human finden (S. 105). Hintergründe und historische Ursachen (Kolonialismus, Neokolonialismus) der tief greifenden Spannungen zwischen Europa und der islamisch-arabischen Welt heute verdeutlicht der Beitrag des aus Ägypten gebürtigen, in Deutschland lehrenden Soziologieprofessors Fuad Kandil (S. 114-138). Udo Tworuschka befasst sich mit dem „Islam als Bestandteil deutscher Religionstradierung" (S. 152-G8). Beobachtungen zu Sprache, Massenmedien, Schulbüchern, Populärkultur, Theologie und Künstlern als „sekundäre Religionstradierungen" (Tradierungen nach außen) werden ergänzt durch Hinweise auf die „primäre Religionstradierung" (Tradierung nach innen). Dabei geht es unter anderem um die noch wenig er­forschte Frage, „wie der Islam seinen nach­kommenden Generationen die eigene Religion vermittelt" (S. 160).
Kirste bespricht ein interessantes Buch von Felix Körner zu Revisionen der Koranauslegung in der türkischen Theologie. Hier sind aller Voraussicht nach spannende Entwicklungen in der islamischen Theologie zu erwarten, die Kirste wie folgt andeutet: „Es wird vermutlich keine vergleichbare Übernahme der Geschichte der historisch-kritischen Forschung für den Koran geben, wie dies für die Bibel Jo­hann Salomo Semler initiierte, aber es steht außer Frage, dass die islamische Koranexe­gese in den nächsten Jahrzehnten so vor­anschreiten wird, dass die Auseinandersetzung zwischen kritischer Bibelinterpretation und absolut geoffenbartem Koranwort auf eine Ebene kommen wird, die der Vernunft Rechnung trägt, ohne Offen­barungsaussagen objektivierbar zu machen" (S. 487).
Erschienen in: Freies Christentum. 61. Jg., Nr. 03 (Mai / Juni 2009), S. 79–81
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3.  Orientalismus, Islam und Religionstradierung

                             
Besprechung von Bettina Saeftel, 

                                             im Rahmen eines Seminars
im Wintersemester 2006/2007
an der TU Dortmund

Allgemeines über RIG 9 und das Verständnis des Orients

Im vorliegenden Buch wird eine breite Übersicht über den thematischen Schwerpunkt „Europa im Orient –Der Orient in Europa gegeben“. Der Band ist in vier verschiedene thematische Schwerpunkte unterteilt:
1.      Orient und Orientalismus vom Mittelmeer bis nach Fernost
2.      Dokumente und Berichte
3.      Grundsätzliches zum interreligiösen Dialog
4.      Rezensionen
Zu jedem Text in dem hier vorliegenden Buch gibt es inhaltliche, mehrsprachige Zusammenfassungen. In den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch sind die Texte verfasst bzw. übersetzt worden. Der interreligiöse und somit internationale Gedanke wird durch die Sprachenvielfalt aufgegriffen und ermöglicht so auch Rezipienten anderer Länder ein gutes Verständnis.
Die inhaltlichen Zusammenfassungen ermöglicht dem Leser die Chance das Buch gut „quer zu lesen“ und verschafft somit einen guten thematischen Überblick.
Die Autoren und Autorinnen des Buches sind zum Teil Mitglieder der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) in dessen Auftrag das Buch 2006 erschienen ist. Alle anderen Autoren/Innen haben entweder einen persönlichen oder beruflichen Bezug zu interreligiösen Thematik.
Aufgrund der Komplexität des Buches werde ich im folgenden den Beitrag von Udo Tworuschka exemplarisch darstellen.

Islam und Religionstradierung

Udo Tworuschka beschäftigt sich als Religionswissenschaftler in seinem Bericht: Der Islam als Bestandteil deutscher Religionstradierung (S. 152- 168), mit der nach innen -„primären Religionstradierung“ – und der nach  außen – „sekundären Religionstradierung“.

Den Bereich der „sekundären Religionstradierung“ unterteilt Tworuschka in mehrere Unterpunkte. Zunächst benennt er unsere Sprache in der viele arabischen Worte immer mehr Einzug erhalten bzw. schon lange haben. In den Bereichen der Kunst, der Mathematik oder auch der Wissenschaft sind die Beispiele vielfältig und für uns heutzutage schon alltäglich. Worte wie Algebra, Zucker, Kaffee, Tarif und Scheck gehen uns fast Tag täglich „über die Lippen“ ohne wirklich über ihre Herkunft nachzudenken. Ein, wie ich finde, sehr bestechendes Beispiel, das Tworuschka in seinem Bericht erwähnt, ist das Bespiel der heiligsten islamischen Stadt Mekka. Die Stadt, die jeder gläubige Moslem in laufe seines Lebens, soweit es ihm möglich ist, besuchen sollte wird zum Inbegriff für alles Erstrebenswerte. Die Stadt Aachen wird in den Medien gern als „Mekka der Reiterfreunde“ betitelt. Es wird darauf hingewiesen, dass das Begriffe – wenn sie nicht in ihrem Gesamtkontext erschlossen werden – zu falschen Assoziationen führen können.
Massenmedien bestimmen das tägliche Leben der heutigen westlichen Welt. Internet, Hörfunk, Fernsehen, Zeitungen etc. sind allgegenwärtig und werden von uns allen aktiv wie passiv konsumiert und üben somit auf uns alle- egal ob bewusst oder unbewusst- ein großen Einfluss auf unsere individuelle und auch öffentliche Meinung aus. TV- Produktionen wie „Das Schwert des Islam“ von Peter Scholl-Latour oder Auswertungen eines Nachrichtenmagazins „Blutiger Islam.20 Jahre `Spiegel Fechten` gegen den Ansturm auf das Abendland“ von M. Vogt, nehmen erheblichen Einfluss auf unsere bereits schon vorhandenen Meinungen und tragen die Gefahr Vorurteile zu schüren bzw. sie zu festigen.
Im Fokus stehen auch die islamischen Bestandteile in den deutschen Schulbüchern. Erstaunlicherweise lässt sich festhalten, dass der Islam schon seit über 350 Jahren in deutschen Schulbüchern thematisiert wird. Angefangen mit dem Buch „Orbis Sensualium Pictus“ von Amos Comenius aus dem Jahre 1658, über Aufsätze des Neutestamentlers und Talmud-Spezialisten Paul Fiebig „Der Islam im evangelischen Religionsunterricht“ oder der 1988 erschienenen Dissertation von Gudrun Peuster- May, die sich mit der Behandlung der Religionen in der schulbezogenen Literatur des 18./19 . Jahrhunderts auseinander setzte,  zeigen auf das die islamische Welt und ihre Religion einen festen Platz in der deutschen Lernkultur innehat.
In der Populärkultur sind die „Kanäle“ noch mannigfaltiger. Tworuschka beschreibt  verschiedene Medien als Transporteur der islamischen Welt in die „deutsche Alltagswirklichkeit“. Bücher, Filme, Hörspiele, Abenteuerspielbücher, Kinderkrimis ebenso die Werbung bedienen sich islamischer Bilder bzw. der arabischen Kultur.
Bis heute liegt nach Tworuschka keine hinreichende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Gesamtdarstellung des Islam in der deutschen Theologie vor. Von Martin Luther mit seinen zwei Schriften aus dem Jahr 1529 „Vom Kriege widder die Türcken“, „Herrpredigt wider den Türcken“ bis hin zu katholischen und auch jüdischen Autoren fehlt eine umfassende Islamrezeption.
Im Bereich der Kunst gibt es die verschiedensten Einflüsse, die schon seit dem 11./12. Jh. zu verzeichnen sind. Zum Beispiel bildet die abendländische Bildung des 11./12.Jh. bis heute nachhaltige Einflüsse auf die deutsche Geisteskultur. So natürlich auch „Klassiker“ der Literatur wie z.B. „ Nathan der Weise“ (1779) von Lessing, in der die drei „abrahamitischen“ Religionen vorurteilsfrei dargestellt/ vorgestellt werden. Der „Orientalismus“ des 18./19. Jh. zeichnete sich in der Kunst ab. Die Architektur wurde durch den „orientalischen Baustil“ inspiriert und geprägt (z.B. Palais in Dresden, seit 1995 Hotel der Kempinski Kette).
Schriftsteller, Maler und Musiker ließen sich von der Orient-Begeisterung anregen und orientalisierende Stile in ihre Arbeiten mit einfließen.
Den Bereich der „primären Religionstradierung“ teilt Tworuschka in zwei Teile:
1.      Religionsvermittlung
2.      Gemeindegründung
Im Gegensatz zu der vorher beleuchteten „sekundären Religionstradierung“, geht es hier nicht um den „Einzug“ von islamischen Werten, Bräuchen oder den „Einzug des Orientalismus“ in die Kunst sondern um die primäre Vermittlung der islamischen Religion unter den islamischen Nachkommen.
Die Frage, wer und wie die islamischen Nachkommen unterrichtet werden, ist bis heute ein kaum erforschtes Feld. Udo Tworuschka hat in einem Projekt mit der DFG über Religionstradierung am Beispiel des Islams, religionstradierende Literatur der 90er Jahre gesammelt und zu Teilen analysiert. Wie wichtig und welchen Stellenwert der Koran bei der Religionsvermittlung dabei innehat, ist nur zu Teilen festzuhalten. Der „übliche“ Ort der Koranvermittlung ist der Koranunterricht, Kinder und Jugendliche besuchen diesen zwischen dem 4. und dem 18. Lebensjahr. Der erste Kontakt mit dem Koran geschieht meistens im Elternhaus. Die Methoden und Formen der Religionsvermittlung sind vielfältig (Internet, Bücher, Zeitschriften, Magazine, Videokassetten etc.) bedürfen aber weiterer Forschung.
Die Gemeindegründung der Muslime in Deutschland liegt lange zurück. Auch wenn auch vorher schon Muslime in Deutschland lebten, die erste Moschee wurde in Schwetzingen errichtet (Rote Moschee). Zu Zeiten des ersten Weltkrieges errichtete man dann die erste Moschee in Berlin, die 1925/26 wegen Einsturzgefahr wieder abgerissen worden ist. Durch muslimische Exilanten, Studenten und Akademiker entstand 1924 in der neuen Moschee in Berlin-Wilmersdorf ein islamisches Gemeindeleben. Die Zeitschrift „Moslemische Revue“ und auch die erste deutsche Übersetzung des Korans aus muslimischer Feder entsprangen aus dieser Gruppierung, der „Ahmadiyya- Gemeinschaft“, einer nicht-orthodoxen islamischen Richtung, die in der Wilmersdorfer Moschee „beheimatet“ war.
Die bis heute aber größte Zahl an muslimischen Menschen in Deutschland bilden die Arbeitsemigranten. Sie legten den Grundstein für eine, mittlerweile in der dritten Generation, dauerhafte islamische Gemeinschaft.

Rz-RIG9, bearbeitet,  29.04.09, mehrere Überarbeitungen
CC 

Samstag, 29. April 2017

Orientalismus des Westens: Wissenschaftliche und literarische Verständnisse




Weitere Verlags Information
hier klicken:-

Pierre larcher:
Orientalisme savant,
oriEntalisme littÉraire
Sept Essais SUR LEUR CONNEXION
Arles: Sindbad / Actes Sud 2017, 240 Seiten

ISBN 978-2-330-07541-5
sowohl literarisch wie wissenschaftlich übt[e] der orient eine grosse faszination in europa aus. Wissenschaftlicher, Schriftsteller und Poeten seit der Aufklärung haben dieses Bild wesentlich geprägt.
Pierre Larcher ist emeritierter Professeur für arabische Sprache an der  Université de Provence und Übersetzer. Er hat bereits bei Actes Sud / Sindbad Übersetzungen von vorislamsichen Gedichten vorgelegt.
Voltaire s’est-il vraiment inspiré, dans le chapitre “L’ermite” de Zadig, de l’histoire de Moïse et du serviteur de Dieu, racontée dans le Coran ? Quelle est la vraie source de l’adaptation que Goethe propose dans son Divan occidental- oriental du “chant de vengeance” de Ta’abbata Sharran ? 
Sait-on que Hugo, dans une note des Orientales, donne, à côté de poèmes persans et du “pantoum malai”, vingt et un extraits de poètes arabes, que lui a fournis un certain Ernest Fouinet et qui constituent une véritable petite anthologie de la poésie arabe archaïque ? Pourquoi la “sentence orientale” de La Peau de chagrin, présentée par Balzac comme “sanscrite”, est-elle non seulement en caractères arabes, mais encore en arabe ? 

La pièce Antar du Libanais Chekri Ganem n’est-elle pas un parfait exemple de métissage culturel ? Aragon “arabise”-t-il vraiment dans son poème de jeunesse Bouée, qu’il présentera près d’un demi-siècle après comme issu des Fables de Lokman, dans la version de Cherbonneau, et comme le premier maillon d’une chaîne conduisant au Fou d’Elsa, par sa remise en cause de la conception du temps ? Six oeuvres et autant de questions sur l’orientalisme littéraire et sa connexion avec l’orientalisme savant. Connexion que l’on retrouve en épilogue dans le septième essai, consacré à un genre, l’opéra, qui prolonge le livre en livret et la littérature en musique, tissant leurs liens à travers l’Europe entière, souvent en étroite relation avec le contexte historique.






Freitag, 28. April 2017

Der Koran - Vielfalt der Übersetzungen und Kommentare (aktualisiert)

Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen eine Vielzahl von Koranübersetzungen.
Recht praktikabel ist das Angebot, einzelne Suren aus deutschen Koranübersetzungen für das Lesen und den Download auszuwählen. 


 Kleiner Textvergleich: Koran und Bibel

Koranausgaben und Übersetzungen
Man sollte übrigens Koranübersetzungen im islamischen Sinne eher als Annäherungen an das arabische Original bezeichnen. 


Das Vorbild
Die Sprachqualität hat sich inzwischen bei den neueren Ausgaben gesteigert, dennoch dürfte eine alte Auswahlübersetzung, diejenige von Friedrich RÜCKERT einzigartig geblieben sein.

--- Der KORAN in der
Übersetzung von Friedrich Rückert (BOBZIN, Hartmut, Hg.): Der Koran. Erklärende Anmerkungen von Wolfdietrich Fischer. Würzburg: Ergon 1995
--- Rezension: hier



Es gibt inzwischen eine beachtliche Zahl von deutschen
Koran-"Übersetzungen":
--- Michael Fisch: umma-al-kitâb. Ein kommentiertes Verzeichnis deutschsprachiger Koran-Ausgaben von 1543 bis 2013. 470 Jahre europäisch-abendländische Koran-Rezeption.
Berlin: Schiler 2013
                                                    

Hier eine z.T. kommentierte Auswahl:
Mit muslimischen Autoren:
--- Muhammad ASAD (Leopold WEISS):
Die Botschaft des Koran. Übersetzung und Kommentar. Aus dem Englischen von Ahmad von Denffer und Yusuf Kuhn. Düsseldorf: Patmos 2009 - vgl. Verlagshinweise

Rezension: hier

--- Der Koran. Vollständig und neu übersetzt von Ahmad Milad KARIMI. Mit einer Einführung herausgegeben von Berhard UHDE. Freiburg u.a.: Herder 2009 - vgl. Rezension

--- Übersetzung mit arabisch-deutschem Text und inhaltlichen Beiträgen zum Verstehen des Koran von Ali Ünal: Der Koran und seine Übersetzung mit Kommentar und Anmerkungen. Offenbach: Fontäne 2009, 1606 S.  

- Erläuterungen zur Bedeutung des Korans durch den Übersetzer 
- vgl. Rezension
 
Übersetzung von christlichen Islamwissenschaftlern (Nr. 1-4)
Von einem evangelischen Religionswissenschaftler
1. --- Der Koran. Aus dem Arabischen neu übertragen von Hartmut BOBZIN. München: C.H.Beck Februar 2010 (Veröffentlichungshinweis aus den Nürnberger Nachrichten)
Rezension von Christoph Auffarth, Bremen
- Rezension von Reinhard Kirste (INTR°A)

Eine umfassende wissenschaftliche Übersetzung und Kommentierung von einem
katholischen Islamwissenschaftler:

2.  Der Koran. Übersetzt und kommentiert von Adel Theodor KHOURY.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2007, 12 Bände
3.  Als Zusammenfassung in 1 Band: Der Koran.
Übersetzt und kommentiert von Adel Theodor Khoury.
Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2007

3a.  Als orientierende ausführliche Lektüre mit Textbeispielen und Bildern:
Der Koran, erschlossen und kommentiert von Adel Theodor Khoury.
Düsseldorf: Patmos 2005, 353 S., Abb., Register


Von einem katholischen Theologen und Islamwissenschaftler, philologisch recht genau
und bezogen auf die literarischen Formen

4.  Der Koran. Übersetzt und eingeleitet von Hans ZIRKER. Darmstadt: WBG 2003

Auswahl von Korantexten mit thematischer Zusammenstellung im Sinne einer gut verständlichen Hinführung zum heiligen Buch der Muslime

  • Der Koran für Kinder und Erwachsene. Übersetzt und erläutert von Lamya KADDOR
    und Rabeya MÜLLER. München: C.H. Beck 2008.
    Rezension hier
  • Hamideh MOHAGHEGHI und Dietrich STEINWEDE: Was der Koran uns sagt.
    Für Kinder in einfacher Sprache.
    München: Bayerischer Schulbuchverlag (Patmos / Oldenbourg 2010)

    Rezension: hier
 
Schon länger auf dem Markt: Von islamischer Seite als vollständige Übertragung

--- Übersetzung der Ahmadiyya-Muslim Jamaat Deutschland und Schweiz: Der Heilige Qur-ân: Arabisch und Deutsch. Hg. unter der Leitung von Hz. Mirza Tahier Ahmad. Aßlar-Werdorf 1989, 5. Aufl., Anmerkungen, Register -- Erläuterungen zur Übersetzung aus der Sicht der Ahmadiyyas

--- Al-Qur'an Al-Karim und seine ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache von Muhammad Ahmad RASSOUL. Köln: Islamische Bibliothek 1988, 3. verbesserte Aufl. / 2013, 10. Aufl.
auch digital vollständig zum Download: hier

--- Die Bedeutung des Korans. 5 Bände (Hg.: Abdulhalim KHAFAGY).
München: SKD Bavaria 1998, 2. neu bearb. Aufl. 


Zwei "Klassiker"
1.  Wissenschaftlich sorgfältig und nicht immer leicht zu lesen:
Der Koran. Übersetzung von Rudi PARET. Stuttgart: Kohlhammer 2006, 10. Aufl. 

mit Kommentar und Konkordanz. Kohlhammer 2005, 7. Aufl.

2.  An Luthers Deutsch erinnernd und islamwissenschaftlich redigiert:
Der Koran. das heilige Buch des Islam. Aus dem Arabischen von Max HENNING (1901). 
Überarbeitet und herausgegeben von Murad Wilfried HOFMANN. München: Diederichs (Hugendubel) 1999 

Eine wichtige englische Koranausgabe mit Kommentar
The Holy Qur'an. Text, Translation and Commentary by Abdullah Yusuf ALI.
Leicester (GB): The Islamic Foundation 1975 u.ö.


Prophetenüberlieferung - HADITHE
Wichtig neben dem Koran sind die Prophetenüberlieferungen. Eine gute Auswahl bieten die beiden von Adel Theodor KHOURY herausgegebenen Bände: Der Hadith (Gütersloher Verlagshaus 2008),
Rezension: hier


VERGLEICHE VON BIBEL UND KORAN
Buchempfehlungen und Kommentierungen: hier