Sonntag, 30. April 2017

Europa im Orient - Der Orient in Europa (aktualisiert)

Der zuletzt (2006) erschienene Band der Reihe Religionen im Gespräch (RIG) hat angesichts der wesentlichen gesellschaftlichen, politischen und religiösen Veränderungen im mittelöstlichen und fernöstlichen Raum sowie in der arabischen Welt nichts von seiner Aktualität verloren. Gefährliche Konfliktsituationen und beeindruckende Aufbrüche durch die Begegnung der verschiedenen Religionen und Kulturen liegen hier dicht beieinander.
Zugleich ist eine Jahrhunderte alte Orient-Faszination in Europa faktisch ungebrochen.

Reinhard Kirste, Paul Schwarzenau,  Udo Tworuschka (Hg.):  
Europa im Orient - der Orient in Europa.

Religionen im Gespräch Bd 9 (RIG 9).
Balve: Zimmermann 2006, 528 S. --- ISBN 3-89053-106-7 ---
Inhaltsverzeichnis: hier 

"Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen" --- Europa üben ...



1.  Thematische Übersicht und Orientierungsbeispiel
         Globalista-Tour - zu europäischen muslimischen Identitäten
Pia Stumpf und Jan-Wilhelm Bauckloh genannt Lohmann
im Rahmen eines Seminars an der TU Dortmund, SoSe 2012
Der Herausgeber, Reinhard Kirste (geb. 1942) ist nicht nur evangelischer Theologe und Lehrbeauftragter der Technischen Universität Dortmund, sondern auch Koordinator der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) e.V. in Westfalen. Zusammen stellte er mit. Udo Tworuschka (geb. 1949), bis 2011 Professor für Religionswissenschaften an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena, und Paul Schwarzenau (1923 – 2006), Professor der Technischen Universität Dortmund für Evangelische Theologie und ihre Didaktik, den Schriftenband „Europa im Orient – Der Orient in Europa“ zusammen.


Dieser Schriftenband, aus der Reihe „Religionen im Gespräch“, ist in vier Teilbereiche unterteilt. Der erste Hauptblock umfasst 21 Beiträge zum thematischen Scherpunkt „Orient und Orientalismus vom Mittelmeer bis nach Fernost“, die im jeweiligen Anschluss von einer Kurzzusammenfassung auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch begleitet werden. Aus diesem Block wird unten ein Essay von Fatma Sagir genauer beleuchtet. Der zweite Hauptblock umfasst 12 spezielle Dokumente oder Berichte. Im dritten Teil werden sechs grundsätzliche Beiträge zum interreligiösen Dialog angeführt.  Im vierten Teil werden 27 Rezensionen vorgestellt.
Im Anschluss finden sich weitere Informationen zu aktuellen Ereignissen aus den Jahren 2004 bis 2006, Informationen zum INTR°A-Projektpreis für Komplementarität der Religionen und Informationen über die Autorinnen und Autoren der einzelnen Beiträge.
Orientierungsbeispiel:
Zu dem thematischen Schwerpunkt verfasste Fatma Sagir, Nachfahre muslimischer Migranten in Europa und seit 2005 Lektorin der türkischen Sprache an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg, ein Essay mit dem Titel „Globalista Tour … zu europäischen-muslimischen Identitäten“.
In diesem Essay verbindet sie eine Reise als Erwachsene von Deutschland in die Türkei mit den Erlebnissen aus ihrer Kindheit auf exakt eben dieser Reise. In diese Reise, mit ihren vielseitigen Eindrücken, sind Informationen und Gedanken zum Thema Migration, europäisch-muslimischer Identität und allgemeine Überlegungen zum Thema Reisen verflochten. Dabei liegt der Hauptfokus auf der Identitätssuche und Identitätsfindung. Zuletzt wird Istanbul als „Schmelztiegel der Kulturen“ beschrieben und einen Blick auf die muslimische Jugend geworfen.
Stilistisch setzt Fatma Sagir in ihrer Reise dem „Aufbrechen“ ein „Ankommen“ gegenüber. Das Element des „Aufbrechens“ bezieht sich hierbei auf die Thematik von Migration und Reisen, während das „Ankommen“ die Diversität der Gesellschaft als Chance darstellt. Unter den Teilüberschriften „Crossing the bridge …“ und „Globalista Beats“ beschreibt sie die Landeseigenschaften und Landesphänomene mit der neuen jungen Generation der muslimischen Jugend.
Bbliografische Daten:


2.   Begegnung mit der islamischen Welt
                                                

Besprechung von Pfarrer Dr. Wolfgang Pfüller, Eisenach
Die 1990 begonnene, zweijährig erscheinende Reihe „Religionen im Gespräch" (RIG) war ein Markenzeichen der im Jahre 1989 gegründeten „Interreligiösen Arbeitsstelle e.V in Westfalen" (INTR°A). Mit Band 9 endet die Reihe. Keineswegs freilich enden damit die Aktivitäten der um den interreligiösen Dialog sehr verdienten „Interreligiösen Arbeitsstelle", wofür vor allem deren rühriger Koordinator Reinhard Kirste sorgt (vgl. nur unter www.interrel.de).
Der Band ist in vier Teile gegliedert. Auf die „thematischen Schwerpunkte" (hier: „Orient und Orientalismus vom Mittelmeer bis nach Fernost"), die den Großteil des Bandes ausmachen, folgen „Dokumente und Berichte", „Grundsätzliches zum interreligiösen Dialog" sowie „Rezensionen".
Ein Schwerpunkt ist die Begegnung und der Dialog mit der islamischen Welt. Darauf möchte ich mich konzentrieren. Er spielt zum Beispiel eine erhebliche Rolle bei dem von Kirste vorgestellten wichti­gen interreligiösen Projekt in Iserlohn/ Westfalen, das sich „West-östlicher Diwan" nennt und seit 1991 besteht. „Im Grunde hat mit diesem Diwan eine geistige Wanderung, eine interreligiöse Pilgerreise begonnen, von der zu hoffen steht, dass sie dem Zusammenleben von Menschen verschiedener Glaubensweisen und damit auch der deutschen Gesellschaft in unserer Region zugute kommt" (S. 343). Wichtig für den Dialog mit der islamischen Welt ist auch Kirstes Hinweis auf zwei Internet-Publikationen: www.qantara.de, ein Medium, „das in seiner Informationsbreite im Blick auf die arabische Welt, den Mittleren Osten mit der Türkei und dem gesamten Mahgreb für den deutschsprachigen Raum absolut einmalig sein dürfte" (S. 374), und www.babalmed.net, eine 2001 eingerichtete Webseite, „sozusagen die Mittelmeer-Kulturseite der Europäischen Union in Englisch und Französisch mit elektronischen Artikeln in verschiedenen anderen Sprachen" und als solche „gewissermaßen das Tor Europas zur Welt des Orients" (S. 375).
Bemerkenswert scheint mir auch der Beitrag des indischen Muslims Ashgar Ali Engineer zu sein, in dem er den Islam, besonders den Koran, für vereinbar mit der modernen Welt und ihren Forderungen nach Demokratie und Toleranz hält. Der Koran ermutige zu demokratischen Verhaltensweisen und Institutionen, und wenn man ihn sorgfältig studiere, werde man ihn erfrischend modern, liberal und human finden (S. 105). Hintergründe und historische Ursachen (Kolonialismus, Neokolonialismus) der tief greifenden Spannungen zwischen Europa und der islamisch-arabischen Welt heute verdeutlicht der Beitrag des aus Ägypten gebürtigen, in Deutschland lehrenden Soziologieprofessors Fuad Kandil (S. 114-138). Udo Tworuschka befasst sich mit dem „Islam als Bestandteil deutscher Religionstradierung" (S. 152-G8). Beobachtungen zu Sprache, Massenmedien, Schulbüchern, Populärkultur, Theologie und Künstlern als „sekundäre Religionstradierungen" (Tradierungen nach außen) werden ergänzt durch Hinweise auf die „primäre Religionstradierung" (Tradierung nach innen). Dabei geht es unter anderem um die noch wenig er­forschte Frage, „wie der Islam seinen nach­kommenden Generationen die eigene Religion vermittelt" (S. 160).
Kirste bespricht ein interessantes Buch von Felix Körner zu Revisionen der Koranauslegung in der türkischen Theologie. Hier sind aller Voraussicht nach spannende Entwicklungen in der islamischen Theologie zu erwarten, die Kirste wie folgt andeutet: „Es wird vermutlich keine vergleichbare Übernahme der Geschichte der historisch-kritischen Forschung für den Koran geben, wie dies für die Bibel Jo­hann Salomo Semler initiierte, aber es steht außer Frage, dass die islamische Koranexe­gese in den nächsten Jahrzehnten so vor­anschreiten wird, dass die Auseinandersetzung zwischen kritischer Bibelinterpretation und absolut geoffenbartem Koranwort auf eine Ebene kommen wird, die der Vernunft Rechnung trägt, ohne Offen­barungsaussagen objektivierbar zu machen" (S. 487).
Erschienen in: Freies Christentum. 61. Jg., Nr. 03 (Mai / Juni 2009), S. 79–81
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3.  Orientalismus, Islam und Religionstradierung

                             
Besprechung von Bettina Saeftel, 

                                             im Rahmen eines Seminars
im Wintersemester 2006/2007
an der TU Dortmund

Allgemeines über RIG 9 und das Verständnis des Orients

Im vorliegenden Buch wird eine breite Übersicht über den thematischen Schwerpunkt „Europa im Orient –Der Orient in Europa gegeben“. Der Band ist in vier verschiedene thematische Schwerpunkte unterteilt:
1.      Orient und Orientalismus vom Mittelmeer bis nach Fernost
2.      Dokumente und Berichte
3.      Grundsätzliches zum interreligiösen Dialog
4.      Rezensionen
Zu jedem Text in dem hier vorliegenden Buch gibt es inhaltliche, mehrsprachige Zusammenfassungen. In den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch sind die Texte verfasst bzw. übersetzt worden. Der interreligiöse und somit internationale Gedanke wird durch die Sprachenvielfalt aufgegriffen und ermöglicht so auch Rezipienten anderer Länder ein gutes Verständnis.
Die inhaltlichen Zusammenfassungen ermöglicht dem Leser die Chance das Buch gut „quer zu lesen“ und verschafft somit einen guten thematischen Überblick.
Die Autoren und Autorinnen des Buches sind zum Teil Mitglieder der Interreligiösen Arbeitsstelle (INTR°A) in dessen Auftrag das Buch 2006 erschienen ist. Alle anderen Autoren/Innen haben entweder einen persönlichen oder beruflichen Bezug zu interreligiösen Thematik.
Aufgrund der Komplexität des Buches werde ich im folgenden den Beitrag von Udo Tworuschka exemplarisch darstellen.

Islam und Religionstradierung

Udo Tworuschka beschäftigt sich als Religionswissenschaftler in seinem Bericht: Der Islam als Bestandteil deutscher Religionstradierung (S. 152- 168), mit der nach innen -„primären Religionstradierung“ – und der nach  außen – „sekundären Religionstradierung“.

Den Bereich der „sekundären Religionstradierung“ unterteilt Tworuschka in mehrere Unterpunkte. Zunächst benennt er unsere Sprache in der viele arabischen Worte immer mehr Einzug erhalten bzw. schon lange haben. In den Bereichen der Kunst, der Mathematik oder auch der Wissenschaft sind die Beispiele vielfältig und für uns heutzutage schon alltäglich. Worte wie Algebra, Zucker, Kaffee, Tarif und Scheck gehen uns fast Tag täglich „über die Lippen“ ohne wirklich über ihre Herkunft nachzudenken. Ein, wie ich finde, sehr bestechendes Beispiel, das Tworuschka in seinem Bericht erwähnt, ist das Bespiel der heiligsten islamischen Stadt Mekka. Die Stadt, die jeder gläubige Moslem in laufe seines Lebens, soweit es ihm möglich ist, besuchen sollte wird zum Inbegriff für alles Erstrebenswerte. Die Stadt Aachen wird in den Medien gern als „Mekka der Reiterfreunde“ betitelt. Es wird darauf hingewiesen, dass das Begriffe – wenn sie nicht in ihrem Gesamtkontext erschlossen werden – zu falschen Assoziationen führen können.
Massenmedien bestimmen das tägliche Leben der heutigen westlichen Welt. Internet, Hörfunk, Fernsehen, Zeitungen etc. sind allgegenwärtig und werden von uns allen aktiv wie passiv konsumiert und üben somit auf uns alle- egal ob bewusst oder unbewusst- ein großen Einfluss auf unsere individuelle und auch öffentliche Meinung aus. TV- Produktionen wie „Das Schwert des Islam“ von Peter Scholl-Latour oder Auswertungen eines Nachrichtenmagazins „Blutiger Islam.20 Jahre `Spiegel Fechten` gegen den Ansturm auf das Abendland“ von M. Vogt, nehmen erheblichen Einfluss auf unsere bereits schon vorhandenen Meinungen und tragen die Gefahr Vorurteile zu schüren bzw. sie zu festigen.
Im Fokus stehen auch die islamischen Bestandteile in den deutschen Schulbüchern. Erstaunlicherweise lässt sich festhalten, dass der Islam schon seit über 350 Jahren in deutschen Schulbüchern thematisiert wird. Angefangen mit dem Buch „Orbis Sensualium Pictus“ von Amos Comenius aus dem Jahre 1658, über Aufsätze des Neutestamentlers und Talmud-Spezialisten Paul Fiebig „Der Islam im evangelischen Religionsunterricht“ oder der 1988 erschienenen Dissertation von Gudrun Peuster- May, die sich mit der Behandlung der Religionen in der schulbezogenen Literatur des 18./19 . Jahrhunderts auseinander setzte,  zeigen auf das die islamische Welt und ihre Religion einen festen Platz in der deutschen Lernkultur innehat.
In der Populärkultur sind die „Kanäle“ noch mannigfaltiger. Tworuschka beschreibt  verschiedene Medien als Transporteur der islamischen Welt in die „deutsche Alltagswirklichkeit“. Bücher, Filme, Hörspiele, Abenteuerspielbücher, Kinderkrimis ebenso die Werbung bedienen sich islamischer Bilder bzw. der arabischen Kultur.
Bis heute liegt nach Tworuschka keine hinreichende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Gesamtdarstellung des Islam in der deutschen Theologie vor. Von Martin Luther mit seinen zwei Schriften aus dem Jahr 1529 „Vom Kriege widder die Türcken“, „Herrpredigt wider den Türcken“ bis hin zu katholischen und auch jüdischen Autoren fehlt eine umfassende Islamrezeption.
Im Bereich der Kunst gibt es die verschiedensten Einflüsse, die schon seit dem 11./12. Jh. zu verzeichnen sind. Zum Beispiel bildet die abendländische Bildung des 11./12.Jh. bis heute nachhaltige Einflüsse auf die deutsche Geisteskultur. So natürlich auch „Klassiker“ der Literatur wie z.B. „ Nathan der Weise“ (1779) von Lessing, in der die drei „abrahamitischen“ Religionen vorurteilsfrei dargestellt/ vorgestellt werden. Der „Orientalismus“ des 18./19. Jh. zeichnete sich in der Kunst ab. Die Architektur wurde durch den „orientalischen Baustil“ inspiriert und geprägt (z.B. Palais in Dresden, seit 1995 Hotel der Kempinski Kette).
Schriftsteller, Maler und Musiker ließen sich von der Orient-Begeisterung anregen und orientalisierende Stile in ihre Arbeiten mit einfließen.
Den Bereich der „primären Religionstradierung“ teilt Tworuschka in zwei Teile:
1.      Religionsvermittlung
2.      Gemeindegründung
Im Gegensatz zu der vorher beleuchteten „sekundären Religionstradierung“, geht es hier nicht um den „Einzug“ von islamischen Werten, Bräuchen oder den „Einzug des Orientalismus“ in die Kunst sondern um die primäre Vermittlung der islamischen Religion unter den islamischen Nachkommen.
Die Frage, wer und wie die islamischen Nachkommen unterrichtet werden, ist bis heute ein kaum erforschtes Feld. Udo Tworuschka hat in einem Projekt mit der DFG über Religionstradierung am Beispiel des Islams, religionstradierende Literatur der 90er Jahre gesammelt und zu Teilen analysiert. Wie wichtig und welchen Stellenwert der Koran bei der Religionsvermittlung dabei innehat, ist nur zu Teilen festzuhalten. Der „übliche“ Ort der Koranvermittlung ist der Koranunterricht, Kinder und Jugendliche besuchen diesen zwischen dem 4. und dem 18. Lebensjahr. Der erste Kontakt mit dem Koran geschieht meistens im Elternhaus. Die Methoden und Formen der Religionsvermittlung sind vielfältig (Internet, Bücher, Zeitschriften, Magazine, Videokassetten etc.) bedürfen aber weiterer Forschung.
Die Gemeindegründung der Muslime in Deutschland liegt lange zurück. Auch wenn auch vorher schon Muslime in Deutschland lebten, die erste Moschee wurde in Schwetzingen errichtet (Rote Moschee). Zu Zeiten des ersten Weltkrieges errichtete man dann die erste Moschee in Berlin, die 1925/26 wegen Einsturzgefahr wieder abgerissen worden ist. Durch muslimische Exilanten, Studenten und Akademiker entstand 1924 in der neuen Moschee in Berlin-Wilmersdorf ein islamisches Gemeindeleben. Die Zeitschrift „Moslemische Revue“ und auch die erste deutsche Übersetzung des Korans aus muslimischer Feder entsprangen aus dieser Gruppierung, der „Ahmadiyya- Gemeinschaft“, einer nicht-orthodoxen islamischen Richtung, die in der Wilmersdorfer Moschee „beheimatet“ war.
Die bis heute aber größte Zahl an muslimischen Menschen in Deutschland bilden die Arbeitsemigranten. Sie legten den Grundstein für eine, mittlerweile in der dritten Generation, dauerhafte islamische Gemeinschaft.

Rz-RIG9, bearbeitet,  29.04.09, mehrere Überarbeitungen
CC 

Samstag, 29. April 2017

Orientalismus des Westens: Wissenschaftliche und literarische Verständnisse




Weitere Verlags Information
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Pierre larcher:
Orientalisme savant,
oriEntalisme littÉraire
Sept Essais SUR LEUR CONNEXION
Arles: Sindbad / Actes Sud 2017, 240 Seiten

ISBN 978-2-330-07541-5
sowohl literarisch wie wissenschaftlich übt[e] der orient eine grosse faszination in europa aus. Wissenschaftlicher, Schriftsteller und Poeten seit der Aufklärung haben dieses Bild wesentlich geprägt.
Pierre Larcher ist emeritierter Professeur für arabische Sprache an der  Université de Provence und Übersetzer. Er hat bereits bei Actes Sud / Sindbad Übersetzungen von vorislamsichen Gedichten vorgelegt.
Voltaire s’est-il vraiment inspiré, dans le chapitre “L’ermite” de Zadig, de l’histoire de Moïse et du serviteur de Dieu, racontée dans le Coran ? Quelle est la vraie source de l’adaptation que Goethe propose dans son Divan occidental- oriental du “chant de vengeance” de Ta’abbata Sharran ? 
Sait-on que Hugo, dans une note des Orientales, donne, à côté de poèmes persans et du “pantoum malai”, vingt et un extraits de poètes arabes, que lui a fournis un certain Ernest Fouinet et qui constituent une véritable petite anthologie de la poésie arabe archaïque ? Pourquoi la “sentence orientale” de La Peau de chagrin, présentée par Balzac comme “sanscrite”, est-elle non seulement en caractères arabes, mais encore en arabe ? 

La pièce Antar du Libanais Chekri Ganem n’est-elle pas un parfait exemple de métissage culturel ? Aragon “arabise”-t-il vraiment dans son poème de jeunesse Bouée, qu’il présentera près d’un demi-siècle après comme issu des Fables de Lokman, dans la version de Cherbonneau, et comme le premier maillon d’une chaîne conduisant au Fou d’Elsa, par sa remise en cause de la conception du temps ? Six oeuvres et autant de questions sur l’orientalisme littéraire et sa connexion avec l’orientalisme savant. Connexion que l’on retrouve en épilogue dans le septième essai, consacré à un genre, l’opéra, qui prolonge le livre en livret et la littérature en musique, tissant leurs liens à travers l’Europe entière, souvent en étroite relation avec le contexte historique.






Sonntag, 23. April 2017

Religion und Computerspiele

Oliver Steffen: Gamen mit Gott


Wo sich Computerspiele und Religion begegnen
Zürich: TVZ 2017, 164 Seiten, 12.5 x 20.0 cm, Paperback
ISBN 978-3-290-22038-9
CHF 29.80 - EUR 26.90 - EUA 27.70

 Expl.
Zum Buch
Computerspiele gehören heute zum Alltag vieler Kinder, Jugendlicher und Erwachsener. Während die Gefahren wie Gewalt in Games und Suchterscheinungen intensiv debattiert werden, gerät ein anderer Aspekt aus dem Blick: die Religion. Und das, obwohl Computerspiele ein Medium sind, durch das Religionen und religiöse Ansichten ausgedrückt, verhandelt und beworben werden. 
Gibt es religiöse Spiele? Wie werden religiöse Themen in Spielen dargestellt? Ist das Gamen von religiösen Spielen eine religiöse Handlung? Diese Fragen erforscht Oliver Steffen seit Jahren. Sein leicht lesbares Buch gibt einen guten Überblick über Games und Gamer und zeigt Computerspielkultur als einen gesellschaftlichen Bereich, wo sich Glaube und Religion auf wenig sichtbare Weise und ausserhalb der Kirchen konkretisieren.

Autor/-in
Oliver Steffen, Dr. phil., Jahrgang 1978, ist freischaffender Religionswissenschaftler - 
und das Research-Projekt: God Mode: hier

Donnerstag, 20. April 2017

Von maghrebinischen Aufklärern lernen

Samuel Schirmbeck:
Der Islamische Kreuzzug.
Warum wir eine selbstbewusste
 Islamkritik brauchen
Zürich: Orell Füssli Verlag 2016, 256 S.
ISBN 978-3-280-05636-3 

Aus der Rezension der NZZ:
"Auch in Europa diagnostiziert der Autor eine beunruhigende Fehlentwicklung. Sie betrifft sowohl den Umgang mit den grossen islamischen Verbänden und deren Forderungen wie auch die öffentliche Debatte zum Thema Islam. Sein Urteil über den «finsteren Islam» der deutschen Islamverbände ist vernichtend. «Nicht in Nordafrika, in Deutschland begann (. . .) die bedrückendste Zeit meiner Begegnung mit dem Islam», hält Schirmbeck fest. Er berichtet von Verbandsvertretern und muslimischen Exponenten, denen «das Kopftuch wichtiger war als die Erhellung der Köpfe», die sich im Namen der Religionsfreiheit unablässig für Sonderrechte für Muslime einsetzten, aber zentrale Errungenschaften und Werte der westlichen Welt ablehnten. Laut Schirmbeck breitet sich auch im Westen eine «ebenso rigorose wie stupide Halal/Haram-Dogmatik aus, die keine Ambivalenz mehr kennt, kein geistiges Spiel, kein philosophisches Hinterfragen, sondern sich nur noch in stumpfer Kontrolle jeder Lebensgeste von Musliminnen und Muslimen gefällt». Es ist augenfällig, dass ein solcher Islam längerfristig das Konzept einer multikulturellen Gesellschaft unterminiert."
Die NZZ bemerkt nur kritisch an, dass der Begriff "Islamischer Kreuzzug" angesichts der Tendenz im Buch nicht das Wesentliche trifft. Über einen "islamischen Kreuzzug" gegen den Westen müsste sicher noch einmal gesondert nachgedacht werden ...

Auszüge aus den Rezensionen 
von NZZ und FAZ bei "Perlentaucher": hier






Sonntag, 16. April 2017

Paul F. Knitter - Dialogische Theologie und interreligiöses Christsein (aktualisiert)



Without Buddha I Could not be a Christian.
Oxford (UK): OneWorld 2009, XVII, 214 S., Index
--- ISBN 978-1-85168-673-5 ---
Deutsch: Ohne Buddha wäre ich kein Christ.
Aus dem Englischen von Gerlinde Baumann. Freiburg u.a.: Herder 2012, 360 S.
--- ISBN 978-3-451-30278-7 ---

Der katholische Theologe Paul F. Knitter (geb. 1939) aus den USA gehört seit vielen Jahren zu den Promotoren interreligiöser Begegnung. Seine innere Verbindung mit der religionspluralistischen Theologie hat ihn nicht nur zu einem Wegbereiter des Dialogs im Sinne der Gleichwertigkeit (nicht Gleichartigkeit) der Religionen gemacht, sondern er hat in der Debatte um die Religionsphilosophie und religionspluralistische Theologie von John Hick zudem den Gedanken der „Gerechtigkeit“ konsequent einbezogen. Dazu hat ihn besonders sein Engagement im Zusammenhang der gesellschaftlichen Umbrüche in Lateinamerika geführt. Er hat so das eigene Christsein in doppelter Weise erweitert  – in theologischer Theorie wie in spiritueller und politischer Praxis.
In dem vorliegenden Buch, das nun auch in Deutsch verfügbar ist, schiebt sich ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt in den Vordergrund, der der christlichen Identität. Nachdem er schon länger der christlichen Superiorität als Heilsweg eine Absage erteilt hat, lässt er sich intensiviert auf ein Verstehen des eigenen Glaubens aus der Perspektive anderer Religionen ein. Dies führt bis zu der in diesem Buch bilanzierten Konsequenz: „Without Buddha I Could not be Christian“ Die deutsche Übersetzung des Titels wird manchem etwas synkretistisch erscheinen: „Ohne Buddha wäre ich kein Christ“. Aber darum geht es Knitter nicht, vielmehr darum, dass sich christliche Identität heute nicht mehr ohne die anderen Religionen sagen lässt. Für ihn hat dabei die Begegnung mit dem Buddhismus den Ausschlag gegeben. Knitter hat auch die persönliche Konsequenz gezogen und „Zuflucht zum Buddha“ genommen. Damit bringt er noch einmal zum Ausdruck wie eng sich sein Christsein inzwischen mit dem Buddhismus verbindet.
Sowohl für die interreligiöse Begegnung wie für die religionstheologischen Debatten und die Notwendigkeit des interreligiösen Lernens ist dies darum ein unverzichtbares Buch.
Hier werden zwei Besprechungen vorgestellt: Die eine geht mehr den religionstheologischen Zusammenhängen nach, die andere den Möglichkeiten, aus einer solchen Konzeption das interreligiöse Lernen zu bereichern.
 Literaturauswahl
  • Towards a Protestant Theology of Religions, 1974.
  • No Other Name? A Critical Survey of Christian Attitudes toward World Religions, 1985.
    Deutsch: Ein Gott - viele Religionen.
    Gegen den Absolutheitsanspruch des Christentums. München: Kösel 1985
  • The Myth of Christian Uniqueness: Toward a Pluralistic Theology of Religions.
    Co-edited with John Hick, 1987.
  • Faith, Religion, and Theology: A Contemporary Introduction, 1989.
    Co-authored with Brennan Hill and William Madges.
  • Buddhist Emptiness and Christian Trinity Essays and Explorations, 1990.
    Co-edited with Roger Corless.
  • Death or Dialogue: From the Age of Monologue to the Age of Dialogue, 1990.
    Co-authored with John B. Cobb, Jr., Monika Hellwig, and Leonard Swidler.
  • Pluralism and Oppression: Theology in World Perspective, 1990. Edited.
  • One Earth Many Religions: Multifaith Dialogue and Global Responsibility, 1995.
    Deutsch: Die Zukunft der Erde. Die gemeisname Verantwortung der Religionen.
  • Mit einem Vorwort von Hans Küng. München: Kösel 1998
  • Jesus and the Other Names: Christian Mission and Global Responsibility, 1996.
  • The Uniqueness of Jesus: A Dialogue with Paul Knitter, 1997.
    Edited by Leonard Swidler and Paul Mojzes.
  • Faith, Religion and Theology: A Contemporary Introduction, 1997.
    Co-authored by Brennan Hill and Williams Madges.
  • Horizonte der Befreiung. Auf dem Weg zu einer pluralistischen Theologie der Religionen.
    Hg.: Bernd Jaspert. Frankfurt/M.: Lembeck / Paderborn: Bonifatius 1997
  • Introducing Theologies of Religions, 2002.
  • Subverting Greed: Religious Perspectives on the Global Economy, 2002.
    Edited with Chandra Muzaffar.
  • Without Buddha I Could Not Be a Christian, 2009.
    Deutsch: Ohne Buddha wäre ich kein Christ. Freiburg u.a.: Herder 2012


Rz-Knitter-Buddha-Christus-Einl, 31.12.12, bearb. 16.04.2017    CC

Freitag, 14. April 2017

Interreligiöse Gastfreundschaft auf den gemeinsamen Pilgerwegen von Juden, Christen und Muslimen



A Stranger is Calling

A Stranger is Calling. 

Jews, Christians, and Muslims as Fellow Travelers

Author: Anton Wessels
Translated by Henry Jansen
Foreword by Charles Amjad Ali
Eugene, Oregon (USA): Publisher: Wipf & Stock 2017, 264 pp.
  • --- Paperback ISBN: 9781532607974
    --- eBook ISBN: 9781532607974
Der Autor
Anton Wessels is Professor Emeritus
of the History of Religion, Islam in particular,
at VU University Amsterdam (Free University of Amsterdam). 
He is the author of
--- The Torah, the Gospel, 
The Qur'an:
     Three Books, Two Cities, One Tale
(2013)
--- Europe, Was it Ever Really Christian? (1994)
--- Muslims and the West: Can They Be Integrated? (2006).

Verlagsinformation:
Abraham als Vorbild für interreligiöse Gastfreundschaft heute
Abraham, the father of all believers, plays host to three strangers, one of whom is God, and thus sets an example for others to follow. 
Jews, Christians, and Muslims often treat each other as strangers. 
Their Holy Books are not the cause of their conflicts and enmity 
but rather show the way to solve them. 
They tell a common story of the lifelong journey of the human being
to the promised city, the promised land, and the promised world 
where justice and righteousness reign. "

Nelly van Doorn-Harder (Wake Forest University):
Sich auf den Fremden einlassen
als Chance für die interreligiöse Begegnung 
"Relying on rich references to poetry, prose, and art, 
Wessels probes the age-old and sacred practice of hospitality to strangers. 
Centering his analysis on the famous Genesis story of Abraham 
who entertained three strangers, 
Wessels' indirect message is that we are at risk of incurring great losses 
when ignoring the stranger.
Students of inter-religious encounters, from college courses
to meetings in churches, synagogues, and mosques, 
will greatly benefit from the erudite and in-depth information this book provides." 

Aus dem Vorwort von Charles Anjad-Ali
"A Stranger is Calling . . . is by far [Anton's] richest and most ambitious text yet. 
It weaves a very colorful and rich tapestry of multivalent and diverse traditions. 
Only an erudite and critical scholar like Anton could have brought such seemingly disparate elements together in such a brilliant and enlightening way. 
This coherent tour de force invites us to reevaluate our perspectives on truth, history, revelation, and even the divine." 

Mehr zum Buch über : The Torah, the GospelThe Qur'an: 
Three Books, Two Cities, One Tale (2013)

   Originalausgabe
   Anton WESSELS: Thora, Evangelie.
   3 Boeken, 2 Steden, 1 Verhaal. 
Kampen (NL): Kok 2010

   Eine besondere Monografie zu den
   drei monotheistischen Traditionen,
   in der auch die heiligen Städte
   (nicht nur Jerusalem und Mekka)
   besonders gewürdigt werden.
   So liest man die eine Geschichte
   durch ihre teilweise verblüffenden Varianten
    in den drei Religionen ganz neu.