Sonntag, 15. September 2019

Perry Schmidt-Leukel: Neue Zugänge zur Etablierung einer interreligiösen Theologie

Perry Schmidt-Leukel

Wahrheit in Vielfalt

Vom religiösen Pluralismus zur interreligiösen Theologie

Wahrheit in Vielfalt

Aus dem Englischen von Monika Ottermann
Bearbeitet und autorisiert von
 Perry Schmidt-Leukel
Gütersloher Verlagshaus 2019, 416 S. --- ISBN: 978-3-579-08249-3
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Originaltitel: Religious Pluralism and Interreligious Theology.
The Gifford Lectures - An Extended Edition. 
Originalverlag: Orbis Books, Maryknoll, New York 2017
Bearbeitet von Perry Schmidt-Leukel

--- Vorstellung dieses Buches: hier

--- Ausführliche Besprechung: hier
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Religionen erheben Anspruch auf Wahrheit und definieren Identität.
Aber wie erklären sie die religiöse Vielfalt? Und wie gehen sie mit ihr um?
Müssen sie nicht mit dem Gedanken Ernst machen, dass Wahrheit in Vielfalt besteht?
Dieses Buch zeigt,
dass alle großen religiösen Traditionen zu einem solchen Umdenken in der Lage sind,
ja, dass dieses bereits begonnen hat. Es entsteht ein neues Verständnis von Theologie:
als eine gemeinsame, interreligiös durchzuführende Aufgabe, bei der alle einander ebenso bereichern wie herausfordern.


--- Der Weg zu einer Theologie der Zukunft
--- Das Fundament für ein neues Selbstverständnis der Religionen
--- Religiöse Wahrheit und die Einheit in Vielfalt
--- Ein neues Denken, das religiöse Differenzen verbindet

Autor:
Perry Schmidt-Leukel ist Professor für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie an der Universität Münster und Vorstand des dortigen "Seminars für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie". 
Verfasser und Herausgeber zahlreicher Werke zur Fundamentaltheologie, zur Theologie der Religionen und zum interreligiösen Dialog. 2015 hielt er als erster Deutscher seit fünfundzwanzig Jahren die international renommierten Gifford Lectures.

Zur Debatte um "neue Wege für die interreligiöse Theologie"
--- in Vorbereitung (erscheint Oktober 2019) ---

Paul Knitter / Alan Race (eds.): New Paths for Interreligious Theology.
Perry Schmidt-Leukel's Fractal Interpretation
of Religious Diversity.

Maryknoll, NY: Orbis 2019, 208 pp.


Renowned scholars in the field of comparative and interreligious theology respond to Perry Schmidt-Leukel's novel approach to the understanding of religious diversity, using fractals (patterns found in science and nature). Conversation partners from multiple faith traditions include Alan Race, Paul Knitter, Francis Clooney, John Makransky, and Ephraim Meir.

Project - Research 2016 - 2019
--- gefördert von der Volkswagenstiftung ---
 

An Interim-Report 
on a 'Christian Commentary
to the Bodhicaryāvatāra'

In: Journal of Comparative Scripture (2015): 9-35
Copyright: Minzu University of China (über academia.edu)
Das Ergebnis erscheint im Oktober 2019 als Buch: 
BUDDHA MIND - CHRIST MIND: 
A Christian Commentary on the «Bodhicaryavatara»
Leuven: Peeters 2019

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Weitere Buchvorstellungen
 und Rezensionen
zu Büchern von
Perry Schmidt-Leukel


Alle Bücher von Perry Schmidt-Leukel
im EOS-Verlag:>>>

--- (zusammen mit Lloyd Ridgeon):
 
Islam and Inter-Faith Relations.
The Gerald Weisfeld Lectures 2006. 
L
ondon: SCM 2007, 2011, 282 pp. --- Rezension von Yasinn Hussen in: academia.edu: hier


--- (Hg.): Buddhist Attitudes to
Other Religions
    (Buddhistische Haltungen zu anderen Religionen)
EOS-Verlag St. Ottilien 2008

  • Buddhist-Christian Relations in Asia St. Ottilien: EOS 2017, 460 S.
    und Vorstellung bzw. Besprechung weiterer Titel

  • ---
     Transformation by Integration.
    How Inter-faith Encounter Changes Christianity. London: SCM 2009
    A growing number of people experience their own piritual lives as being inspired by more than one religious tradition. Multi-religious identity formation and double-belonging are obvious signs of a process of significant transformation as a result inter-faith encounter - a transformation that had been expected and positively willed by various inter-faith theologians. "Transformation by Integration" looks more deeply at a number of issues involved, including: What does it mean theologically to move beyond tolerance towards a genuine appreciation of other religions? How can multi-religious identity be assessed theologically? And, will we have to reconsider the widespread dismissal of syncretism? Perry Schmidt-Leukel takes the next theological step on the basis of a pluralist paradigm within the theology of religions.

    --- Gott ohne Grenzen. 
    Eine christliche und pluralistische Theologie der Religionen. 
    Gütersloher Verlagshaus 2005.
    ---
    Rezension von Ulrich Winkler
    in SaThZ Nr. 10 (2006), S. 290-318
    Englische Ausgabe:
    God Beyond Boundaries. Münster: Waxmann 2017
CC




Mahatma Gandhi (02.10.1869 - 30.01.1948): Ein Leben für die Gewaltlosigkeit (aktualisiert)

Die Literatur zu Gandhi ist kaum zu übersehen. Das hier angezeigte Buch bietet durch den Vergleich von Gandhi und Jesus die Möglichkeit, Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Leben der beiden Protagonisten des Friedens zu sehen. Besonders interessant ist, wie gerade die Bergpedigt und das gewaltfreie Handeln Jesu Gandhi beeinflusst hat. Hinzu kommt, dass dieser Vergleich die dialogische Offenheit beider Vorbilder den Weg zur Gleichwertigkeit beider Begegnung der Religionen betont:




Mohandas Karamchand Gandhi
(02.10.1869 - 30.01.1948):


Das gewaltfreie Widerstehen ist direkt mit  Gandhis religiösem Denken verbunden:

Daneben sei an die Langzeitwirkung des berühmt gewordenen Filmes von
Richard Attenborough erinnert: Gandhi. Der Film, 1982 (Trailer, YouTube)

Der Tag der Ermordung Gandhis am 30. Januar 1948
ist in Indien Nationalfeiertag:
Mahatma Gandhi - die große Seele er-innern

Mahatma Gandhi: Die Religion der Ahimsa

Die Welt ist voll von Himsa (16), und die Natur ist an Zähnen und Klauen mit Blut befleckt.
Aber wenn wir nicht vergessen, daß der Mensch höher steht als das Tier, dann ist der
Mensch der Natur überlegen. Wenn der Mensch eine göttliche Mission zu erfüllen hat,
eine Mission, die seiner würdig ist, dann ist es die der Ahimsa. Ich bin kein Visionär. Ich
behaupte, daß ich ein praktischer Idealist bin. Die Religion der Gewaltlosigkeit ist nicht
nur für Rishis (
17) und Heilige gemacht, sondern auch für alle anderen Menschen.
Gewaltlosigkeit ist das Gesetz der menschlichen Art, während die Gewalttätigkeit das
Gesetz der Tiere ist. Die Würde des Menschen erfordert den Gehorsam einem höheren
Gesetz gegenüber, durch das der Geist gestärkt wird (Young India 24.06.1926).


Der Mensch als Tier ist gewalttätig, aber der Mensch als universeller Geist ist gewaltlos.
Im Augenblick, da der Mensch den Geist in seinem Inneren erweckt, kann er nicht länger
gewalttätig sein. Entweder er schreitet vorwärts zur Gewaltlosigkeit, oder er rennt in sein
Verderben. Darum haben die Propheten und die Avatarsl (
18
) die Lektionen der Wahrheit,
der Harmonie, der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit usw. gelehrt. Das alles sind Aspekte
der Ahimsa
(Harijan 11.08.1940).


So möge keiner daran zweifeln, daß die Befreiung aller ausgebeuteten Völker der Erde
und deshalb das Heil der ganzen Welt darin liegt, daß wir zur strengsten Befolgung jenes
Gesetzes unsere Zuflucht suchen, auf dessen einer Seite in großen Buchstaben das Wort
Wahrheit steht und auf dessen anderen das Wort Gewaltlosigkeit. Sechzig Jahre
Erfahrung haben mich gelehrt, so und nicht anders zu denken 
(Harijan 07.05.1947).


Anmerkungen

16) Gewalttätigkeit.
17) Sanskritwort für Propheten.
18) Große Heilige, in denen sich Gott verkörpert - siehe oben,
den Abschnitt »Seine Inkarnationen«.
Aus Mahatma Gandhi: Die Religion der Wahrheit. Aus Mahatma Gandhis schiftlichem Nachlass
ausgewählt von M.S. Deshpande und R.K. Prabhu. Übersetzt von Franz Langmayr.
Wörgl (A): Perlinger 1982, S. 136-138


Weitere Brückenbauer des interreligiösen Dialogs: hier




Donnerstag, 12. September 2019

Franziskus von Assisi: Friedenswille und Islam-Begegnung (aktualisiert)

Franziskus versucht
Al-Kamil zu bekehren
Darstellung: 15 Jh
. (Wikipedia)
Franz von Assisi (1181/82 - 1226) hat nicht nur für ein glaubwürdiges christliches Leben, sondern auch für die interreligiöse Begegnung wichtige Impulse gegeben. Denn eine intensiv nachwirkende Begegnung mit dem Islam fand in der äußerst konfliktreichen Kreuzzugszeit statt, und zwar während des 5. Kreuzzugs 1219 mit
El-Kamil, dem Sultan von Ägypten. Statt des anfänglichen Missionierungsversuchs des hl. Franz setzt sich der friedliche Austausch durch. Der Arme aus Assisi, der "Poverello," entgrenzt" sein bisheriges Gottesverständnis. Entsetzt äußert er sich über die Brutalitäten der Kreuzfahrer.
Die Franziskaner haben diesen Impuls in der Gegenwart verstärkt fortgesetzt. Davon zeugt das Buch:
Adrian Holderegger / Mariano Delgado / Anton Rotzetter (Hg.): Franziskanische Impulse für die interreligiöse Begegnung. Stuttgart: Kohlhammer 2014, 295 S.,
Personenregister -
-- ISBN 978-3-17-023277-8 ---

Hier wird nicht nur eine Tagung aus dem Jahre 2012 an der Universität Freiburg (Schweiz) dokumentiert, sondern neben den verschiedenen Missions-Initiativen in der  weiteren Geschichte auch bewusste interreligiöse Begegnungen "auf Augenhöhe" vorgestellt, z.B. mit der schon 2005 gegründeten "Damietta Friedens-Initiative."


Die deutsche Franziskaner-Provinz hat auf ihrer Homepage
das genannte Buch kommentiert: hier 


Weitere wichtige Titel zum Thema: 
Ergänzende Literatur zur Wirkungsgeschichte:




Eine Anregung, das Leben des hl. Franz nachzuerzählen: 
BERTON, Georges / PLACE, François: Der mit den Vögeln sprach.  Eine Erzählung über Franz von Assisi.
Geschichten vom Himmel und der Erde. 

Lahr: Kaufmann / Stuttgart: Klett 1996, 40 S., Abb.



Ein weiteres beeindruckendes Kinderbuch, vorgestellt im PILGRIM-Newsletter Nr. 63 (November 2017):

                                            Cover


HUBERT GAISBAUER / BIRGITTA HEISKEL: 
FRANZ VON ASSISI. Das Leben des großen Heiligen erzählt
 und 
farbig illustriert für Kinder ab 5 Jahren 

Innsbruck-Wien: Tyrolia 2017, 26 S. --- www.tyrolia.at

Statt einer Rezension bringt der PILGRIM-Newsletter mit dem Einverständnis von
Hubert Gaisbauer ein leicht gekürztes Interview, das sich der Buchautor 

auf Facebook selbst gegeben hat:

--- Warum hast du eigentlich dieses Kinderbuch geschrieben? 

Weil mich der Verlag gefragt hat. Aus meiner Arbeit an dem Buch Ein Brief für die Welt war ich ja einigermaßen vertraut mit der Welt und den Ideen des Franz von Assisi und wenn ich ehrlich bin auch begeistert davon. Also konnte ich eigentlich nicht nein sagen, obwohl ich spürte, dass es eine
ziemliche Herausforderung sein wird.

--- Worin lag die Herausforderung? Ein Kinderbuch für Fünf- bis Siebenjährige noch dazu mit vielen Bildern hat doch eh nur wenig Text ...
Genau das ist die Herausforderung. Ich habe vier Fassungen geschrieben; die erste hatte ungefähr zehnmal soviel Text im Vergleich zur endgültigen Fassung. Das Kürzen und Straffen und Reduzieren von Inhalten, die man sehr gerne hat, tut ja ziemlich weh. Und meine Lektorinnen waren recht kompromisslos, gleichzeitig aber behutsam genug, sodass ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Die mir wichtigsten Sätze haben alle überlebt.

--- Verrätst du mir einen? 
Das werde ich sicher nicht tun. Es soll jede und jeder seine und ihre wichtigsten Sätze selber finden.

--- Gibt es nicht schon genug Franziskus-Bücher für Kinder? 
Ich glaube, nach den Bibeln für Kinder kommt gleich der Franz von Assisi. Ich wollte zählen, was
war mein erster Einwand, als mich der Verlag fragte. Es soll eins werden, wie es noch keines gibt!, war die Antwort.

--- Jetzt musst du mir aber verraten, worin sich dein Buch von dem breiten Angebot unterscheidet. 
Ich glaube, dass unser Buch vor allem auch durch die Zeichnungen von Birgitta Heiskel ein ganz anderes Franziskus-Buch geworden ist. Text und Bilder zeigen den inneren Weg des jungen Franziskus, was in seiner Seele vorgeht, wenn er sich für den Weg der Armut in der Nachfolge des Jesus von Nazareth entscheidet. Und zwar so, dass es Kinder verstehen können. Ich glaube, dass auch für Kinder spürbar wird, was man theologisch Umkehr nennen könnte. 
Ein Schwerpunkt des Buches liegt sicher in Wort und Bild auf der  "Option für die Armen", die ja auch Papst Franziskus zur Namenswahl bewogen hat.
Neben der Liebe zur Natur und Umwelt kommt
auch zum Ausdruck, dass 
Franz von Assisi - nach den bösen Erlebnissen in einem der unzähligen Städtekriege in Italien - ein Friedensaktivist war, 
der nicht nur Waffen und Gewalt strikte ablehnte, sondern auch Geld und Besitz, die immer miteinander verknüpft sind. 
Manche werden vielleicht bedauern, dass bekannte Geschichten wie die vom Wolf von Gubbio oder die Vogelpredigt nicht vorkommen. Wer aber gut schauen kann, wird bemerken, dass z.B. Vögel im ganzen Buch gegenwärtig sind. An die Stelle gewohnter Bilder treten neue, deren symbolische Aussagekraft man entdecken darf. So bekommen die mystischen Schlüsselerfahrungen im Leben des Franziskus eine unkonventionelle Deutung und damit eine neue Aussage auch für Erwachsene, die Kindern vielleicht vorlesen und mit ihnen über Text und Bilder sprechen. So kann man z.B. über die Bedeutung des wunderbaren Schreitvogels inmitten der Sonne oder der roten Mohnblumen an den wichtigsten Markierungen im Franziskusleben auch mit Kindern nachdenken. Daneben ganz unaufdringliche Bezüge zu unserer Gegenwart.

--- Du sagst, dass dir die notwendige inhaltliche Reduzierung im Text weh getan hat. Welche Beziehung hast du persönlich zu Franz von Assisi? 
Sein Leben, das detailreich und vielleicht nicht immer streng historisch von Thomas von Celano und anderen Biographen nachgezeichnet und von Giotto so wunderbar in Assisi und Florenz im europäischen Gedächtnis behalten wird, hat mich von Jugend an fasziniert. Weil es auch eine Form reinster Poesie ist. Neu erwacht ist meine Liebe zu ihm, als Kardinal Bergoglio Franziskus zu seinem Papstnamen wählte. 
Und als die neue Umwelt und Sozialenzyklika mit den Worten des Sonnengesangs benannt wurde: "Laudato si".

CC




Dienstag, 10. September 2019

Streit ums Mittelmeer - Machtkonflikte und juristische Konzepte zur Herrschaftssicherung

Une mer jalousée

Contribution à l'histoire de la souveraineté
(Méditerranée, XVIIe siècle)



Paris: Seuil 2019, 456 pp.

ISBN/EAN 978-2021379365

Ausführliche Rezension in Vorbereitung - 
mit 
Zusammenfassung /
with English summary / 

avec résumé français /
con resumen espa
ñol














Verlagsinformation
Wie wurde das Seerecht in der Neuzeit formuliert? Durch welche Mechanismen haben die politischen Behörden, die an den Meeresküsten lagen, versucht eine Macht der "Gerichtsbarkeit", zu etablieren. Sie verstanden diese als das "Recht, das Gesetz zu formulieren" und über ein bestimmtes Seegebiet durchzusetzen? Diese Fragen nach Freiheit, Gemeinschaft und der Herrschaft über die Meere haben weltweit zu zahlreichen Rechtsstreitigkeiten geführt. Das Verständnis eines Meeres, das durch Machtansprüche geprägt ist, wirkt sich so aus, dass vom Mittelmeer aus Geschichte gemacht wurde. Von der Adria bis zum östlichen Mittelmeer, vom Golf con Lyon  bis zu den nordafrikanischen Küsten deckt die Studie von Guillaume Calafat ein breites Spektrum konkurrierender Konzepte ab. Bei diesen geht es um Seegrenzen und zum eigenen Terriorium gehörendene Gewässern, und zwar in verschiedenen Größenordnungen. Streitpunkte und Rechtssetzungen beschäftigen Anwaltskanzleien und Schiffsbesatzungen. Hier findet ein "Kampf der Bücher" statt. Das Buch bzw. die fixierte gesellschaftliche Ordnung steht an der Schnittstelle von Geschichte, Recht und Philosophie. Das führt zu den wichtigsten Rechtsvorstellungen des modernen politischen Denkens zurück, wie "Eigentum", "Okkupation", "Besitz" und "Souveränität". Guillaume Calafat steigt in eine lang anhaltende Wirkungsgeschichte ein - von der (römischen) Antike über das Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert. Er bezieht sich das Römische Recht und die darauf aufbauenden mittelalterlichen Kommentare, zu denen auch die byzantinischen Gesetze sowie die muslimisch-osmanischen Normsetzungen gehören. Die (rechtlichen) Vorstellungen des Meeres voller Rivalitäten ("Eifersucht") basieren auf hunderten von gedruckten Texten über die Herrschaft der Meere. Darin finden sich politische Pamphlete aus Handschriften, Atlanten, Karten, Abhandlungen, Zeichnungen und Radierungen, so dass das Porträt eines Meeres von umstrittenem und unsicherem Status zu entsteht.
Der Autor:
Guillaume Calafat ist Professor an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne (Institut für Neuere und Moderne Geschichte). Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Mittelmeerraum der Neuzeit und insbesondere im Handels- und Seeverkehr zwischen Westeuropa und der osmanischen Welt.

Information de l'éditeur

Comment disait-on le droit sur les mers à l’époque moderne ? Par quels dispositifs les pouvoirs politiques dotés d’une façade maritime tentaient-ils de faire respecter un pouvoir de « juridiction », entendu comme un « droit de dire le droit », sur un espace liquide particulier ? Ces questions sur la liberté, la communauté et l’empire des mers ont donné lieu à une grande controverse juridique livrée à l’échelle du globe. Une mer jalousée propose d’en faire l’histoire à partir de l’observatoire méditerranéen. De la mer Adriatique aux mers du Levant, du golfe du Lion aux littoraux nord-africains, l’enquête décline à différentes échelles, depuis les bureaux des juristes jusqu’aux ponts des navires, un large éventail de conceptions concurrentes des limites maritimes et des eaux « territoriales ». Ce faisant, l’ouvrage revient, au carrefour de l’histoire, du droit et de la philosophie, sur des notions juridiques cardinales de la pensée politique moderne, telles que la « propriété », l’« occupation », la « possession » et la « souveraineté ». Guillaume Calafat les inscrit dans une généalogie de longue durée embrassant l’histoire antique et médiévale, les textes du droit romain et leurs commentaires médiévaux, les lois byzantines comme la normativité musulmane. Une mer jalousée s’appuie ainsi sur une centaine de textes imprimés à propos de la domination des mers, en les croisant avec des libelles manuscrits, des atlas, des cartes, des traités, des gravures, afin de brosser le portrait d’une mer au statut disputé et incertain.L'auteur:
Guillaume Calafat est maître de conférences à l’Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne (Institut d’histoire moderne et contemporaine). Ses recherches portent sur la Méditerranée de l’époque moderne, et notamment sur les échanges marchands et maritimes entre Europe occidentale et monde ottoman.
Table de Matières / Inhaltsverzeichnis
Introduction. La Mediterranee et ses jurisdictions lliquides Einführung.
Das Mittelmeer und seine flxiblen Jurisdiktionen 
.
................................................. 7
1. Les armes theoriques de la «bataille des livres»
Die theoretischen Waffen der "Schlacht der Bücher"
..................................................... ...   
1  7
Mare nostrum, mare liberum ? Grotius interprète du droit roman
Mare nostrum, mare liberum? Grotius interpretiert das Römische Recht ...................................24
Mare nostrum, mare clausum ? Une autre lecture des textes antiques
Mare nostrum, mare clausum? Eine weitere Lektüre der antiken Texte ....................................... 29
La bificuration medievale: la notion dejuridiction (iurisdictio).
Mittelalterliche Differenzierung (Verzweigung): Die Grundkonzepte der Gerichtsbarkeit ................34

L’héritage de Bartole: propriéte et jurisdiction impériales  
Bartole's Vermächtnis: Imperiales Eigentum und Jurisdiktion .....................................................44
À l’orée de la bataille: mare liberum ou mare clausum?Am Rande des Kampfes:
mare liberum oder mare clausum
- freies oder geschlossenes Meer? .......................50
2. La Bataille de Venise: : : possession, coutume, prescription et occupation.
Der Machtkampf von Venedig: Besitz, Landessitte, Vorschriften und Okkupation...........................................
63
La logique venitienne, ou l'enjeu de la prescription et de la coutume
Die venezianische Logik
oder der Streitgegenstand der Verordnung und der Landessitte ................. 66
Une alliance anglo-venitienne au XVIIe siècle: John Selden et Paolo Sarpi
Ein anglo-venezianisches Bündnis im 17. Jahrhundert:
John Selden und Paolo Sarpi ..........................75
Fatigue, sang et territoire: l'Adriatique res nullius de Chizzola et de Sarpi
Ermüdung, Blut und Territorium: die Adria res nullius  (= was niemandem gehört)
von Chizzola und Sarpi .......... 90
Les années 1610 le  dominio conteste et la riposte venitienne 
     Die Jahre 1610: Die Herausforderung der Vorherrschaft
     und die venezianischen Vergeltungsmaßnahmen ..........97
3.    L'Adriatique est-elle vénitienne?  Ist die Adria venezianisch?................119
Adriatique ou golfe de Venise? La querelle des toponymes
Die Adria oder der Golf von Venedig?
Der Streit um die geografischen Namen ............124


L'Adriatique mer libre? À propos de Valenzuela Velàzquez et de Mutino..
Die Adria - ein freies Meer?
Die Sache mit  V
alenzuela Velàzquez und Mutino........ 129
Le mare clausum venitien par les cartes
Das venezianische mare clausum gemäß den Karten.........140
4. Genes à la recherche de sa souveraineté maritime.
     Une
 souverainité (maritime) érodée
     
Genua auf der Suche nach seiner Seesouveränität.
     Eine erodierte (See-)Souveränität
............151
Pietro  Battista  Borghi: une  mer  fermée en  mer     Ligure
Pietro Battista Borghi:
ein geschlossenes Meer im Ligurischen Meer ...........160

Doctrine, histoire,
droit naturel et droit des gens 
Doktrin, Geschichte, Naturrecht und Völkerrecht ....160

Defense
et illustration de la mer
des Génois
Verteidigung und Verdeutlichung des Genueser Meeres.....170


L
e domaine maritime de la Gênes moderne. 
Die maritime Domäne des modernen Genua .............178

De Borghià
 GraswinckelGênes dans la « bataille des livres
».

Von den Borghia bis zu Graswinckel:
Genua in der "Schlacht der Bücher" .............183

5.  Peage maritime et liberté des mers: 
Le duc de Savoie, les Fran
çais et le  «droit de Villefranche»
Maut für das Meer und Freiheit der Meere
Der Herzog von Savoyen und das "Recht der Freistadt"   ... 193
Contestations du  péage e r i p o s t e s  savoyardes
Einsprüche gegen die Maut und Gegenschläge aus Savoyen ......196
Les controverses franco-savoyardes au XVII siècle

Die Kontroversen Frankreich - Savoyen  ........... 201
Grotius, les Français  et la Mediterranée
Grotius, die Franzosen und das Mittelmeer .......... 212
  6.   La Mediterrannée des Ottomans:«Mer·Blanche »,
titulature et province de la mer

Das Mittelmeer der Osmanen: "Weißes Meer",
offizielle Bezeichnung und Meeresprovinz
....229
«Mer   Blanche » et   titulature impériale:
la   souvera
ine   maritime ottomane dans la «bataille des livres

"Weißes Meer" und imperiale Titulatur:
Die osmanische Meeres-Souveränität in der "Schlacht der Bücher" ... 237
Pouvoir et juridiction du kapudan pasha  - 
la 
bataille de Kassandreia en 1633

Macht und Gerichtsbarkeit
des
 Kapudan Pascha (des osmanischen Flottenkommandanten )
in der Schlacht bei Kassandreia 1633 ... .................252
7.   Lignes de front islamo-chretiennes
guerre
de
course,  guerre sainte et diplomatie commerciale
Islamisch-christliche Frontlinien:
Kriege in Folge, heiliger Krieg und Handelsdiplomatie 
......................267
Les Ottomans, Venise et le corso maltais .
Die Osmanen, Venedig
und das maltestische Korso (Flottenverbund)..... 270
Des domaines mairitimes «bien gardés .  Surveillance côtiere et frontières matritimes 
 D  i e   " g u t   b e w a c  h t e n "   D o  m  ä  n  e  n .   K ü s t e n ü b e r w a c h un  g
 u n d   m a r i t i  m e   G r e n z e n   ...........................  ..... .2  8  2.
Les traités de paix et de commerce avec l'Afrique du Nord ottomane :
navigation et  corso   en  Mediterrané
e

Die Friedensverträge und der Handel
mit dem osmanischen Nordafrika:
Navigation und Korso (Schiffsverbünde) im Mittelmeer  .....2 94
8.   L'institution des « ports francs» et la jalou sie des juridictions
Die Institution der "Freihäfen"
und die Eifersucht der  Rechtsprechungen
....... 309   
 Qu
'est-ce qu'un port franc ? Essai de definition.

      Was  ist ein Freihafen? Vesuch einer Definition ...................315
La  juridiction d 'un espace marchand:   franchises et mer Toscane
Die Gerichtsbarkeit eines Handelsgebietes:
Franchise-Unternehmen und das Toskanische Meer .... .321

Livorne vil!e neutre --- Livorno, neutrale Stadt .................337
Jalousie des juridictions et competition des ports francs
Eifersucht der Gerichte und Wettbewerb der Freihäfen  ..........350  
ConclusionLe nomos de la Mediterranee ou l'invention juridique d'une mer
Schlussfolgerung. Der nomos (das Gesetz) des Mittelmees
oder die juristische Erfindung eines Meeres
.............. 
3
61
CC