Sonntag, 5. Januar 2020

Die Heilkraft der Natur entdecken - zu einem Buch von Christine Storl


Christine Storl:
Unsere Grüne Kraft.
Das Heilwissen der Familie Storl.
Vorwort: Wolf-Dieter Storl.
 


München: Gräfe und Unzer
2019, 2. Aufl., 144 S., Abb.,
Register der Pflanzen und der Beschwerden von
Abszess bis Zwölffingerdarmgeschwür

---- ISBN 978-3-8338-6871-9 ---


Wolf-Dieter Storl (geb. 1942) ist durch viele Veröffentlichungen, Auftritte im Fernsehen und Vorträge ein international bekannter Kräuterexperte. Sein Interesse an der Natur entwickelte sich nach der Auswanderung der Familie in die USA. Dort studierte und lehrte er nicht nur Soziologie und Anthropologie, sondern intensivierte seine Forschungen in Ethnobotanik und Ethnomedizin, verbunden mit großem Interesse an asiatischer, besonders indischer (vedischer) Religiosität. Seit er nach einer schweren Krankheit in Indien von seiner akademischen Laufbahn Abschied nahm, lebt er mit seiner  Frau zusammen auf einem abgelegenen Gutshof im Allgäu. Er verbreitet seine Erkenntnisse und Erfahrungen aber auch mit den modernen Medien, die er kritisch sieht.

Weitere Infos:
·        Webseite von Wolf-Dieter Storl: https://www.storl.de/
·        Frank Buchmeier: Erlöser, Heilsbringer, Guru  (Stuttgarter Zeitung 
·        Titus Arnu: "Verwurzelt in der Natur  (SZ online vom 20.09.2014) 
Entscheidend wurden bei all seinen Erfahrungen und Erfolgen auch die gemeinsam mit seiner aus Wyoming stammenden Frau Christine durchgeführten pflanzen-biologischen Forschungsprojekte und Erfahrungen in den USA, in Indien und der Schweiz. Durch sie wurde ihm das uralte Heilwissen der Frauen intensiv nahegebracht – „Heilen ist weiblich“ – das sich nun kritisch mit seinen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen verbindet. Den wesentlichen Unterschied, nicht den absoluten Gegensatz – betont er in seinem Vorwort: „Die >Großmüttermedizin< ist ursprünglicher, unmittelbarer als die gelehrte Biomedizin (so nennt sich die Schulmedizin heutzutage); sie gründet in der liebenden Umsorgung der Kinder und Familienangehörigen, auch der Haustiere und des Viehs im Stall; sie wurzelt in den örtlichen kulturellen Überlieferungen und macht Gebrauch von den lokal verfügbaren Heilschätzen … [die] ideologische Grundlage [der offiziellen Medizin] sind eher die sogenannten universellen ethischen Werte anstelle von unmittelbarer persönlicher Umsorgung und Zuwendung“ (S. 5).
Christine Storl, die in diesem Buch ihre Kenntnisse und Erfahrung weitergibt, betont darum in ihrer Einführung, diesen inneren Zusammenhang der Pflanzen als lebender Wesen, die auf ihre Weise bewusst den Menschen helfen:
„Wenn wir uns also hilfesuchend an die Pflanzen wenden, unterstützen sie uns dabei, gesund zu werden. Pflanzen können sogar wahrnehmen, was um sie herum geschieht und angeblich auch erkennen, welche Krankheiten die Menschen in ihrer Umgebung plagen. Laut Linwood Tallbull, Sohn des Cheyenne-Medizinmannes Bill Tallbull, helfen uns die Pflanzen schon, wenn wir sie nur berühren und liebevoll annehmen. Sogar Wissenschaftler bestätigen inzwischen, dass Pflanzen mehr Bewusstsein haben, als die wissenschaftliche Sichtweise früher bereit war einzuräumen“ (S. 19).
Das Buch trägt den Titel „Unsere Grüne Kraft“ und ist faktisch eine direkte Übernahme einer Worterfindung, die wohl Hildegard von Bingen geprägt hat: viriditas – Grünkraft. Die berühmte Nonne hätte durchaus erwähnt werden dürfen.


Vgl. dazu: 

  • Marianne Knab: https://www.sinn-voll.com/wordpress/?p=2055
  • Brigitte Pregenzer / Brigitte Schmidle in Zusammenarbeit mit Felicitas Karlinger:
    Hildegard von Bingen – Einfach gesund.
    Ein Gesundheitsratgeber mit Sonderteil
    „Hildegard-Apotheke für Einsteiger“.
    Innsbruck-Wien: Tyrolia [2006] 2011, 3. Aufl., 235 S., Abb., Register --- 
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  • Ursula Stumpf: Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter.
    Naturkraft schöpfen, Heilwissen nutzen.

    Stuttgart: Franckh-Kosmos 2010, 159 S., Abb., Register --- 
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In den Darlegungen von Christine Storl geht es nun weniger um psychologische, philosophische und religiöse Hintergründe. Die Lektüre kann auch nicht die Diagnose durch den Arzt ersetzen, sondern die Lesenden erfahren, wie Heilmittel aus der Natur für das eigene Leben hilfreich sein können. Bei bestimmten Verspannungen, Schmerzen und anderen gesundheitlichen Problemen ist es oft nicht nötig, sich mit Rezepten aus der Apotheke zu versorgen. Die Heilpflanzen sind gewissermaßen die von der Natur selbst bereit gestellte Apotheke, und zwar von Ackerschachtelhalm bis zum Weißdorn (S. 20–95). Im Buch werden noch einige kürzer gehaltene Informationen von Arnika über Mistel bis zu Wermut bereitgestellt (S. 96–99). Die immer gleiche Struktur mit orientierenden Fotos ermöglicht einen guten Überblick. So erfährt man z.B. beim Holunder, das er gut schmeckt, welches seine heilsamen Wirkungen sind, wie er aussieht und welche Anwendungsmöglichkeiten es gibt: Holunderblütentee, Holunderpfannkuchen.
In der Küche kann dann alles nach dem Sammeln der Kräuter entsprechend aufbereitet werden: Apfelessig, Heilerde, Kartoffeln, Wirsing, Zwiebeln, Knoblauch und natürlich Wasser vom kalten Wickel über die Trinkkur bis zum Dampfbad. Auf Tees und Essig generell, Bienenhonig, Heilerde und Urin hatte der Ehemann schon hingewiesen (S. 9–14). Hier kommt nun weiteres altes religiöses Heilwissen zur Sprache, das über Tees, Biere, Kräuterbrötchen, Salben, Räuchern Kräuterbäder und Öle hinausgeht. Dabei kommt nun auch Religiöses ins Spiel, nämlich sog. magisches Heilwissen, das der Autorin ebenfalls wichtig ist. Sie erkennt hier die Verbindung mit den Ahnen und mögliche Zugangspraktiken zur Anderwelt, wie das die alten indigenen religiösen Traditionen der Inder und Indianer immer wieder betont haben, und zwar durch: Opfer- und Räucher-Rituale mit verschiedenen Kräutern und das Aufstellen heiliger kosmischer Symbole wie die Yantren (Yantra = rituelles Diagramm / Energiebild).
Resümee
Das von Christine Storl verfasste und von ihrem Ehemann mitgestaltete Buch ist von der Lebenspraxis beider geprägt. Altes und wieder entdecktes intuitives Heilwissen aus der Natur soll jedem zugänglich gemacht werden. Darum lohnt die Lektüre. Die Heilpflanzen selbst und ihre Anwendungsmöglichkeiten sind ausführlich und leicht nachvollziehbar beschrieben. Es sei angemerkt, dass manche Thesen zur Naturheilkunde, die das Ehepaar Storl vertritt, durchaus kritisch gesehen oder gar deutlich abgelehnt werden. Das betrifft allerdings dieses Buch weniger. Doch sicher werden sich im Blick auf die hier vorgetragenen Überlegungen zum magischen Heilwissen auch die Geister scheiden. Dennoch sei festgehalten, dass Religion, Medizin und Heilung über die Jahrtausende immer in enger Verbindung standen und selbst im Neuen Testament Jesus als der Heiler auftritt. Die Grenzen zwischen westlich orientierten Naturwissenschaften und Heilungserkenntnissen der indigenen Völker allerdings sind fließend und machen darum m.E. die Zusammenarbeit von Schulmedizin und traditionellem Heilwissen sinnvoll und nötig.

Vgl. den etwas anderen stärker wissenschaftlich orientierten Zugang in dem Buch: 

Dietrich Grönemeyer und Friederike Grönemeyer:
Selbst heilen mit Kräutern.
Pflanzenheilkunde für zu Hause
Hilden: Becker Joest Volk-Verlag 2019, bereits 2. Auflage, 384 S., 230 Fotos,
medizinisches Glossar und Register --- 
Rezension >>>


Karin und Reinhard Kirste

--- Rz-Storl-Grünkraft, 05.01.2020
Lizenz: CC


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