Samstag, 26. Dezember 2015

Spätmittelalterliche Auseinandersetzungen zwischen Christentum, Judentum und Islam am Mittelmeer



Petrus Martyr Anglerius: Legatio Babylonica. Edition, Übersetzung und Kommentar von Hans Heinrich Todt.
Corpus Islamo-Christianum. Series Latina 8
Hg. Reinhold F. Glei.

Wiesbaden: Harrassowitz 2015, 450 S., Abb., Namenregister
--- ISBN 978-3-447-10347-3 --- (zugleich Diss. Ruhr-Universität Bochum,
chronologische Übersicht biografisch S. 48 

- zur Gesandtschaft, S. 74)
 
Biografischer Überblick
Petrus Martyr Anglerius wurde 1457 in Arona am Lago Maggiore geboren. Er stammte aus einer geachteten Familie aus dem in der Nähe liegenden Angera. Dem Leser tritt Petrus Martyr als hoch gebildeter Humanist entgegen. Das zeigt allein schon sein geschliffenes Latein. Sein Weg führte über Rom an den spanischen Hof. Dort gewann er sehr schnell die Gunst als Berater der „Katholischen Könige“ Ferdinand II. (1452–1516) und Isabella I. (1451–1504). Dafür ließ er sich auch zum Priester weihen und wurde der Beichtvater der Königin (1492). Besonders herauszuheben sind im Jahre 1501 seine diplomatischen Missionen, die in drei Büchern der Legatio Babylonica beschrieben werden. Er reiste durch Frankreich nach Venedig (Buch 1). Bei dieser Mission ging es um die Verbesserung der Beziehungen zum spanischen Hof. Seine Weiterreise entlang der dalmatinischen Küste über Kreta und das Etappenziel Alexandria erzählt Buch 2. Die Nilfahrt und seinen Aufenthalt in Kairo in der Nähe und am Hof des Sultans von Ägypten thematisiert dann Buch 3. Offensichtlich als Lohn für seine Diplomatie wurde er zum Leiter der Hofschule für die Heranwachsenden der königlichen Familie berufen (1502) und zum Prior von Granada (1503) ernannt. Schließlich gelang es ihm noch, Mitglied des Hohen Rats von Indien und dann noch Bischof von Jamaika zu werden. Dorthin kam er jedoch nicht mehr. Er starb 1526 in Granada.

Der Mittelmeerraum im späten Mittelalter

Was hier vom Autor nüchtern in Erinnerung gerufen wird, ist eine Geschichte in kriegerisch-multikulturellen Kontexten. Sie erreicht ihren ersten Höhepunkt im Zusammenhang der Eroberung von Granada 1492, des letzten islamischen Fürstentums auf spanischem Boden, Vertreibung der Juden, Niederschlagung der Moriskenaufstände, also der z.T. zwangsbekehrten Muslime.

Aber neben einem glühenden missionarischen Verfechter eines sich absolut gebärdenden Christentums tritt uns ein literarisch, historisch und geografisch höchst kompetenter Intellektueller entgegen. Davon zeugt u.a. die von ihm vorgelegte erste umfassende Beschreibung Amerikas („De Orbe Novo Decades“ (1511/1516) und seine zeitgeschichtliche Darstellung („Opus epistolarum, 1530). Martyrs Gesandtschaft nach Ägypten gibt zugleich neben interessanten Detailbeschreibungen Norditaliens und Venedigs einen aufschlussreichen Einblick in das Land am Nil.

Um historische Überschaubarkeit zu gewinnen, erläutert Todt zuerst die Hintergründe der katholischen Religions- und Eroberungspolitik im Horizont des 15./16. Jh.s. Dazu skizziert er die militärisch erfolgreiche Machtausweitung durch Isabella I. und Ferdinand II. im Kontext der neu eingerichteten Inquisition in Kastilien. Dem folgt der Krieg gegen die Muslime in Granada 1481–1492 und die daraus folgenden Aufstände der Morisken, zwischen 1499–1501. In diesem Kontext bettet Todt die Lebensgeschichte Martyrs ein. Die brutale Vertreibungspolitik von Ferdinand und Isabella hatte den Mamluken-Sultan Qansuh al-Ghuri auf den Plan gerufen, der den Katholischen Königen mit militärischem Eingreifen drohte. Dadurch wurde der königliche Auftrag für die Gesandtschaft Martyrs nach Ägypten besonders wichtig.

Todt betont neben Martyrs Werken besonders seine Persönlichkeit als Diplomat mit einiger Durchsetzungskraft. Wie organisiert dennoch alles ablief, zeigt die Bedeutung des Sultan-Dolmetschers Taghri Birdi (wahrscheinlich spanisch-jüdischer Herkunft), der offensichtlich auch anderen (Handels-)Reisenden aus Europa als Übersetzer diente. Martyrs beinahe gescheiterte Verhandlungsstrategie angesichts des Widerstands von Exil-Granadinern und Juden sowie maghrebinischer Gesandter kommt doch noch zu einem einigermaßen guten Ende. Martyr vermischt verdeckte Drohungen eines Angriffs der katholischen Könige zugunsten der Christen im Orient mit der Betonung gemeinsamer katholisch-sultanischer Gegnerschaft im Blick auf einige Emire als mögliche Putschisten gegen den Sultan. Der Diplomat aber wäre nicht zugleich Literat, wenn diese Verhandlungen nicht auch entsprechend sprachlich quasi als ausführliche parteipolitische Dokumentation für die Auftraggeber gemeistert würden.



Die Missachtung und Schmähung der Andersgläubigen

Im Blick auf die Verachtung Martyrs für Juden und Muslime einerseits und genauer Beobachtungsgabe gesellschaftlicher, geografischer und historischer Gegebenheiten andererseits entstand ein ausgesprochen spannender, informativer und durchaus auch unterhaltsamer Bericht in drei Büchern. Er spiegelt absolutistische Sichtweisen und eine heute unerträglich wirkende christliche Ablehnung gegenüber Andersgläubigen, aber auch gegenüber Anderslebenden. Allerdings ist er in seiner Rede vor dem Sultan eben Diplomat, wenn er diesem die Sicht der Katholischen Könige präsentiert: Die nach 1492 nach Nordafrika geflohenen Muslime würden allerdings die Großmütigkeit der spanischen Krone bewusst ins Negative ziehen. Deshalb sollte der Sultan ihnen nicht glauben. Noch schlimmer sieht es mit dem Verhalten der vertriebenen Juden aus (S. 215–217), die Martyr gar als „räudiges und ansteckendes Vieh“ bezeichnet (S. 287). Allerdings zeigt seine ebenfalls niedergeschriebene Vorbereitung der Rede – sozusagen eine Kurzfassung über die gesamte islamische Geschichte (S. 245–271) auch seine wahre Einstellung gegenüber den Muslimen. Er hält sie für moralisch verwerfliche und hassgierige Barbaren! Die sicher so nicht vorgetragene Rede mit Schmeicheleien für die Auftraggeber enthält durch seine Ausführlichkeit wichtige geografische, architektonische und historisch-genaue Beobachtungen.

Bilanz

 Bilanz: Polemische Auseinandersetzung und Möglichkeiten interreligiöser Begegnung
Die Legatio Babylonica muss als zeitgeschichtliches Dokument in der Auseinandersetzung von christlichen und muslimischen Herrschaftsansprüchen gesehen werden, und zwar angesichts der Tatsache, dass die Orte Jesu, seiner Jünger und seiner Familie weitgehend unter islamischer Herrschaft standen – ein unauslöschlicher Makel für jeden frommen Christen. Mehr noch: Die Dokumente zeigen die spanische Religionspolitik in direkter Verbindung mit der Inquisition, also eine brisante Mischung aus staatlicher und kirchlicher Gewalt gegen alles Andersartige. Hier werden alle Vorurteile und Ablehnungsstrategien gegen Juden und Muslime beunruhigend offengelegt, besonders extrem gegen die Juden. Dass sich antijüdische und antiislamische Polemik bis heute solcher Argumente bedient, macht eine Distanzierung von jeglicher diskriminierender religiöser Polemik dringend nötig. Der hochgebildete Humanist Petrus Martyr bietet hier neben wichtigen Einblicken in die Zeit um 1500 auch ein peinliches Beispiel eines sich absolut gebenden Christentums gegen alle Andersgläubigen. Er liefert damit den christlichen Antihaltungen gegen Juden und Muslime weiter Nahrung. Andere Intellektuelle, die bereits vor ihm lebten, wie Ramon Llull (um 1232–1316) und Nikolaus von Kues (1401–1464) haben trotz aller Absolutheitsansprüche und Missionierungstendenzen immerhin schon beachtliche Ansätze für den interreligiösen Dialog geleistet.

Die sorgsame und aufschlussreiche Forschungsarbeit von Todt nötigt im Grunde dazu, mit der gemeinsamen historischen Aufarbeitung der Gewaltgeschichte gegen Andersglaubende zu beginnen. Voraussetzung jedoch ist, dass historische Redlichkeit den Blick für die (spät-)mittelalterliche Problemgeschichte des Mittelmeers freimacht. Dem Autor ist zu danken, dass er die ambivalente Persönlichkeit des Petrus Martyr zugleich als eine Herausforderung begreift, Annäherungen im Dialog voranzubringen. Mit seiner Arbeit hat er dafür eine ausgesprochen klärende Wegmarkierung gesetzt. 

Vgl. bereits die Begegnung von Franziskus von Assisi mit dem Sultan Malik al-Kamil im Jahr 1219,
in: John Tolan: Le Saint chez le Sultan - La rencontre de François d'Assise et de l'islam.
Huit siècles d'interprétation.
Paris: Seuil 2007, 504 pp., ill., index:
Reinhard Kirste
Rz-Petrus Martyr-Legatio, 23.12.2015








Donnerstag, 17. Dezember 2015

Die Verständigung voranbringen - Benjamin Idriz


Die in Süddeutschland selbstverständliche Weise, sich mit  „Grüß Gott“ zu begegnen, nimmt der Imam Benjamin Idriz (geb. 1972) von der Moschee Penzberg immer wieder gern auf. So sind Initiativen im Sinne eines friedlichen Zusammenlebens von Menschen verschiedenen Glaubens entstanden. Dies sind angenehme Signale angesichts zunehmender Abwehrhaltungen gegen den Islam von deutscher Seite.  Das Ziel ist: Sich gemeinsam vor Gott begegnen. Das bedeutet nämlich zugleich eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Darauf hoffte der islamische Theologe schon 2010 mit seinem Buch:

Benjamin Idriz: Grüß Gott, Herr Imam!
Eine Religion ist angekommen.
München: Diederichs 2010

--- Rezension: hier ---

Der rührige Imam bemüht sich übrigens seit längerem um den Bau eines großen islamischen Zentrums in München (vgl. Bericht SZ - 25.01.2015). Es gibt auch einen (bisher anonymen) Großspender für dieses Zentrum (vgl. Bericht SZ - 11.12.2015). Die Initiative nennt sich Münchner Forum für Islam (MFI).
Aus diesem Engagement heraus ist nun ein "Bayern-Knigge für Flüchtlinge" veröffentlicht worden. Dieser richtet sich besonders an Migranten mit konservativen Traditionen aus den sog. islamischen Ländern.
---  Ausführlicher Bericht in BR 24 (12.12.2015) 
Willkommen in Deutschland:
Wegweisung für muslimische Migranten
zu einem gelingenden Miteinander in Deutschland
--- Hier die gesamte Broschüre zum Download (3,75 MB) 




Montag, 14. Dezember 2015

Die Muslime und die Herrschaft über das Mittelmeer



Christophe Picard: La mer des califes. Une histoire de la Méditerranée musulmane: VIIe-XIIe siècle. Collection : L’univers historique.
Paris: Seuil, 2015, 439 p, glossaire, annexes, index ---
ISBN 978-2-02-098381-5 
Das Meer der Kalifen. Eine Geschichte des islamischen Mittelmeers:
7.- 12. Jahrhundert
--- Comptes rendus en français au bout du texte allemand ---

Die Völker der vorderasiatischen, nordafrikanischen und europäischen Antike haben immer wieder versucht, auch ihre Machtansprüche in der Beherrschung des Mittelmeers zu stabilisieren. Die Römer nannten das Mittelmeer nicht umsonst „Mare Nostrum“. Mit dem Anwachsen der islamischen Herrschaft in dieser Region und in Auseinandersetzung mit den Mächten auf der Norseite des Mittelmeers seit  Karl d. Gr. ist klar, dass es auch immer um die Seeherrschaft im Mittelmeer ging. Die christliche Geschichtsschreibung allerdings hat lange die islamischen Ansprüche eher unter Piraterie abgetan und die Bedrohung durch die Überfälle an den Küsten nicht unter staatspolitisches Kalkül eingeordnet. Es schien den europäischen Historikern auch, als hätte sich das islamisch-politische Interesse mehr in Richtung Persischen Golf und westliches Arabien mit Djidda, Mekka und Medina verlagert. Das vorliegende Buch von Christophe Picard bedeutet darum eine neue Sicht auf die mittelalterliche Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der arabischen Quellen. Der Autor, Professor an der Pariser Sorbonne, ist im Übrigen ein ausgewiesener Spezialist für mittelalterliche Geschichte. Er hat schon eine Reihe von Forschungsergebnissen in dieser Richtung veröffentlicht.


In der Einleitung macht Picard bereits deutlich, dass die arabischen Quellen seit 750 ein erstaunliches Interesse am Mittelmeer zum Ausdruck bringen, und zwar neben dem islamischen Einfluss am Roten Meer und Persischen Golf. Omayyaden und später die Fatimiden gehören in verstärkter Weise zu den Herrschern, die sich die Vorherrschaft im Mittelmeer gegen die Christen sichern wollten. Ibn Khaldun (gest. 1406) proklamierte ein Mittelmeer unter islamischer Herrschaft. Was hier nur skizziert ist, belegt Picard in 2 Hauptteile:
1.      Die Araber und Herrschaftsansprüche über das Mittelmeer –            
östliche und westliche islamische Reiche (7./8.– 12./13. Jahrhundert)

2.     Die Strategien der Kalifen zur Sicherung der Herrschaft im Mittelmeer und der Niedergang der islamischen Herrschaft (vor dem Erstarken des Osmanischen Reiches)
Die Anhänge enthalten ausführliches historisches Kartenmaterial für die im Buch besprochenen Epochen. Dazu kommen Chronologien zu arabisch-militärischen See-Expeditionen ins westliche Mittelmeer und zur „sarazenischen Piraterie“ sowie deren Invasionen auf die Mittelmeerinseln und auf die Nordseite des Mittelmeeres. Abgerundet wird dies alles mit einem sorgfältigen Glossar und einem umfassenden Index. Das erleichtert die vertiefende Lektüre ganz wesentlich.
Im 1. Teil zeigt der Historiker Picard, wie die Araber das Mittelmeer für sich entdecken und beanspruchen. Die Eroberungszüge durch Nordafrika und bis auf die Iberische Halbinsel eröffnen weite Regionen als neue Hoheitsgebiete. Diese Expansionsstrategien beziehen sich nicht nur auf die Länder auf der Südseite des Mittelmeers. Das zeigen bereits wichtige Quellen des frühen Mittelalters zwischen Bagdad, Kairouan und Córdoba. Die Beschreibungen von al-Mas’ûdî (10. Jh.), der Geografen al-Bakri (1014–1094) und al-Idrîsî (1100–1166) sowie des Historikers und Rechtsgelehrten Ibn Khaldun (1332-1406) geben erstaunliche Einsichten. Mit Byzanz einigt sich das Kalifat von Bagdad quasi auf eine Teilung der Herrschaftsbereiche im Mittelmeer. Dies ist zugleich die Zeit (9./10. Jh.), in der muslimische Geografen wie Ibn Hawqal (gest. nach 978) quasi das „Bassin des Mittelmeeres“ und seine angrenzenden Gebiete vermessen. Etwas später muss berücksichtigt werden, dass die Normannen im islamisch beanspruchten Mittelmeer zu Konkurrenten, aber auch als begrenzt Verbündete der „Sarazenen“ heranwachsen (vgl. S. 179–185). Mit den Almohaden endet schließlich die islamische Herrschaft über das Mittelmeer.
War der 1. Teil des Buches von den geschichtlichen Entwicklungen geprägt, so geht es im 2. Teil um die Strategien der Kalifen. Picard beginnt auch hier beim Omayyaden-Kalifen Mu’âwiya. Er zeigt, wie sich die Abassiden mehr und mehr die Herrschaft über das Mittelmeer mit entsprechender Kriegsmarine sichern. Imm er wichtiger neben kriegerischen Einflüssen wird der Handel zu den verschiedenen Ufern des Mittelmeers. Schließlich müssen sich islamische Herrscher mehr und mehr mit den Ansprüchen christlicher Herrscher auseinandersetzen. Was als „djihad“ begonnen hatte, wird bald zum Problem des imperialen Duchsetzungsvermögens. Die Abassiden geraten nach einer ersten (auch wissenschaftlichen) Hochblüte in eine Art defensiven „djihad“ – auch mit dem Aufbau von sog. Ribats, burgenähnliche Grenzsicherungen in Syrien und Nordafrika (vgl. S. 251–288, vgl. schon S. 93–99). Interessant ist dabei, dass nordafrikanische und mitttelöstliche Herrscher hier bereits eine eigenständige Rolle spielen, eine Tendenz die sich noch verstärkt, als die iberischen islamischen Fürstentümer ihre Ambitionen zum Meer hin ausbauen und der djihad in den Westen des Mittelmeers durch die Fatimiden im 12. Jh. an ihr Ende kommt. Zusätzlich hatte faktisch eine Revolution in den Handelsmechanismen stattgefunden. Dazu gehörten auch Arrangements mit der byzantinischen Herrschaft. Dieser intensive Seehandel zeigt sich besonders während des 12./13. Jh.s im Maghreb und in Andalusien zur Zeit der Almohaden-Herrschaft. Seehäfen wie Tortosa, Dénia, Almería, Málaga, Ceutá, Algier, Algeciras und Sevilla spielen eine zunehmende Rolle. Es dauert ziemlich lange, bis es den Republiken Genua, Pisa und später Venedig gelingt, den gesamten Mittelmeerhandel unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie alle nutzen faktisch das, was die Kalifatsherrschaft mit ihrer defensiven „Dijhad“-Politik eingeleitet hatten:   
Das Mittelmeer – ein einheitlicher Raum.
Als präzis formulierte Bilanz (S. 345–351) hält Picard fest, dass nicht der Indische Ozean, das „Arabische Meer“ im Zentrum der Machtausbreitung und Machtsicherung der islamischen Herrscher lag, sondern vielmehr das Mittelmeer, das allerdings nie zum Dar al-Islam, zum Haus des Friedens, gehörte:
"Das Meer der Römer als Bereich des Krieges (sc. Dar al-harb) war zum großen und schrecklichen Feld der Demonstration islamischer Universalität unter der Führung des Kalifen geworden. Das Mittelmeer verkörperte den feindlichen Raum für die Gläubigen par excellence. Es wurde zur gleichen Zeit das Meer des Martyriums, das mit der Eroberung von Konstantinopel und Rom vollendet werden musste. Dies ging dem Beginn der Heilszeit voraus"(S. 346). "Unter der Autorität der Kalifen von Bagdad, konnte nur das Meer der Römer, also das Meer des Feindes, die Inszenierung des von den Kalifen gesteuerten Djihad sein, verbunden mit jeder Art von Expansion, Missionierung, militärischem oder kommerziellen Proselytismus“ (S. 351).
Jeder, der sich durch dieses Buch „hindurchliest“ wird von den intensiven Recherchen des Autors beeindruckt sein. Diese Arbeit bietet eine neue Sicht auf die Versuche und Erfahrungen der Kalifatsherrschaft über das Mittelmeer. Ich würde es sehr begrüßen, wenn man dieses Buch in einer deutschen Ausgabe lesen könnte!
Bilan:
Formulé précisément comme bilan (p 345-351) Picard note
que
l'océan Indien, la « mer Arabe » n’était pas dans le centre de l’expansion et de la consolidation du pouvoir des dirigeants musulmans, mais plutôt la Méditerranée, laquelle n’était jamais une partie du
Dâr al-Islam, de la Maison de la Paix:
“Espace de guerre, la mer des Romains était devenue la champs immense et terrifiant de la démonstration de l’universalité islamique, sous la conduit du calife.
La Méditerranée incarnait l’espace hostile par excellence pour le croyant, devenue du même coup la mer du martyre et dont la conquête, qui devait s’achever avec la prise de Constantinople et de Rome,
précédait l’ouverture du temps de salut” (p. 346).
„Sous l’autorité des califes de Bagdad, seul la mer des Romains, c’est-à-dire la mer ennemie pouvait être le théatre de la mise en scène du jihad califal, associant toute forme d’expansion, prosélyte, militaire ou commerciale (p. 351).
Chacun/e que « passe en lisant » ce livre sera impressioné/e de ces recherches intenses. Ce travail offre une vue nouvelle sur les essais et les expériences de la domination califale sur la Méditerranée. Je serais bien aisé de lire ce livre dans une édition allemande !

Extrait d’un compte rendu de Daniel Rivet dans:
Chrétiens de la Méditerranée. Le réseau des acteurs de paix (07.09.2015)
Complètement:
http://www.chretiensdelamediterranee.com/recension-la-mer-des-califes-christophe-picard/

“… [Picard] montre que les califes abbassides de Bagdad, omeyyades de Cordoue et fatimides au Caire ont conçu la Méditerranée comme un espace à défendre contre les Byzantins et les cités italiennes, et à traverser pour aller à Constantinople et à Rome. Ce fut le  point cardinal de leur aspiration à l’universalisme . Il fait mesurer l’effort des souverains (émirs, califes) pour fortifier les côtes: ports arsenaux (dâr al-sinâ’a), mouillages (…). La mer oppose, mais elle unit. Le commerce ne s’interrompt jamais entre les deux rives. C. Picard démontre – et c’est l’aspect le plus neuf de son livre – que des ports comme Alméria, Ceuta, Mehdiyya, Alexandrie soutiennent la comparaison avec les fameuses républiques marchandes de Gênes, Pise, Amalfi et Venise. Des fatwas de jurisconsultes traitant du commerce maritime, des correspondances de marchands (juifs au Caire) nous révèlent que jusqu’au XIIème  siècle les marchands musulmans soutiennent la comparaison avec leurs rivaux italiens ou catalans …C. Picard considère, au contraire, que c’est l’Etat, byzantin et califal, qui a encadré l’essor du grand commerce transcontinental et que les marchands (musulmans ou latins) se sont logés dans une infrastructure matérielle et mentale qui fut fabriquée par les empires. On aurait souhaité que cette hypothèse soit plus longuement affinée et qu’on en sache plus sur les bahriyyûn (les marins). Cet ouvrage savant et important ne sait pas toujours trier l’essentiel de l’anecdotique.”

Travaux antérieurs du Christophe Picard:

--- Compte rendu de François Clément dans: Médiévales Année 1998 Volume 17,  Numéro 35 pp. 153-154:
Christophe Picard, La mer et les musulmans d'Occident au Moyen Âge, VIIIe-XIIIe s.
Paris: Presses Universitaires de France (Islamiques), 1997, 257 p., 6 cartes, bibliographie, index onomastique ---Link:
http://www.persee.fr/doc/medi_0751-2708_1998_num_17_35_1438_t1_0153_0000_1
Avec référence sur: L'Océan Atlantique musulman. De la conquête arabe à l 'époque almohade. Navigation et mise en valeur des côtes d'al-Andalus et du Maghreb occidental (Portugal-Espagne-Maroc).
Paris: Maisonneuve et Larose 1997, 620 p.

Extrait: “La période étudiée va du franchissement du détroit de Gibraltar par les musulmans en 709-711 à la conquête chrétienne de la côte atlantique de l'Espagne entre 1248 et 1266. Elle couvre donc les cinq siècles au cours desquels les marines musulmanes contrôlèrent, autour de l'« Axe central » du Détroit, les pôles ibérique et africain d'une part, atlantique et méditerranéen de l'autre, c'est-à-dire un vaste périmètre navigable dont les angles seraient Lisbonne et Nul Lamta sur la façade atlantique, Tortosa, les Baléares et Alger sur la façade méditerranéenne. … la valeur d'un travail dont le mérite principal est de démontrer l'importance du fait maritime, en particulier du fait maritime atlantique, qu'on avait largement sous-estimé, si ce n'est même ignoré, jusque-là. Ne serait-ce que pour cette mise en perspective enrichissante, le livre de Chr. Picard a toutes les chances de devenir, bientôt, un ouvrage de référence”.
Reinhard Kirste
Rz-Picard-mer des califes, 13.12.15 


Dienstag, 1. Dezember 2015

Buch des Monats Dezember 2015: Ein islamischer Weg zu wahrer Menschlichkeit



Mouhanad Khorchide: Gott glaubt an den Menschen. Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus.
Freiburg u.a.: Herder 2015, 272 S. --- ISBN 978-3-451-34768-0 ---
Entwurf einer islamisch-humanistischen Theologie:
Der Münsteraner islamische Theologe Mouhanad Khorchide zeigt in diesem Buch, dass das islamische Verständnis eines barmherzigen Gottes mit menschlichem Verhalten in direkter Beziehung steht. Das sollte im Grunde zur Folge haben, dass der Mensch in freiheitlicher Verantwortung bewusste Mitmenschlichkeit lebt. Ein solcher Humanismus führt über Religionsgrenzen hinaus.

Ausführliche Beschreibung
Dies ist bereits ein weiteres Buch des islamischen Theologen Mouhanad Khorchide, das ein verändertes humanistisches Verständnis des Islams zum Ziel hat. Als Koranausleger setzt er hermeneutische Leitbegriffe ins Licht einer Gesamtintention, die sich von Absolutheitsansprüchen in der Koran-Deutung fernhält.
Als sein Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ (Herder-Verlag 2012) erschien, wurde darin bereits ein anthropologisches Grundmuster des Koran-Verständnisses deutlich – der Mensch als Mittelpunkt von Gottes Zuwendung. Ein entscheidender Wesenszug Gottes ist dabei Barmherzigkeit. Der Islam ist folglich auf Friedensförderung und Menschlichkeit, und nicht auf Gewalt ausgerichtet.             
Vgl. die Rezension: http://buchvorstellungen.blogspot.de/2013/01/islam-ist-barmherzigkeit.html


Das betont Khorchide auch mit der Untersuchung des Begriffsfeldes „Scharia“ in „Scharia – der missverstandene Gott“ (Herder Verlag 2014). Scharia ist gewissermaßen der von Gott gesetzte Rahmen für eine lebensfreundliche Orientierung, die das Verhalten des Einzelnen wie das der Gemeinschaft betrifft.
Ein solch reformoffener Islam scheint vielen religiösen Traditionalisten und Islamskeptikern gleichermaßen zu angepasst an die Moderne zu sein. Eine intensive Debatte folgte.             
(vgl. Mouhanad Khorchide / Milad Karimi / Klaus von Stosch (Hg.): Theologie der Barmherzigkeit? Zeitgemäße Fragen und Antworten des Kalam. Münster: Waxmann 2014: https://www.waxmann.com/?id=20&cHash=1&buchnr=2981)
Aber es gab auch schärfsten Widerspruch in den eigenen Reihen und ketzerischen Eifer, Khorchide als Glaubensabweichler darzustellen. Dieser aber lässt sich nicht beirren. Bereits mit dem Titel und in der Einleitung ( = Kap. 1) macht er deutlich, dass Gott und Humanismus universal zusammengehören. Er ist gewissermaßen Gottes Offenbarungs-Angebot an alle Menschen über alle Religionsgrenzen hinaus. Darum nennt der Autor deutlich seine Intention:
„In diesem Buch entwerfe ich zwar einen spezifischen islamischen Weg des Humanismus, mir geht es aber nicht um einen Humanismus, der nur für Muslime gilt, sondern um eine humanistische Haltung als Angebot für alle, sich sowohl nach innen als auch nach außen zu öffnen, und sich auf die Reise zu begeben, das >Andere<, das außerhalb des Gewohnten ist, zu entdecken“ (S. 18).
Das Gottesverständnis ist ihm dabei Orientierungsmarke: Es ist im Sinne einer Partnerschaft von Gott – Mensch, also relational geprägt: Gott hat sich auf den Menschen eingelassen (S. 20). Das erinnert sehr an das biblische Verständnis eines Bundes zwischen Gott und Mensch. Gott ist der absolute Humanist“ (so Kap. 2). Weil der Mensch in seiner Schwäche die Neigung zum Guten wie zum Bösen hat, kann er sich frei (für das Gute) entscheiden. Die Geschichte eines Sündenfalls erübrigt sich, weil Gott schon bei Adam und Eva der Vergebende ist und an die Vernunft des Menschen glaubt. Die kontinuierlich-freie Beziehung von Gott und Mensch setzt nun im Islam geradezu voraus, dass Gott den Menschen „braucht“ (S. 28f) und sich ihm menschlich erfahrbar macht. Das exemplifiziert Khorchide an einer Mohammed-Geschichte, die wie eine Parallele zum Jesusgleichnis vom Jüngsten Gericht in Matthäus 25 klingt. Dort heißt es in V. 40: „Das was ihr einem von diesen meiner Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“. Die Freiheit des menschlichen Geistes erlaubt darum keinen statischen Glauben. Deshalb hat es im Islam schon sehr bald unterschiedliche Glaubens- und Rechtsschulen gegeben, um die menschliche Gottesbeziehung weiter zu verdeutlichen. Dabei gilt, dass Gott sich nicht durch besonders beeindruckende Frömmigkeit oder „gute Werke“ (um es mit Luther zu sagen) vereinnahmen lässt. Das Verhalten – orientiert an den Geboten des Korans – dient dazu, die menschliche Würde zu schützen.
Was schon im 2. Kapitel angesprochen wurde, verdeutlicht nun das Kap. 3: Im Islam gehören wahrer Humanismus und menschliche Freiheit untrennbar zusammen. Das mag manchem Islamkritiker unglaubwürdig klingen, Khorchide belegt dies jedoch nicht nur mit Koranzitaten, sondern mit dem islamischen Grundverständnis, dass Gottes Barmherzigkeit und Friedenswille im Menschen wenigstens annäherungsweise zur Geltung kommen sollen. Diese Korrelation macht es im Grunde unnötig, dass sich Gott – wie im Christentum – in einem Menschen inkarniert (S. 85).
Kap. 4 geht vom bisher mehr grundsätzlichen Verhandelten in die Entwicklungsgeschichte humanistischer Ideen und Konzepte über. Der Autor legt den Schwerpunkt schließlich auf das 20. Jh. Dabei kommen auch die Theologen Karl Barth und Karl Rahner zur Sprache. Neben dieser europäischen Humanismus-Geschichte mit ihren vielen Facetten fragt man natürlich, was der Islam dazu beigetragen hat bzw. beitragen kann.
Angesichts des Negativklischees, das dieser Religion gerade im Westen anhaftet, ist man gespannt, was Khorchide in Kap. 5 dazu vorstellt: Es sind offene Konzepte einer islamischen (Bildungs-)Kultur in Philosophie, Literatur und Sinnfindungsfragen, die den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit ernst nehmen. Die Besonderheit liegt jedoch offensichtlich darin, dass dieser Humanismus zugleich ein religiös geprägter ist. Dieser beruft sich immer wieder auf die universale Schöpfung Gottes und seine verantwortliche Bewahrung durch den Menschen. Es ist ein „Sich Öffnen“ im Horizont der Freiheit des Menschen. Allerdings hörte diese Haltung seit dem 11. Jahrhundert langsam zugunsten einer Theologie des „Sich-Verschießens“ auf (S. 137), während im christlichen Europa eine gegenläufige Tendenz unter Aufnahme griechischer und arabischer Philosophie wirksam wurde. Khorchide möchte aber diese originale islamische Haltung des „Sich-Öffnens“ wieder aufnehmen. Denn hier wird der Mensch nicht nach seiner Effizienz und seiner Leistung gemessen. Es gilt vielmehr, „das Göttliche“ im Menschen hervorzuheben (S. 151). Angehaucht von Gottes Geist ist darum allen antihumanistischen Tendenzen entgegenzuwirken (Kap. 6). Das gilt besonders jenen, die die Religion als Rechtfertigung für ihr gewaltsames Handeln gegen alle „Ungläubigen“ missbrauchen. Es ist also hier generell – aber auch von den unterschiedlich Glaubenden im Nahen und Mittleren Osten – ein Perspektivwechsel nötig, damit man den „Anderen“ verstehen kann. Damit greift Khorchide das heikle Thema der Gewalt auf, das er bereits mit dem Titel seines Kap. 7 formuliert und dann ausführlich begründet:Warum Gewalt mit dem Islam zu tun hat, der Islam aber nichts mit Gewalt zu tun haben will“ (S. 167). Wie alle monotheistischen Religionen ist der Islam wie auch Judentum und Christentum keine pazifistische Religion ... Der Islam erlaubt die Selbstverteidigung, verbietet jedoch den Angriffskrieg (Stichwort: Djihad). Insgesamt ist die Ausrichtung jedoch auf Frieden konzentriert, was der Koran vielfach bezeugt. Dass der Autor hier nicht generell islamische Zustimmung findet, liegt auf der Hand. Auch islamische Herrscher haben ja z.T. brutale Gewalt ausgeübt. So gilt es, sich mit der eigenen fast klassisch-theologischen Tradition im Verhältnis von Muslimen und Nicht-Muslimen kritisch auseinanderzusetzen. Darum sollte man sich Reformen nicht verweigern und keine exklusivistischen Rückgriffe auf frühere Positionen vornehmen. Durch absolute Deutungsansprüche kann man eigene Identitätsunsicherheiten aufgrund gesellschaftlicher Ausgrenzung nicht beheben. Im Sinne eines gerechten und barmherzigen Gottes sollte klar sein, dass Er keine „Hölle“ zur Bestrafung braucht, sondern Hölle und Himmel, sind vielmehr Symbole von Scheitern und Erlösung. Dafür gibt es starke Argumente aus dem Koran, die Khorchide als Orientierungsmarken weiter erläutert (S. 202–216):
  1. Die Vielfalt der Religionen ist gottgewollt.  
  2. Gott allein ist Richter zwischen den Menschen und zwar im „Jenseits.
  3. Der Koran verbietet ausdrücklich Zwang in religiöser Hinsicht.
  4. Der Mensch trägt als freies Geschöpf die Verantwortung seiner „weltanschaulichen Selbstbestimmung“.
  5. „Nicht jeder, der nicht an Gott oder den Islam glaubt, ist ein Leugner.“
  6. Der Koran selbst ist nicht exklusivistisch, sondern lässt anderen Glaubensweisen Raum.
  7. Exklusivismus ist Ausdruck von Selbstunsicherheit und Angst vor dem Hinterfragen gängiger Positionen.
Mit diesen Leitlinien macht sich der Theologe natürlich bei Extremisten keine Freunde. Als Wissenschaftler sieht er den Koran und die Hadithe im Sinne eines „offenen Prozesses“. Sonst könnte es ja keine Weiterentwicklung und Entfaltung einer Religion geben.
Im Kap. 8,  „Der Beitrag des Islams für den Humanismus heute“ belegt Khorchide mit dem islamischen Glaubensbekenntnis, der Shahada, dass Gott als die absolute Wahrheit alles Menschliche ins Relative verweist. Der Mensch ist also immer auf dem Weg, ein Suchender in Relation zu Gott, so wie Gott selbst immer im Bezug zum Menschen steht. Menschlicher Humanismus ist der Versuch, sich auf die göttliche Barmherzigkeit einzulassen und im eigenen Handeln zu bewahrheiten.

Bilanz
Mit seinem islamischen Humanismus-Entwurf kann sich der Münsteraner Theologe nicht nur auf wichtige Vertreter der islamischen Theologie des frühen Mittelalters berufen, sondern auch auf Denker des 19. und 20. Jahrhunderts.
Vgl. dazu die Besprechung: Katajun Amirpur u.a.: ReformerInnen im Islam:
Man kann nur wünschen, dass der Autor das hier skizzierte Konzept in Zukunft noch weiter ausführt. Was dieses Buch aber insgesamt so lesenswert macht, ist m.E. Folgendes: Khorchide erinnert und entwickelt eine Koranauslegung weiter, die dem Frieden und der Versöhnung dient. Seine hermeneutische Offenheit gegenüber der eigenen Glaubensurkunde als geoffenbartem Wort Gottes ist ein mutiger Schritt hin zu einem Humanismus, der dogmatisch gesetzte Grenzen bewusst überschreitet. Andersdenkende anderer Religionen und Weltanschauungen werden somit positiv herausfordert. Hinzu kommt das Aufscheinen einer persönlichen Glaubensbasis, von der her der Wissenschaftler seine eigene Lebensorientierung nimmt. Der Streit gerade innerhalb der islamischen Theologie wird durch diesen Entwurf sicher wieder aufflammen.
Es bliebt zu hoffen, dass auf Dauer Ähnliches gelingt wie in der christlichen Theologie. Die heftigen und polemischen Auseinandersetzungen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts um die historisch-kritische Forschung, um Bultmanns „Entmythologisierungsprogramm“, um die „neue Hermeneutik“, die feministische und die religionspluralistische Theologie haben inzwischen weitgehend zur Versachlichung geführt. Dadurch wird die christliche Theologie auch in der Moderne wieder einigermaßen glaubwürdig und philosophisch diskursfähig. 

Kurzum: Angesichts der nicht aufhörenden brutalen Anschläge von Daech, Al-Qaida, Boko Haram u.a. ist dieses Buch ein geradezu notwendiges Signal für einen Islam als Partner aller friedenswilligen Kräfte.

Reinhard Kirste

Rz-Khorchide-Humanismus, 30.11.15