Dienstag, 28. März 2017

Dialog-Empfehlung: Begegnung von Bibel und Koran

  Karl-Josef Kuschel

  Die Bibel im Koran

  Grundlagen für das interreligiöse Gespräch


  Ostfildern: Patmos 2017, 672 S.

  ISBN: 978-3-8436-0726-1

 Verlagsinformation:
 Eine wissenschaftliche und persönliche Summe: 
  fasst in diesem Band seine zwei Jahrzehnte währenden Studien zum 
  Thema Bibel und Koran zusammen: neu bearbeitet
und vor allem um 
  die Erträge der neuesten Forschungen zum Koranverständnis 
  erweitert. 
Gründliches Basiswissen ist Voraussetzung für eine Kultur 
  des Austausches zwischen Juden, Christen und Muslimen, die auf 
  wechselseitigem Respekt gründet und Vertrauen wachsen lässt. 
  Zu  diesem Ziel, vom konfrontativen hin zu einem vernetzten Denken 
  zu  finden, ist das Buch des engagierten Gelehrten selbst ein wichtiger   Beitrag. 

Aus dem Inhalt: 
»Wir Kinder Abrahams« / Wie den Koran im Gegenüber zur Bibel verstehen? / Adam: Gottes Risiko Mensch / Mose – der »ewige Konflikt«: Gottesmacht gegen Menschenmacht / Maria und Jesus: Gottes Zeichen für alle Welt / Was Muslime und Christen eint und trennt


Ausführliche Leseprobe mit Inhaltsverzeichnis: hier

Titel zum Thema von Karl-Josef Kuschel
- bereits in den "Ein-Sichten" besprochen:



Freitag, 24. März 2017

Zur Erinnerung 1417-2017: 600 Jahre Klaus von Flüe - Mystiker der besonderen Art (aktualisiert)

Pirmin Meier: Ich Bruder Klaus von Flüe. Biografie.
Zürich: Union 2014, 560 S. --- ISBN 978-3-293-00478 ---
- zuerst erschienen 1997 und 2000  mit dem Untertitel: Eine Geschichte aus der inneren Schweiz --- im Verlag Ammann, Zürich

Cover
Verlagsinformation


"Niklaus von Flüe, bekannt geworden unter dem Namen Bruder Klaus (1417–1487), ist der meistgerühmte, meistverehrte, untergründig aber auch der umstrittenste Eremit im Alpenraum. In der Schweiz wird er – schon zu Lebzeiten – als Nationalheiliger verehrt. Als Fünfzigjähriger verließ der Bauer, Ratsherr und Kriegsmann seine Frau und seine zehn Kinder, um als Pilger an heilige Stätten zu ziehen. Eine Vision in Liestal (Baselland) veranlasst ihn zur Umkehr, um fortan als Einsiedler zu leben. Schon sehr bald wurde die Einsiedelei zu einem heiligen Ort, die Menschen suchten bei dem sonderlichen Eremiten Rat und Gebetshilfe.
Pirmin Meier vermittelt dem Leser ein Lebens- und Zeitbild aus dem Alpenraum und die Geschichte eines Menschen, dessen große Visionen europaweit ausstrahlten."

Mehr zu Leben und Wirkung von Bruder Klaus: hier



.
Cover der Ausgabe von 1997
Erzählung auf dem hinteren Umschlag

Pressestimmen
  • »Ein Kunstwerk der literarischen Biografie.«  -- Andreas Tunger-Zanetti, Der Bund
  • »So hat bisher noch keiner das Leben des Niklaus von Flüe in Bezug gesetzt zur Zeitgeschichte, zu Gebeten und Meditationen, zur Volks- und Medizinkunde.
    Das Buch ist ein Ereignis.«  -- Josef Rennhard, Beobachter
  • »Eine moderne Biografie, die Fachleute wie Leser erfreut.« 
    --Elisabeth Endres, Süddeutsche Zeitung
  • »Pirmin Meier schildert nicht bloss den Lebensweg des Eremiten vom Ranft. Dieser wird auf schlechterdings einmalige Art ins Zeitgeschehen von damals integriert. Daraus entsteht eine Schweizer Geschichte des 15. Jahrhunderts von ganz besonderem Gehalt.« -- Schweizerzeit, Flaach
Radbild
Gebet mit dem Radbild

 ----------------------------
 

Dienstag, 21. März 2017

Kurz vorgestellt: Islamische Geschichte besser verstehen

Autoren: Monika und Udo Tworuschka 
Berlin: Metzler 2017, 176 S., Abb.
ISBN 978-3-476-04348-1
  • Verlagsinformation
  • Kompakter Überblick über die Geschichte des Islam
    von den Anfängen bis zur Gegenwart
    • Erläuterung der historischen und kulturellen
      Zusammenhänge und Hintergründe
    • Mit Infokästen zu wichtigen Personen und Werken
Dieser reich illustrierte Band berichtet über die Entstehung des Islam und seine Geschichte bis ins 21. Jahrhundert. Die zusammenhängende Darstellung von religiösen Strömungen, prägenden Persönlichkeiten und Dynastien sowie die Tatsache, dass das Buch auch kulturelle und gesellschaftliche Faktoren wie das islamische Recht, die islamische Philosophie und Mystik berücksichtigt, ermöglicht es, den Islam differenzierter zu verstehen.

Freitag, 17. März 2017

Die chassidischen Erzählungen des Rabbi von Kotzk

Les Récits hassidiques du Rabbi de Kotzk
Traducteur : Nathan Weinstock
Paris: Albin Michel 2017, 176 pp. 
EAN /ISBN 13 : 9782226326799Extrait / Textprobe mit Inhaltsverzeichnis 
Mehr über den Kotzker Rebbe, den Rabbi von Kotzk (bei Lublin): hier

Verlagsinformation:
Menahem Mendel de Kotzk (1787-1859) est l’une des figures les plus marquantes et les plus iconoclastes du hassidisme, célèbre mouvement mystique et populaire du judaïsme d’Europe orientale. Maître spirituel exigeant, qui met la Vérité au centre de tout, le Rabbi de Kotzk refuse le rôle de « gourou » et invite ses disciples à la lucidité interne, qui seule mène à Dieu.Le Rabbi a brûlé ses rares écrits avant sa mort ; les récits réunis ici sont le principal témoignage de son enseignement. Une plongée joyeuse dans cette culture yiddish disparue, à l’attrait universel.
Les Récits hassidiques du Rabbi de Kotzk - Cover image

Télécharger la 

Sonntag, 12. März 2017

TÄUSCHUNGEN - LIST und LEBENSKUNST: Strategien des Überlebens in den Kulturen (aktualisiert)

Strategien  der Täuschung gibt es in allen Kulturen, obwohl sich die religiösen Traditionen offensichtlich gegen persönliches und politisches Lügen und Betrügen mit aller Deutlichkeit wehren. Bei genauerer Hinsicht auf diese durchaus interkulturellen Phänomene der sog. List fällt jedoch auf, dass Differenzierung not tut, denn augenscheinlich werden hier nicht nur Durchsetzungsstrategien, sondern Überlebensmöglichkeiten angesichts von Bedrohung thematisiert. So wird hier eine etwas ungewöhnliche Variante und teilweise ein Gegenpol zum friedlichen Miteinander im "WELTETHOS " sichtbar.

1.  Chinesisches Denken zwischen List und Weisheit 

Darauf hat besonders der Schweizer Jurist und Sinologe HARRO VON SENGER (geb. 1944) aufmerksam gemacht, der mit seinen Büchern über den Sinn der CHINESISCHEN STRATEGEME die darin entghaltende systematisierte Lebenskunst herausarbeitet. Auf dem angegebenen Link finden sich auch die 7 Ziele des Autors, die hier verkürzt zitiert sind:

  1. "Aufklärung über eine bisher im Abendland nur ungenügend bekannte Seite chinesischer Zivilisation und Mentalität ...
  2. Anregung zu interdisziplinärer Listforschung ...
  3. Hilfestellung bei der Überwindung europäischer Listenblindheit in Bezug auf die Listerkennung: Westliche Menschen sollten ihre Wahrnehmung dahingehend schulen, dass sie fähig werden, unterschiedliche Techniken der List zu   durchschauen, sei es als unmittelbares potentielles Listopfer, sei es als Beobachter(innen) ... und wenn möglich, den durch Überlistung angerichteten Schadenseintritt zu verhindern, und zwar durch  das Erlernen und Umsetzen der chinesischen Strategemkunde.
  4. Hilfestellung bei der Überwindung europäischer Listenblindheit in Bezug auf die Listanwendung: Westliche Menschen sollten lernen, ... ethisch und rechtlich verantwortungsvoll ... – und nicht, ... ohne jeden Sinn und Verstand aus dem Bauch heraus – unterschiedliche Techniken der List anzuwenden.
  5. Die Einbettung der chinesischen Listweisheit in einen größeren Gesamtzusammenhang, jenen der „Supraplanung (谋略moulüe)“...
  6. Die „Moulüe“ genannte chinesische Kunst der Planung wird gestützt auf ihre älteste Quelle, nämlich Meister Suns Kriegskanon, erhellt, indem dieses Werk erstmals aus der Sicht von „Moulüe“ und nicht bloss unter dem Blickwinkel der vergleichsweise kurzatmigen westlichen Strategiekunde in eine westliche Sprache übersetzt wird.
  7. Menschen in unseren Breiten soll die „Moulüe“ genannte chinesische Kunst der Planung für deren moralisch und juristisch einwandfreien Gebrauch, sei es im Verkehr mit Chinesen, sei es im eigenen Kulturbereich, nahe gebracht werden."


2.   Arabische Welt: Die Mittel und Methoden,
um die (eigenen) Ziele zu erreichen

 
Zu dem so ausgefeilten chinesischen Denken in Strategemen gibt es auch arabische Varianten. Im 14. Jahrhundert entstand das Werk eines anonymen Autors: Das Buch der Täuschungen. Die politische Strategie der Araber". Dies ist etwa 100 Jahre (!) vor dem berühmten "Il Principe" (1513) des NICCOLÒ MACCHIAVELLI.
Der aus einer christlichen Familie stammende syrisch/französische Übersetzer und Religions-wissenschaftler RENÉ Rizqallah KHAWAM (1917-2004) hat mit der Herausgabe dieses Werks im Jahre 1976 nicht nur historische Einblicke gegeben, sondern einen ausgesprochen aktuellen Beitrag geleistet: Westliche Diplomaten, Industrielle und Militärberater ahnen teilweise bis heute nicht, dass ihre Strategien dem Orient schon lange bekannt sind. Zugleich ist es wichtig zu wissen, wie differenziert, kompliziert und natürlich auch polemisch oft auf allen Seiten mit den dahinter stehenden arabischen Begriffen (besonders: Taqiyya = Lüge, Täuschung, Verheimlichung) umgegangen wird.

Le Livre des Ruses. La stratégie politiques des Arabes. Traduction intégrale sur les manuscrits originaux.
Paris: Phébus / Libretto 1976, 2002, 447 S.  --- ISBN  2-85940-000-1 ---


Man muss sich Folgendes klarmachen: Die arabischen Wörter, die in den europäischen Sprachen schnell mit List und Täuschung wiedergegeben werden, meinen mehr notwendige und für den Menschen sinnvolle und erträgliche Möglichkeiten sowie Ziele zur Organisation von Arbeit und Erhaltung von Lebensenergie. Das wird in diesem Buch an Geschichten deutlich gemacht, die "Weisheit" oft in ungewöhnlicher Art zeigen. Gott gebraucht ja keine Listen, sondern fragt sich, was für seine Schöpfung, seine Menschen gut ist. Und Gott benutzt viele Methoden, um dem Menschen solche Einsicht zu ermöglichen. Dies tun auch die Engel, allerdings auch die Dschinnen, dies zeigen die Propheten, die Kalifen, die Könige und Sultane, die Wesire, Gouvernuere, Adminsitartoren, Richter, Berater (!) und schließlich auch fromme und asketische Menschen mit oft ungewöhnlichen und sicher manchmal grenzwertigen Methoden.

3.  Europa:  Geheimhaltung, List und Lebenskunst

Aber selbst in Europa haben List und Täuschung nicht nur eine negative Seite, sondern spiegeln auch pfiffige Lebenskunst, Witz und geschickte Arbeitsorganisation sowie kreative Überwindung von Lebenssschwierigkeiten wieder.


Marc Schweska (Hg.): Das Kompendium der Geheimhaltung und Täuschung, der Lüge und des Betrugs, des Verrats und der Verstellungskunst. 
Berlin:  Die Andere Bibliothek, Bd. 354, 2014, 450 S.
--- ISBN 9783847703549 ---


Verlagsankündigung
Es gibt fünf Arten von Spionen: der ortsansässige Spion, der innere Spion, der Gegenspion, der tote Spion und der lebendige Spion. Wenn alle diese fünf Arten von Spionen in Aktion treten, weiß niemand um ihre Wege – dies nennt man organisatorisches Genie.« (Sunzi, ca. 500 v. Chr.)
Nur dunkel scheint das Thema der Täuschung. Wer täuscht, der handelt im Geheimen und unmoralisch, der verstört mit Lüge, Verrat und Betrug seine Opfer. Die Erkenntnis, getäuscht worden zu sein, kann das Vertrauen in die Welt aufs Schwerste erschüttern. Heiter wird die Täuschung aber in der Verstellungskunst, in den Erzählungen von der Listigkeit, die kraftvoll und klug die verwickelten Lebensschwierigkeiten mit Täuschungen elegant und mit Witz überwindet.
Dieses Kompendium versammelt klassische und weniger berühmte und bekannte Texte, die Täuschung zumeist in ihrer drastischen Dimension behandeln. Die Texte stammen aus der griechischen und römischen Antike: Homer, Hesiod, Heraklit, Sophokles, Platon und Aristoteles gehören dazu wie Seneca, Plutarch, Tacitus und Lucian und viele andere. Augustinus oder Dante, Boccaccio und Machiavelli fehlen natürlich genauso wenig wie Erasmus von Rotterdam, Montaigne, Baltasar Gracian oder Pascal; dazu die Reflexionen der Moralistik. Kant und Schopenhauer oder Nietzsche sind vertreten, ebenso natürlich die legendären »Trickster«-Figuren wie Odysseus, Sisyphos und Till Eulenspiegel. Nicht vergessen sind wichtige außereuropäische Texte wie Sunzis Schrift über Kriegskunst und das altindische Politik-Lehrbuch Arthasastra. Natürlich findet sich das Thema in der großen Literatur, bei Voltaire, Diderot , Goethe oder Schiller und in der gesamten klassischen und romantischen Literatur; Herman Melville oder Jorge Luis Borges gehören in unsere Sammlung, die Sentenzen und Aphorismen vieler Autoren – bis in die Gegenwart. Das dürfen Sie von einem Kompendium (wenn auch ohne Anspruch auf Vollzähligkeit, das wäre eine Täuschung) erwarten. Und: Nicht zuletzt gibt es Texte, die auch die gebildeten Freunde der Anderen Bibliothek noch überraschen können.

Samstag, 11. März 2017

Niklaus und Dorothea von Flüe - ungewöhnliche Heilige

Niklaus Kuster / Nadia Rudolf von Rohr: Fernnahe Liebe.
Niklaus und Dorothea von Flüe.
Ostfildern: Patmos (Schwabenverlag) 2017, 192 S., Abb., Chronologie

--- ISBN 978-3-8436-0876-3 (Print)
--- ISBN 978-3-8436-0908-1 (e-Book)

Viele Publikationen sind bereits zum 600. Geburtstag des Schweizer Nationalheiligen Niklaus von Flüe erschienen.
Vgl. die Medienliste: http://www.bruderklaus.com/download/verschiedenes/000087.pdf

Am 21. März jährt sich der Todestag dieser ungewöhnlichen und faszinierenden Persönlichkeit zum 530. Mal. Das hier anzuzeigende Buch ist jedoch nicht allein Bruder Klaus gewidmet, sondern besonders seiner Ehefrau Dorothea, aus dem Bauerngeschlecht der Wyss. In 8 Themenkreisen von ihrer Jugendzeit bis zu „Impulsen ins heute“ erfahren die Lesenden ihre wirkungsgeschichtliche Bedeutung. 

Die Autoren sind ausgewiesene Kenner der Bruder-Klaus-Geschichte: der Schweizer Kapuziner und Dozent an der Universität Luzern, Niklaus Kuster, und die Leiterin der Franziskanischen Laienbewegung in der deutschsprachigen Schweiz, Nadia Rudolf von Rohr. Ihnen gelingt aus weiblicher und männlicher Perspektive eine „Innensicht“ der Dorothea von Flüe. Sie wird zur spirituellen Wegbegleiterin der durchaus schwierigen Persönlichkeit des Bruder Klaus. Die Autoren nutzen dazu die bildhafte Kraft des Narrativen – als wären wir auf einer Zeitreise ins 16. Jahrhundert.

Als erste Orientierung dient die Chronologie im Buch (S. 157–166). Hier einige Hinweise:
In einer kriegerischen Zeit heiratet Niklaus 1446 Dorothea Wyss (erst mit 29 ! Jahren); zwischen 1447 und 1467 werden 5 Söhne und 3 Töchter geboren. 1466 zieht sich der Regionalpolitiker Niklaus von seinen politischen Ämtern zurück. Nach  20 Ehejahren entscheidet er sich für ein völlig spirituelles Leben – eine Wende ungeheuren Ausmaßes. 1467 will er als Pilger nach Basel gehen, kehrt jedoch wenige Tage später ins Melchtal und dann in die Ranft zurück; 1468 Bau der Ranft-Klause, 1469 Weihe der Ranftkapelle. Seit 1471 kommen Besucher in die Ranft, um Niklaus als Ratgeber zu befragen, denn er ist ein aufmerksam Hörender. 1482 nimmt er eine Vermittlungstätigkeit in einem eidgenössischen Streit wahr. Die Familie Flüe gehört inzwischen zu den einflussreichsten der Region und bestimmt die Landespolitik erheblich mit. Nach dem Tod von Bruder Klaus 1487 entwickelt sich die Verehrung für ihn bis zum Heiligenkult.
Angesichts des dramatischen Lebensweges, den Bruder Klaus geht, kann man die Erschütterungen nur ahnen, die eine auch recht selbstbewusste Frau wie Dorothea Wyss durchmachte. Es lohnt sich von daher, Dorotheas „eigene“ Worte genau zu hören, die vom Fragen, Zweifeln, Protestieren bis zu einem empathischen Verstehen gehen. Die Autoren machen das immer wieder an Briefen deutlich, um die kleinen und großen Bruchstellen des Ehemanns herauszustellen. Besonders berührend sind die Worte im Zusammenhang der Lebenswende des Niklaus im 50. Lebensjahr:
Mein JA-Wort vor dem Altar galt damals dem ehrbaren und auch wohlhabenden Bauern Niklaus von Flüe, angesehen und allseits geschätzt. Später habe ich auch JA gesagt zu Niklaus dem Richter und Schlichter und auch zu Niklaus dem tiefgläubigen Mann. Ich habe mein JA-Wort in unserer Ehe vielfach gelebt, habe mich immer wieder neu zu dir bekannt. Das JA, das du jetzt von mir wolltest, verlangte mir alles ab, und nun war ich es, die rang mit mir, mit dir, mit Gott, der dich so ganz für sich haben wollte. Ich, die schon so viele Kinder zur Welt gebracht hatte und eben wieder schwanger ging, erlebte nun Geburtswehen ganz anderer Art. Diese durchlitten wir wohl beide, und unvergessen ist mir der Tag, als ich dich im Stall fand, auf einer Bank sitzend, den Melkschemel in der Hand, tränenüberströmt. Die Worte fehlten dir, und deine ganze Zerrissenheit, dein ganzer Schmerz schoss dir in die Augen, als du mich erblicktest. Die Erschütterung zu sehen, die über dich kam, und gleichzeitig dein Müssen, dieser Moment unserer beider Erkenntnis, dass wir uns lassen mussten, um neu zueinander zu finden – das weckte meine Liebe zu dir in solch unbändiger Weise, dass ich in dem Moment wusste, es würde nichts geben, was uns trennen könnte, nichts, was von dieser Welt war. Und was von Gott kam, das führte uns näher zueinander, selbst wenn das Trennung hieß. In jenem Moment fand ich zu einem unerwartet neuen JA – das JA zu Bruder Niklaus, der du nun werden konntest“ (S. 57).
Man muss ernsthaft fragen: Was wäre wohl aus Niklaus geworden, wenn nicht seine Ehefrau immer an seiner Seite geblieben wäre? Sie hat ihn mitgetragen, so dass er ein in Gott Verinnerlichter und zugleich ein beeindruckendes Vorbild nach außen werden konnte.
ResümeeDie Autoren betonen die Vergegenwärtigung des damals Geschehenen im Schlusskapitel, indem sie Impulse ins Heute setzen. Sie verweisen darauf, wie sehr religiöse und nicht-religiöse Besucher von diesem Ort Inspiration erhoffen: „Wer über 600 Jahre hinaus derart breite Krise anspricht, hat ein gelungenes Menschsein gelebt, das mit allen Buchstellen in seiner Ganzheit fasziniert. Niklaus erweist sich als Lichtgestalt in der Verbindung von Selbstliebe, Nächstenliebe und Gottesliebe prophetisch: als Mensch, Mittler, Mystiker (= Titel des offiziellen Jubiläumsbuches (S. 152, Kursivsetzung vom Rezensenten).
Das Buch ist eine Nacherzählung der besonderen Art: In [nachempfunden] Worten von Dorothea von Flüe erleben die Lesenden mehr als eine Liebesgeschichte. Es wird berichtet von Zusammengehörigkeit, von Bindung und Freiheit. Besonders die kursiv gesetzten Texte machen deutlich, wie sehr ein Mensch durch „Loslassen“ zu innerer Größe hereinreift. Dorothea Wyss, eine Heilige neben Niklaus und eine Mystikerin der besonderen Art, die (um es mit Meister Eckhart zu sagen) es wagte, in das unendliche Meer der Liebe Gottes einzutauchen.
                                                                                                                                                Reinhard Kirste

 Rz-Kuster-Niklaus-Flüe, 11.03.17

600 Jahre Niklaus von Flüe - ein "anstößiger" Heiliger (aktualisiert)

Coverbild: Brunnenfiguren
von Hugo Imfeld (1916-1993)
in Stalden (Obwalden)
Roland Gröbli, Thomas Wallimann-Sasaki
Heidi Kronenberg, Markus Ries (Hg.):
Mystiker, Mittler, Mensch. 600 Jahre Niklaus von Flüe.
Vorwort von Charles Morerod, Gottfried Wilhelm Locher.
Zürich: TVZ 2016,  388 S., Abb.
--- ISBN 978-3-290-20138-8 ---

Buch des Monats Januar 2017
der InterReligiösen Bibliothek (IRB)
Der 600. Geburtstag des berühmten Schweizer Einsiedlers Niklaus von Flüe prägt das Jahr 2017 mit vielen Veröffentlichungen und Veranstaltungen. Mehrere Titel sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt (s.u.). Der TVZ-Verlag hat eine offizielle Gedenkpublikation herausgebracht, die der Trägerverein 600 Jahre Niklaus von Flüe und die Bruder-Klausen-Stiftung (Sachseln am Sarner See, Zentralschweiz) in die Wege leitete.
Diesen Band haben zusammengestellt: 

Dr. phil. Roland Gröbli , Präsident des wissenschaftlichen Beirats «600 Jahre Niklaus von Flüe» , Heidi Kronenberg,  Journalistin und Redakteurin im Bereich Gesellschaft/Religion, Prof. Dr. Markus Ries, Prorektor, Professor der Theologischen Fakultät der Universität Luzern, Dr. theol. Thomas Wallimann-Sasaki, Leiter des Sozialinstituts KAB Schweiz, unabhängiger Theologe.
Die 60 Autorinnen und Autoren kommen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen: Christliche und islamische Theologen verschiedener Richtungen, Historiker, Politiker, Sozialpädagogen, Lehrer, Sachbuchautoren, Journalisten, Künstler sowie Frauen und Männer mit eigenständiger spiritueller Praxis.
Diese Vielfalt ist bereits ein Zeichen dafür, dass Niklaus von Flüe (1417–1487) offensichtlich nichts von seiner spirituellen Faszination verloren hat. Es ist fast eine Art ökumenischer Heiligenkult, der sich hier entwickelt hat.
Niklaus als frommer Asket blieb auch nach seiner regional-politischen Karriere  ein Botschafter des Friedens. Vgl. Flüeli-Ranft:
http://www.flueliranft.ch/#bruder-klaus
Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang seine Frau Dorothee Wyss: http://www.bruderklaus.com/?id=553. Sie trug den Entschluss ihres Mannes im Jahre 1467 in erstaunlicher Weise mit – auch gegenüber Anfeindungen: Sie sagte damit JA - am Anfang zu seinen Ämtern, dann zu seinem Beten und Fasten. Es war eine JA zu seinem durch Visionen geprägtes, oft seltsames Verhalten - JA zu seinem Ringen mit Gott und damit auch JA zu seinem Leben als Eremit.
Im Stile des berühmten Radbildes von Bruder Klaus teilt sich das Buch in 6 „Speichen“ (= Abschnitte), die das Wesen und die Wirkungsgeschichte dieses intensiven Gottsuchers beschreiben. Die Texte konzentrieren sich auf sein oft extremes (mystisches) Erleben zwischen Abgeschiedenheit, ekstatischer Vision und Dienst am anderen. Verehrung dieses „Heiligen“ und wissenschaftliche Erforschung einer herausragenden Persönlichkeit stehen sich dabei nicht im Wege, wie die 6. Speiche zeigt. 
Die Herausgeber haben dieses Gedenkbuch in den Dreiklang von  Mystiker, Mittler, Mensch gestellt. Darum kann Roland Gröbli resümieren: „Niklaus von Flüe gehört bis heute zu den wirkungsmächtigsten Leitfiguren der Schweiz. Er ist ein Vorbild in Mystik und Spiritualität, Gesellschaft und Politik sowie als Mensch mit seinen Stärken und Schwächen“ (S.40).
Die Vielfalt dieses umfangreichen Bandes mit einigen thematischen Überschneidungen lässt sich in wenigen Worten einer Besprechung nicht nachzeichnen. Deshalb seien aus den einzelnen „Speichen“ hier diejenigen Schwerpunkte hervorgehoben, die die Weite und Ungewöhnlichkeit des Denkens, Fühlens und Handelns ausdrücken.“
Speiche 1: Dialog (S. 43–96)
als gesellschaftliche Herausforderung und Chance. Angesichts der Unehrlichkeiten des politischen Systems, der Frage nach Gottesrecht und Menschenrecht  scheint Niklaus' Weggang aus dem Oberwaldnerland (sogar mit Zustimmung seiner Frau Dorothee) auch eine Flucht ins Religiöse zu sein (Thomas Wallmann-Sasaki, S. 44 und Klara Obermüller, S.51). Die BeiträgerInnen des Buches kommen darum immer wieder – und völlig zu Recht – auf die Bedeutung der Ehefrau Dorothee für die spirituelle Entwickung ihres Ehemanns zu sprechen. Insgesamt darf aber nicht vergessen werden, dass Bruder Klaus sowohl durch seine beachtlichen Versuche des gesellschaftlichen Konflikt-Schlichtens als auch durch sein konsequentes spirituelles Leben faktisch zu einem Friedensheiligen geworden ist (Cornelio Sommaruga, S. 61ff / Guido Baumgartner, S. 68-72). 


Speiche 2: Verehrung (S. 99–164). Hier geht es weniger um die Selig- und dann Heiligsprechung des Niklaus von Flüe (1947) als vielmehr um die Motive seiner weiterwirkenden Verehrung. Das dürfte nicht nur eine Schweizer Besonderheit sein. Die Autoren erzählen, wie sie Bruder Klaus heute begegnen: 
  • Durch die Wanderung in die Ranft zur Einsiedelei
  • durch nachdenklich machende spirituelle Begegnungen
  • im Museum Bruder Klaus  in der "zuständigen" Ortsgemeinde Sachseln
  • durch Elemente der Verehrung im Tessin
  • durch den Weg zur Wachendorfer Kapelle (Eifel)
  • durch Friedensprojekte an verschiedenen Orten: in Indonesien, Israel/Palästina, Costa Rica, Österreich und im Libanon -  in Verbindung mit Charbel Makhlouf (1828-1898)
Speiche 3 behandelt die Religion (S. 167–206) aus der Sicht verschiedener christlicher Konfessionen, Religionen und im Zusammenhang seiner Friedensaktivitäten. Es ist spannend zu sehen, wie man die sog. „Vorhersage der Glaubensspaltung katholisch und reformiert gleichermaßen für die eigenen - Zwecke benutzte (S. 169 f). Davon ist heute nichts mehr zu spüren, vielmehr hat Niklaus von Flüe auch islamische Hochachtung gewonnen, was besonders mit seinen Friedensaktivitäten innerhalb der Eidgenossenschaft zusammenhängt. Dieser Friedenswille führte Niklaus auch 1481 aus der Einsiedelei heraus nach Stans, um dort einen Konflikt zwischen verschiedenen eidgenössischen Parteien betend und redend beizulegen. Das erinnert die Islamwissenschaftlerin  Rifa’at Lenzin an den irakischen Ayatollah Ali al-Sistani (geb. 1930), der 2004 ein Blutvergießen in Najaf (Südirak) verhinderte. Insgesamt rückt Bruder Klaus in den Horizont von Mahatma Gandhi und Martin Luther King (S. 176). Persönliche asketische und heitere Spiritualität einerseits und Friedensarbeit andererseits gehören offensichtlich zusammen. Es wird aber auch an die dunklen Stunden und Erfahrungen des Scheiterns im Leben von Bruder Klaus erinnert, die seinen besonderen Weg begleiten. Beeindruckend bleibt bei all seinen Bemühungen der konsequent friedliche Weg, der auch den Rechtsverzicht möglich macht – eine bewusst christliche Option. Darauf verweist Guido Estermann von der Pädagogischen Hochschule Schwyz (S. 205f).
Speiche 4: Mystik (S. 209–244) spricht das Thema an, das viele zuerst ins Zentrum des Verständnisses von Bruder Klaus stellen (würden). Die hier versammelten Beiträge beziehen Schwerpunkte mit ein, die die vielfältige Spiritualität in ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Wirksamkeit zum Ausdruck bringen: Stille, Zwiesprache und Offenheit für Gott, Radikalität und Freundlichkeit, Mystik und Politik. Der evangelische Pfarrer Christoph Hürlimann zeigt die visionären Orientierungspunkte für den Weg des Niklaus von Flüe, die durch die Zeit seiner persönlichen Krise geprägt sind: „ … der Aufbruch als Pilger am St. Gallustag (dem 16. Oktober), die nächtliche Erfahrung von Liestal … wenige Tage später die Rückkehr in die engste Heimat und schließlich seine Niederlassung im nahegelegenen Ranft als Eremit“ (S. 213). Der Jesuit Christian M. Rutishauser  hebt dieses Paradox von abgeschiedener Meditation und Aktion besonders heraus (S. 226ff). So kann man mit dem Priester Nicolas Butter nicht nur von der „heiligen Narrheit“ im Befolgen des Evangeliums reden, sondern auch von der Kraft des Gebets, die zu politischen Veränderungen führen kann. In manchem erinnert gerade dieser Abschnitt auch an die politische Theologin und Mystikerin  Dorothee Sölle (1929–2003), die mit ihrem Leben dieses Paradoxon von Mystik und Widerstand zum Ausdruck brachte  
(vgl. ihr Buch. „Mystik und Widerstand. Du stilles Geschrei“. München: Piper 1999).
Dass Bruder Klaus viele Wirkungen in der Malerei (z.B. vom Radbild bis zum  Hungertuch), im Film, im Theater und in der Musik hervorgebracht hat, beschreibt die Speiche V: Kunst (S. 247-282). Man denke nur an die starke mit Bruder Klaus verbundene Symbolik von Kreuz, Rad und das Jetzt als Kreuzungspunkt von Zeit und Ewigkeit. Der Medienwissenschaftler Charles Martig merkt an, dass im Bereich der Kunst diese spirituelle Persönlichkeit oft beeindruckend, aber auch missverständlich dargestellt wird.
Schließlich kommt in Speiche 6 die Wissenschaft (S. 285–372) zum Zuge. Nun gibt Markus Ries (Universität Luzern) zu bedenken, dass Gewaltfreiheit  im Mittelalter kein Wert an sich war (S. 291).  Die Mahnungen  zum Frieden von Mailand und das Engagement von Bruder Klaus bei weiteren innerschweizerischen Auseinandersetzungen (alle  zwischen 1480 und 1483 formuliert) wurden in den geschichtlichen Beschreibungen des 15./16. Jahrhunderts nicht genügend gewürdigt.
Aber man erinnert sich wieder an diesen Friedensstifter in den konfessionellen Spaltungskonflikten des 16. Jahrhunderts. Und natürlich muss auch Wilhelm Tell ins Spiel gebracht werden. Der Historiker und herausragende Niklaus-Biograf Pirmin Meier bezieht sich in seinem Beitrag auf den Landschreiber Hensli Schriber aus Obwalden (15. Jh.). Meier zeigt ausführlich im Horizont der „kalten Räte der Frauen“ und den „heißen Ratschlägen der Männer“, welche Spannungen die innere Schweiz zu jener Zeit erschütterten. So werden Wilhelm Tell und Niklaus von Flüe quasi zu zwei Symbolgestalten, zu „ Polen“, zwischen denen die eidgenössischen Werte von Frieden und Freiheit oft unter höchst widrigen Umständen umgesetzt wurden. Aber Bruder Klaus hatte neben seinen Ratgeberqualitäten und Friedensimpulsen noch etwas Unheimliches „anscheinend Verrücktes“. „Sobald man diesen schlichten Klaus von Flüe packen und wie zu allen Zeiten für irgendwelche Zwecke beanspruchen will, verflüchtigt er sich, ehe man es bemerkt“ (S. 307). Dass "Zäune" im späteren Verständnis von  Bruder Klaus eine wichtige Interpretationsrolle spielen, beschreibt der Berner Historiker und Politiker Josef Lang auf dem Hintergrund der dem Einsiedler zugeschriebenen Äußerung, „man solle die Zäune nicht zu weit“ machen. Gemeint sind nationale, soziale und polizeiliche Zäune, die in der Reformationszeit und Nachreformationszeit bis in die Nationalismen des 20. Jahrhunderts eine große Rolle spielten. Die Wirkung dieses Wortes zeigt Schwierigkeiten, Bruder Klaus politisch einzuordnen. Dadurch werden Herrschende und Beherrschte, Konservative wie Liberale gleichermaßen in Frage gestellt.
Verschiedenartige Themen folgen: Der Musikwissenschaftlers Angelo Garovi  untersucht den Bruderklausen-Gesang von 1488 ­– vom spätmittelalterlichen Choral zum reformierten Kirchenlied. Anschließend bespricht der Abt Urban Federer die ritualisierte Erinnerung von Bruder Klaus in Einsiedeln. Er erweitert sie um einige ökumenische „Vorblicke“. Überhaupt: Bruder Klaus und die Protestanten: Schon zu Lebzeiten wurde er gewürdigt und je nach religiöser Position vereinnahmt, obwohl der „Heilige“ unerschütterlich katholisch blieb. So reagiert auch die Geschichtsschreibung bereits im 16./17. Jahrhundert entsprechend, mit weiteren historischen „Inszenierungen“ im 18./19. Jahrhundert (S. 327f). Kulturkampf, Klassenkampf und Heiligsprechung, dies alles durchläuft die geschichtliche Sicht auf Bruder Klaus. Der Historiker Hannes Steiner mahnt deshalb, die vorreformatorische Geschichtsschreibung ernster zu nehmen (S. 330f). Katholischerseits spielen natürlich die „Wunder“ des Einsiedlers, besonders in der Frömmigkeitskultur des 17./18. Jh.s mit den Klaus-Reliquien  eine große Rolle. 
Die z.T. politisch vereinnahmte „Heiligenverehrung“ prägt das katholische Milieu zwischen dem 1. und 2. Weltkrieg. Der „inoffizielle Schutzpatron“ mit seinen Kultstätten in der Zentralschweiz bleibt eine „polyvalente Erinnerungsfigur, Mythos und Faszinosum“, wie der Historiker Urs Altermatt schreibt (S. 343–355).
Immerhin haben sich inzwischen viele Kirchen und Kapellen der Schweiz unter dem Patrozinium des Bruder Klaus zu Orten der Meditation und Andacht auch für kirchlich Fernerstehende entwickelt, besonders nach der Heiligsprechung 1947 (so der Theologe Urban Fink-Wagner).
Ein Resümee für das Gedenkjahr wird im Schlussabschnitt „Mehr Ranft“ gezogen (S. 374-380): Gedenken als Anstoß für Projekte und Initiativen auf den verschiedenen Ebenen: Bruder Klaus als Impulsgeber für tiefe menschliche Werte, echte Begegnungen und Bescheidenheit.
Bilanz: Vermutlich ist es gerade diese „Mischung“ bei Niklaus von Flüe, die seine Faszination bis heute ausmacht: Sie zeigt sich in seinem (extrem) visionären Wesen, Denken und Glauben einerseits und in seiner spirituell geprägten politischen Wirksamkeit andererseits. Von daher scheint sich die Motivation zu speisen, die Menschen unterschiedlicher Herkunft veranlasst, ihn als Vorbild zu nehmen – in der innigen Verbindung von einem meditativen, einfachen, geheimnisvollen Leben und gesellschaftlicher Verantwortung. Ein anschauliches und zugleich spannendes Buch, das viele historische Zusammenhänge ausleuchtet und zugleich in den Berichten viele persönliche Erfahrungen der Autoren durchscheinen lässt.
Alle Beiträge des Gedenkbuchs «Mystiker. Mittler. Mensch», die aus dem Französischen oder dem Italienischen übersetzt worden sind, können im Original heruntergeladen werden. Darüber hinaus enthalten beide Büchlein weitere grundlegende Beiträge aus der offiziellen Gedenkausgabe.
Heutiges Meditieren mit Nik(o)laus von Flüe 

Vgl. auch: 
Niklaus Kuster / Nadia Rudolf von Rohr:
Fernnahe Liebe. Niklaus und Dorothea von Flüe.
Ostfildern 2017
Ausführliche Bespechung: hier
Weitere Informationen und Bücher (mit Rezensionen) zu Niklaus von Flüe
https://buchvorstellungen.blogspot.de/2016/06/zur-erinnerung-1417-2017-600-jahre.html
Reinhard Kirste
Rz-Niklaus-Flüe-600 Jahre, 01.01. und 11.03.2017 


Montag, 6. März 2017

Kurz vorgestellt: Japanisch-buddhistische Pilgerfahrten

A commendable work. The first six chapters alone allow readers to gain basic information about the great diversity of pilgrimage routes in Japan as well as specifics about pilgrimage rituals and etiquette, material culture, and so on. Pye's views about the meaning of Buddhist pilgrimage in Japan are built upon the premise that the motivations for undertaking them are intrinsically religious at their core. While this will not be persuasive to all, it offers an important academic perspective.
Religious Studies Review

A fascinating work which should prove an enduring resource in the study of Japanese religions and pilgrimage studies more generally. It is well-written, highly informative and based on much first-hand observation and hard-to-obtain Japanese sources.
Professor Brian Bocking, University College Cork

The details offered here are crucial to an understanding of Japanese pilgrimage culture, and many of the insights that Pye gives on invention and hybridization of religious practices are highly germane to the anthropology of Japanese, Eastern, and indeed all religion.
Anthropology Review Database