Montag, 6. August 2018

Buch des Monats August 2018: Hesse und Brecht - Poetische Begegnungen mit dem Orient


Karl-Josef Kuschel: Im Fluss der Dinge.
Hermann Hesse und Bertolt Brecht im Dialog mit Buddha, Laotse und Zen.
Ostfildern: Patmos 2018, 715 S., Personenregister
--- ISBN 978-3-8436-1042-1 ---
 
·        Zusammenfassung am Schluss der Rezension
·        English summary at the end of the review

Vielleicht sollte man bei diesem umfänglichen Werk mit dem Nachwort beginnen. Dort erläutert der bekannte Tübinger Theologe, wie sich seine dialogische Arbeit im Horizont der Literatur über Jahrzehnte entwickelt hat. Denn der inzwischen emeritierte Professor für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs an der Katholischen Fakultät Tübingen hat Literatur in Prosa und Poesie kontinuierlich in sein Forschungsfeld einbezogen. So hat er sich intensiv u.a. mit G.E. Lessing, Heinrich Heine, Thomas Mann, Martin Buber und Rainer Maria Rilke auseinandergesetzt. Und nun ausgerechnet die Antipoden Hermann Hesse und Bertolt Brecht! Beide weltberühmt und auch in Asien viel gelesen; und doch unterscheiden sich die beiden in ihrem Werk grundlegend. Und das Erstaunliche geschieht: Trotz unterschiedlicher Zugänge verändert die Begegnung mit den geistigen Welten Indiens, Chinas und Japans den mehr nach innen gekehrten Hesse und den dichterisch-politisch stark nach außen wirkenden Brecht.
Das Buch hat zwei große Teile. In Teil A geht Kuschel den Versuchen von Hermann Hesse (1877–1962) nach, einen eigenen Weg zwischen Christentum, Buddhismus und Taoismus zu finden. Der Teil B ist den Annäherungen von  Bertolt Brecht an das Theater Chinas und Japans gewidmet mit den Konsequenzen für sein eigenes schriftstellerisches Werk im Horizont politischer Zuspitzungen.
Die Prologe
In zwei Prologen nähert sich Kuschel jeweils seinem Doppel-Thema an. Im Prolog I zu Hermann Hesse (S. 21–43) und  Prolog II zu Bertolt (S. 380–397) folgt er den Spuren der beiden Dichter vor Ort und in einem ersten Bedenken ihrer jeweiligen Lebensgeschichte. Von dort entwickelt er eine Art Lebensbild des Dichters vom Bürgertum zur Position des Klassenkämpfers.
Teil A: Hermann Hesse
Kuschels erinnernde Begegnungen von Hesses (geistiger) Reise in den Osten (Teil A)
führen im Prolog (S: 21–43) zu erläuternden Einblicken in die Lebensgeschichte und die Familienbeziehungen Hermann Hesses. Der pietistisch-missionarische Hintergrund führt jedoch auch zur ersten Kulturenbegegnung mit dem Osten. Es sind die ersten Schritte hin zu einem undogmatischen Verständnis von Christentum und Religiosität. So werden für Hesse Indien, China und Japan Lehrer und Lebensquellen“, die Kuschel in 10 Etappen abschreitet.
1.      Ausführlich beschreibt der Autor im Bücherreich des „Zauberers“ die Wirkungen der Indienmissionare auf Hesse, die er in Calw kennenlernte (S. 44ff)
2.      Besonders wird für ihn der Südindienmissionar und Sprachwissenschaftlers Hermann Gundert (1814-1893) wichtig (S. 49–52). Hier treten angesichts von Hesses „Sehnsuchtsblicken“ bereits der Philosoph Schopenhauer und wichtige Orientalisten wie Karl Eugen Neumann ins Blickfeld. Es erfolgt aber ebenso eine Annäherung an theosophische Lehren.
3.      Erste schriftstellerische Konfrontationen führen zu bewussten postkoloniale Wahrnehmungen, u.a. auf dem „Berg der Wahrheit“ (dem Monte Veritá im Tessin).
4.      Seit 1907 beginnen Hesses indische Dichtungen und sein Sich-Einlassen auf den Buddhismus.
5.      Hoffnung und innerliches Scheitern bedeutet die Asienreise, besonders in Sri Lanka und Singapur (1911): Es ist eine „Karambolage mit der Wirklichkeit“ – und doch Erkenntnis, dass der Westen Religion vom Osten braucht und Kulturfähigkeit international ist (S. 204f).
6.      Von daher wird eine „Relektüre“ der Bhagavadgita und die Tiefen- Erkenntnis der „All-Einheit der Gegensätze“ als „asiatische Botschaft“ angesichts der Seelenzerstörung durch den Krieg (S. 222f) notwendig.
7.      Auf dieser Linie kommt es auch zu einer Art Neu-Begegnung mit dem Buddha, und zwar mit dem geschichtlichen wie mit dem fiktiven. Und dabei erfüllt für Hesse die ursprüngliche christliche Liebesethik eine Brückenfunktion nach Asien.
8.      Zugleich ist es ein Weitergehen im doppelten Sinne – geografisch und geistig, denn Hesse entdeckt dichterisch reagierend auf Konfuzius, den Taoismus und Laotse.
9.      Das Tao te king (Daodejing) wirkt dafür wie ein Vademecum und die Dichtung wie ein Fährboot, das im Horizont des Einheits-Denkens zur chinesischen Weisheit führt (S. 325f).
10.    Der Schlusspunkt dieser Reise aber ist der Zen-Buddhismus, der sich für Hesse als (liebende) Verbindung von China und Indien herausstellt.
Teil B: Bertolt Brecht
Ähnliche Etappen (insgesamt 9) verfolgt der/die Lesende nun mit Bertolt Brecht in den „kunstvollen“
Begegnungen mit Laotse und Buddha (Teil B).
Beim Gang durch Brechts letzte Wohnung in Berlin – sozusagen der Vorlauf Etappe – nimmt Kuschel die Rollbilder besonders in den Blick, weil sie zum Symbol für Brechts bewegtes und durch die Zeitumstände unstetes Leben werden: Der Dichter hat sie immer im Koffer bei sich, wohin er auch kommt.
Die in der Berliner Wohnung befindlichen No-Masken setzen ein weiteres Signal: Die Faszination vom Theater Japans. So wirken die Wände in der Wohnung wie eine Interpretation. Auch die Hommage Brechts an Mao Tse-tung lässt sich von hierher verstehen, weil sie nicht „von Stalins blutigen Terror entstellt ist“ (S. 387, vgl. S. 394f).
1.       Der Gang durch die Wohnung gibt bereits den Blick auf den Scheitelpunkt frei: Brechts Wendung zum Marxismus (S. 394f). Es gilt, Brecht als Marxisten tiefer zu verstehen; denn hier wechselt einer aus dem Bürgertum in die Arbeiterklasse. Das hat jedoch differenzierte Auswirkungen auf Brechts Verständnis, nämlich weg vom Vergnügungstheater hin zum epischen Theater. Aber der Dichter geht noch weiter: Nicht nur Kritik am Raubtierkapitalismus wie in der Oper Mahagonny (1930, vgl. S. 401f), sondern immer intensiver der Aufbau eines experimentellen Lehrtheaters (S. 405f), das Zen-Buddhistisches spüren lässt. Und natürlich kommt das chinesische Theater ins Spiel, in dem der Schauspieler Zeigender und doppelt Gezeigter zugleich ist, nämlich weil er sich in seiner Rolle sichtbar macht. An dieser Stelle lernt Brecht für sein Theater den „Verfremdungseffekt“ (S. 416f).
2.        Das ist eine völlig andere Begegnung als diejenige von Hermann Hesse (S. 414f). „Dieser hatte am chinesischen Theater die uralte Gesetzmäßigkeit bewundert, die Exaktheit, Ruhe und Harmonie des Geschehens auf der Bühne“ (S. 415). 
Es sei hier angemerkt, dass Brecht im Sinne dieses sich ändernden Theaterverständnisses auch ein Ruhrepos plante, das aber nicht zustande kam und durch die „Dreigroschenoper“ (1928) publikumswirksam „überholt“ wurde. Auf die ziemlich missglückte Wiederbelebung des „Ruhrepos“ im Juni 2018 in Oberhausen konnte Kuschel leider nicht mehr eingehen, weil sein Buch bereits im April 2018 erschien. Vgl. Kritik im Westfälischen Anzeiger online vom 14.06.2018:
  
https://www.wa.de/kultur/verlorene-oper-ostermaier-arnarsson-ruhrfestspielen-9953185.html
Kuschel zeigt sehr klar, wie intensiv für Brecht der Lerneffekt von Asiens Künstlern ist. In seinem epischen Theater geht es um Erörterung von Lebensfragen (S. 417). Und durch die innere Verbindung seines Theaters mit Asien gehört er eindeutig zu den großen Theaterreformern. Der Unterschied zu Hesse fällt hier umso mehr ins Gewicht. Der im Exil lebende Brecht liest die bedeutenden chinesischen Dichter Li Po und Tu Fu solidarisch im Spiegel der von ihnen erlebten Bürgerkriege. Er spürt ihnen im Kontext seiner eigenen Verbannung nach. An Pu Chü-i (772–846) erlernt Brecht dagegen den inneren Zusammenhang von Kunst, Pädagogik und Sozialkritik. Und schließlich wird Konfuzius erfolgreiches Vorbild als Lehrer und doch Warnbild zugleich (S. 439f); denn der große Meister lässt die „gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse der Moral außer Acht“ (S. 442). Diese Zwiespältigkeit erlebt Brecht an sich selbst im „sozialistischen Realismus“ der DDR und in unmittelbarer Nähe zum sowjetischen Kommunismus.
3.        Der Reichstagsbrand in Berlin (27./28.02.1933) und die Jagd der Nazis auf Kommunisten wird für Brecht zum Feuerzeichen einer durch viele Länder führenden Flucht, die vorläufig im dänischen Svendborg (1933–1939) endet. Die chinesischen Dichter und Denker bleiben dabei auf allen Wegen für Brecht im orientierenden Blick (z.B. Me Ti und Laotse). Im Zusammenhang mit der Zerstörung Guernicas durch deutsche Kampfflugzeuge1937 entsteht auch das „Gleichnis des Buddha vom brennenden Haus“ (S. 456).
und anschließend eine Reihe weiterer Gedichte. Die bedrohlichen Zuspitzungen bis zum 2. Weltkrieg erlebt Brecht intensiv mit. Er setzt sie in produktive politisch aussagekräftige Theaterarbeit um; der Dichter wird nun mehr und mehr international wahrgenommen, übersetzt und gespielt.
4.        Welchen Buddha aber meint der epische Dramatiker? Frühe Spuren im Blick auf das „Nirwana“ lassen sich seit 1903 entdecken und über die Lektüre des Buddha-Buches von Fritz Mauthner (1913) und eigenwilliger Kulturenbegegnung mit dem japanischen (aristokratischen) No-Theater weiterverfolgen. Die Veränderungen der ursprünglichen Fassungen zeigt Kuschel an den Fassungen von Brechts „Jasager“ und „Neinsager“. Es sind Lehrstücke verpasster Interkulturalität, bedingt durch seine ideologischen Prämissen (S. 504).
5.        Mit dem Gleichnis vom brennenden Haus kommt Kuschel ins Zentrum seiner Brecht-Analyse – gewissermaßen der entscheidende hermeneutische Schlüssel. Der Literaturwissenschaftler bringt es auf den Punkt: „Nicht Buddha als Religionsstifter interessiert den Stückeschreiber, nicht Buddhismus als >Religion<, sondern Buddha als Lehrer einer lebenspraktischen und verhaltensorientierten Weisheit, als glaubwürdige Verkörperung seiner Lehre“(S. 536).
6.        Eine ähnliche Tendenz sieht Kuschel bei der Aufnahme taoistischen Gedankenguts durch Bert Brecht Im Kontext intellektueller Rückgriffe auf den Taoismus nach dem 1. Weltkrieg. Hier wird Jesus zur Laotse-Figur (S. 542), ehe eine Reihe von Versuchen zum Tao te king erfolgen. Sie erhalten 1938 eine politische Wendung im Gedicht „Fall Laotse“ (S. 555), die sich schon „Im Dickicht der Städte“ (1923) ausmachen lässt. Kuschel verweist in diesem Zusammenhang noch auf die politischen Zuspitzungen im „Lied vom Fluß der Dinge“ und in der „Ballade vom Wasserrad“, um schließlich auf den entscheidenden Punkt im Laotse-Gedicht zu kommen:
7.        „Das Harte unterliegt“ schreibt er im Kontext der zunehmenden Unsicherheit im dänischen Exil (S. 569ff). So wird Laotse für Brecht zum Ur-Emigranten und einige der Keuner-Geschichten gegen die Gewalt machen das besonders deutlich – bis hin zur Begegnung des Brechtschen Laotse mit dem Zöllner (S. 591–600). Über das Element des Wassers im Tao Te King bietet sich für Brecht sogar die Möglichkeit, Laotse mit Lenin geistig zu verbinden. So gehören für ihn Nachgiebigkeit und Solidarität zur Herstellung eines entsprechenden friedevollen Zustandes gleichermaßen zusammen.
8.        Brechts Laotse-Gedicht hat für viele aus Nazi-Deutschland Vertriebene große Wirkung gezeigt. Das gilt besonders für Walter Benjamin und seinen (persönlichen) Begegnungen mit Brecht – besonders in Svendborg, dem dänischen Exil. Benjamins Laotse-Kommentar (1939) wirkt wie eine Antwort darauf. Aber auch Hannah Arendt sieht im Laotse-Gedicht extremen Trost (S. 626f). Walter Benjamin jedoch erreicht nicht mehr die USA. Er setzt seinem Leben 1940 an der französisch-spanischen Grenze ein Ende.
9.        Mit Buddha und Laotse in den Kalendergschichten (1949) endet Kuschels umfangreiche Reise durch die geistige Welt Brechts, Texte im Sinne einer „kritischen Erledigung der Vergangenheit“ (S. 646).
Im Epilog hebt der Autor den entscheidenden Vergleichspunkt von Hesse und Brecht heraus: Das weiche Wasser bricht den Stein“. Beide Dichter flechten in ihre Kunst zeitkritische Grunderfahrungen ein, die besonders mit den Nachwirkungen des 1. Weltkriegs, mit der Etablierung des Kommunismus in Russland und des Faschismus in Deutschland, Italien, Spanien und Japan zu tun haben. So sagt Hesse religionskritisch dem (missionarischen) Herrschaftsanspruch des „weißen Mannes“ und jeglichem religiösen Absolutheitsanspruch ab. (S. 649f). Es ist zugleich die Überwindung „eines dualistisch-konfrontativen Denkens“ (S. 653). Brecht jedoch sieht sich als zeitkritischer Lyriker und Theaterreformer, der den “Gebrauchswert dieser uralten Traditionen [Asiens] für seine eigene „Bühne“ nutzt. Religion im Sinne von Verführung zur Irrationalität lehnt er ab und glaubt doch an die Verantwortung des Menschen und eine Weltveränderung im Sinne des dialektischen Materialismus (S. 657). Trotz des selektiven Umgang beider Dichter mit den großen Traditionen Asiens gelangen beide „Morgenlandfahrer“ in das Zentrum des Tao te king: Der Fluss des Geschehens im Symbol des Wassers, das den harten Stein bricht, hindert vor doktrinärer Vereinseitigung – stärker religiös relativierend bei Hesse, eindeutig politisch kritisch bei Brecht.

Bilanz
Dieses opulente Werk kann mit diesen eher kurzatmigen Einblicken nicht ausgeschöpft werden, lädt aber dazu ein, genauer auf die „Orientierungen“ der beiden Dichter zu schauen. Dazu gehören sowohl Bewegtsein von der Weisheit Asiens als auch ein kritisches Bedenken und zugleich bewusstes Einbeziehen der Wirkungsgeschichte des chinesischen und japanischen Theaters, des Buddha, der chinesischen Dichter, des Laotse und des Zen-Buddhismus in den eigenen Denk- und Lebenshorizont. Hesse und Brecht als unterschiedliche und doch gemeinsame Begleiter erinnern zugleich, wie die Kunst des Dichtens in dem nach Osten hin offenen Horizont gegenwärtiges Leben des Westens bereichert und Goethes Wort wieder wahr macht: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“.

Zusammenfassung
Beim Lesen dieses extrem umfassenden und noch dazu spannenden Werks wirkt es umso erstaunlicher, wie die geistigen Welten Indiens, Chinas und Japans für  Hermann Hesse und Bertolt Brecht gleichermaßen die Lebensorientierung der beiden Dichter prägen. Hinduistische, buddhistische, taoistische und schließlich noch Zen-buddhistische Traditionen nehmen beide – unterschiedlich selektiv – in sich auf. Aus pietistischer Umklammerung nähert sich Hesse – durchaus politisch sensibel – der Weisheit Asiens zwischen der Bhagavad Gita, dem (indischen) Buddha, Laotse und Zen. Im Endergebnis lehnt er alle religiösen Absolutheitsansprüche konsequent ab. Dagegen steht der marxistisch argumentierende und künstlerisch-politisch agierende Bert Brecht. Er ist von der Lebens-Sinnhaftigkeit des (indischen) Buddha, des Zen, chinesischer Dichter und dem von Laotse zugeschriebenen Tao te king (Daodejing) herausgefordert. Schließlich schenkt er in eigenständiger Auslegung der Weisen Asiens der machtlosen Macht sein – wohlgemerkt – kritisches Vertrauen. So entsteht episches Theater. So dichtet der ins Exil getriebene und in den Sozialismus der DDR zurückkehrende Marxist – mahnend und oft in feiner (ironischer) Differenzierung. Sein „Lernziel“: Lesende und Zuschauende müssen sich hüten, den dogmatisch-politischen Antworten zu trauen. Es ist wichtig, dass sie gesellschaftlich wach werden.
Beide Dichter tauchen in den fremden Osten ein – nicht in emotionalem Überschwall, sondern in eher nachdenkend gedämpfter Faszination! In diesem Nachsinnen wird die Begegnung zum verwandelten Eigenen. So gelingt dem dialogisch orientierten Theologen und Kulturwissenschaftler Kuschel gerade in der Gegenüberstellung von Hesse und Brecht eine Kulturenbegegnung beeindruckender Art. Die unterschiedlichen Morgenlandfahrten der beiden Dichter haben die Zusammengehörigkeit von Orient und Okzident in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensiv geprägt. Diese Begegnungen sind zugleich ein wichtiges Kapitel für interkulturelles Lernen heute, das nicht ohne Infragestellung der eigenen Positionen auskommt.

English Summary
When reading this very comprehensive and yet exciting work, it is all the more amazing how the spiritual worlds of India, China and Japan share in a similar way the orientation of both Hermann Hesse and Bertolt Brecht (for Hermann Hesse and Bertolt Brecht shape similarly the life orientation of both poets).Both poets incorporate  Hindu, Buddhist, Taoist, and  Zen Buddhist traditions – with varying degrees of selectivity. From a pietistic embrace, Hesse approaches – quite politically sensitive – the wisdom of Asia between the Bhagavad Gita, the (Indian) Buddha, Lao Tzu and Zen. In the end, he rejects consistently all religious absolute claims. On the other hand, there is the Marxist-arguing and artistical-political Bert Brecht. He is challenged by the meaning of life of the (Indian) Buddha, Zen, Chinese poets, and the Tao te king (Daodejing) ascribed to Lao Tzu. Finally, in an independent interpretation of the Asian sages gives his critical trust – nota bene – to the power of powerlessness. This is how epic theater comes into existence. In that manner the Marxist, driven into exile and returning to the socialism of the GDR, writes admonishingly and often in fine (often ironic) differentiation. His "learning target": readers and spectators must beware, that they do not trust the dogmatic-political answers. It is important that they become socially aware
Both poets submerge into the foreign East – not in emotional overflow, but in a more reflective muted fascination! In this contemplation, the encounter becomes a transformed one. Thus, the dialogue-oriented theologian and cultural scientist Kuschel succeeds in an impressive cultural encounter by the comparison between Hesse and Brecht. The different  Morgenlandfahrten  (oriental trips) of the two poets have shaped intensely the correlation  of Orient and Occident in the first half of the 20th century. These encounters are a very important chapter for intercultural learning today. This cannot be done without questioning one`s own personal positions.

English translation: Prof. Dr. mult. Manfred Kwiran, Wülperode

Vorbereitende Forschungsergebnissevon Karl Josef Kuschel für „Im Fluss der Dinge“:
·        Gottes grausamer Spaß? Heinrich Heines Leben mit der Katastrophe. Düsseldorf: Patmos 2002
·        Jesus im Spiegel der Weltliteratur. Die Bilanz eines Jahrhunderts. Originaltexte und Einführungen [1999]
Düsseldorf: Patmos 2010
·        Rilke und der Buddha. Die Geschichte eines einzigartigen Dialogs. Gütersloher Verlagshaus 2010
·        Im Ringen um den wahren Ring. Lessings „Nathan der Weise“ – eine Herausforderung an die Religionen.
Ostfildern: Patmos 2011
·        Das Weihnachten der Dichter. Originaltexte von Thomas Mann bis Reiner Kunze neu erschlossen.
Ostfildern:
 Patmos 2011 --- Rezension: hier
·        (mit Heinz-Dieter Assmann): Börsen, Banken, Spekulanten: Spiegelungen in der Literatur – Konsequenzen für Ethos, Wirtschaft und Recht. Gütersloher Verlagshaus 2011
·        Martin Buber – seine Herausforderung an das Christentum. Gütersloher Verlagshaus 2015
Rezension: hier

Zum Weiterdenken: Interreligiöses Lernen mit literarischen Texten
Welche Chancen Literaturbegegnung für das interreligiöse Lernen bieten, haben in besonderer Weise Christoph Gellner und Georg Langenhorst deutlich gemacht:
Blickwinkel öffnen. Interreligiöses Lernen mit literarischen Texten. Ostfildern: Patmos 2013
Rezension:
https://buchvorstellungen.blogspot.com/2013/06/mit-modernen-literarischen-texten.html

Reinhard Kirste

Rz-Kuschel-Hesse-Brecht, 01.08.2018



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